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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-02 · 14 (2.4.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 14 Bette SSS verwundeten in Sicherheit ßu bringen. Meine heldenmütige Kompagnie kämpfte gegen eine in einem Gutshöfe sich eingenistete russische Infanterie. Nachdem uns später gelang, den Gutshof anzuzünden, hatten wir ihn im Sturme genommen. Wir nahmen hinter den brennenden Häusern Stellung und nahmen die Russen unter starkes Feuer. Bei dieser Gelegenheit bekam ich zwei Verwundungen hintereinander. Zu meiner Hilfe krochen der Zugsführer S a r y — er wurde später Feldwebel — und Gefreiter Neuhauser in sehr heftigem Infanteriefeuer an mich heran und verbanden mich wie es eben ging. Zugsführer Sary, der bei dieser Gelegenheit Zugskommandant war, kehrte nach Vollendung des Notverbandes zu seiner Schwarmlinie zurück, neben mir blieb bloß Gefreiter Neuhauser. Er rief hierauf einen Soldaten herbei und beide hoben mich und schleppten mich mitten durch die russischen Geschosse hinter die brennenden Häuser. In meinen qualvollen Schmerzen und in der Ueberzeugung, daß meine Wunden tätlich seien — meine Lunge war auch durchschossen — befahl ich schwer hervorstöhnend : „Legt mich nieder, Iungens, Ihr quält euch auch so umsonst mit mir!" Ich sehe noch jetzt die traurigen Äugen des Neuhauser vor mir und ich höre gewissermaßen wie er sagt: „Ach, wo werden wir Sie niederlegen, Herr Hauptmann, Sie verbluten ja, wenn wir Sie hier lassen!" Das Gewicht meines Körpers, die furchtbare Hitze, welche in dem brennenden '.Gutshöfe herrschte und die Aufregung hat meine braven zwei Soldaten so sehr erschöpft, daß sie mich nicht weiterschleppen konnten und mich unter einem Baume niederlegten. Der Honved blieb bei mir, während der Gefreite um Hilfe ging. Bald kehrte er mit anderen zwei Soldaten zurück. Nun hoben mich die vier auf und eilten mit mir aus dem brennenden Eutshofe hinaus. Hinter demselben.gelangten wir abermals in feindlichen Feuerbereich, ja sogar in ein Kreuzfeuer. Stark pfiffen die Kugeln um uns herum. Bald erhielt ich auch die dritte Wunde: Durch meinen rechten Futz ging ein Geschoß durch. Abermals befahl ich, daß sie mich sofort niederlegen mögen, da sonst auch sie verwundet würden. „Nein, Herr Hauptmann, hier lassen wir Sie nicht, selbst wenn es uns das Leben kosten sollte!" war die bestimmte und entschlossene Antwort des Honved-Gefreiten Eugen N e u h a u s e r7 Einige Augenblicke nach diesem Zwiegespräch wurde der brave, tapfere Unteroffizier und noch zwei meiner heldenmütigen Soldaten verwundet. So brachten Neuhauser und andere drei tapfere Soldaten mich erst aus der Schwarmlinie, dann aus dem brennenden Eutshof und aus dem schrecklichen Kreuzfeuer der Russen. Ueber meinen dritten -Soldaten jüdischen Glaubens, mutz ich mich im Tone der Anerkennung äußern. Sein Pflichtbewußtsein geht auch aus dem nachfolgenden hervor: Emmerich Schiffer, jetzt bereits Zugsführer, war etwas schwacher Konstitution. Sein Raseurberuf hat seinen Körper nicht gestählt. Während' der Mobilisierung habe ich ihm öfter von der Beschäftigung befreit, damit er sich ausruhe. Einmal ließ ich ihn mir kommen und sagte ihm, daß ich mit Rücksicht auf seine schwache körperliche