Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 306 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 16 herzlichsten Dank der israel. Institution für die großartige Verköstigung, die ihnen an den acht Osterfeiertagen zuteil wurde. Speziellen Dank jedoch den .Herren: Vorstand Max Stößl, Rabbiner Glaser, E. L i l i a n, Braun und L u st i g, E. W e i s b u r g und deren liebenswürdigen Damen, die in aufopferndster Weise sich dieser schönen Sache widmeten. Agram, 12. April. Der bei der Belgrader aschkenasischcn (Gemeinde angestellte, nach Oesterreich zuständige Rabbiner Herr I. Schlang weilte vor Ausbruch des Krieges in einem österreichischen Kurorte und konnte demzufolge nach der Kriegserklärung an Serbien nicht mehr über die Grenze Er domizilierte bichang in Agram, während seine Frau und seine 3 Söhne in Risch lebten. Dieser Tage erhielt der genannte, infolge seiner Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Bescheidenheit hier allgemein beliebte Rabbiner -die traurige Nachricht, daß seine als seltene Philantrvpin und fesches chajil" bekannte Gattin der dortigen Epidemie erlegen ist Wenn geteilter Schmerz wirklich halber Schmerz ist, so wird Herr Rabbiner Schlang in der Teilnahme der großen Agramer Gemeinde an seinem, mit Worten nicht zu schildernden Unglücke Linderung finden. Verleihung des Komponfflrnstaatspreifts. Der Unterrichtsminister hat den ausgeschriebenen Smatspreis von 1000 Kronen für Kompositionsschüler österreichischer Musiklehranstalren dem Schüler der k. k. Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien Heinrich Löwy-Hartmann (Pros. Schreker), dem Sohne des Wiener Publizisten Siegst. L ö w y, für ein Klavierquintett (G-Dur) verliehen. Mähr.-Ostrau. (Seltene Anerkennung einer S ch r i f t w i d m u n g.) Seitens der Kammervorstehung Seiner k. u. k. Hoheit des Erzherzogs Eugen ist an den Herrn Dr. R. Fa erb er, hier, folgendes Schreiben ergangen : „Euer Hochwohlgeboren! Seine k. u. k. Hoheit der hochwürdigst durchlauchtigste Herr Erzherzog Eugen haben die Höchstdemselben sreuitdlichst unterbreitete Druckschrift, „Unser Kaiser, ein Sendbote Gottes," mit bestem Dank der höchsten Annahme gewürdigt und für den mit der Herausgabe verbundenen patriotischen Zweck den zuliegenden Betrag voir Kronen 40.— gnädigst zu spenden geruht. Wien, den 22. März 1915. Im höchsten Austrage: (Unterschrift.)" Im Anschlüsse hieran teilt uns Herr Dr. F a e r b e r mit, daß er demnächst über den Erlös seines Buches „Unser Kaiser" unter namentlicher Anführung aller jener Wohltäter, die Ueberzahlungen leisten, sowie unter Nennung des patriotischen Zweckes, welchem der Reinertrag zugedacht ist, öffentlich) Rechnung legen wird. Feuilleton. Die Krolkarte. Bon Oberrabbiner W. Reich in Baden bei Wien. Kein Präzedens geht ihr in der Weltgeschichte voran; in keiner Sprache der polyglotten Menschheit hat sie eine Vorgängerin; sie ragt, wie der Turm des Ugol i n o, als Monument der Zeiten Schande aus dem allerneuesten Arsenal der modernen Kampfmethode des perfiden AlbioN hervor, das sich in seinem insularen Versteck vor den kriegerischen Pfeilen feige verkriecht und, anstatt mit Schwert und Lanze dem Gegner mit offenem Visier sich zu stellen, mit den vergifteten Dolchen der List ihn aus dem Hinterhalt bedroht. Die Entschuldigung, die sonst selbst dem Duell, lvie in weiterer