Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloch s Wochenschrift Seite M Verderben ausgesetzte Etzwaren sind natürlich ausgeschlossen. Es kommen vorwiegend in Betracht Schokolade, Caces, Zigaretten, Seife. Außerdem schon gelesene jüdische Zeitschriften. Obgenannte Gegenstände müssen als Muster ohne Wert, Zeitungen als Drucksache an die Adresse Dr. Maser Tauber, k. k. Feldrabbiner, 106. Jnfanrerie-Truppen- Division, abgesendet werden. Die Sendung soll den Namen des Aufgebers auf der Adreßseire tragen und 350 Gramm nicht überschreiten. Wem die Versendung persönlich Schwierigkeiten verursacht, der wolle seine Spende an Frau Rabbiner Dr. Margarethe Grunw a l d, Wien, 2. Bezirk, Ferdinandsstraße 23, übersenden, die so freundlich sein wird, das weitere zu veranlassen. Im Falle zahlreichere Spenden, würden dann auch an andere Feldrabbiner Liebesgaben zur Versendung gelangen. Jakob B. Die galizischen Flüchtlinge in Ungarn. Die »Allgemeine Jüdische Zeitung« in Budapest veröfftntlicht höchst merkwürdige Schilderungen über die Art und Weise, wie die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien in unserer transleithanischen Reichshälfte behandelt werden. Da diese Artikel von der Zensur unbeanstandet blieben und auch in Wien bereits publiziert sind, sollen sie auch zur Kenntnis unserer Leser gebracht werden. Massenverhaftungen. »In Furcht und Angst haben die in Budapest befindlichen galizischen Flüchtlinge die ersten Pessachtage verbracht. Am Tage vor den Ostern wurden nämlich zahlreiche Flüchtlinge teils auf Marktplätzen, teils in den Straßen verhaftet. Als Vorwand dieses ungeheuerlichen Vorgehens diente die Verdächtigung, daß sie Lebensmittel zusammenkaufen, um d:eselben wieder teurer zu verkaufen. In Wirklichkeit aber genügte der Ankauf von 2 Hennen oder 2 kleinen Fischen oder 50 Eiern, in manchen Fällen auch der Ankauf einer Weste oder eines, Paares Schuhe, damit die Betreffenden zuerst ins Pblizei-Gefangenhaus und dann ins Schubhaus abgeführt werden. Schließlich wurden aber die Leute auch ohne jeden Grund von Wachmännern auf der Straße angehalten und verhaftet. In der orthodoxen Synagoge spielte sich beim Abendgebet eine sehr tragische Szene ab. Nach Schluß des Gebetes erhob ein Flüchtling ein furchtbares Geschrei und rief, daß 36 Flüchtlinge im Schubhaus festgehalten werden, die gesamte jüdische Gemeinde dürfe nicht früher zum Seder gehen, ehe man die Enthaftung dieser Unschuldigen erwirkt habe. Seitens des Gemeinde-Vorstandes wurde hierauf erklärt, daß sowohl dieser, als auch der Präsident Frankl diesbezüglich interveniert haben, aber leider ohne Erfolg. Man hat daher diesen Armen Pessach-Nahrungsmittel, und zwar Mazzes, Fleisch und Wein geschickt. — Endlich wurden am Dienstag, den 30. März, 24 Personen aus der Haft entlassen, dafür aber wieder andere, die gewiß an diesem Tage (dem ersten Pessachtag) nichts gekauft hatten, verhaftet. Als dies allgemein bekannt wurde, bemächtigte sich der Flüchtlinge eine furchtbare Panik, sie wagten sich nicht auf die Straße, und nicht einmal zum Gebet. Soeben (2. April, Anmerkung der Redaktion) war bei uns ein Flüchtling, der bitterlich weinte und erzählte, er sei am Tage vor Pessach bloß deshalb verhaftet worden, weil er eine Frau auf der Straße fragte, ob sie ihm die 2 Hennen, die sie trug, verkaufen wollte. Erst über Intervention eines Advokaten und nach Deponierung einer Kaution von K 800.— wurde er aus der Haft entlassen. Er wird jedoch samt Familie nach Böhmen abgeschoben.« Ein Transport nach Ung.-Hradis:h. »Einen noch traurigeren Pessach hatte eine Gruppe von 300 Flüchtlingen, welche von Großwardein nach Ungarisch- Hradisch verschickt wurde. Dieselben verbrachten beide Feiertage im Eisenbahnwagen ohne jede Feierlagsverköstigung. Die Bemühungen der Redaktion (der obgenannten Zeitung), auf telegraphischem Wege zuerst die Preßburger Judengemeinde zu veranlassen, daß sie den armen Flüchtlingen Mazzes gebe, scheiterten daran, daß die Gemeinde erklärte, selbst keine überflüssigen Mazzes zu haben. Ein weiterer Versuch, die Flüchtlinge anläßlich ihrer Durchreise über Pistyan zu verköstigen, war vegerblich, da der Zug über Marchegg dirigiert wurde. Ob/diese Leute bei ihrer Ankunft in Ungarisch-Hra lisch noch Mazzes erhalten, ist bei der derzeitigen Knappheit ebenfalls noch fraglich.