Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 279 Stuttgart. I u st i n Engländer (R. d. E. K.) erhielt für Tapferkeit und Treue die württembergische silberne Verdienstmedaille. Würzbnrg. Ai a x M a n d e l b a u m, Ober-Apotheker, erhielt das bayerische' Militärverdienstkreuz erster Klasse mit Krone und Schwertern. _ Breslau. Das steltv. Generalkommando des sechsten Armeekorps hat verfügt, daß den religiösen Bedürfnissen der jüdischen Mannschaften während des Pesfachfestes wie in.Friedenszeiten zwecks Erteilung von Urlaub, so weit es der Dienst zuläßt, Rechnung getragen werden soll, die Mannschaften haben den Antrag zu stellen. Die Verfügung ist im „Korps-Verordnungsblatt" erschienen und den einzelnen Truppenteilen bekanntgemacht worden. Auszeichnung eines Sohnes des Botschafters Worgenlhau. Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Der Sultan hat dem Sohne des hiesigen Botschafters der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Henri Mo rg ent hau, den Osmanje-Orden dritter Klasse verliehen. Nicht nur Botschafter Morgenthau selbst, sondern alle seine Familienmitglieder haben sich, wie das türkische ^Amtsblatt hervorhebt, auf dem Gebiete der allgemeinen öffentlichen Wohltätigkeit schon in Friedenszeiten, ganz besonders aber jetzt seit Ausbruch des Krieges, unvergängliche Verdienste erworben. Ehrung der jüdischen Veteranen in Amerika. Aus Newyork wird berichtet: Präsident Wilson hat dem Verbände der jüdischen Veteranen ans dem ameritan'sch-spanischen Kriege eine künstlerisch hergestellten Gedenktafel zur Erinnerung an die Heldentaten des Schlachtschiffes „Maine", auf welchem sehr viele jüdische Matrosen heldenmütig gekämpft hatten, zum Geschenke gemacht. Der Verband der jüdischen Veteranen von Amerika hat dieses nationale Ehrengeschenk dem jüdischen Waisenhaufe von Newyork zur Obhut übertragen, woselbst es vorigen Sonntag feierlichst enthüllt wurde. 80.009 obdachtose Juden. Das „Berliner Tageblatt" meldet von der russischen Grenze: Nach einer Berechnung der Petersburger jüdischen Gesellschaft Jku sind in der letzten Zeit ungefähr 25.000 Juden, von den russischen Behörden aus ihren Wohnorten ausgewiesen, in Warschau einqetroffen, so daß die Zähl der obdachlosen Juden 80.600 beträgt. Für diese sind Lebensmittelniederlagen errichtet und zu diesem Zwecke die aus London überwiesenen 30 000 Rubel verwendet worden. Auch nach Wckna. Bialostvck und Kowel sind massenweise jüdische Flüchtlinge zugewandert. Aas Los der Inden unter russischer Kerrschaft. Der Petersburger Correspondent des „Secolo" meldet: Die andauernden Verfolgungen der russischen Juden durch die Behörden gehen so weit, daß sogar die verwundeten jüdischen Soldaten.nur mit Zittern die Lazarette zu betreten wagen, aus Furcht, wieder auf die Straße gesetzt zu werden. Der bekannte Schriftsteller Leonid Andrejew geißelt diese Zustände in der Presse in sehr harten Worten, aber natürlich vergeblich. Der Korrespondent fügt hinzu: Der Gouverneur von Galizien verbot den Juden, Galizien zu betreten, und den dort ansässigen Juden verbot er, ihre Wohnorte zu wechseln. In Plock wurden 140 Juden und 40 Polen, die in Handelsbeziehungen zu Deutschland standen, nach Sibirien verbannt. Hausherren wie sie sind und wie sie werden sollen, wenn sie nicht so find. In ernster, schwerer Zeit, wie wir sie jetzt