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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 242 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 13 Händen zu lindern, heiße Tränen zu trocknen, wühlendes Ungemach zu bannen, aufzurichten und zu stützen, Friede und Freude zu verbreiten, ein nimmermüder und barmherziger Vater der Armen und Bedrängten. Die Goldprobe aber hat dieses Herz jetzt in diesen furchtbaren Zeiten bestanden, in denen der Krieg und seine Greuel, seine seelischen und wirtschaftlichen Plagen mit eherner Wucht auf die jüdischen Massen hämmern und an die Mildtätigkeit der Gemeinde und der begüterten Brüder pochen. Da hat Dr. Gustav Kohn wieder einmal seinen ganzen Mann gestellt, ja sich selbst übertroffen. Dieses Aufgckhen in die Bedürfnisse der anderen* dieser rest- und selbstlose Altruismus für die Allgemeinheit gibt seinem Wirken und seinem Wesen den unverlöschlichen Glanz und die rechte Prägung, und sie ist es, die auch diesen Gedenktag seines Lebens zu einem Freudentage für unsere Judengemeinde stempelt. —s— KartoffetpessachaLtion der..Weiblichen Aürsorge". Wir können leider die vielen Spenden, die aus alten Teilen Deutschlands und Oesterreichs uns zugekommen sind, erst in nächster Nummer ausweisen und erwähnen nur mit bestem Dank: 500 Kr. löbl. Wiener Kultusgemeinde (im ganzen 1500 Kr.); 400 Mark Sammlung Sr. Chlrwürden Herrn Rabbiner Dr. Aöwenthal (Hamburg); 300 Kr. Herren preuß. Kommerzialräte Josef Jacob und Moriz Berliner in Hannover; je 200 Kr. löbl. Loge „B'ne B'rith^ (im ganzen 1200 Kr.); löbl. Ägudas Jisroel; löbl. Flüchtlingsjause; 160 Kr. löbl. Jubiläumsbrotverteilung; je 100 Kr. Frau Sofie v. Bauer; Polnische Gymnasiastinnen des Institutes der Frau Dr. Kammerling statt Geburtstagsblumen für diese Dame; im ganzen über 19.000 Kronen. Infolge des enormen Andranges von Flüchtlingen und Einheimischen wären weitere Spenden hochwillkommen (an „Weibliche Fürsorge", I., Schottengasse 10, und Frau Rabbiner Dr. Grunwald, II., Ferdinandsstraße 23). Kemrichsgasse Yr. 15. kälter .als der strengste Winter ist Armut und Elend; Denn beim Anblick derselben fröstelt die Seele, erstarret das Herz. Wer zwischen acht und zehn Uhr vormittags durch die Pforte schreiten will, die ein humaner Hausherr in der Heinrichsgasse Nr. 15 öffnete, um den Armen und Elenden Einlaß zu gewähren, der kann Gruppen daherschreiten sehen, wie sie die Meisterhand Canovas auf dem weltberühmter Denkmal der Erzherzogin Christine empfunden hat. Was an edler Plastik fehlt, wird durch erschütternden „Verismus" ersetzt. Den traurigsten Anblick bieten die Familien mit zahlreichen Mitgliedern; denn wer beteilt sein will, muß mit Mann und Maus erscheinen: Großvater, Vater, Mutter und Kinder in allen Altersstufen bis zum kleinsten Wurm, der sein Wimmern auch in dieser Generalversammlung des Elends nicht unterdrückt, wenn ihn nach der Brust der Mutter dürstet. Der Glückliche! Er ist auch der einzige, dessen Ansprüche erfüllt werden können, ebenso wie es das einzige Glück der abgehärmten Frau ist, wenn sie ihm die reduzierten Reste ihrer Kraft bieten kann. Doch dank der Fürsorge des edlen Hausherrn (Namen solleil hier nicht genannt werden), verflüchtigt sich allmählich das Entsetzen des teilnahmsvollen Besuchers; denn dieser ideale Hausherr hat nicht bloß eine prachtvolle Lokalität dem wohltätigen Zwecke kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern er sorgt auch seit vollen fünf Monaten bereits für Beheizung und Beleuchtung derselben. Eigentlich sollte man den Namen des Wohltäters laut nennen dürfen, denn edles Tun kann werbend wirken. Aus der Armeleute-Stube in der Heinrichsgasse führt * eine Türe nach einem zweiten Gelasse; diese wird geöffnet und partienweise beginnt der Einlaß. Und das Eis des Elends und des Winters beginnt zu schmelzen: ein Frühling von 21 Jahren streckt milde seine Hand entgegen und horcht aus die Wünsche der Erschienenen. Für das Baby eine ganze Garnitur. „250 solcher Garnituren haben wir bisher unter die Aernisteu gebracht." Für jedes größere Kind, für Mann, Frau und Großvater je eine Garnitur neuer Leibwäsche. - „Denn wir dürfen aus. hygienischen Gründen nur mit tleuer Wäsche beteilen", 'singt der Frühling — höret, edle Mütter und ihr wöhlsituierten Hausfrauen! — „und brauchen täglich 300 Kronen für neue Wäsche und treue Kinderkleidchen" (denn Kinder werden aus denselben Gründen nur mit neuen Kleidern beteilt). „Bitte, Wei Karten zum Konzert," sagt ein junger Mann, der durch eine zweite Tür, die vom Franz Josefs- Kai in diesen großen Raum führt, eingetreten ist und mit verbindlichem Lächeln entschuldigt sich der Frühling ob der Unterbrechung und findet Zeit zum Kartenverkauf. „Was für ein Konzert, mein Fräulein?" „O, ein Konzert mit prachtvollem Progratnnr," wirbt sie, „unter dem Protektorate der Fürstin Lubomirska". Diesen Namen habe nicht ich genannt, aber er ^könnte trotz aller Vorsätze, keinen Namen zu nennen, auch voll mir genannt werden; denn „'Fürstin Lubomirska" ist kein Name, sondern ein edles Panier, welches unendlichem Wohltun vorausgetragen wird. „Aus welchen Kreisen rekrutieren sich denn Ihre Armen?" „In den ersten Monaten waren es recht erbärmliche Menschen, die uns zuströmten; seit 2 bis 3 Monaten aber kommen viele bessere Menschen. Da kommen zunr Beispiel Advokaten..." Meine Herren Richter bis hinauf zu den Exzellenzen der höchsten Gerichtshöfe, hochgeehrte Herren der Advokatenkammer und selbst Sie, die natürlichen Gegner der Advokaten, meine Herren Staatsanwälte, bis hinauf zu den Exzellenzen der Generalprokuratur! Ich gestatte mir, Sie einzuladen, sich zu erheben, um der Arbeit Ehre zu erweisen. „. . . . Advokaten, welche für zwei Kronen per Tag Schanzarbeit leisten, kommen, um Kleider aus unserer Brockensammlung zu erbitten, um an arbeitsfreien Tagen sich auf die Gasse wagen zu dürfen." — „Es konrmen geflüchtete Bankbeamte, ehemalige Wechselstubenbesitzer und. . ." Meine Herren Bankdirektoren! Ich lade Sie ein, die Hüte zu lüften; denn Bankdirektoren gehen Schanzen bauen für die Sicherung unserer herrlichen Stadt — um zwei Kronen Per Tag! Machen Sie diesen Unglücklichen. Widmungen aus Ihrer alten Garderobe, damit die Kollegen aus dem Unglücksland an arbeitsfreien Tagen aussehen — wie Bankdirektoren ausgesehen haben, und greisen Sie auch gütigst in die Brusttasche, denn „300 Kronen täglich für neue Wäsche allein," hat das Gezwitscher der Schwalbe verraten. „Es kommen Fraueü und Mädchen, die bessere Tage gesehen, die verschämt hier durch die zweite Türe ungesehen hinaushuschen dürfen," singt der Frühling und hat eine Träne im Auge zerdrückt. Gnädige Frau! Seit Ausbruch des Krieges haben Sie, die sich mit edler Einfachheit und vornehmem'

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