Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 14 (2.4.1915)
- Date
- 1915-04-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 262 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 14 viel Opferfreudigkeit dieses Fest veranstaltet, weil wir es schmerzlich empfinden, daß Ihr, vertrieben von Haus und Hof, verjagt von einem bösen Feind, der auch der unsere ist, Eure Scholle und Euer Haus verlassen mußtet. Ein böser Feind hat den Boden Eurer Heimat mit dem Blute unserer Lieben getränkt. Wir haben in Euer Land unsere Söhne und Gatten geschickt und Ihr seid zu uns geflüchtet und habt bei uns Schutz und Rettung gesucht. Ihr wäret uns fremd und Eure Kultur schien nicht die unsere zu sein. Mr habt andere Gewohnheiten und wir kamen Euch nicht mir jener Liebe entgegen, wie sie der Bruder dem Bruder in der Not entgegenbringen soll. Ter Verkehr mit Euch hat Euch, uns näher gebracht und die Haltung und Würde, mit welcher Ihr Euer Unglück traget, erfüllt uns mit aufrichtiger Bewunderung. Das Schicksal jedes einzelnen von Euch bildet den Inhalt einer Tragödie und dieser ganze Foliant Elend ist das große Drama, aus welchem zeitgenössische und nachkommende Poeten chren Stofs schöpfen werden. In der Haltung, wie Ihr Euer Unglück tragt, ist mehr als Würde und Stolz, es ist auch Heldentum! Da wir alle Kinder eines Glaubens sind und wir Euch achten gelernt haben, so wollen wir gerne, was in unserer Kraft liegt, tun, um Euer Los erleichtern zu helfen und unsere Arbeitskraft Euerem Wohle zur Verfügung stellen. Ein gemeinsames Band der Menschenliebe soll sich um uns und Euch schlingen und wir würden gerne unsere Menschenliebe in noch erhöhterem Maße von Gastfreundschaft beweisen, wenn nicht die bösen Zeiten einer vielleicht kommenden Hungersnot uns gewaltsam zu einer notwendigen und gebotenen Einschränkung zwingen würden. Deshalb wünsche ich, daß wir alle einer frohen Zukunft entgegenschauend, bald den Frieden erleben, der auch Euch wieder Eures teures Vaterland zurückgibt. Diesem Segenswunsche füge ich den innigsten Dans an den Herrn Rabbiner an, der Euch und uns durchs seine ergreifenden und erhebenden Worte in jene Andacht versetzte, die zur Weihe dieses Festes so wesentlich beigetragen." ' j ( So schloß unter lebhaften Ovationen für die Rednerin diese schöne Feier. Zur Abhaltung von zwei Sed er ab enden und für die rituelle Kost der acht Osterfeiertage in der Ausspeisung für Flüchtlinge aus Golizieir und der Bukowina 20. Bez., Wallensteinstrahe 72, unter Leitung der Frau Sofie G r ü n f e l d, sind uns neuerdings zugekommen :, Löbl. Israelitische Kultusgemeinde, Wien Kr. 500.—, Löbl. Bankhaus S. M. von Rothschild 500.—, H:rc Aeneralrat B. Wetzler 200.—, Herr Dr. Philipp von Eomperz 200.—, Sammlung der Frau Professor Juliette Kaufmann 110.—, Frau Hermine Wolf 100.—, Herr Salo Cohn 100 —, Herr kaiserl. Rat Leopold Pollack von Parnegg 100.—, Herr W. K. 100.—, Löbliches Bankhaus Mar Springer 50.—, Frau Theodor Kantor 50.—, Herr Karl Rosenmann, Unterach am Attersee 50.—, Frau Hermine Löwy, Baden 40.—, Herr Maximilian Päul-Schiff 40.—, Herr Dr. Alfred Berger, Baden 25.—, Sammlung in einer Sitzung 24.20, Löbl. Israelitische Kultusgemeinde, Pirnitz 20.—, Frau Karoline Brünn-Rothberger 20.—, Frau Rachele Elias 20.—, Herren Gebrüder Gutmann 20.—, Frau Rosa Moser, durch Herrn Gemeinderat Melcher 20.—, Herr Dr. Alfons Thorsch 20.—, Herr Arthur Rir 20.—, Herr Arthur von Ferraris 20.—, Herr I. Freund 20.—, Frau Martha Bondi 20.—, Frau Dr. Braun 20.—, Herren S. Trebitsch & Sohn 20.—, Frau G. Z. Z. 20.—, Frau Emilie Krieser 20.—, Herr Dir. Dr. Artur Gartenberg 20.—, Frau Mathilde von Gutmann 20.—, Frau kaiserl. Rat Johanna von Fröhlich 15.—, Frau Marianne May von Mayenau 15.—, Frau Dr. Malvine Friedmann 15.—, Frau Paula Lang 10.—, Herr Leopold Hauser 10.—, Frau Jda Friedländer 10.—, Frau Fanny Tiring 10.—, Herr Maler Adolf Kaufmann 10.—. Frl. Berta Lebenstein 10.