Folge dem Kriege zwischen Völkern innewohnt, die selbst vor Gottes Thron und vor der Moral der Menschheir gelten konnte, und die darin gipfelt, daß von den sich bekämpfenden Gegnern jeder sein eigenes Leben einsetzt, — die jedem Kampfe den ritterlichen Glanz verleiht, den chevaleresken Mut, die abenteuerliche Romantik, — die selbst dem offen austretenden Räuber, dem minderwertig erscheinenden Diebsgelichter gegenüber manchmal zur Verherrlichung in dem phantastisch tutgeregten Gemüt zu dienen vermag, — selbst diese vor der höheren Moral der Menschheit verschwindende Schminke haben unsere Feinde in diesem! bestialischen Weltkriege mir der Nahrungssperre von 120 Millionen Menschen, mir ihren Frauen, Kindern, Greisen und Kranken, in einen unauslöschlichen Fleck des Barbarentums umgewandelt. Das Piratentum der Seeherrschaft als ausschlaggebende Waffe im Kampfe zu benützen, dessen Endziel das Niederringen des Gegners durch Nahrungsentziehung herbeigefichrt werden soll, weil in der offenen Feldschlacht kein Sieg zu erringen ist, stimmt ganz zu dem Söldnerheere, welches es aufbietet, bei welchem das Blut des Bürgers mit den silbernen Kugeln des Mammons feige erkauft wird. Die Brotkarte, zu welcher der Gegner als einzigem Schutz gegen solche gemeine Kriegsmethode gezwungen wird, die ein Zeichen der Entsagung von Genüssen zur Verteidigung des Vaterlandes ist, bleibt für ewige Zeiten ein Attest der Feigheit und der Niedertracht für jene höllischen Ränkeschmiede, die sich solche Angriffswaffen ausgetüftelt haben; wie sie zugleich eine Ehrenkarte bildet für jene Völker, die sich in patriotischer Begeisterung ih!r hingebungsvoll und ohne Murren unterwerfen. Der Deuffche erinnert sich seines Dichters, der ihn lehrte: „Mit vielem läßt sich schmausen, mit wenig läßt sich Hausen; daß wenig vieles sei, schafft nur die Luft herbei." Also spracht der Urgermane Goethe. Das ist das beste Rezept des deutschen Kriegskochbuches. Die Lust wird bei jedem Bissen des Kriegsbrotes gesteigert in dem erhebenden Gedanken, es wird genossen zur Verteidigung der heiligsten Güter der Nation; die Beschränkung im Genüsse wird zur höchsten Würze. Dieser Gedanke ist aber noch mehr dein Juden angeboren; er ist ihm seit Jahrtausenden anerzogen in seiner Religion, die sich seit jeher auf seinen Speisezettel in minutiösester Weise erstrecke. Selbst dem Apostaten Heine blieb noch die Würze in Erinnerung, die dem jüdischen Kochbuch innewohnt. Er besingt es in der „Prinzessin Sabbat". Es sind die bekannten Verse: „Schalet, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, also klänge Schillers Hochlied, hart' er Schalet je gekostet." ' ' Versteht sich, der innere moralische Kern der Sabbatspeise, die so köstlich mundet,- war ihm schon fremd geworden, denn den erfaßt nur derjenigeder den religiösen Gedanken erfaßt, auf welchem sich die Sabbatwonne aufbaut. Er findet sich parabolisch in eiuer Talmudstelle wiedergegeben. Ein Kaiser frug den Gelehrten Rabbi Jehoschua Sohn Chananjas, der am römischen Hofe verkehrte: „Worin bestcht die Würze, die der so bekannten Sabbatspeise eigentümlich ist?" Und der Gelehrte antwortete ihm: „Wir haben eine Gewürzart, die wir derselben beigeben, die solch angenehmen Duft verbreitet."^ Darauf entgegnete der Kaiser: „Gib auch mir von dieser Würze!" Und der Gelehrte sprach: „Wisse, diese-Würze