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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-02 · 14 (2.4.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 357 Gefechtspause. Unser Divisionär Feldmarschalleutnant von Hadfy — ein durch und durch liberal denkender, feinfühlender, auf den Seerenzustand seiner Untergebenen fters aufs sorgsamste bedachter Herr — gab allen jüdischen Offizieren und Soldaten der Division — zirka 800 an der Zähl — vollständige Dienstenthebung. Ferner ließ er ein riesengroßes Zelt errichten, in dem wir alle von Abend bis Abend, althergebrachter Weise gemäß, mit uns ins Reine kommen konnten. Es gibt wohl viel rüh>- rende und erhebende Momente in einer solch .großen Seelenerschütterung, wie sie dieser Völkerkrieg hervorgebracht, aber dieser Tag wird uns allen unvergeßlich sein. Hunderte und aber Hunderte Feldgraue stehen vor dem Weltenherr. Vielleicht schon morgen werden sie wiederum dem Tode in die Augen schauen, tapfer und mutig allen Gefahren entgegensehen, heute schluchzen und weinen sie und beten geburschten Herzens um Sündenerlaß, um die Ihrigen zu Hause, um sich und um unsere gemeinsame gerechte Sache. Da ist einer, der beim Kaddischgebet jämmerlich weint. Der Vater ist ihm gestorben und erst heute kann er Kaddisch sagen, der andere hat Jah'rzeit, dem dort liegt die Frau zu Hause krank, jener in der Ecke hört schon seit Monaten nichts von seiner Familie, sie ist geflüchtet vor den einbrechenden, der jüdischen Bevölkerung nicht sehr hold gesinnten feindlichen Truppen. Der Leutnant neben mir bekam das erste Kind, ein Mäderl, von seiner Frau geschenkt, und er sah es noch nicht. Jeder hat sein eigenes Leid. Dennoch beten wir alle ein gemeinsames Gebet für ein gemeinsames Ziel. . .Wir schluchzten und weinten, als wir aber hinausgingen, fühlte sich jeder getrost und in gehobener Stimmung, und voller Hoffnung kehrte jeder zu seinem Dienste zurück. . . ." Iizchok öen Iizchok. Das jüdische Tageblatt „Moment" in Warschau erzählt, daß ein schwer verwundeter jüdischer Soldat den Arzt bat, ihm telegraphische Nachricht von seiner Frau, die in hochgesegnetem Zustande sei, zu bringen. Die Antwort blieb lange aus und es schien, als ob der Soldat den Tod abgewchrt hatte, solange keine Antwort da war. Der Soldat lag in Agonie, als der Arzt Mit der Depesche ans Bett trat, in welcher die eben erfolgte Geburt eines Sohnes gemeldet wurde. Der Sterbende erhob den Kopf, faßte den Arzt bei der Hand und bat, seiner Frau mitzuteilen, daß das Kind nach ihn: heißen solle. Als ob er eine Vision der Bris-Feier haben würde, lispelte er als seine letzten Worte: „Wejikore scheraau be Jisroel Jizchok ben Jizchok.“ („Seine Name werde in Israel geheißen Jsäk, der Sohn Jsaks.") Dann starb er. Jüdische Soldaten meiner Kompagnie. Von Elemer Kocsy, Hauptmann, Kommandant der 6. Feldkompagnie, 31. Honved-Jnsanterieregiment. Die folgenden, sicherlich authentischen Mitteilungen entnehmen mir dem „Egyenlösseg" in Budapest. Hier hört man immerfort die Frage: Wie entsprechen unsere Soldaten jüdischen Glaubens vor dem Feinde? . . . Auf die obige Frage will ich mit Tatsachen und Namen antworten, um damit zu beweisen, daß die in unseren Truppen kämpfenden ^jüdischen Soldaten genau solche Helden, ebenso tapfer und pflichtbewußt sind, wie die übrigen. Diese meine kleine Arbeit wird bei der Verfassung der Geschichte meiner Kompagnie, so wie ich es jetzt zusammengestellt habe, als Grundlage dienen. Mit der 8. Feldkompagnie des Vespremer Honved-Hausregimentes zogen die folgenden jüdischen Soldaten gegen den Feind: Eugen Wolf, Einjährig-Freiwilliger-Gefreiter, Eugen Neuhauser, Gefreiter, Emmerich Schiffer, Gefreiter, Julius Neumann, Honved. Zur Belohnung ihrer Verdienste und hervorragenden Verwendbarkeit habe ich von den Genannten zur Auszeichnung unterbreitet, und zwar den Einjährig-Freiwilligen-Gefreiten Eugen Wolf und den Gefreiten Eugen Neuhauser für die silberne Tapserkeitsmedaille. Der Honved Julius Neumann wurde gleichfalls für die silberne Tapserkeitsmedaille vorgeschlagen. Diese Auszeichnungen haben sie seither auch bereits erhalten. Zu meinen hervorragenden Soldaten gehörte auch der Gefreite Emmerich Frank, der jedoch noch während der Mobilisierung zu einer Marschkompagnie versetzt wurde, wo er zum Zugsführer vorrückte. Der Gefreite Emerich Schiffer wurde zum Zugsführer befördert. In dem folgenden werde ich die Taten und die Tapferkeit meiner oben angeführten braven Soldaten kurz schildern. Eugen Wolf, Einjährig-Freiwilliger-Gefreiter, hat sich schon von der ersten Zeit an als fleißiger, energischer, sehr pflichtbewußter Unteroffizier erwiesen. Während der Mobilisierungstage nach den Einrückungen benützte er seine