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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 2L4 Dr. Bloch's alizifche Flüchtlinge in ungarisch,rn Provinzstädten. Wie Budapester Meldungen zu entnehmen ist, werden-die galizischen Flüchtlinge nicht in allen ungarischen Provinzstädten schlecht behandelt. So wird aus Tiszaföldvar berrchket, -daß' dort der Oberstuhlrichter Doktor Otto Nagy der erste war, welcher die vor dem Feinde flüchtenden galizischen Juden mit Brot und rituell zubereiteten Speisen bewirtet haf, während der Stuhlrichter B a d a s z ihnen iGeldunterstützyngen zukommen ließ. Mach lobenswerter ist aber dasjenige, was der edelmütige Pfarrer der Gemeinde, Ladislau No galt, für die galizischen Flüchtlinge getan hat. Der Pfarrer wies den galizischen Juden, die trotz ihrer Pajes auch zu Hause Feldarbeit verrichteten, in seinen Garten größere Arbeiten zu. und da sie die ihnen anvertraute Arbeit gewissenhaft und zufriedenstellend ausgeführt haben, drückte er ihnen, die so selten ein gutes Wort zu hören bekamen, nicht nur seine Zufriedenheit aus. sondern empfahl sie auch aufs wärmste anderen Gutsbesitzern mit ähnlichen Arbeiten. Auch in Großwardein hat die Polizei die in der Stadt befindlichen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in einem Aufrufe aufgefordert, sich gegen angemessene Bezahlung für landwirtschaftliche Arbeiten zu melden. Der Aufruf macht die Flüchtlinge aufmerksam, daß sie sich, da der Zeitpunkt, in welchem ihre Rückkehr in ihre Heimat möglich werden wird, noch unbestimmt sei, in möglichst großer Zähl melden mögen, um aus solche Weise ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die galizischen Juden, deren größter Teil auch die schwerste Arbeit nicht scheut, haben, wie aus Großwardein berichtet wird, von dieser Einladung erfr"ulicherweise einen recht ausgiebigen Gebrauch gemacht. Dies ist um so wichtiger, als gerade in Ungarn eine gewisse Provinzpresse, die allzu große Nachsicht der ungarischen Preßzenfur mißbrauchend, nicht nur gegen die galizischen Juden, sondern gegen die Juden überhaupt eine immer frecher werdende Hetzkampagne führt. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Preisausschreiben. Bon der an unserer Anstalt durch Herrn Moritz Mannheimer begründeten Moses Mendelssohn- Toleranz-Stiftung werden alle zwei Jahre zwei Preise von 2000 Mavk, bezw. 1ÖC0 Mark, für Schriften über ein Thema ausgesetzt, dessen Bearbeitung Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit zu fördern geeignet ist. Der Wettbewerb steht Angehörigen aller Bekenntnisse offen. Für 1915 wird folgende Preisaufgabe gestellt: „Der Einfluß des Toleranzgedankens aus die Stein-Hardenbergsche Judengesetzgebung unter Berücksichtigung ihrer deutschen Vorläufer. Insbesondere soll sie aus der durch Wilhelm von Humboldt vertretenen Idee des deutschen Humanismus erörtert und beleuchtet werden." Die Einlieferung hat bis zum 30. Oktober 1915 bei unserem Sekretariate — Berlin, Artilleriestr. 14 — zu erfolgen. Die Arbeiten sollen den Umfang von drei Druckbogen tunlichst nicht überschreiten; sie sind mit einem Kennwort zu versehen, das auch auf einem den Namen des Verfassers enthaltenden geschlossenen Briefumschläge stehen muß. Das Urheber-recht an den preisgekrönten Arbeiten steht der Lehranstalt zu. :0 , , - Das Kuratorium.. Wochenschrift N^. 