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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©eite 240 Dr. Bloch's ten und nicht etwa von 'anderer Seite ins Feld gesandt erhalten haben. Die Feldrabbinen aller Armeen haben dem Verbände mitgeteilt, daß sie nach Möglichkeit für die Abhaltung von Sederabenden in den Truppenteilen ihrer Armee sorgen wollen. _ Wele Aavßiner in Wuffisch-Uoken haben durch den Krieg ihre Stellung verloren und sind jetzt Zum Aeil sogar brotlos. Um diesen ehrwürdigen Männern zü Helsen, hat der Rabbiner Dr. Eisen st ad t in Petersburg an die Rabbiner der großen Städte Rußlands den Vorschlag gemacht, daß sie von ihrer Besoldung einen bestimmten Prozentsatz für die notleidenden Rabbiner abgeben sollten. Der Betrag soll an Baron Alexander Günzburg übermittelt werden. Die Rabbiner von Wilna haben 4 Prozent ihres Einkommens bereits für diesen Zweck bestimmt. Wreisausschreiöen. Em Werk gegen den Antisemitismus. Das italienische Unterrichtsministerium veröffentlichte in der „Gazzetta Uffiziale d'Jtalia" vom 12. Februar das Testament des Ingenieurs Emilio Treves vom 28. Mai 1907, der dem Ministerium eine Summe von JL0.000 Lire vermachte mit der Bestimmung, sie demjenigen zuzuwenden, der die beste Arbeit gegen den Rassen- und Religionshaß. insbesondere gegen den Antisemitismus verfasse. Der Wettbewerb ist international, doch muß das Werk in zwei Exemplaren beim Ministerium eingereicht sein. Die Preisrichter sind die Oberrabbiner und vier Professoren der Universität von Rom. Aus dem Iletdpoftk,rief eines Mchlnaluratisterten. veröffentlicht ein jüdischer Freiwilliger, der mit seinem Bruder ins Feld gezogen ist, obwohl inan ihnen vorher die Naturalisation abgeschlagen hatte. Der Bruder ist für das selbstgewählte Vaterland gefallen. Der Ueberlebende schreibt an seine Angehörigen u. a^ folgendes: „. . . . Wir sind nicht in den Krieg gezogen, um den deutschen Staatsangehörigenfchein zu erwerben, um Deutsche erst zu werden. Wir waren schon längst Deutsche, wenn auch der Schein fehlte. Die Gesinnung machte uns von selbst zu Deutschen, das Papier konnte es nicht machen, und weil wir dieses Stück Papier nicht im Besitz hatten, konnten wir deshalb anders denken und handeln? Wir konnten nicht zu Hause bleiben, das war eben gegen unseren Grundsatz und mit unserer Ehre unvereinbar. Andere Mitmenschen sollen für uns und Euch verbluten und wir Zusehen, wie die Krüppel zurückkommen und in den Zeitungen die Taten lesen, welche diese vollbrachten; wie hätten die mit Fingern auf uns gezeigt; und der Heldentod ist doch besser als Schande." Ders Brief verdient wohl Aufbewahrung in den Aktenschränken der Behörden, welche über die Einbürgerung entscheiden. Eine Mkanz. Eine interessante Bilanz über Judentum und Weltkrieg versucht die in Konstantinopel erscheinende „Aurore" auszustellen. In den orientalischen, am Kriege direkt interessierten Ländern beträgt die Zahl der Juden 960.000 (30 Prozent von ihnen wohnen im militärischen Operationsgebiet). Die anderen am Kriege interessierten außereuropäischen Länder Haben eine jüdische Gesamtbevölkerung von 450.325 Seelen: Canada 60.000, Südafrika 49.120, Aegypten 38.635, Marokko 109.712, Persien 63.000, Tunesien 65.213, Algier 64.645. Wochenschrift " Nr. 13 Die Gesamtsumme der Juden, die am Kriege teilnehmen und direkt die Folgen zu tragen haben, stellt sich in Europa wie folgt dar: Rußland. 6,287.000 Oesterreich-Ungarn.. . . 2,500.000 Deutschland. 608.000 England .. 240.000 Frankreich.110.000 Belgien. 20.000 Diese Zahl repräsentiert 935 Prozent der europäischen Judenheit, so daß nur 6°5 Prozent auf die neutralen Länder fallen. In Italien, Spanien, Portugal, Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland, Rumänien, Griechenland und Bulgarien gibt es im ganzen nur 630.000 Juden. Während sn Europa gegenüber 360 Millionen Einwohnern, die im Kriegszustand leben, 130 Millionen des Friedens sich erfreuen, leben von 9,750.000. Juden nur 0 623 Millionen fort Frieden, das heißt, während sich das kriegführende Europa gegenüber dem friedlichen im LZerhAtnis von 360 zu 130 befindet, beträgt das entsprechende Verhältnis bei den Juden 3750 zu 625. Es folgt daraus, daß dse Juden an den kriegerischen Ereignissen fünfmal mehr beteiligt sind, als die anderen Bürger Europas. Die im eigentlichen Operationsgebiet wohnende Bevölkerung beträgt höchstens 36 Millionen, d. h. 10 Proz. der Gesamtheit. Von den Juden dagegen müssen 8 Mill., d. h. 73 Prozent, die kriegerischen Ereignisse unmittelbar über sich ergehen lassen. Kin"engtischer AekdraMner über die jüdischen Soldaten. Der Londoner Rabbiner Michael Adler, der die britischen Truppen ins Feld Begleitet hatte, ist nach mehrwöchigem Aufenthalt auf dem französischen Kriegsschauplatz wieder nach England zurückgekehrt und schildert nun in der „Times" die von ihm gewonnenen Eindrücke. „Ich fand," erzählt Adler, „daß ich die Zahl der Juden, die im Felde stehen, weit unterschätzt hatte. Ich hatte eine Liste von vielen Tausenden zusammengestellt, doch traf ich überall noch, immer neue jüdische Offiziere und Mannschaften. Wo es nur anging, hielt ich.Gottesdienste ab und gab den Offizieren und Mannschaften Anleitungen, wie sie selbst Gottesdienste abhalten könnten. Es machte mich glücklich, zu sehen, wie die Juden meilenlange Märsche über die ärgsten Wege nicht scheuten, uM mit uns beten zu kommen. Ich trage auf meiner Feldkappe ein Abzeichen, das in des Armee einzig dasteht — den Schild Davids, die ineinander verschlungenen Dreiecke — und daran erkannten mich die jüdischen Soldaten. Ich segnete Gräber ein, stand Verwundeten und Sterbenden bei und schrieb Briefe an die Angehörigen der jüdischen Soldaten. Zu dem' bevorstehenden Pessachfest wird jeder im Felde stehende jüdisckie Soldat ein Paket Osterbrote und sonstige traditionelle Nahrungsmittel erhalten. Selbstverständlich ist es nicht möglich, daß die Soldaten im Felde nur ungesäuertes Brot essen. Eine bekannte jüdische Familie trägt die Kosten für ein von mir Zusammengestelltes Gebetbuch für Ostern, das im' Felde Zur Verteilung gelangt. Auch an die Flotte werden diese Gebetbücher versendet, und so werden die Juden sowohl Zur See als auch in den Schützengräben das Pessachfest feiern können. Einen besonders tiefen Eindruck Mächte mir die Harmonie, die zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen an der Front herrscht. Alle arbeiten Zusammen, und man kann von einer Fusion der Konfessionen an der Front sprechen. .Von den Spitalseinrichtungen kann ich nur Mit der größten Bewunderung sprechen, Ich habe, die verschieden--

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