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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-09 · 15 (9.4.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
15 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift ©eite 283 des I. Vizepräsidenten der israel. Kultusgemeinde, des Herrn Dr. Gustav K o h'n, mit Dank und mit Rührung Erwähnung getan wurde. Mit dem Absingen der Kaiser- Hymne wurde die erhebende religiös-patriotische Feier geschlossen. _ Jüdische Flüchtliirgsfin sorge in Sndböhmen. Aus Budweis wird uns berichtet: Noch im Monate November hat sich in BudweiS ein israelitisches Zentralkomitee für Flüchetingsfürsorgetätigkeit für Südböhmen gebildet, an dessen Spitze der Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Dr. K o h n steht, Außerdem wurden in vielen Orten Lokalkomitees errichtet, mit diesen oder mit einzelnen Vertrauensmännern steht, in den Orten wo jüdische Flüchtlinge untergebracht sind, das Zentralkomitee im Verkehr und nimmt auch deren Wünsche entgegen. In Bndweis gestaltet sich die Flüchtlingsfürsorge etwas schwieriger als in anderen Gegenden Böhmens, denn es gibt in Südböhmen Gemeinden und selbst Städte, wo nicht ein einziger Jude wohnt und die Zahl der Flüchtlinge jüdischer Konfession eine verhältnismäßig weit größere ist, als z. B. in Nerdböhmeie und in den übrigen Flüchtlingszentren Böhmens. Heute befindeu sich iu Böhmen neben ungefähr 90.000 ortsansässigen Juden zirka 90.000 jüdische Flüchtlinge, so daß aus einen einheimische n Juden ein Flüchtling kommt, während in Südböhmen nicht ganz 3000 ortsansässige Juden für über 5000 Flüchtlinge zu sorgen haben. Ein .weiter erschwerender Umstand ist noch der, daß in Budweis die Sammelstclle für Sndböhmen, Mähren teilweise für Niederösterreich und Steiermark ist und daß besonders durch den Labedienst am Bahnhofe die Finanzen des Budweiser Komitees schwer belastet wurden, weil es oft vorkam, daß die mit den Evakuierungszügen zu vielen Tausenden hier durchfahrenden Flüchtlinge in tagclanger Reise, selbst wenn sie Prag berührt hatten, nirgends einen Tropfen Wasser nicht einmal fürs Geld bekommen. Weiters wurden in Budweis mehrere jüdische Schüler untergebracht, welche Dank dein Entgegenkonnnen der Direktion des deutsch e n Gymrlasinms und der deutschen Kommunal-Handelsschule als Hospitanten anfgenomnren wurden. Die Budweiser haben bereits für die Flüchtlinge in Südböhmen einen Betrag von mehr als 30.000 Kronen in bar und mindestens ebensoviel in Naturalien ausgebracht. Dabei ist zu bemerken, daß die im Bezirke Krummau unterc.ebrachten Flüchtlinge durch dibesondere Humanität und den Eifer der Familien Dr. S ch w a r z - S p i r o vollständig und aufs beste von den letzteren allein versorgt werden, und rühmend hervorgehoben zu werden verdient die Tätigkeit einzelner Bezirkshauptleute, besonders des Statthaltereirats H i e b l in Budweis, der mit den Bezirkshauptleuten in Prachatitz, Krummau und Kaplitz die Sache nicht bloß nach dem gewissen Amtsschimmel, sondern mit Herz und Sinn löste. Ebenso anzuerkennen ist die Haltung der deutschen Bevölkerung und der Bürgermeister einzelner Städte, besonders des Bürgermeisters Joses T a s ch e k, Budweis, F u ch s, Prachatitz, P ö l l, Kaplitz. I g l e r, Winterberg, in welch letzterem Orte auch die Chefs der bekannten Finna S t e i n b r e n n e r sich als wahre Menschenfreunde gezeigt haben. Es muß das besonders hervorgehoben werden, weil es leider auch in dieser schweren Zeit Leute gibt, die des nationalen und religiösen Hasses nicht vergessen können und an den armen Flüchtlingen ihr Mütchen kühlen zu können glaubten, was auch wiederholt dem Zentralkomitee Anlaß zur Beschwerdeführung gab. In allererster Reihe aber muß eines Mannes gedacht werden, der mit edler Selbstaufopferung sich der armen Flüchtlinge annahm, es ist dies Rabbiner Dr. T h i e b e r g e r in Budweis, welcher in dieser schweren Zeit als Seelenhirt, Freund," Helfer und Berater allen 5000 Flüchtlingen zur Seite stand und unsägliches Lejd und Elend milderte. Außer ihni gehören dem Zentralkomitee an Dr K o h n, Budweis, Dr. Schwarz, Krummau, Dr. K o p p e r l, Kaplitz, Dr. B l o ch, Moldauthein, Popper, Wällischbirkeu, Viktor F ü r t h, Budweis: dem