—, Herr Nellus Markus 10.—, Herr Ing. Adolf Schwadron 10.—, Herr Dr. I. Schwarzmann 10.—, Frau Emmy Mautner 10.—, Frau Tuzi Eartepherg 10.—, Frau Melanie Knöpfelmacher, Wsetin 10.—, Frau Regine Schön, Wsetin 10.—, Frau Adele Zins 10.—, Tarockpartie 10.—, grair Bally Wiener 6.—, Herr Kommerzialrat Edm. Hacker 5.—, Herr Karl Zewy 5.—, Herr Dr. Orlay 5.—, Herr Königstein 5.—, Herr Dir. Hermann Fischer 5.—, Herr Jakob Bodek 4.80, Herr Pfeifer 4.—, Herr Lichtenstern 4.—, Frau Anna Schönberg 3.—, Frau Toni Fischer 2.—, Herr Jahn 2.—, -Herr Dr. Polatschek 2.—, Herr Löwy 2.—, Herr Schaab 2.—, Herr Reinitz 2.—, Herr Popper 2.—, Herr Zeisler 2.—, H. N. 2.—, zusammen Kr. 2769.—; bereits ausgewiesen Kr. 475.—, insgesamt Kr. 3244.—. Sederfeier in den israelitischen Volksküchen (2. Bezirk, Krummbaumgasse, und 20. Bezirk, Kluckygasse). Am 29. März und dem folgenden Abend fanden in den beiden Volksküchen die Sederfeiern statt. Es wurden über Vereinbarung des löblichen Kriegsministeriums und der Wiener Kultusgemeinde 300 Soldaten unentgeltlich mit einein vier Gänge umfassenden Festessen gespeist, fünfzig weitere Soldaten auf Kosten des Vorstandes; außerdem erhielten die 350 Soldaten noch das Frühstück und Mazzes für den kommenden Tag mit. In dem mit österreichischen, ungarischen und reichsdeutschen Fahnen reichdekorierten Saal, in dem Frau Hermine Kadisch und Gatte, Frau Dr. Adler, Frau K ö r m e n d i, Ehepaar Moser u, Baurat Wilhelm F r ä n k e l als liebenswürdigste Wirte schalteten, hielten Rabbiner Dr. Kemps aus Galizien und Feldrabbiner Dr. Frankfurter die rituellen Funktionen ab, beide richteten an die anwesenden zündende Reden, die mit einem Hoch auf die verbündeten Monarchen ausklangen, worauf die Volkshymne angestimmt wurde. Der Abend wird den anwesenden Soldaten, Zivil- und Festgästen, unter denen wir Frau Martha Stiaßny für die „Weibliche Fürsorge" und Herrn kais. Rat Recht aus Krakau bemerkten, unvergeßlich bleiben. Die ganze Gesellschaft wurde im Aufträge des Kriegsministeriums photographisch ausgenommen, als dauernde Erinnerung an den traurig-erhabensten Seder, den das Judentum seit vielen Jahrhunderten feiert, den aber Werke namentlich weiblicher Wohltätigkeit und staatlicher Fürsorge verschönert haben. — Wie sehr die Israelitische Volksküche ihren Aufgaben gerecht wird, zeigt am besten nach!- folgender Brief, den uns ein Schützling mit der Bitte nur Veröffentlichung zuschickt, und den wir gerne mit seinem krausen Stil wiedergeben: „Hochwohlgeborene Wochenschrift! Ich bin außerstande, all diese Wohltaten und mütterliche Fürsorge hier aufzuzählen, welche die hochwohlgeborene Präsidentin der Volksküche, Frau Kadis ch. für mich und meine Familie, für unzählige andere Familien so treu und so gewissenhaft sorgt und zu jeder Zeit allen, die sich an ih>r wenden, mit gutem Rat und Tat beisteht. Es ist sogar unglaublich, übermenschlich, ja sogar Himmlisch, was diese edle Seele für so viele Unglückliche leistet und was die Leitung in wirtschaftlichem, rituellem und hygienischem Sinne in der Volksküche überhaupt anbetrifft. Obzwar mein Urteil überflüssig ist, muß ich es als alter, erfahrener Gastwirt zum Ausdruck bringen, daß hier nur Musterhaftes waltet, nichts zu wünschen übrig bleibt; der Name Kadisch, beziehungsweise der dieser edlen Person so richtig angepaßt ist, krönt die Leitung der Volksküche. Gott vergelte ihre edle Tat. In tiefster Verbeugung D. T., 2. Bezirk, Glockengasse 23." Ein Wiener Stratzenbild. Die Brockensammlung für jüdische Arme mußte kürzlich ihr Lokal, IX., Elisabethpromenade 39, räumen. Massenhaft haben sich arme Flüchtlinge eingefunden, die zuerst mit Kleidern, Wäsche, Schuhzeug beteilt wurden; dann halfen sie alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus dem Lokal zu entfernen. Herzzerreißende Szenen spielten sich da ab. Jeder und jede wollte noch ein Stück von den Vorhandenerl Möbelstücken haben. Eine alte 70 jährige Frau bekam cm