Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022156--23990-3049216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr 13 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 243 Geschmack zu kleiden verstehen, nach der bereits ausgemusterten Garderobe gegriffen, um Jhtr Aeußeres mir denr Empfinden Ihrer Seele in Einklang zu bringen. Bitte, suchen Sie Mieder Ihren Kleiderfalon auf. da Ihre Verhältnisse Ihnen dies nicht nur gestatten, sondern direkt vorschreiben! Arbeitsfreudige Hände werden sich Ihnen banfeub entgegenstrecken und in dem Bewußtsein, der schweren Zeit ein Opfer gebracht zu haben, werden Sie an dem Gebilde des Salons eine Genugtuung empfinden wie nie zuvor. Wir aber werden Sie in dem neuen Rahmen umsomehr bewundern, weil wir überzeugt sind. Sie haben die beaux restes aus Ihrer Garderobe zur Bekleidung von Frauen verwendet, die wohl mutig Hunger ertragen, aber ihre Armut nicht auch über die Gasse führen möchten. Und Sie, schwergeprüfte Freundin! Es ist ganz kurz her, daß wir mit Ihnen weinten, da man Ihren edlen Sohn, der auf dem Felde der Ehre gefallen, ins kühle Grab bettete und ganz leise haben wir mit Ihnen gebetet, der liebe Gott möge Ihre beiden anderem Söhne, die im Felde stehen, beschützen und sie als Sieger unversehrt in Ihre Arme zurückführen. Ihnen, rueine teure, gnädige Frau, ist die Modefarbe für lange Jahre vorgeschrieben und gewiß haben Sie alle Hellen Kleider aus Ihrer Garderobe der Brockensammlung gebracht. Aber Sie sollen sich auch von den Hüllen trennen, welche Ihren Liebling umschlossen haben, ehe er auszog, um ein Held zu werden. „Wir bekleiden auch viele Superarbitrierte besonders Studenten aller Fakultäten." „Aus welchen Gründen superarbitriert?" „Ach Gott, sie wurden nicht verwundet, aber lungenkrank sind sie im Felde geworden und wurden daher untauglich für jeden Militärdienst erklärt." Wie schön ist es, für seinen guten Kaiser und für's Vaterland, für's teure zu sterben! Diejenigen, welche einen Fuß, eine Hand auf den Altar des Vaterlandes niederlegen durften, sind des Dankes des Vaterlandes und der Verehrung der Allgemeinheit sicher. Wer aber unbedankt dahinsiechen muß. ist auch ein Held, wenngleich eigener Art. Bekleiden Sie ihn, meine Gnädige, mit den Hüllen, die den auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden umschlossen hatten! Das liebe Fräulein, das mir durch seinen schlichten Vortrag, durch die von ihrer Hand geführten Ausschreibungen — es sind Folianten, die seit August bis heute gefüllt wurden — Einblick gewährt hat, führt mich nun in den großen Raum, wo die gesammelten Konfektionsstücke geputzt und hergerichtet auf ihre Abnehmer warten. Drei Damen der Gesellschaft wurde ich von Fräulein Frühling vorgestellt, sie verkörpern den Sommer und widmen drei Stunden des Vormittags und ebensoviele des Nachmittags dem aufopfernden Dienste. Allen Jahreszeiten war ich in den Räumlichkeiteu Heinrichsgasse 5 begegnet. bis auf den segensreichen, früchtespendenden Herbst. Diesen sollen Sie herv o r z a u b e r n d u r ch Z u w e n d u n g v o n S p e n d e n aller Art — meine edlen L e s e r u n d Leserinnen! Noch eine letzte Frage, bevor ich die Räume verlasse, die soviel Anregung ausströmen — und wie ein Engelschor, (gleich jSphärenklang hallt Hs durch den Raum „ohne Unterschied der K o n f e s s i o n". Mir war heiß geworden und als ich das Pförtchen, das auf den Franz Josefs-Kai führt, hinter mir schloß, da hatte ich das Gefühl, als ob ich durch das ' hohe Tor eines gewaltigen Domes schritte und ich wiederholte im Innern den Choral: „ohne Unterschied der Konfession". Wahrlich, was hier geübt wird, ist Religion! H a l l e! u j ah? Halleluja h! Bernhard Reich. Edlr Spender wollen die Adresse ..Brockensammlung. I.. .Heinrichsgassc benützen — auf Wunsch werden Pakete auch abgeholt. Sowohl Geldals Brockenfpenden werden dankend veröffentlicht. Die „Einheit" am Wessach im Kriegsjahre. Die Volksspeisehalle des Vereines „Einheit", welche schon in Friedenszeiten Außerordentliches geleistet hat. ist seit Kriegsausbruch täglich das Ziel Tausender durch den Krieg in Not geratener jüdischer Familien, sowie zahlloser Flüchtlinge, welche in dieser Speisehalle gegen billiges Entgelt ihren Hunger stillen. Haben die Kriegsverhältnisse schott bisher an den Vorstand der „Einheit" ganz hervorragende Anforde rungen gestellt, so sieht er sich jetzt anläßlich des dies jährigen Pessachfestes einer Aufgabe gegenüber, wie sie selbst in der Geschichte jüdischer sozialer Wohltätigkeit einzig dasteht. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, etabliert der Verein „Einheit" drei Ausspeisungsstellen anläß lich der kommenden Pessachtage. und zwar in seiner ftändigen Hauptanstalt 2. Bez.. Malzgaste 12, in den Räu men der Talmud-Thora. 2. Bez., Malzgasse 16, und in einem hierzu adaptierten Lokale im 1. Bezirk. Bauernmarkt Nr. 21. Um einen beiläufigen Begriff von der Größe dieser Ausspeise-Aktion zu haben, sei darauf him gewiesen, daß der Vereinsvorstand, welcher mit der Ausgabe der Speisemarken bereits begonnen hat. in der Zentrale Malzgasse 12 täglich 4000 Personen, in der Talmud-Thora täglich 1200 Personen und in dem Lokale Bauernmarkt 21 auch zirka 2000 Personen täglich ausspeisen wird. Der Pereinsvorstand mit Herrn Bernhard Hofbauer an der Spitze, sowie der um den Verein so verdienstvolle Oekouom Herr Adolf Fischer, unter stützt von dem Kassaverwalter Herrn Mar H o f b a u e r. bieten die sichere Gewähr dafür, daß auch dieses anerkennenswerte Unternehmen dieses segensreich wirken den Vereines zur vollen Zufriedenheit der Beteiligten durchgeführt werden wird. Httluesse Merkoü für israelitische Mannschaft. Auf Grund eines Erlasses des Kriegsministeriums ist während der Osterfeiertagc. d. i. vom 29. März bis 6. April, den Soldaten israelitischen Glaubens die rituelle Kost zu verabreichen. Die Militärstationskommandos werden die Anzahl der in ihrem Bereiche vorhandenen Mann schaftspersonen dieses Glaubens auch Kranke und verwundete, einschließlich der kranken und verwundete» Gefangenen -- erheben und mit den zuständigen israeli tischen Kultusgemeinden das Einvernehmen pflegen, ob sie die Verköstigung israelitischer Soldaten während dieser Zeit gegen eine Vergütung in der Höhe des täglichen Menagegeldes, einschließlich Brotrelutums, zu überneh men geneigt wären. Nachstehende Kultusgemeinden haben der k. u. k. israelitischen Militärsorge in Wien ihre Be reitwilligkeit bereits erklärt: Wien. Baden, Bisenz. Göding. Groß-Enzersdorf, Jglau. Mistelbach, Neunkircheu und Oberhollabrunn. Sankt Pölten (bloß für die ersten zwei Hauptseiertage ß Die Kultusgemeinden Brünn und Wallachisch-Meseritsch übernahmen keine Verpflichtungen, haben sich aber bereit erklärt, an den ersten Festabenden auf eigene Kosten sich meldende Soldaten zu bewirten. Die Kultusgemeinden Znaim. Wiener-Neustadt, K'orneu bürg und Bruck a. d. Leitha lehnen die Verköstigung ab.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.