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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-16 · 16 (16.4.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 16 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 299 Korrespondenzen. Zmn Heimgang des Lord Rothschild. Anläßlich des Todes des Chefs des Londoner Hauses Rothschild richtete der „Verein zur Abwehrdes A n t is e m i t i s m u s" nachstehendes Beileidsschreiben an den Chef des Wiener Hauses: Hochzuverehrender Herr Baron! Abermals hat der unerbittliche Würgengel sein Opfer aus jener großen Familie geholt, der wir — im Gegensatz zu so vielen Mächtigen der Erde, — nur Werke des Friedens und Gedeihens, und zwar nicht nur in unserem Weltteile verdanken. Jnsbesonders ist es unser Vaterland, das seinen Auffchwung wesentlich auf das mutige Eingreifen und den Scharfblick derer von Rothschild zurückzuführen sich bemüßigt fühlt, die hauptsächlich hier durch die Gründung der ersten Lokomotiv-Eisenbahn hohe kulturelle Erfolge erzielten und hiedurch allein eine ganz neue Aera wirtschaftlichen Gedeihens und Blühens inaugurierten. Allein nicht nur auf diesem ^weltumspannenden^Gebiete sind wir den erleuchteten Trägern dieses auf der ganzen Erde wohlbekannten Namens zu unvergänglichem Danke verpflichtet: speziell unser Verein hat einen ganz^eigenen Anlaß, die Anerkennung und damit zugleich seine Trauer über den unersetzlichen Verlust auszusprechen. Es bildet dies das unentwegte Festhalten an der hohen Mission des Judentums inmitten der dagegen anstürmenden Brandung des giftigsten Hasses. Und da erfüllt uns mit Begeisterung, ja Bewunderung die so wirkungsvolle Tat des leider zu früh Heimgegangenen, die derselbe von London aus im Oktober 1913 gegen das blutrünstige Wüten moskowitischer Hetzer unternahm. Umso höher schätzen wir diesen Schlag, als er direkt gegen die Urquelle gerichtet war, von der aus ewig und unermüdlich alle Feindseligkeiten unter religiösem Deckmantel entspringen. Gleich wie wir am 8. November 1913 dem verblichenen Lord Rothschild unsere freudige Genugtung darüber ausdrückten, daß es seiner weitausgreifenden Aktion gelungen war, die Lüge des Ritualmordes durch ein authentisches Zeugnis ' des Papstes Innozenz IV. aus dem Jahre 1247 im Wege eines Gutachtens durch Papst Clemens XIV. (Ganganelli), somit durch den heiligen Stuhl selbst, als solche, beziehungsweise als böswillige Erfindung festgestellt zu haben, so drängt es uns nun, auch Ew. Hochwohlgeboren gegenüber im Gedenken an diese unvergeßliche Handlung unsere auftichtige Teilnahme zum Ausdruck zu bringen, mit der Bitte, sich der Unwandelbarkeit unserer steten Dankbarkeit versichert halten zu wollen. Möge diese Kundgebung, die zugleich eine aufrichtige Verehrung für die aller und jeder Kultur zugrunde liegenden ethischen Lehren Mosis beinhaltet, dazu beitragen, den Schmerz über den unersetzlichen Verlust, den Ew. Hochwohlgeboren und das ganze verehrte Haus Rothschild erlitten, zu lindern. In größter Hochachtung Tantsagung an dir „Weibliche Fürsorge". Zu all den Sorgen, welche die armen jüdischen Flüchtlinge drücken, als: Heimweh, Sehnsucht nach ihren in Galizien und der Bukowina zurückgebliebenen Verwandten, Ungewißheit über die Zukunft u. dg6, gesellte sich auch noch die Sorge, was sie am Pessachtage essen würden, da die Mazzes, die ohnehin schlecht nähren, wie die anderen Lebensmittel, die man am Pessachfeste genießen darf, enoimi teuer sind. Das Gros der jüdischen Flüchtlinge ist