Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 300 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 16 gezogenen jüdischen Damen bieten wohl Bürgschaft dafür, daß der interkonfessionelle Charakter nicht allein beim Anwerben von Patinnen, sondern auch bei der Berücksichtigung von Patenkindern streng gewahrt bleibe. Ohne jede Unterscheidung nach Konfession, Nationalität, Legitimität, Zuständigkeit usw. sollen Kinder armer Mütter zugelassen werden. Für jede Patenschaft sind monatlich 12 Kronen zu zahlen. Es können sich beliebig viele Personen an diesem Beitrag beteiligen. Außerdem werden Spenden angenommen. Die Zweigvereine in den einzelnen Bezirken dürsten in allernächster Zeit mit verschiedenen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit treten. Auch die Redaktion dieses Blattes ist bereit, Anmeldungen zu vermitteln. Es sei zum Schlüsse betont, daß es sich nicht nur um Kinder von Soldaten, sondern ebenso von Kriegsflüchtlingeit, überhaupt von Armen handelt. 1000 Dollar-Spende der österreichisch-ungarischen Zionisten Newports für jüdische Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Die österr.-ungar. Zionisten in Newyork haben zur Linderung der Nor der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien urrd der Bukowina über Intervention der Herren Red. Frostig, Adolf Stand und Ob.-Jng. Stricker den Betrag von 1000 Dollar (Kr. 5500.—) gesammelt und an die Adresse der Obgenannten eingesendet. Diese Gelder wurden laut Beschluß des „Exekutivkomstees der Zionisten Oesterreichs" in der Weise verwertdet, daß durch das Bureau der Hilfsaktion anläßlich Her Pessachfeiertage ‘2500 Kronen an jüdische Flüchtlinge aus Galizien, 500 Kronen an solche aus der B u k o w i n a verteilt wurden. Weitere 1000 Kronen wurden für jüdische Flüchtlinge aus der Bukowina bestimmt und der Rest von 1500 Kronen dem „Zionistischen Zentralkomitee für W.-Oe. -Hilfsaktion für-die Flüchtlinge au§ Galizien und der Bukowina" überwiesen. Hausherren, wie sie sein sollen. Wien, am 10. April 1915. Löbliche Redaktion! In Ihrer letzter: Ausgabe lese ich einen Artikel über Hausherren. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, rvenn Sie unter den Hausherren auch Herrn R. O. Weil anführen würden, der zu nuferer Ausspeisung seit sechs Monaten kostenlos zwei große Lokale zur Verfügung beistellt. Außerdem noch, so oft er unsere Flüchtlingsausspeisung (Dr. Gustav Koh'n, II., Rotensterng. Nr. 23), besucht, jedesmal die Armen beschenkt. K. Löbl. Redaktion! Der bei der Kultusgemeinde Bifenz feit drei Jahren angestellte Kantor I e l e n k o ist seit Beginn des Krieges zur aktiven Dienstleistung eingerückt. Vor einigen Tagen wurde ihm pro Mai gekündigt. Dieses Vorgehen einer so wohlhabenden Kultusgemeinde bedarf wohl keines weiteren Kommentars, als daß man es öffentlich bekannt macht.; Ich bitte daher um Veröffentlichung dieser Zeilen. Mit vorzüglicher Hochachtung Prof. Ernst Vogel, dzt. k. k. Oberleutnant im Res.-Spital * Bisenz. Bisenz, am 10. April 1915. Ein Besuch im Heim für Flüchtlingskinder Jägerstrahe 30. Möhr als 600 arme Flüchtlingskinder sind in diesem Heim untergebracht; trotz der großen Zahl keine Ueberfüllung. Höhe, luftige, geräumige Säle, in denen eine behagliche Wärme herrscht, dienen den Kindern als Aufenthalt. Sie sitzen, nett und sauber gekleidet, auf Bä::ken, wie in der Schule, haben auf den Tischen ihr Spielzeug, ihre Bücher, Tafeln vor sich, machen den Eindruck, daß sie sich hier, betreut von liebevollen .Komiteedamen, Pflegerinnen, Kindergärtnerinnen, sehr wohl befinden. Ich sehe und staune. Dieses schöne, nach allen Regeln der Hygieneeingerichtete Heim haben edle Frauen den Flüchtlingskindern geschaffen. Eine Vorftandsdame führt mich durch die Räume im Parterre und im ersten Stock. Ueberall ist alles den Bedürfnissen der Kinder augepaßt, überall größte Ordnung, Reinlichkeit, hinter den Spielsälen lange Korridore, in denen an Kleiderständen die 600 Mäntel und Hüte der Kinder nach Nummern aufgehängt sind, seitwärts ein großer Baderaum mit sechs Wannen, im Parterre das Zimmer des Arztes, den ich eben dabei siche, die Kinder zu impfen, andere zu untersuchen, ob üe vor einigen Tagen geimpften schon Pusteln haben. In langen Rechen stehen die Kleinen mit entblößten Armen, geduldig wartend, bis auch an sie die Reihe kommt. Alle tragen gleich nette blauweiße Schürzen, die Uniform des Flüchtlingsheims. Frau Dr. D., die mich führte, öffnet einige Kästen. In denselben liegen in musterhafter Ordnung dutzendweis allerhand Wäschegegenstände, Kleider, Strümpfe, „alles neu angeschafft", wie sie mit gerechtem Stolze sagt. Ja, die Komiteedamen haben ein schweres Stück Arbeit bewältigt. Es war sicher nicht leicht, diese Räume, in denen es sogar an Blumen nicht fehlt, an freundlichen Inschriften, wie „Grüß Dich Gott", „Willkönrmen" usw., für so viele Hundert einzurichten. ' In der Küche sehe ich riesengroße Kessel, in denen gerade jetzt — es ist Frühstückszeit — Milch gekocht wird. Im Wirtschaftsraum eine Anzahl Brote, Gemüse, Butter, Käse. Alles reichlich und bester Qualität. Junge Damen in der schmucken Tracht der Pflegerinnen sind eifrig bemüht, die Kinder zu unterhalten, zu belehren. In einem Saal ist Rechenftunde, im anderen wird gerade gejzeichnet, im dritten höre ich ein sechsjähriges hübsches Mädchen, das Man auf einen Sessel gestellt hat, ein Gedicht aufsagen. Auf meine Frage, bei wem es das gelernt, antwortet es, auf die junge Dante zeigend, der die Kinder dieses Saales anvertraut sind: „Bei der guten Tante!" Ja, diese guten Tanten! Sie verdienen das höchste Lob! Wie trefflich verstehen sie unter diesen 600 Kindern die Disziplin zu halten, sie zu beschäftigen, den armen Kleinen ihr trauriges Los vergessen zu machen. In diesen Räumen, die ein echter Tempel der Humanität genannt werden können, weiß man nichts vom Flüchtlingselend. Für diese Sechshundert ist dreimal täglich der Tisch gedeckt, edle Frauen vertreten Mutterstelle an ihüen, und kommt abends die eigene Mutter, sie heim zu holen, so erzählen sie gewiß von den guten Tanten, die so lieb mit Wien sind, sie alles Unglück dieser schweren Zeit vergessen lassen. Wie manche Mutter klagt, daß sie nervös wird, wenn sie bei ihren zwei oder drei Kindern tagsüber verbleiben soll, und hier sieht man junge Mädchen, die Vor der Kriegszeit nur schöngeistige Bücher gelesen oder Sonaten gespielt, ihres Amtes walten, als seien sie geschulte Erziehlerinnen. Sie werden nicht nervös, leisten in ihrer Art Kriegsdienste, die gewürdigt zu werden verdienen.