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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 241 sten Spitäler besucht, solche, die iu erstklassigen Hotels, in alten Schlössern, in Jesuitenklöstern und auf den Rennbahnen untergebracht waren. In Etretat ist das Theater in ein Spital verwandelt. An Stelle der Sesselreihen sind Bettel! aufgestellt worden, in denen die Verwundeten liegen, und Zuweilen geben ihnen ihre Kameraden von der Bühne herab eine Vorstellung. Jüdische Soldaten inr russischen Keer. Die Liebe zum Vaterlande muß eine große Naturgewalt sein, wenn sie sogar die so furchtbar mißhandelten und geknebelten Juden Rußlands bewegen können, für ihr, man kann kaum sagen, Vaterland, sondern höchstens grausgmes Stief-Vaterland so viel zu tun, wie sie nach vielen einwandfreien Zeugnissen und Zeugen getan haben. Auch im russischen Heere haben sich die Juden prächtig bewährt, viel tapferer und patriotischer, als viele Zehntausende von Russen, die sich so gern gefangen haben nehmen lassen. Erzbischof P l a t o m in dem pogromberüchtigten Kischmefs stellte den Juden das Zeugnis aus, daß ihre Loyalität gegenüber dem russischen Vaterlande außer Zweifel sei. Nach dem „Rjetsch" haben die jüdischen Soldaten auf dem Schlachtfelde wunderbaren Mut gezeigt. Russische Generale haben darauf bestanden, daß jüdische Soldaten für ihre Tapferkeit Ehrenkreuze erhalten, und daß ihre Namen öffentlich bekannt gemacht werden. Viele jüdische Soldaten haben sogar das Georgskreuz.: erhalten und einer hat in einer Woche sogar zwei solcher Auszeichnungen erhalten. Mendel G l ü ck m a n n hat dem „Rjetsch" vom 22. November 1914 zufolge das Georgskreuz für eine ganze Reihe von Heldentaten vor Przemysl erhalten. Moskauer und Petrograder Blätter veröffentlichen viele Briefe von russischen Offizieren, in welchen die Tapferkeit jüdischer Soldaten geschildert wird. „Von acht Juden. in meiner Kompagnie", schreibt Leutnant Eogulinski, „sind nur zwei leben geblieben. Man würde kaum von Juden erwarten, daß sie auch tüchtige Kämpfer sein Wynen'. Aber - gleich in meiner ersten Schlacht gewann ich die Ueberzeugung, daß der jüdische Soldat ein rechter Soldat ist, waghalsig, selbstaufopfernd und todesmutig. Fast jeder von ihnen denkt zuerst an seine Pflicht und an seine Kameraden usw." Ich ging, erzählt er weiter, nach einem Bajonettkamps, in welchem viele getötet oder verwundet worden waren, mit zwei Trägern zu einer Gruppe Verwundeter, wo ein Russe und ein Jude nebeneinander lagen. Der Russe hatte zwei' Wunden, und ich befahl, einen lvon den beiden Verwundeten auf die Trage zu legen, und sie nahmen zuerst den Russen. Lr sagt aber: Nehmt den Juden, er ist schwerer verwundet. Dem Juden floß das Blut aus dem Munde, aber er flüsterte schwach: Ich habe nur eine Wunde, er zwei. Er leidet mehr, „nehmt ihn eher". Cornet N o v i k o f von einem Husarenregiment beschreibt das heldenhafte Verhalten eines Meyer L o w i n s k i, der im Kampfe gefallen ist. Er schließt: „Möge das Himmelreich meinen lieben Lowinski, den unvergeßlichen Kameraden und Mitkämpfer ausnehmen." Die Moskauer „Wjedomosti" drückte neulich einen j Brief des bekannten Philanthropen N. A. Schakof, der um Gerechtigkeit für die Juden plädiert und mit den Worten schließt: „Man möchte glauben, daß bessere Tage für Rußlands. Stiefsohn kommen werden, und daß er in Zukunft nicht der Stiefsohn, sondern der rechte Sohn des Vaterlandes fein wird, für das er sein Blut vergießt." Ein russischer General im aktiven Dienst fühlte sich gedrungen, dem Schreiber dieses Brieses seine Zustimmung und Sympathie auszudrücken und fährt dann fort: „Ich glaube