Verfassung zur Versetzung in ein Ersatzbataillon in Vorschlag bringe. Dies entsprach jedoch seiner Ambition nicht, er bat mich vielmehr, ihn in meiner Feldkompagnie zu belassen, er werde schon so stark werden, um die Kriegsstrapazen zu ertragen. Und so war es auch. Er ertrug gut den Marsch und war unter allen Umständen pflichtbewußt. Noch eines muß ich von ihm erzählen. Anläßlich eines Treffens legte ich mich in der Schwarmlinie gerade neben ihm hin. Die russischen Kugeln. schlugen dicht um uns ein. Ich befahl das Eingraben. Weder der links von mir liegende Honved, noch Gefreiter Schiffer hatten Jnfanterieschaufeln und so mußten wir geduldig warten, bis wir in den Besitz solcher kamen. Der Honved feuerte natürlich wie jeder, der nicht mit der Herstellung der Deckung beschäftigt ist. Mein Honved-Gefreiter gab auch einige Schüsse ab, während ich mit dem Feldstecher die Wirkung beobachtete. Das Feuer der Russen gegen meine Schwarmlinie wurde lebhafter. Schiffer war beunruhigt, daß ich in diesem lebhaften Feuer ungedeckt liege, kroch zu mir heran und stellte mit seinen beiden Händen eine Ärt Deckung vor mir her. Es ist das vielleicht eine Kleinigkeit, aber oft steckt auch in der so unbedeutend scheinenden Tatsache ein großer Schatz. Man muß nur forschen und nicht einfach darüber hinweggleiten. Im ganzen zweiten Feldbataillon, ich kann sogar sagen im ganzen Regiment war der „Neumann-Jude" eine allbekannte Figur. So nannte sich mein Honved Julius Neumann. Im bürgerlichen Leben beschäftigte er sich hauptsächlich mit Pserdehandel, deshalb verkaufte und kaufte er aber auch andere Dinge. Anläßlich eines langweiligen Aufenthaltes im Schützengraben sprach ich mit ihm. Es war von seinem Zivilberuf die Rede. „Vor dem Kriege", sagte er, „war ich Pferdehändler und Bräutigam." Er zeigte mir auch eine Photographie. Wahrhaftig er verstand sich auf alles. Er war selbst in den ärmsten Gegenden der Prooiantlieferant meiner Kompagnie. Für unsere Küche verschaffte er Hühner, Gänse, Schweine, einmal sogar einen mächtigen Hirschen. Er verstand das Metzger- und Fleischhauergewerbe und konnte einen prächtigen Gänsebraten bereiten. Ich erinnere mich, daß er mir einmal aus meinem Beobachtungsposten den duftigen, vorzüglich ausgebratenen Gänsebraten brachte und bot m'.r ihn mit folgenden Wollen an: , Herr Hauptmann, befehlen bitte einen vorzüglichen rituellen Braten!" Seinen Satz schloß er mit hebräischen Worten; er sprach auch diese Sprache. Wenn ich mit der galizischen Bevölkerung oder mit unseren russischen Gefangenen sprechen wollte, so rief ich nur den „Neumann-Juden". Häufig lachten wir über seinen prächtigen Humor. In dem größten feindlrchen Feuer, während der mühseligsten Märsche, half mir sein großartiges Gemüt meine Mannschaft in guter Stimmung zu erhalten. N e u m a n n war mein Mann für alles. Ich schickte ihn in Patrouillen aus, er handhabte das Telephon meiner Kompagnie und ich nahm ihn als Boten. Im lebhaftesten feindlichen Feuer, jede Vorsicht außer acht lassend, vermittelte er zwischen mir und meinem Vorgesetzten Kommando Berichte oder umgekehrt Befehle. Wenn ich ihn energisch anschrie, er möge doch besser auf sich Acht geben und nicht so waghalsig sein,' antwortete er: „Bitte, Herr Hauptmann, meinetwegen nichts zu