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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-02 · 14 (2.4.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 14 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 263 Eisenbett und schleppte es selbst die aus dem Souterrain zur Straße führende Stiege hinauf; eine junge Frau, ihren Säugling auf dem Arme, hatte eine Gehschule und ein Kinderbett erhalten. Beides trug sie, sich mi'ch^ sam fortbewegend, das schreiende Kind auf dem Arme, hinaus; ein alter, ganz verhungert aussehender Mann im langeil Kaftan schleppt eine große Kiste hinaus. „Haben wir doch wenigstens zu Jonteff einen Tisch," sagte er uns, fast weinend; „zu Hause habe ich sechs Zimmer gehabt, jetzt wohne ich mit Schwiegertochter und vier Enkelkindern in einem Kabinett." „Und Ihr Sohn?" fragte ein Armer teilnehmend. „Ist in russischer Gefangenschaft," antwortete der Alte, froh, daß er die Kiste oben neben dem Haustor in Sicherheit gebracht hatte. Als man anfing, die Bänke zu verteilen, die hergestellt waren, damit die zur Verteilung Geladenen sich ausruhen konnten, sah Mall, was 'diesen Armen eine Holzbank bedeutet. Im Nu waren die zwölf Bänke draußen auf der Straße. Alte, schwache Weiber trugen schwere Bänke, große Kästen hinauf, froh, etwas für ihre Einrichtung erhalten zu haben. „Jsfts auch nur eine Holzbank," sagte mir bittend ein alter Mann, dem ein junger seine Bank streitig machen wollte, „lassen Sie sie Mir, ich habe ein krankes Weib, das seit Wochen aus der Erde liegt, sie wird glücklich sein, wenn sic wenigstens auf der Bank liegen kann." Vor der Tür des Hauses sah man die Flüchtlinge neben ihren Möbelstücken und Paketen sitzen, geduldig der herbeigerufenen Helfer harrend, die Hand anlegen sollten, um alles heim zu schaffen, was sie erhielten. Einer half dem anderen; gegen abend war alles geräumt. Die meisten hatten von einem Herrn, der sich zeither große Verdienste um die Brockensammlung erworben, Geld erhalten, UM die Sachen durch Dienstleute in ihre Wohnstätten schaffen zu lassen. Die Straße mußte geräumt werden. Ob dies das Ende der seit Monaten für die Flüchtlinge wirkenden Brockensammlnng ist? Momentan hat sie kein Lokal, keine Einkünfte, um ein neues Lokal zu mieten. Vielleicht findet sich unter den vielen r e i ch e n Hausherren einer, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, und ein leerstehendes Lokal (kann auch Souterrain sein) dem Verein zur Verfügung stellt? Viel Tausenden könnte, da noch täglich Spenden für die Brockensammlung für jüdische Arme eingehen, geholfen werden. Der Obmann Herr S. Bauer, 7. Bezirk, Lerchenfelderstraße 71, ist gern erbötig, Auskunft zu erteilen. Ein Vortrag im Volksbildungsvrrein. Wien, 31. März 1915. Geehrte Redaktion? Ein Vortrag des Herrn Mtter v. S moluchowski, der im Volksbildungsverein am Koflerpark „Ueber Ostkarpathen" unlängst stattfand, gab Mir Anlaß. darüber nachzudenken, wie es eigentlich in kurzer Zeit im Volksbildungsverein aussehen möchte, wenn man diese Bildung in die Hände solcher importierter Wissenschaftler a la R. v. S. geben würde. Herr R. v. S. hat sicherlich dieses Haus, das der Volksbildung und nicht der Volksverblödung dient, das erste Mal betreten, scheint auch nicht zu wissen, daß sich dort, außer den Wienern, auch diejenigen befinden, die Galizien und seine Völker kennen (und die dort hinkommen, kennen ihr Land viel zu gut). Herr R. v. S. erzählte vieles über Huzulen, (rnthenische Bauern), schilderte ihren Blödsinn usw. Nachher zog Herr R. v. S. aus seiner Bilder-» kollektion ein Bild — gerade für unseren „Kikeriki"- Redakteur passend — eines ausgewählten Juden hervor, und stellte diesen den Wienern als Repräsentanten mit den Worten, „daß er um einen Liter Schnaps die schönste und beste Erde dem Bauer herauslocken tut", dar. Bei diesen Worten gaben galizische Zuhörer ihrer Entrüstung laut Ausdruck. Hochachtend Adolf Rein, 12. Bez., Malfattistraße 16/43. Klattau. Am 7. November 1914 kamen in der Stadt Klattau 1087 galizische israelitische Flüchtlinge an, deren Zähl mittlerweile auf 1117 Personen angewachsen ist. Die Flüchtlinge sind gegenwärtig teils in gemieteten Wohnungen, teils in zwei vom Staate erbauten Baracken unlergebrachl. Die letzteren wurden im Laufe der Zeit adaptiert, mit elektrischem Licht und ebensolchen Ventilatoren versehen und entsprechen nunmehr den Bedürfnissen der Flüchtlinge. In unmittelbarer Nähe der Baracken wird eine Waschküche mit einer Wäschetrockenkammer und ein für mehrere Personen berechnetes Badelokal gebaut. Auf energisches Betreiben des hiesigen k. k. Bezirkshauplmannes Jaromir V y s o k y, der als Ehrenpräsident dem bestehenden Hilfskomitee beitrat, wurden von der Regierung Schuhe, Kleider, Wäsche und andere Utensilien neu angeschafft, so daß sämtliche Flüchtlinge damit beteilt werden konnten. Das seit Ankunft der Flüchtlinge eifrig tätige Hilfskomitee besteht aus folgenden Herren: Ehrenpräsident Bezirkshauptmann V y s o k y, Obmann Knltusvorsteher Feigel, Rabbiner Dr. B r e t, Brauhausbesitzer Lanner, Kaufmann L a s ch a n s k y, MUDr. Reiser, Kaufmann Schleißner und Bankier Schütz. Die meisten Mitglieder der Kultusgemeinde Klattau und der Nachbargemeinden unterstützen die Emigranten in jeder Weise. Zu den bevorstehenden Feiertagen wurden die Flüchtlinge mit Mazzes und Kartoffeln beschenkt. B. Vermischtes. Ir. Gustav Kostn. Bei dem am 30. v. M. im großen Leopoldftädter Tempel abgehalrenen Festgottesdienst wurde der 75jährige Geburtstag des k. k. Landesschulrates Dr. Gustav Äohn zum Anlaß einer spontanen Ehrung für den allgemein geachteten und beliebten Jubilar, der seit vielen Jahren als erster Vizepräsident der Kultusgemeinde fungiert. Nachdem Oberkantor Morgenstern in Begleitung des Gesamtchors einen felbftverfaßten Segensspruch meisterhaft vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. Max Grunw a l d eine die vorzüglichen Charaktereigenschaften des Jubilars zeichnende Festrede. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn. war von der Ehrung tief gerührt und benützte auch diesen Anlaß, um für wohltätige Zwecke Beträge zu spenden. Die Familie des Herrn Landesschulrates war aus diesem Anlaß Gegenstand vielfacher Sympathiekundgebungen ans weiteren Kreisen.

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