« Pessach im Eisenbahnwagen. „Am Nachmittag vor Pessach passierte Budapest ein Zug mit 600 Flüchtlingen. Diese wurden wenigstens am Bahnhof vom Hilfskomitee mit Lebensmitteln, wie Mazzes und Selchwaren versehen. Diese beiden Transporte bestanden teils aus solchen galizischen Flüchtlingen, die bereits in ungarischen Provinzstädten weilten, teils aus solchen, die erst in letzter Zeit von ihren galizischen Wohnorten nach Ungarn geflüchtet waren.11 Abschiebung aus Ungarn. Wie diesem Blatte aus amtlicher Quelle mitgeteilt wird, werden alle galizischen Flüchtlinge aus Ungarn nach Beendigung der Osterfeiertage nach Oesterreich abgeschöben werden. Eine bezügliche Verordnung des ungarischen Ministeriums des Innern ist bereits an alle Munizipien ergangen. Diese Maßregel sei darauf zurückzuführen, daß seitens der österreichischen Regierung beschlossen wurde, den in Ungarn sich aufhaltenden galizischen Flüchtlingen keine staatliche Unterstützung zu gewähren, sondern dieselben in Böhmen, Mähren, eventuell Steiermark und Tirol in kleineren Gruppen unterzubringen. Interventionen der Abgeordneten und der »Allianz«. Angesichts d,er vorstehend an ge deuteten Tatsachen, haben die Vorsteher der Wiener »Isr. Allianz« einerseits, wie auch die jüdischen Abgeordneten aus Galizien, die Herren Dr. K o 1 i s c h e r, Dr. Rauch, Dr. Groß und Dr. Steinhaus unter Führung des Abgeordneten Dr. v. Löwenstein anderseits, sich verpflichtet gefühlt, in wiederholten Besprechungen beim Wiener Ministerium des Innern für die Inschutznahme der Flüchtlinge zu intervenieren. Was zunächst jene in den ungarischen Provinzstädten anlangt, auf deren Entfernung Ungarn beharren zu müssen erklärte, so wurde beim Wiener Ministerium verlangt und erwirkt : I. Bei der Anweisung des Aufenthaltsortes für die Flüchtlinge sei die Heimat der Einzelnen möglichst zu berücksichtigen, damit Leute aus demselben Ort und aus derselben Stadt wiederum einen gemeinsamen Aufenthalt erlangen. Eine kluge Maßnahme, weil Bekannte sich gegenseitig aushelfen und beistehen in der Fremde. II. Beistellung durchgehender Züge ohne Aufenthalt in den Quarantänstationen Ung.-Hradisch und Mähr.-Trübau — es sei denn, daß im Zuge verdächtige Krankheitsfälle vorgekommen wären. III. Benützung von Personenwagen an Stelle der früher üblichen Gepäckswagen. IV. Einrichtung eines rituellen Labedienstes und Zusicherung der Bewegungsfreiheit für die reisenden Flüchtlinge an den Haltestellen. Was die galizischen Flüchtlinge in B u d a p e s t anlangt’ deren Ausweisung das ungarische Ministerium mit der Begrün" düng verfügte, daß die österreichische Regierurg für die Unter" Stützung keine Beträge zur Verfügung gestellt hat, so hat sich demgegenüber das Ministerium des Innern in Wien zur Auszahlung der Unterhaltsbeiträge für die Flüchtlinge in Budapest bindend bereit erklärt und die ungarische Regierung hievon amtlich verständigt, so daß für das ungarische Ministerium weder materielle noch moralische Gründe und Ausreden zu einem inhumanen Vorgehen vorliegen. Ob das nützen wird, wissen wir nicht. Die Abgeordneten gedenken persönlich in Budapest die Angelegenheit zu betreiben. KriegsdeKoralionen jüdischer Hffiziere und Soldaten. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: Das Militärverdien st kreuz III. Klasse mit der Kriegsdekoration dem Hauptmann d. R. Michael Bondi (Kommandant des Landst.-Bat. 6/33), dem Oberleutnant Dr. Jakob Schmierer (Jäger-Bat. 30), den vor dem Feinde gefallenen Oberleutnants a. D. Dr. Max Hey (Landst.-Bat. 32) und Theodor Mannheimer (7. K.-T-D.) Das Ritterkreuz desFranzJosefs-Ordens am Bande des Militärverdien st kreuzes für aufopferungsvolle und vorzügliche Dienstleistung dem Stabsarzt Dr. Adolf Deutsch (Feldhaub.-Reg. 10). Das GoldeneBerdien st kreuz mit derKrone den Regimentsärzten Dr. Maximilian Lauer (4. Korps-Komm.), Dr. Hugo S t ö ß l e r (Feldspital 8/9), dem Oberarzt Doktor Karl Holzer (Feldspital 8/9), dem Landw.-Oberleutnant Geza Deutsch.