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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-09 · 15 (9.4.1915) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
15 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 284 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 15 Liebenswürdigkeit der beim Austeilen speziell beteiligten jungen Damen sich der ganze Apparat tadellos abwickelte, war die Stimmung unter allen, Gästen und Gastgebern, ganz vorzüglich. Erst in später Abendstunde trennte man sich, die österreichische, die deutsche und die jüdische Bolkshymne als Schluß setzend. Im Namen der Kameraden ergriff einer der Gäste, wie wir hören, ein Redakteur der Königsberger Hartung'schen Zeitung, das Wort und dankte in begeisterten, allen Soldaten aus dem Herzen gesprochenen Worten für die große Freude, welche die Kultusgemeinde den eingeladenen Soldaten bereitet hat und die der Kultusgemeinde Innsbruck von allen unvergessen bleiben wird. Herzlichster Dank gebührt allen, die sich um das Zustandekommen der erhebenden Feier verdient gemacht haben, allen voran den Damen: Dauuhauser, Dubsky, Steiner, Schwarz, deren Leistungen über jedes Lob erhaben sind. Warme Anerkennung gebührt auch den Herren Karl Fuchs und Louis Siuger, die in hochherziger Weise die zur Feier benötigten Möbel und sonstige Utensilien zur Verfügung gestellt haben. Odrrbrrg-BahWof. Die zwei Sederabende in dem Spita! der k. k. schlesischen Landesregierung boten ein rührendes, ergreifendes Bild, das allen Teilnehmern für das ganze Leben unvergeßlich bleiben wird. Ein großer, schöner, festlich, beleuchteter Saal, der uns von der landesfürstlichen Spitalsverwaltung liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt wurde, in der Mitte ein langer, festlich geschmückter Tisch. Um den Tisch herum saßen die hier stationierte» jüdischen Soldaten, unter ihnen die Leichtverwundeten und Rekonvaleszenten, die glückstrahlend und lebhaft uns von alledem erzählen, was sie auf dem Schlachtfelde mitgemacht haben. Weiterhin lagen in ihren Betten regungslos die Schwerverwundeten, die mit der Genehmigung der Aerzte für diese Abende aus den Krankensälen herübergebracht wurden. Einer lag unter ihnerr, ein sibirischer Jude, dessen letzter Wunsch es gewesen ist, an diesem Seder teilnehmen zu dürfen. Daß diese Feier in sehr erhebender Weise stattfinden konnte, haben wir den außerordentlichen Bemühungen unseres sehr verehrten Rabbiners, des Herrn Dr. M. F r i ediger, zu verdanken. Ihm zur Seite stand als eifriger Mitarbeiter Herr Rechnungsunteroffizier Ferdinand Komlos. Den Seder am ersten Abend gab Herr Rabbiner Dr. Friediger, der einleitend eine rührende, von religiöser und patriotischer Begeisterung getragene Ansprache hielt. Anwesend waren in Vertretung der israelit. Kultusgemeinde Herr Kultusvorsteher Josef Zänker und Kultusrat Joses Schwarz, ferner sämtliche Aerzte und die Spitalsverwaltung. Mit ganzer Freude und Genugtuung erfüllt es uns, daß die landesfürstliche Svitalsverwaltung uns für die acht Taae eine besondere Küche und ganz neues Geschirr zur Verfügung gestellt hat, wodurch uns d'e Möglichke't geboten wurde, die jüdischen Soldaten während der Pessachtage rituell zu verköstigen. Ein besonders herzlicher Dank gebührt dem Herrn landesfürstlichen Kommissär Dr. Alfred Kramer. Krag. Freitag, den 19. März, wurde unter einer Beteiligung, die man nach Aussage älterer Mitglieder unserer Gemeinde seit dem Tode des Oberrabbiners Rapoport hier nicht gesehen hat, Herr Samuel Lieben zur letzten Ruhestätte begleitet. Wenn irgendwo, so zeigte sich hier in wehmutsvoller Weise die Wahrheit des talmudischen Ausspruches: „Aus der Trauerkundgebuna über den Hingang eines Menschen ißt es am zuverlässigsten zu beurteilen, daß er für die künftige Seligkeit vor dem Throne Gottes für würdig befunden wird." Denn die Trauer der vielen'Tausende Teilnehmer an diesem Leichenbegängnisse war eine wahrhaft innige und durch ih«re Stille und