gesetzestreu und würde am erwähnten Feste kein Chomez (gesäuertes Brot) essen, wenn es auch hungern müßte. Die gefetzestreuen Juden standen sonach vor einem Dilemma: entweder das religiöse Gebot übertreten oder verringern. Da kam die Erlösung — von seiten der Damen der besten Wiener Gesellschaft. Der Verband der „Weiblichen Fürsorge" veranstaltete über Anregung und unter Leitung der Frau Rabbiner G r ir n - wald eine Sammelaktion .für Kartoffelverteilung. Die gesammelten Gelder ermöglichten dem Verbände, ein Quantum von 360.600 Kilogramm Kartoffeln an die Flüchtlinge zur Verteilung zu bringen. Die "Größe dieser Wohltat kann nur derjenige wüv digen, der sie empfing. Wir fühlen uns nun veranlaßt, den edlen Woh! tärerinnen für ihre menschlich schöne Tat im Namen der vielen Tausende u n t e r st ü tz u n g s b e dürftiger Flüchtlinge wärmftens zu danken. Auch dem Armenrat Herrn Josef Brenner, der an der erwähnten Hilfsaktion hervorragend mitgewirkt hat, und allen übrigen beteiligten Herren und Damen sprechen wir unfern Dank aus. Der Herr Armenrat Brenner ist der Leiter der Ausspeisesektion der Zentrale der Für sorge für die Flüchtlinge, wo dank seiner energischen, aber korrekten Leitung eine mustergiltige Ordnung herrscht. Dieser Mann widmet sich seinem ..Berufe", für den er so viele Qualitäten mitbrachte, feit mehr als acht Monaten mit außerordentlichem Eifer und unverwüstlicher Arbeitskraft. In eben dem Maße wie er das Unrecht verpönt, tritt er für das Recht der Flücht linge ein. Auch in Fällen, die außerhalb seines Wir kungskreises liegen, wenden sich manche Flüchtlinge an ihn um Rat und Hilfe und viele haben seiner Generosität manchen guten Dienst zu verdanken. Wien, den 11. April 1915. Ehaim H. T h u in i m, Rabb.-Assesfor der israel. Kultusgemeinde in Kolomea. Joses Ebner, Buchdruckereibesitzer aus Lemberg. Israel Rubin, Rabbiner aus Baligrod. David Frankel, Rabbiner aus Nepolokoutz (Bukowina). Für die Kartoffel-PeMchattion der „Weiblichen Fürsorge" sind noch bei uns folgende Spenden eingetroffen, für die wir bestens danken: 40 Kr.: N. N. aus Wbazia: 30 Kr.: Frau Henriette Stein; je 20 Kr.: Frau Natalie v. Gold sch m i d t, Herr Ignaz Gewitsch; 8 Mark: Dr. Bo h m (Hamburgs; je 10 Kr.: Frau Jenny Baumgarten, Herren Rabbiner Prof. Dr. Bloch (Posen), Ernst Beck (Karlo witz), Jos. S ch a l l m a n n, Ludw. S ch ö n m a n n, iEduard R e i k, Ignaz Grünwald (Floridsdorfs, Moritz W e i ß; Sammlung Frau Camilla Händler: 9.40 Kr.: 5 Kr.: Frau Auguste F r i e d- M a n n; 3 Kr.: Herr Julius Z i r n e r; 2 Kr.: Frau Auguste Eißler, Cäcilie Siebe nschein und N. N.; 1 Kr. Herren Moriz Engel, Gottfried Eißler. Kommerzialrat Leopold Müller, Dr. Siegfried Groß. Frauen Johanna Eiben schütz, Fanny L i e b m a n n. Früherer Ausweis, 22.493 Kr. 35 Heller, und 547 Mk., hierzu 152 Kr. 40 Heller gleich 22.655 Kr. 75 Heller und 555 Mark. Krirgspalenfchaft. . Herr Kultusvorsteher Max Z i r n e r hat sich bereits in derselben Angelegenhieit an unsere Redaktion mit einem Briefe gewendet, in dem er seinem Befremden darüber Ausdruck verleiht, daß sich diese Wohltätigkeitsaktion bisher so wenig auf jüdische Kinder erstreckt. Der Grund ist einfach darin zu suchen, daß, ähnlich wie das Rote Kreuz, so auch dieses Unternehmen erst jetzt begonnen hat, in den einzelnen Bezirken Gruppen zu bilden und dadurch Interesse und Verständnis für den Gegenstand in weitere Kreise zu tragen. Die zur Mitarbeit heran-

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