freie Zeit nicht dazu um auszuruhen, sondern half freiwillig in meiner Kompagniekanzlei die vorkommenden schriftlichen Arbeiten durchzuführen. Wegen seines zu umfangreichen Körperbaues wurde er auf dem Kriegsschauplätze mit anderer gleichfalls weniger marschfähiger Mannschaft zum Regimentszug eingereiht. Hier hat er um die Aufrechterhaltung der Ordnung die größte Energie und den größten Eifer an den Tag gelegt, und wurde bald die rechte Hand seines Zugskommandanten bei dieser schweren Arbeit. Einmal hatte ich auch persönlich Gelegenheit die Vorzüglichkeit meines braven Unteroffiziers kennen zu lernen. Es war noch am 23. August vorigen Jahres, in Galizien, als ich mit meiner Feldkompagnie zur Nachhut kommandiert wurde. Zwischen mich und die Haupttruppe reihte sich der Proviantzug des Regimentes und einige Eeschütznrunitionswagen. So lange das Regiment auf künstlichen Straßen marschierte, kam auch der Zug ungehindert vorwärts. Bei einer Gemeinde jedoch verließ unsere Truppe die vorzügliche Landstraße und betrat die wegen ihrer Unbrauchbarkeit bekannten sandigen galizischen Wege. Der Zug blieb bald stecken. Nachdem ich die nötigen Beobachtungs- und Sicherungspatrouillen ausgesandt hatte, galoppierte ich persönlich nach vorne, um mich zu überzeugen, was den Zug am Weiterkommen hindert. Vorne angelangt, sehe ich, daß der Weg über einen aus beiden Seiten steilen Bach führt, in dessen Schlamm gleich der erste Wagen bis zur Deichsel versunken steht, neben ihm im Wasser Gefreiter Wolf mit zwei Honved ohne Wertzeugausrüstung. Sie schoben den Wagen. Eben wollte ich befehlen, daß man noch ein paar Pferde Vorspannen möge, als neben mir schon der nachfolgende Fuhrmann seine Pferde nach vorne führt. Dies hat, mir zuvorkommend, Gefreiter Wolf angeordnet. Die vier Pferde und drei Mann haben das erste Fuhrwerk mit großer Mühe auf die andere Seite hinübergebracht. Behufs Ebnung der Straße habe ich einige Soldaten in die naheliegenden Häuser um Hauen ausgeschickt. Als diese ankamen, Hat mein eifriger Unterofftzier auch eine Haue ergriffen und half bei der Ausbesserung des Weges. Vier Wagen sind schließlich über den Bach gekommen. Diese habe ich dem Kommando des Gefreiten Wolf unterstellt, indem ich ihm auch eine entsprechende Zahl Soldaten zuteilte, und ihn gleichzeitig über die einzuhaltende Wegrichtung orientierte. Während ich den anderen Teil des Zuges auf einem anderen Umweg, aber immerhin besseren Straße, dem Regiments nachführte, schritt Gefreiter Wolf mit seinen Wagen über Hügel und Wälder durch ununterbrochene Hindernisse nur schwer vorwärts. Oftmals mußten alle die Wagen vorwärts schieben. Bei Eintritt der Finsternis, kaum zwei Stunden vom Marschziel, ordnete er in der Nähe eines kleines Waldes, mit Rücksicht aus die Erschöpfung von Mann und Pferde, eine Ruhepause an. Der umsichtige geschickte Unterofftzier vergaß auch nicht an die erforderliche Sicherung. Er entsandte in das Wäldchen eine horchende Patrouille, damit er nicht etwa von der feindlichen Kavallerie überrascht werde. Er selbst blieb die ganze Nacht wach, seine Vorsicht war auch korrekt und sehr notwendig. Beim Morgengrauen meldeten ihm seine beobachtenden Soldaten das Herannahen zweier feindlicher Reiter. Gefreiter Wolf mahnte die Zivilfuhrleute mit großer Energie und Gefaßtheit zur Ruhe, kommandierte seine kleine Abteilung hinter die Wagen und ordnete das Feuer auf die russischen Reiter an, welche sofort abbogen und davon ritten. So brachte mein braver, tapferer, energischer Unterofftzier die vier Wagen noch vor dem Abmarsch in das Nachtquartier des Regimentes ein. Gefreiter Eugen Neuhauser hat sich in mehreren Fällen als tapferer und geschickter Patrouillenkommandant ausgezeichnet und ist ein glänzendes Beispiel der Anhänglichkeit zum Vorgesetzten und seiner Unterstützung selbst um den Preis des Lebens. Wenn ich an meine Mannschaft die Frage richte, wer sich freiwillig zur Patrouille meldet, trat mein Gefreiter Neuhauser selbst nach dem ermüdendsten Marsche sofort vor. Einmal wurde meine Kompagnie zur Eeschützdeckung befohlen. Einer meiner beobachtenden Honveds hat auf dem seitlichen Terrain schwächere feindliche Kavallerie gemeldet.. Da das Terrain mit Gesträuch und Bäumen besetzt war, habe ich gleichzeitig mehrere Patrouillen ausgeschickt. Der freiwillig gemeldete Kommandant einer dieser Patrouillen war der Honved-Gefteite Neuhauser, dessen Patrouille auch gefeuert hat. Die hieraus folgenden mehrtägigen Gefechte machten es mir jedoch unmöglich, mich über die oben bezeichnte Tätigkeit des genannten Gefreiten zu informieren. Ausführlich möchte, ich jedoch hier beschreiben, wie er sich bemüht hat, mich als Schwer-

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