Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 280 Dr. Bloches Wochenschrift Nr. 15 mietet würde, seit sechs Monaten kostenlos überläßt und auch sür Heizung und Beleuchtung der Räume während des langen Winters sorgte. Der Name war nicht genannt, doch nenne ich heute gerne den Namen des Besitzers, Herrn Heinrich Weiner, um zu beweisen, wie jüdische Chariras von den Hausherren geübt wird. An dieser Stelle soll ferner erwähnt werden, daß auch die „Brockensammlung Elisabethpromenade 39" durch Monate kostenlos dieses Lokal zur Verfügung harte; jetzt mußte es geräumt werden, weil der Hausherreinen Mieter fand. Doch verdient dieser edle Hausherr nicht minder den aufrichtigen Dank der Allgemeinheit. A propos! Wir hören, daß in den letzten Tagen einige Lokale, welche der werktätigen Charitas dienten, vermietet wurden und daher die edlen Hausherren, die viele Monate auf Bezahlung des Zinses verzichtete«, gezwungen waren, diesen wohltätigen Bereinigungen die Lokale zu entziehen und so traurig dies ist, fällt mir da ein Gassenhauer aus längst verklungener Zeit ein. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, zur Zeit einer großen Überschwemmung, sang man im jederzeit lustigen Wien iu Hellem Uebermut: „Tie Donau is ins Wasser g'saü u „Der Eisstoß is verbrannt." Heute ist man nicht so sangeslustig und gewiß nicht so übermütig; man könnte daher nur mit Wehmut deklamieren: „Das Elend ist obdachlos geworden, „Doch das gute Wiener Herz lodert iu Helle." Ist cs erlaubt, zu hoffen, es werden sich edle Hausherren finden, die diesen obdachlosen Sammelstclleu, welche unter den verschiedensten Bezeichnungen der Verteilung von Kleidern und Wäsche an Bedürftige, also demselben Zwecke, dienen, unentgeltlich ein Lokal zur Verfügung stellen? Ja, tausendmal ja! Es gibt solche Hausherren, die diesen Hilferuf höre» und erfüllen werden! Wenn ein Bild wirken soll, müssen Licht und Schatten gleichmäßig verteilt sein. Ich bin aber in der glücklichen Lage, diesen Lichtbildern keine schatten gegenüberstellen zu können; denn die wenigen Hausherren, die noch nicht erwiesen haben, daß sie so sind, wie sie sein sollen, — die sind aus dem Wege, es zu werden und werden zum Maitermin wieder Gelegenheit haben, dies zu betätigen. In dieser großen erzieherischen Zeit sind auch die Hausherren erzogen worden (die unendliche Schar unserer Mieter war von jeher von bester Erziehung.) Die Zeit hat uns alle in allem erzogen, selbst die Tagesblätter haben sich von dieser hehren Zeit erziehen lassen. Schreibzünflige, die ehemals durch Ausschrotung von Haß und Verachtung ihr Dasein sristeteu, sie werden die Streitaxt begraben müssen, denn hell und hehr wird sich die Sonne in den blanken Waffen, die uns die herrlichen Siege erbrachten, spiegeln. Lasset uns also nur 'den Sieg erbeten, den unsere Söhne.und Männer erringen helfen, und es wird die Zeit kommen, die unser Psalmist verheißt, „da die Böcklein tont den Löwen weiden", und gewiß auch die Hausherren und Mieter neidlos nebeneinander wohnen werden. Das walte Gott, der große Schlachtenlenker? Bern h a r d Re ich. Hausherren, welche freie Lokale der Kleidersammlung oder der Brockensammlung in großherziger Weise lostculos zur Verfügung stellen wollen, mögen die Güre haben, der Redaktion dieses Blattes Mitteilung davon zu machert. Korrespondenzen. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihr Palästina-Aufruf in einer der letzten Nummern der „Oesterreichischen Wochenschrift" veranlaßt mich, zuwal mir aus der Haltung Ihres gesch. Blattes Ihr Wohlwollen für die armen Juden Galiziens hinreichend bekannt ist, Sie und Ihren Leserkreis auf einen vielfach übersehenen Umstand aufmerksam zu machen. Die sogenannte „Oesterreichisch-ungarische Jsraeliten- Gemeinde" iu Jerusalem führt diesen Titel aus der Zeit vor der Trennung der beiden Reichshälften Ihrer Monarchie. In Wahrheit beschränkt Hefe sogenannte „Oesterrung. Jsraeliten-Gemeinde", der, wie mir bekannt, nahezu sämtliche Ehalukkagelder aus Oesterreich zufließen, ihre Beteilung fast ausschließlich auf ungarische Staatsangehörige, während z. B. die galizischen Juden auf ihre besonderen Kolelim angewiesen' find, die jetzt natürlich vollständig versagen. Vom Volksmunde wird darum auch die offiziell „O e st e r r.-ung. Jsr. Gemeinde" mit Recht schlechthin als „der ungarische Kolel" bezeichnet. Ferner weise ich daraufhin, daß die einzige Palästinagesellschaft, die nicht nur nach einem bestimmten rationellen System Ehalukkagelder verteilt, sondern vor allen: auch alljährlich in ihren Jahresberichten genau über ihre Tätigkeit Rechenschaft legt, die „Deutschcholländifche Palästina-Verwaltung" ist, deren Vertrauensmann in Palästina Herr ‘ Rabbiner Horov i c s sich zurzeit in Frankfurt a. M., 13 Friedberger Anlage, aushält. Dü je Stelle, die übrigens 'mit diesem „Eingesandt" in keinerlei Verbindung zu bringen ist, hat wiederholt bei der Verteilung von Geldern auch sür Zwecke, die außerhalb ihres eigentlichen Wirkungsbereiches liegen, die größte Objektivität bekundet und wird Beträge für jüdische Arme aus Oesterreich gewiß an: zweckmäßigsten ihrer Bestimmung zuführen. Im übr'gen Hai sich jetzt, insbesondere auf Anregung dieser „Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung", ein großes Palästina Hi ftkomitee unter dem Vorsitz des Herrn Kommerzienrats G. Simon, Berlin W. 30, Nollendorfplatz 6, gcb'ldet, mit dessen Vertretung in Wien betraut sind die Herren: L. L. A d u t t, kais. Rat Wilhelm A n n i n g e r, Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n, Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, Heinr. M e n d l, Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner, Mich. Papo, Doktor B. Pollack von Parnau und kais. Rat L. Sachs und S a ch s e n h a l l. Berlin, im April 1915. W. Vessach-Karkoffelbt'ieilttng der „Weiblichen Ickrsorge". Weitere Spenden sind eingelangt, sür die wir bestens danken: Je 100 Kr.: Wilhelm Freih. v. Königswarter, Hans M. Springer, Tempelspeudei: im Gemeindetempel des 2. Bezirkes; 135 Kr.: (3. Sammlung Frau Bertha Donreich, (20 Kr.: Herr Ludwig B u n z l, Rudolf L ö w y (Znaim), Leo Fleischer, Ignaz Frankel, Ingenieur Siegfried F u ch s, Baurat Winkler (Salzburg), Frauen Paula Schön m a n n und Jda Furt h je 10 Kr.;