durchleben, blickt der eine nach dem anderen, um an dessen Aeußerem zu erkennen, ob der andere nicht leichter und besser dran sei. Doch lassen Sie uns gleich hier konstatieren, daß es nicht die untersten Zehntausend sind (unter den untersten Zehntausend sind jene unzähligen Zehntausende gemeint, die unsere schöne Metropole zur Millionenstadt machen), die neidvoll nach oben blicken: denn gerade diese haben sich in das oktroierte Schicksal hineingefunden und murren am wenigsten gegen das teurer und wahrlich nicht besser gewordene Brot. Sie sind Mit ihrem Schicksal ausgesöhnt, weil es Arbeit und Lohn gibt; aber daß es Arbeit und Lohn gibt, liegt gerade in den Verhältnissen und darf sich daraus niemand ein Verdienst vindizieren. Wir mirssen froh und glücklich sein, daß es so wenig Arbeitslose gibt. Es ist eine große Genugtuung für alle Welt, ist aber auch ein Verdienst des liebenswürdigen Charakters der Bewohner unserer Stadt, daß hier Ordnung und Rühe herrscht, während es in Städten anderer Staaten, die nicht im Kriege stehen, Rummel und Unruhen aller Art gibt. Die Mit Neid (?h vielleicht nur mit Neugierde (!) nach oben auslugen, es sind die kleinen und mittleren Leute des Bürger- und Beamtenstandes, bei welchen sich ein Fragegefühl einstellt ... ob es die Hausherren z. B. nicht viel besser haben, als die Wohnungsmieter. So leicht diese Frage beantwortet scheint, kann dennoch nicht behauptet werden, die Hausherren hätten es allzu gut; denn der Besitz verpflichtet, und man würde staunen, wieviele Lasten diese vornehme Vereinigung auf sich genommen hat. Wenn man alle Fälle anführen könnte, in welchen die Hausherren Entgegenkommen gezeigt haben und noch immer wieder zeigen, würde die Kluft zwischen Mieter und Vermieter sich immer mehr überbrücken. Es sei Mir gestattet, einige Beispiele anzuführen, welche ein Bild der haus herrlichen Charitas geben. In den v^rsch'edensten, von Arbü^ern bewohnten Stadtteilen haben Hausherren die Zinse ermäßigt und den Frauen von Eingerückten besondere Erleichterungen eingeräumt und — der Wahrheit eine Gasie — es sind mele christliche, aber verhältnismäßig nicht weniger jüdische Hausherren. d'e sich patriotisch erwiesen haben, indem sie den Znrück^chenden die Eristenz erleichterten. EM Bild gestatten Sie mir mit Namen zu reich-- nen: Eine F^au aus besserem Privatbeamtenstande, Wohnung auf 220 Kronen vierteljährlich, sucht den Administrator des Hauses auf, um Erleichterung im Zinse zu erzielen, da der Mann eingerückt ist. Einer Partei, die 220 Kronen vierteljährlich zahlt, kann leicht erwidert werden, sie möge sich ..mit ihren zwei kleinen Kindern halt eine billigere Wohnung suchen". Doch der Verwalter der gräflich H o v o s'schen Häuser kommt in 0ebenäwü^d'g"r und teilnehmender Weise entgegen: , Bstte, MeMe Gnädige, 40 Kronen per Quartal will ich Ihnen Nachlassen. 30 Kronen per Quartal blechen Sie mir schuldig, so lanae Sie wollen, und die restlichen 150 Kr. Zahlen Sie in Monatsraten von 50 Kronen — wenn Sie' damit einverstanden sind." Die Frau ist gerührt und erzählt dankerfüllten Herzens von d"r christlichen Charitas ihres Hausherrn. Ich habe kürzlich in einem Aufsatze von einem Hausherrn ..Heinrichsgasse Nr. 5" erzählt, welcher einer WMtätlgkeitsunternehmung ein herrliches Parterrelokal, das gewiß nicht unter 12- bis 14.000 Kronen ver-