fürchten. Den Neumann-Iuden meidet die Granate." Einmal aber hätte sie ihn beinahe nicht gemieden; er kroch nämlich aus der Deckung hervor, um Aepfel zu holen. Kaum war er draußen, platzte über seinem Kopfe ein Schrapnell. In einer Sekunde war er in der nächsten Deckung und krähte wütend zu den Russen hinüber. Er krähte überhaupt sehr gerne und erzielte bei nieiner Kompagnie immer eine große Wirkung. Wenn er müde wurde, blieb er einen Augenblick stehen, bließ mächtig von sich und krähte nur noch lauter. Auch seinen Gefühlen gab er auf solche Weise Ausdruck. Bei einem Vordringen bekam meine Schwarmlinie starkes Infanteriefeuer. N e u m a n n gab auch seinem Mißfallen durch ein in weinerlichem Tone hervorgebrachtes Krähen, womit er wie immer auch jetzt bei meinen Soldaten allgemeine Heiterkeit erweckte. Ein solcher Mensch ist im Kriege gar nicht abzuschätzen. Es fällt mir schwer, mich mit ihm so kurz zu beschäftigen, denn sehr, sehr viele Vorfälle knüpfen sich an seinen Namen. „Unser Neumann-Iude" ist ein interessanter und wertvoller Mensch. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. (Bisher wurden 2347 mitgeteilt, in der vorliegenden Nummer 45, zusammen 2392.) Altwied (bei Neuwied a. R.). Unteroffizier Leopold Moses im Fußartillerieregiment Nr. 9. Groß-Berlin. Rabbinatskandidat Dr. Siegfried Klein von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Unteroffizier der Landwehr im 4. Earde-Brigade-Ersatzbataillon Garde- Ersatz-Division Armee-Abteilung „von Strantz". Oberarzt d. R. Dr. Hugo Schloß. Dr. Martin Meyer, Feld-Unterarzt. Alfred Michel, Unteroffizier d. Res. i. e. Res.-Feldart.-Reg., Bankbeamter. Dr. mcd. Siegfried Rosenberg, Stabs- und Chefarzt e. Res.-Lazaretts. Alfred Strieme r, Feldproo.- Amts-Insp., Ing. Paul Wulf, San.-Unteroffizier i. e. Ersatz- Division. Beuthen (Oberschlesien). Alfred Händler. Erich Mand o w s k y, Einj.-Freiw.-Unteroffizier. Bleicherode. Assistenzarzt Dr. Fritz Schlesinger. Charlottenburg. Dr. Hugo Kann. Dr. Bruno Rappap o r t, Oberleutnant d. Res., Oberlehrer an der Herder-Schule. Düsseldorf. Unteroffizier Philipp Weinberg im Landwehr-Infanterieregiment Nr. 30, Mitinhaber der Firma Eratt, Papierwarenfabrik, hier. Emmendingen (Baden). Gefreiter Otto Weil, hier, unter gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier. Esens (Ostfriesland). Kriegsfreiwilliger Hugo Herz, für bew. Tapferkeit bei einem Patrouillei-ritt. Frankfurt a. M. Oberarzt d. Res. Dr. Gustav Oppenheim. Leutnant der Reserve im 87. Reserve-Infanterieregiment Rechtsanwalt Dr. M a x 23 a u nt. Friedenau. Wilhelm Henschel, Kaufmann. Fulda. Dr. Meinhold Nußbaum, Mitgl. (K. I. V.). Görlitz. Oswald Israel, Feldw.-Leutnant im Jnf.-Reg. Nr. 18, Kaufmann. Hannover. Paul Berliner, Dipl.-Ing., Jngenheim (Rheinpfalz). Viktor Moritz. Kaiserslautern. Offizierstellvertreter im. bayerischen Infanterieregiment Nr. 23, cand. jur. Rud. Stern. Köln a. Rh. Kaufmann Benno Goldschmidt, Wehrmann im Reserve-Infanterieregiment Nr. 68, - unter gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier. Königsberg i. Pr. Dr. Mar Tscherniak, Mitgl. K. I. D. München. Mar Frank im bayerischen Reserve-Infanterieregiment Nr. 13. Robert L e v i, Mzeseldwebel der Reserve,

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