Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022159--24057-3049286- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 307 übt nur bei demjenigen ihre aromatische Wirkung, derben Sabbat hält; wer ihn nicht beobachtet, bei dem hat sie auch keine Wirkung." (Sab. 119, a.) Wer nach der Plage der Werktage, nach der durch eine Woche sich auferlegenden Beschränkung und Entsagung in den Sabbat eingcht, mit seiner paradiesischen Muhe und seiner himmlischen Stimmung, der findet die Würze der Sabbatspeise als das göttliche Ambrosia. Es ist nicht die kunstgerechte Zubereitung, nicht das kostbare Ingredienz allein, es ist der Geist der Sabbatruhe, der über der Sabbatspeise schwebt, das Vergeistigende der kabbalistischen „Neschomo jessero", das jüdische Uebermenschentum, das keinen Kummer auskommen läßt und die Seele in den himmlischen Sphären göttlicher Klänge dahinrauschen läßt. Die Sabbatspeise widerspricht doch allen sonstigen Regeln der Kochkunst in ihrer Zubereitung. Sie wird roh hergestellt und dann dem Zufall der Entwicklung überlassen; keine kunstgerechte Hand darf sich mit Beginn der Schatten der Nacht mit chr weiterhin beschäftigen, keine sorgsame Pflege darf ihr gewidmet werden, sie bleibt ein Zufallskind des Schicksals; geradeso wie der Jude selbst; sie wird auch oft, wie die Rache, kalt genossen. Der Midrasch hat dem in folgender Darstellung Ausdruck gegeben: „Rabbi Jehuda Hanassi lud einst den Kaiser Antoninus zu einer Mahlzeit am Sabbat. Man brachte kalte Speisen; der hohe Gast kostete von denselben und sie mundeten ihm ausgezeichnet. Ein anderes Mal war er wieder sein Gast, an einem Werktage, und die Speisen, die aufgetragen wurden, waren selbstverständlich warm. Da sprach Antoninus zum Rabbi: „Die Mahlzeit, die ich letzthin bei Dir abhielt, war köstlicher und mundete Mir angenehmer, als die heutige." Da antwortete der Gelehrte: „Es war eine Sabbatspeise, die hat eine besondere Würze, diese ist es, die dem heutigen Mahle abgeht." (Ber. Rabba XI.) Diele Würze durchzieht das jüdische K.Eüuw seit undenklichen Zeiten. Die Entsagung, die Beschränkung, die der Jude seit jeher in seinen Genüssen sich auserlegt, sie haben ihm die Lebenslust nicht gekürzt, sie haben sie ihm erweitert, erhöht, in dem Gedanken, er übe Gottes Gebot, er erfülle ein Religionsgesetz. Wenn es in der Bibel heißt: „Beobachtet meine Gesetze und meine Vorschriften, durch die der Mensch, wenn er sie ausübl, Leben erhält," so meint der Gelehrte Jesaias Horowitz in seinem monumentalen Werre, der Jude muß den Gesetzen erst das Leben einhauchen. Erst der Gedanke, der Geist, der starke Wille, die begeisterte Hingebung, das lodernde Feuer, mit dem er das Gebot erfüllt, gibt der Erfüllung desselben Leben; nicht daß es betätigt werde, gebe allein den Ausschlag seines Wertes und seiner Bedeutung, sondern wie es geübt wird; die Kraft der Ueberzeugung, die erhebt es zu einer ungeahnten Höhe, die sich Mit ihrem erhabenen Schwünge über alle Hindernisse, Hemmnisse und über die opservollsten Schwierigkeiten hinwegsetzt. Aus eine solche Höhe der Empfindung hebt die patriotischen Bewohner der kämpfenden Zentralmächtc die Brotkarte, die allerneueste Angriffswaffe ihrer gewissenlosen Feinde; sie wird'stumpf werden an dem festen Willen des Durchhaltens, der uns beseelt. Enttäuscht, wie bisher, mit allen ihren exzentrischen Hilfsvölkern, mir ihren exklusiven Farbenkasten an exotischem Bundesgelichter, die vor den Bastionen unserer eisernen Wehr, vor den Wällen unserer ehernen Willenskraft zusammenbrechen, wird auch die barbarische unmenschliche Angriffswafse der Feigheit, der versuchten Aushungerung der nicht zu überwindenden Recken der Heldenscharen, zusammenknicken und zu den Ruhmestiteln des Triumphes, zu den Fahnenzeichen des Sieges wird Mit nicht minderer Herrlichkeit hinausleuchten in die Welt