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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-23 · 17 (23.4.1915) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang XX1I1 Dr. Bloch's Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -- -OOC- Wie«, 23. April 1915 LrsiLetnt jeden FreLtsg. Brief-Adresse: Wie», H/1. Praterstraße 8. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien» A. kr. Postsparkassen!,rnt Siearing-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien II/i, Praterstraße 9. Oü.. - --=DÖ p DrxnKsxrri» für Sefierrrüh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene PetitzeUe 48 Heller. oO-' .-..Qo Inhalt: Leitartikel: Was dann? — Kriegsdekoratiouea jüdischer Offiziere unv Soldaten. — Rudolf Altmann. — Zwei Brüder. — Jüdische Offiziere im Kampfe in der Bocche di Cattaro. — Auszeichnung. — Heldentod eines gewesenen Präses der „Unitas". — Auf vier Kriegsschauplätzen gekämpft. — Oskar Reif. — Hauprmann Hemrich Moldauer. — Reserveleutnant Eduard Friedl. — Ein jüdischer Offizier über den Lieferungsschwindel. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Oesterreichischer Orden für einen deutschen Krieger. — Befördert. — Sonstige Auszeichnungen. — Oesterreichische Auszeichnung für deutsche Krieger. — Ermordung einer frommen Familie in Jablonow. — Der Preisträger der Toleranz-Stiftung. — Ein jüdischer Vorgänger der „Emden". — Der Jude soll tanzen. — Lord Rothschild im Privatleben. - Korrespondenzen: Jüdische Tvtmbeehalle. Der Erlaß Sr. Exzellenz des Ministers des Innern. Jahresversammlung des Vereines zur Errichtung und Erhaltung von^Horten für schulpflichtige Kinder." Eröffnung des k. u. k. Rekonvaleszentenhauses in Vorkloster T schnowitz. Ausruf. Israelitische Feldkapellen. Prag. Gewitsch. Kojetein. Oderberg Die Juden in Neutra und die galizischen Flüchtlinge, -icdron L/do Dor! Die Behandlung der Juden in der Türkei. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden in Polen während der Kosaken-,^Tataren-, Russen- und Schwedenkriege. — Literatur. — Notizen. — Briefkasten. — Inserate. Was bann? Man spricht und schreibt vom Frieden. Die Gerüchte, daß von Amerika Bestrebungen ausgehen, den Boden in Europa für die Friedensverhandlnngen vorzubereiten, wollen nicht verstummen. Es ist hier nicht der Ort, diesen Gerüchten nachzuspüren und nachzuforschen, ob sie sich auf eine reelle Grundlage stützen. Wir erwähne!: sie bloß als 'Symptom und legen dabei das Hauptgewicht darauf, daß diese Bestrebungen ihren Ursprung in Amerika haben. Denn in Amerika ist zur selben Zeit eine andere Bewegung entstanden, welche vielleicht nicht ganz ohne Zusammenhang mit den erwähnten Friedensbemühungen steht, über die aber ausführlicher zu sprechen hier der Ort und gleichzeitig auch unsere Pflicht ist. Wir meinen die Bemühungen jüdischer .Kreise hi Amerika, gewissermaßen als Vorbereitung für die europäischen Friedensverhandlungen eine jüdische Welrkonferenz zustande zu bringen, welche eine Vertretung sämtlicher jüdischen Parteien und ganz besonders der aller europäischen Länder darstellen soll. Das Hauptziel einer solchen Konferenz wäre nach Ansicht der Initiatoren, die Richtlinien festzustellen, in welchen die Behandlung der Judenfrage bei den kommenden Friedensverhandlnngen in Europa sich zu bewegen haben werde. Die Anreger einer solchen Konferenz find der festen Ueberzeugung, daß dieselbe die Macht und die Autorität besitzen würde, sich bei den seinerzeitigen Friedenskonferenzen zumindest eine beratende Stimme zu sichern. Theoretisch ist eine solche Idee gewiß nicht von vornherein abzuweisen, denn es ist gar kein Zweifel, daß durch den Krieg schon bei seiner bisherigen Ausdehnung nahezu acht Zehntel der gesamten Judenschaft der Welt in Mitleidenschaft gezogen wurden, und daß der größte Teil dieser Juden schon vor dem Kriegein politischer oder in wirtschaftlicher oder in beiden Beziehungen, in abnormalen Verhältnissen gelebt haben. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß gerade unter der Judenschaft des neutralen Amerika der Gedanke ausgetaucht ist, daß der Abschluß des Krieges und die im Gefolge desselben zu erwartende Neuregelung der polilischen Verhältnisse in Europa die günstigste Gelegenheit darbieten, in diese Regelung auch diejenige der Judenfrage einzubeziehen. Ebenso verständlich ist es, nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, daß die in Betracht kommenden jüdischen Kreise Amerikas nur dann an einen Erfolg ihrer Aktion glauben wollen, wenn es gelingt, die Vertretung der gesamten Judenschaft als Fürsprecher für diejenigen Juden zu gewinnen, um deren politische, rechlliche und wirischaftliche Existenz es sich handelt. Wer die Geschichte der Behandlung der Juvenfrage in Europa 'während des verflossenen halben Jahrhunderts genau kennt, wird mit den Führern der Bewegung in Amerika mitfühlen müssen, wenn sie den Grundsatz aufstellen, daß diesmal das Plaidoyer für die bedrückten Juden bei den Friedensverhandlnngen nur Juden, und diese nur namens der gesamten Judenschaft mit dem gebührenden Nachdruck, mit der natürlichen Wärme, aber auch ausgerüstet mit der erforderlichen Kenntnis des gesamten Materiales, würden führen können. Es ist hier übrigens auch der Platz, einen Irrtum richtigzustellen. Manchen Orts, besonders an manchen maßgebenden politischen Stellen, ist totem der Meinung, daß diese jüdische Bewegung in Amerika von einer bestimmten jüdischen Partei ausgehe. Man glaubt, sie sei einer Idee der Zionisten entsprungen. Sie wäre wohl deshalb nicht minder diskutabel, aber die Meinung ist falsch. Die Anregung zu einer jüdischen Weltkonferenz, aus welcher eine Vertretung der gesamten Judenschaft zu den Friedensvevhandlungen entsendet werden solle, entsprang den Kreisen der aus den östlichen Ländern Europas nach Amerika ausgewanderten Inden. Es sind das diejenigen Juden, welche die russische Knute, der wirtschaftliche Druck einerseits und der innere Drang nach Freiheit andererseits über das große Wasser trieben. Diese Juden empfinden es am besten, was ihren däheimgebliebenen Brüdern nottut. Sie selbst haben lange zwischen Verzweiflung und der Hoffnung auf die Hülm anität Europas geschwankt, ehe sie sich dazu entschlossen, den Staub der liebgewordenen heimatlichen Scholle abznschütteln und ins Ungewisse zu wandern, wo ihnen nichts anderes winkte als die Freiheit. Die Ver-

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