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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-02 · 14 (2.4.1915) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 268 Dr. Bloch's Wochenschrift R.. u Der General runzelte die Stirn: „So — na gut! Der Herr Oberleutnant hat Ihnen gesagt, worum es sich handelt!" Der Grenadier stand bewegungslos und starr aufgerichtet. „Es ist kein Kinderspiel," fuhr der General fort, „es Windelt sich um die feindliche Batterie, die uns täglich beschießt. Der Standort muß gefunden werden — um jeden Preis! Sie müssen zwischen den russischen Vorposten durch?" „Zu Befehl, Exzellenz!" sagte der Grenadier mit tiefer Stimme. „Sie kennen die Gegend?" — „Zu Befehl, bei Tag und bei Nacht!" — „Woher?" — „Ich Hab' dort Vieh gehandelt mit meinem Vater!" „Haben Sie noch Eltern?" „Nein, Exzellenz! Meinen Vater selig haben die Kosaken geschlagen, da ist er gestorben," setzte der Soldat mit leiser Stimme hinzu. „Hm," der General räusperte sich, „da haben Sie wohl noch eine besondere Abrechnung mit den Kerlen?" Der Grenadier Goldfarb sprach nicht, aber in seinen Augen glühte eine solche Flamme des Hasses auf, daß der General es wie eine Antwort auffaßte. „Kann ich mir denken! Hoffentlich haben Sie heute Glück. Wenn Sie wiederkommen und die Batteriestellung angeben können, sollen Sie reich belohnt werden. Nun gehen Sie mit Gott!" Er reichte dem Soldaten die Hand, die dieser zögernd nahm. Dann schlug er die Hacken zusammen und verließ das Zimmer. Der Offizier trat an das^Fenster und sah zu, wie der Grenadier mit langen, festen schritten über den Hof ging. Dann wandte er sich an den Adjutanten: „Warum haben Sie gerade den . . . ., na, wie hieß - er doch, richtig Goldfarb... — also den Goldfarb genommen?" „Er bat so dringend darum, Exzellenz. Er hat eine Wut aus die Russen. Deshalb hat er sich auch als Kriegsfreiwilliger gemeldet." „Wissen Sie mehr von dem Mann?" „Ich war sein Rekrutenoffizier, Exzellenz, und ich muß sagen, daß er ein guter Soldat ist, nur ist er sehr finster und verschlossen. Wer er hat Schlimmes erlebt. Er stammt aus einem kleinen Dorf dicht an der Grenze und eine Kosakenabteilung, die den Ort gleich bei Kriegsbeginn überfiel, hat alle Männer fortgeschleppt. Da ist sein alter Vater an Ueberanstrengung gestorben. Der Sohn fand ihn am Wege liegend, hat ihn begraben und meldete sich am nächsten Tage bei uns als Freiwilliger. Seine Leidensgeschichte hat er mir einmal erzählt und dann nicht ein überflüssiges Wort mehr ausgesprochen!" * In dem Walde zwischen W. und D. lag der Grenadier Ephraim Goldfarb, in einen Haufen welken Laubes eingehüllt, und sah angespannt in das grauschwarze Dunkel vor sich. Er kannte hier jeden Weg; oft genug war er hier mit seinem Vater, die breite Landstraße nach W. vermeidend, entlang gegangen, um die kleinen polnischen Dörfer zu erreichen. Er drückte die schwarzen Augen fest zu; der Gedanke an seinen Vater schoß ihm heiß durch die Wern und trieb ihm trotz der frostigen Frühwinternacht die Glut durch! die Haut. Langsam ging er weiter, vorsichtig, bei jedem Schritt spähend. Die ersten russischen Horchposten hatte er hinter sich, deutlich hatte er den Wiuhe stehenden Gardeinfanteristen mit dem schwarzen Tornister gesehen, der hinter einem Baume stand und ins Weite starrte. Leise war er, im Bogen ausweichend, vom Nebel gedeckt, vorbeigeschlichen. Er ging weiter, plötzlich fuhr er zusammen, warf sich flach auf den Boden und horchte. Links