Einfachheit tief ergreifende. Wer 1)em Sarge mit den irdischen Resten dieses hervorragenden Menschen und vornehmen Jehudi folgte, stand unter dem gewaltigen Eindrücke des vrovhetischen Rufes: „Eine Trauer, wie uw einen Einzigen sollst du halten." Denn der Verewigte war vermöge der Vorzüge seines Geistes, der Tugenden seines Gemütes, feiner lauteren Frömmigkeit und edlen Menschlichkeit einzig in seinem Geschlechite, von jedem geliebt und bewundert. Samuel Lieben entstammte einer, vielleicht der ältesten, mit der älteren Geschichte unserer Gemeinde innig verknüpften Gelehrtenfamilie, an deren Spitze der Name des weltberühmten Lippmann Heller, Verfassers des „Tosfos JoM Tow" leuchtet, u. zw. sowohl väterlicher wie mütterlicherseits. Und der Geist dieser altehrwürdigen Tradition bildete auch stets die treibende Kraft, die eigentliche Lebensenergie fort Wirken und Schaffen des Verewigten. Von Jugend an wurde er von seinen gottesfürchtigen Eltern: zum eifrigen Thorastudium angehalten, dem er trotz seiner ausgezeichneten Geschäftstätigkeit 'zeitlebens mit Begeisterung oblag. Die reichen Kenntnisse, welche er sich auf rabbinisch-talmu-, bischem Gebiete erworben, verbunden mit einer angeborenen scharfen dialektischen Begabung, rnit einer staunenswert raschen Auffassung, erweckten für ihn auch bei den größten Koryphäen auf diesem Gebiete Bewunderung. Die wahre Größe des Verklärten, die ihn zum Liebling der ganzen Prager Judenheit machte, bildete aber sein goldenes Herz, sein unermüdliches Helfertalent, seine gewinnende Höflichkeit und Bescheidenheit. Wie an einen liebevollen Vater wendeten sich die zahlreichen Armen und Notleidenden vertrauensvoll an ihn und ihre Hoffnung ließ sie nie int Stiche, denn Samuel Lieben fand in jeder Lage Rat; er ebnete mit nie erlahmender Geduld alle Wege, die Hilfe und Rettung versprachen. Und er täuschte sich in seinen Berechnungen niemals. Denn seine Mitmenschen, die 'sein edles Streben schätzten, haben ihm die erbetene Hilfe für die Armen nie versagt, ja sie empfanden lebhaft Freude daran, diesem edlen Fürsprecher in seinem guten Wirken fördern zu können. Groß war die Freude des Verewigten und seine Dankbarkeit gegen Gott, der ihm und' seiner ihm würdigen frommen Gattin das Glück beschieden hat, die Grundsätze der Frömmigkeit, Menschenliebe und Gottesfurcht auch auf seine Kinder übertragen zu können, in ihnen die Erben seines eigenen Geistes zu erziehen. Diese werden gewiß das Andenken ihres großen Vaters durch die Förderung der ihm heilig gewesenen Ziele in pietätvoller Ehrung bewahren. Mit Rücksicht' auf den Nisanmonat mußten die wohlverdienten Nachrufe über den Heimgegangenen entfallen. Wie wir vernehmen, wird zu seiner Würdigung später eine besondere Traucrfeier stattfinden. Vermischtes. Kranzablösungsspeuden zugunsten der Chewra-Kadischa iu Wien I., Seitenstettengasie 4 für arme kranke Glaubensgenossen Anläßlich des Ablebens des fel. Richard Weiß:. Mar Strauß, Brünn Kr. 10.—, Ludwig Strauß, Grottau 10.—, Eottlieb Strauß, Kreibitz 5.—, Sami Strauß, Schönlinde 5.—, H. Woditschka, Wolfing 4.—, Josef Weiß, Waldkirchen 10.—, Emanuel Kowler 5.—, Leo Koßler 5.—, Leopold Weiß, Elisenthal 10.—, Familie Steinhof 5.—. Zusammen Kr. 69.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Clotilde Kohn: F. St. Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Salomon Weiß: Kopperl Kr. 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Mar Ziegler: Jda Beck Kr. 6.—. Anläßlich des Ablebens des sei. Alerander Heim: Adolf Körner Kr. 10.—, Richard Wetzler 20.—, Hugo Heim 10.—. Zusammen Kr. 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Ludwig Werner: Dr. Hugo Werner Kr. 10.—, >Dr. Bernhard Frank 20.—, Karl Nußbaum 15.—, Neffe Dr. Karl 10.—, Zusammen Kr. 55.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Friedrich Holzer: Van den Kindern Kr. 10.—, Von den Enkeln 10.—, Dr. Egre 10.—. Zusammen Kr. 30.—. .

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