Budwei'cr Lokalkomitee außer dem ungemein verdienstvoll wirkenden Obmann Herrn Viktor F ü r t h, noch als Kassier Herr Daiüel K i e n b e r g, Rechnungsführer Herr Oskar Poppe r, Geschästsleiter Herr Siegfried Schissmann, ferner die Herren Brock, M e r k s a m e r und Moritz U l l m a n n an. Besonders rühmend ist noch zu erwähnen die fleißige Mitarbeit vieler Damen, vor allem der Frauen Vally K o p p c r l. Karoliue und Marie S t e r n. Möge der Gedanke, in einergroßen, ernsten Zeit an einem der edelsten Werke der Menschenliebe werktätigen Anteil genommen zu haben, der Lohn aller dieser Braven sein, welche hier das Los der Aermsten der Armen lindern halsen, die Heimat, Haus und Hof und den ganzen Besitz im Stiche lassen mußten, um nur das nackte Leben vor einem tierischen Feinde zu retten. Karlsbad und seine Flüchtlinge. Der gegenwärtige Krieg hat auch eine umfangreiche Tätigkeit der Karlsbader israelitischen Kultusgemeinde notwendig gemacht, denn in Karlsbad und seinen Vororten befinden sich nicht weniger als 4000 Flüchtlinge, für welche die Gemeinde aus eigenen Mitteln und abgesehen von der staatlich bewilligten Unterstützung sorgt. Der bisherige Betrag, der zu diesem Zwecke ausgegeben wurde, beträgt mehr als 15.000 Kronen; allein trotzdem von vielen Seiten Spenden an Kleidern und verschiedenen anderen Artikeln sowohl vom Inals vom Auslande eingelaufen sind, so genügt dies bei weitem noch nicht, umsomehr, als das Versprechen des Staates, alles Notwendige für die Flüchtlinge beizustellen, bisher noch nicht erfüllt wurde. Anläßlich des Pessachfestes wurde den meisten Flüchtlingen ein besonderer Zuschuß für die Anschaffung von Mazzes bewilligt, außerdem hat die Kultusgemeinde von der Militärverwaltung die rituelle Ausspeisung der Soldaten für die Osterfeiertage übernommen und bestreitet Die Mehrkosten hiefür aus eigenen Mitteln. Es dürften zirka 80 bis 90 jüdische Soldaten während der Osterfeiertage verköstigt werden. Weirers hat die Kültusgemeinde auch die Auszahlung des vom Staate gewährten Hilfsbeitrages von 70 Hellern für sämtliche in Karlsbad und der nächsten Umgebung wohnenden galizischen Flüchtlinge übernommen, und es hat sich ein Komitee in Karlsbad gebildet, welches denselben sowohl die vom Staate gewährte Subsistenzmittel, als auch die Verteilung der von der Gemeinde bewilligten Beträge übernimmt und an die Flüchtlinge in der Weise ausfolgt, daß die Auszahlung resp. Einhändigung in den Wohnungen der Flüchtlinge erfolgt. Innsbruck, am 1. April. Außer der großzügigen Fürsorgeaktion, die den in Schwaz und Kufstein internierten russischen Juden die streng rituelle Verköstigung während der Peffachzeit ermöglichte, hat sich die israelitische Kultusaemeinde Innsbruck unter Führung ihres hochverdienten Vorstehers Herrn Wilhelm Daunhauser und des tatkräftigen Rabbiners Herrn Dr. Link auch ein zweiteecht jüdisches Werk angelegen sein lassen: den in Innsbruck und den umliegenden Garnisonen weilenden jüdischen Soldaten Urlaub zum Besuch des Gottesdienstes an den Festtagen zu verschaffen und ihnen einen Sederabend zu geben. An achtzig Soldaten, Verwundete aus den Spitälern und Mannschaft aus den Kasernen, halten sich im Kotteshause Ungesunden und lauschten andächtig dem schönen Gesang und den inhaltsreichen Worten der kurzen Festpredigt. In manchem Soldatenauge glänzten Tränen. Tränen des Heimwehs im Gedenken an die fernen Lieben und Tränen der Dankbarkeit über den herzlichen Willkomm im Gotteshause der fremden Stadt. In einem unter der Synagoge befindlichen Saal fand der Seder statt. Festlich weiß die langen Tische gedeckt, mit alten silbernen Leuchtern und mit frischen Blumen geschmückt. Nach einer herzlichen Begrüßung der Gäste durch Herrn Kultusvorsteher Dannhanser, begann sodann die Feier mit dem Bortrage dex Hagada. Es war ein ergreifender Eindruck, die vielen jüdischen Soldaten aller Nationalitäten vom chargenlosen Infanteristen bis zum Offizier am Seder vereint zu sehen. Durch das Zusammenarbeiten einiger besonders unermüdlicher Frauen des jüdischen Frauenhilfsvereins war ein Essen hergestellt worden, das ihrer Kochkunst alle Ehre machte, und da infolge der guten Organisation und der

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