vor ihm tönten Stimmen und knarrte ein Wagenrad. Der deutsche Grenadier kroch, auf dem Bauche liegend, näher. Das Geräusch der Stimmen war schwächer geworden und verhallte; und rings um ihn klang nur die Stimme des Waldes, das ewige Lied des Windes in den kahlen Zweigen, der fallenden winterwelken Blätter und des Raschelns der kleinen Tiere, die in ihre Erdlöcher glitten. Der Späher schob sich Stück um Stück vor, bis er zu seinem Erstaunen auf einen von schmalen Radspuren tief ausgefährenen Weg traf, der sich im monderhellten Nebel zwischen den Bäumen hinzog. Der Grenadier duckte sich hinter einen Stamm und überlegte. Dieser Weg mit den frischen Radspuren war ihm von Friedenszeiten her ganz unbekannt. Da tönte wieder Wagenknarren und kam näher. Er verbarg sich ganz im Laub und sah in den Nebel, aus dem jetzt drei russische Soldaten austauchten, die eine kleine Karre hinter sich Herzogen. Mit Erstaunen sah der Deutsche die Russen an, die auf den Mänteln die roten Achselklappen der Artilleristen trugen. Wohin fuhren die Kerle hier durch den Wald? Und da auf dem Karren hatten doch Weidengeslechte mit Artilleriemunition gelegen — drei, nein vier solcher Körbe, sorglich mit Stroh festgestopft, lagen darauf. Der Grenadier Goldfarb spürte innerlich ein freudiges Erschrecken. Kein Zweifel, die Soldaten fuhren die Munition zu einer Batterie, die auf diese merkwürdige und doch bequeme Weise mit Geschossen versorgt wurde. Er überlegte. Ja, die Richtung stimmte. Das konnte nur Munition für die geheimnisvolle Batterie sein. — Die russischen Artilleristen waren sorglos plaudernd vorbeigegangen und aus dem nächtlichen, wogenden Nebel tönte nur noch leise das Knarren der Wagenräder. Da richtete sich Goldfarb auf. Einen Augenblick schloß er die Augen und legte die Hand auf die Brust. Hier trug er in der Innentasche des Rockes den Streifen, den er vom weißen Sterbetuch des Vaters geschnitten hatte, von demselben schwarzgestreiften Tuch, das des Vaters kleine, gebückte Gestalt an Feiertagen umhüllt hatte.- Das war alles, was die Kosaken dem Grenadier Ephraim Goldfarb von Heim und Vater gelassen hatten. Und es war ihm ein Erinnerungszeichen und ein Schwur zugleich. Rasch und leise auftretend, folgte er den Radspuren zwischen den Stämmen. Nun stieß er auf abgehauene, frische Aeste, ein abgebrochener Spatenstiel lag am Wege und dort — dort bewegten sich Gestalten. Der deutsche Soldat schlich zur Seite, duckte sich auf den Boden, kroch von Deckung zu Deckung, bis er hinter einem Erdwall liegen blieb. Er hob den Kopf und'starrte in den Nebel. Allmählich gewöhnten sich seine Augen an das wogende Grau und er unterschied Formen und Gestalten. Dort drüben lagen hohe Erdschanzen, steckten junge, abgehauene Bäume schief im Boden und — dort stand die Batterie! Goldfarb atmete tief auf. Er hatte das Ziel erreicht. Nun zurück! Da fuhr ihm ein Gedanke scharf durch den Sinn. Wie sollte er die Stellung angeben? Die Geschütze standen tief im Walde, mußten Mit unendlicher Mühe, auf frisch geholzten Waldwegen vielleicht, hergeschafft worden sein. Die Munitionstransporte vorhin bewiesen ja die zähe Heimlichkeit der Stellung. Er überlegte, wie er die Batterie kennzeichnen sollte. Sollte er einen Ast umknicken? Das war von der fernen deutschen Stellung aus nicht zu sehen. Er legte mechanisch die Hand auf die Brust, da fiel ihn: etwas ein. Er griff unter den Mantel und zog einen langen.

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