bestimmt, daß viele in unserem Volke, deren Gewissen und christliches Fühlen nicht durch Haß vernichtet, und deren gesunder Menschenverstand nicht durch Vorurteil verfinstert worden ist, von Herzen gern Ihre Hoffnung teilen werden, daß die Juden bald die rechten Söhne und nicht die Stiefsöhne, des Vaterlandes werden mögen, für das sie ihr Blut vergießen." •" ' 3 Mussische Iudengesehe. -MZ;Jn Galizien. Die „Birfchewija Wjedomosti" veröffentlichen folgende in Lemberg publizierte obligatorische Verordnung des galizischen Generalgouverneurs Grafen Bobrinsky vom 13. (26.) Februar: jJnflstge der .Befehle des Oberkommandierenden der Armeen an der Südwestfront gestimmt der Militärgouverneur von Galizien angesichts der in letzter Zeit erhöhten Spionage durch Juden auf Grund der Punkte 1, 2 und 3 des Gesetzes betreffend die Ortschaften, die als iw Kriegszustand befindlich erklärt worden sind, folgendes: 1. Personen jüdischer Nationalität ist der Eintritt in die Grenzen Galiziens untersagt. 2. Personen jüdischer Nationalität ist untersag t. von einem Kreise Galiziens in einen anderen zu reisen. 3. Die Schuldigen werden im Administrativverfahren mit Geldstrafen bis 3000 Rubel oder Arrest bis zu drei Monaten bestraft. Die Durchführung dieser Verkündigung erfolgt durch den Stadthauptmann von Lemberg, den Gouverneur von Galizien und die Ehefs derjenigen Kreise, die nicht zum Bestände des Gouvernements gehören. Korrespondenzen. Dr. Gnstav Koh«. (Zu seinem Geburtstage.) Dieser Name ist eine Marke: dieser Name besitzt den Vollklang echter Volkstümlichkeit. Man braucht nicht erst zu sagen, daß wir den Ersten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde meinen! Er begeht am 30. März, dem ersten Pessachtage. seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Man könnte freilich sagen, daß ein solcher Sag, bei aller Fröhlichkeit feiner Einkehr, nicht gerade einen Lebensabschnitt bedeute, welcher der Oeffentlichkeit gemeinhin den besonderen,,Anlaß zu -einer Feier biete. Allein, hier »gilt dies nicht. Bei unserem Jubilar macht gerade die Öffentlichkeit gerne und beflissen eine Ausnahme. Sie schuldet ihm zuviel des Guten und Edlen, das er als Vorsteher unserer Judengemeinde geschaffen hat. daß sie nicht vom ganzen Herzen jede Gelegenheit freudig ergreifen möchte, um ihm einen Zoll ihrer Erkenntlichkeit abzustatten, ihm ihre Sympathien, ihre Verehrung, Liebe und Treue zu erweisen. Die fünfundsiebzig Jahre sind unserem Geburtstagskinde eine leichte Bürde: sie haben ihm erfreulicherweise nichts angehabt. Sie haben zwar sein Haar, aber nicht das rosige Gesicht gebleicht, nicht den frohen Glanz des milden Auges getrübt, nicht die Wärme seines Herzens gedämpft, nicht die Innigkeit seiner Menschen- und Nächstenliebe geschwächt. Die Hingebung an die großen und kleinen Aufgaben der Gemeinde. welche die Kraft und die Regsamkeit tüchtiger und unermüdlicher Arbeitsfreude erheischen, macht sein Fühlen und Denken aus. Ihm ist die jüdische Gemeinde unserer großen Stadt das Lebensziel, die Obsorge, die er ihrer Entwicklung weiht, eine teuere, köstliche Pflicht, in deren Dienst er den ganzen Reichtum seines Wissens, die Kundigkeit seiner Erfahrung, die Ueberlegenheit seines Wortes und die Lebcnsgewandtheit seines Rates stellt. Was aber am ^höchsten zu werten ist. was um seine Person den Kranz besonderer Geltung .für unser jüdisches Gemeinwesen flicht, ist seine Lust am Wohltun, die hilfreich beispringt: wo sich Not und Mühsal meldet, die stets und überall den Willen hat und darum auch den Weg findet, um brennenden Schmerz mit zarten

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