der Zukunft - die Brotkarte der ruhmreichen Gegenwart! „Deinem eigenen Schoß entsprossen Deine Feinde." „Die blaue Küste" nennt sich eine vieraktige Albernheit, als deren verantwortlicher Autor Hans Müller zeichnet. Daß die sonst so taktvolle „Neue Wiener Bühne", die den freilich von «Presse und Publikum schlecht gelohnten Mut hatte, die Judentragödie „Ketten" zu geben, jetzt zu. einem solchen antisemitelnden Schmarren greisen muß, ist ebenso bedauerlich wie leicht zu begreifen. Der einzige Jude in diesem Machwerk ist Hochstapler, ja gemeiner Dieb, heißt Goldstone —Goldstein! Eine Frisur wird abgelehnt, weil sie „jüdisch" wäre. Herr Müller ist eben erst so kurze Zeit getauft, daß er sein Ariertum durch solche Spekulation auf die antisemitischen Instinkte der niedersten Masse glaubhaft machen muß. Welche sinnlose Geschmacklosigkeit? Ein gutes Stück kann solche Rüpeleien entbehren, einem schlechten Helsen sie nicht aus die Beine. Es ist aber nun doch hohe Zeit, daß irgend eine jüdische Körperschaft, wie dies in Amerika längst mit bestem Erfolg geschehen ist, gegen solche planmäßige Verhetzung des Volkes energisch Stellung nehme. Wäre dies etwa in Berlin, zumal jetzt, auch möglich? Wo bleibt der Burgfriede? Wir rufen nicht nach der Polizei, sondern nach jüdischer Selbstachtung! Der Direktion der „Neuen Wiener Bühne" empfehlen wir dringend, diese Antisemiteleien dch Autors zu streichen. Das glänzende Spiel des Frl. Roland verdiente diese Beeinträchtigungen wahtrlich nicht. Dem Herrn Autor bleibt es unbenommen, als Mitarbeiter unserer Tagesblätter in deren Spalten sich auszutoben. Kriefkaste«. Zahlreichen Einsendern. Mitteilungen zu spät eingelangt und für nächste Nummer zurückgelegt. ■ otiz»,,. Wiener Versicherungsgesellschaft. Kundmachung. Unter dem Vorsitze des Verwaltungsratspräsidenten Herrn Paul Ritter v. Schoeller hat diese Gesellschaft am 12. d. M. ihre oierunddreißigste ordentliche Generalversammlung abgehalten. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Gesellschaft naturgemäß von dem ungünstigen Einfluß des nun schon seit vielen Monaten ungeschwächt andauernden Weltkrieges auch nicht verschont geblieben ist und namentlich in der Prämieneinnahme, gegenüber jener des vorangegangenen Jahres, eine wesentliche Einbuße erlitten hat. Ungeachtet der herrschenden schweren wirtschaftlichen Depression ist die Gesellschaft dennoch in der Lage, nach ausgiebiger Dotierung aller Reserven, ein befriedigendes Ergebnis auszuweisen. In der Feuerversicherungsbranche wurden Werte im Belaufe von 2.104,600 200 Kr. versichert und eine Prämieneinnahme von 13,728.452 Kr. erzielt, von welcher nach Kürzung der abgegebenen Rückversicherungen für eigene Rechnung 6,554.554 Kr. verblieben. Zuzüglich der im Jahre 1914 vereinnahmten Polizzengebühren bezifferte sich die Prämieneinnahme für eigene Rechnung auf 6,714.439 Kr. Dagegen betrugen nach Kürzung der vereinnahmten Schadenanteile von den Rückversicherern die für eigene Rechnung bezahlten Schäden 4,:?j.l52 Kr In der Transportversicherungsbranche wurden nach i'.inm Versicherungswert von 31,520.756 Kronen zuzüglich der Kicengebühren 460.060 Kr. vereinnahmt. An Rückversicheren:n wurden verausgabt 303.113 Kronen. Die bezahlten Schäoc.: erforderten nach Abzug der Rückversicherungsanteile 68.503 Kr. Die Versicherungssumme in der Hagelversicherungsbranche betrug 34,230.615 Kr., die Prämieneinnahme nach Kürzung der abgegebenen Rückversicherung 642.786 Kronen, während die für eigene Rechnung bezahlten Schäden sich aus 588.868 Kr. beliefen. Das Portefeuille der in späteren Jahren fälligen Prämienscheine beziffert sich am Ende des Jahres 1914 auf 35,320.712 Kr. Die Fonds der Gesellschaft betrugen mit Schluß des Jahres 1914 10,918.496 Kr. und erscheinen durchwegs in erstklassigen Werten placiert. Nach Erteilung des Absolutoriums