13 Ter iBveslauer Fürstbischof im Israelitischen Krankenhause. Am 28. Januar, nachmittags 3 Uhr, fuhr der Fürstbischof in Begleitung seines Geheimsekretärs Dr. Negwer beim Israelitischen Krankenhause vor, um die dort untergebrachten verwundeten Soldaten zu besuchen. Am Eingang der Anstalt wurde der Kirchenfürst von zwei Herren der Verwaltung und den Chefärzten, denen sich der dort als katholischer Lazarettgeistlicher amtierende Präfekt des bischöflichen Knabenkonviktes Dr. I e d i n angeschlossen hatte, begrüßt. Während sich der Fürstbischof, von Bett zu Bett schreitend, mit jedem Kranken unterhielt, verteilte Geheimsekretär Dr. Negwer Zigarren und Zigaretten an die Verwundeten. In freundlicher Weise erkundigte sich der Fürstbischof nach den Familienverhältnissen der Soldaten, und für jeden fand er ein Wort des Trostes und der Ermunterung. Nachdem Fürstbischof Dr. Bertram seinen Namen in das „Goldene Buch" des israelitischen Krankenhauses eingetragen hatte, fuhr er um halb sechs Uhr''nach seinem Palais zurück. Russische Versprechungen. Man weiß in Deutschland schon seit langem; daß es mit russischen Versprechungen nicht weit her ist. In Rußland wird immer sehr viel versprochen, aber sehr wenig gehalten. Die unmenschlichen Unterdrückungen der Juden in Rußland seit dem Ausbruch des Krieges haben ihrerseits den Glauben an die Versicherungen der konservativen russischen Kreise völlig erschüttert. Nun veröffentlicht die jüdische Zeitung „Moment" (Warschau) eine Unterredung mit einer hochstehenden Persönlichkeit, die anscheinend zu der liberalen Richtung gehört,. Es ist bemerkenswert, mit welchen Vorbehalten auch von dieser Seite den Juden die bürgerlichen Rechte versprochen werden. Der russische Politiker- Hat sich folgendermaßen über die zukünftige Gleichberechtigung der Juden geäußert: -.„Es wird geplant, den jüdischen Ansiedlungsrayon-äbzuschaffen, jedoch nur in bezug auf die Städte. Das Wohnungsverbot für die Dörfer wird auch künftighin bestehen bleiben. Man denkt daran, die Prozentnorm in den mittleren und höheren Schulen fallen zu lassen. Es ist aber nicht sicher, ob dieses gleich oder erst im Verlause von einigen Jahren geschieht. Man will indes den Juden erlauben, eigene Schulen zu gründen. Es ist ferner möglich, daß man den Juden den Zugang zur Advokatur wieder gestatten wird; man denkt sogar daran, jüdische Offiziere zu ernennen. Jedoch hält man dieses Projekt in den maßgebenden Kreisen fiir verfrüht. Die hohen Finanzkreise sind sehr dafür, daß man den An- Ansiedlungsrayon abschafft. Sie machen aber gleichzeitig darauf aufmerksam, daß dadurch die Auswanderung von nicht diplomierten jüdischen Handwerkern aus Polen nach Rußland einen zu großen Umfang annehmen wird, wodurch eine große Konkurrenz zwischen dem jüdischen Arbeiter, der für einen viel niedrigeren Lohn arbeitet, und dem russischen Bauer entstehen wird. Mit der Befreiung Galiziens wird sich für Rußland eine neue Judenfrage bilden, Die galizischen Juden leben noch ärmer als die Juden Polens und sind bereit, für einen noch kleisteren Lohn zu arbeiten. Auch von diesen Juden ist im Falle der vollen Freizügigkeit' eine starke Konkurrenz zu befürchten. Zu beachten ist es, daß die galizischen Juden an ein steieres Regime gewöhnt sind, weshalb sie sich nicht so leicht mit den neuen Zuständen absurden werden. Die maßgebenden Kreise halten deshalb eine Organisation der jüdischen Maffenauswanderung für sehr wichtig. Wir glauben, daß England eine von den deutschen Kolonien bekommt und sic uns dann wiedergibt. Jedenfalls wäre es sehr wünschenswert, wenn Syrien unter Englands Protektorat käme. Dieser Landstrich soll dann den Juden unter der Garantie der vollen Selbstverwaltung überlassen werden. Man wünscht auch, daß Iber diese Frageneine öffentliche Diskussion sich entwickelt. Insbesondere hält man in den maßgebenden Fragen eine Erörterung der Emigrationsfragen für höchst notwendig.". -

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