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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Är. IS Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 337 nach Russisch-Polen. Ende September erhielt er für einen erfolgreich ausgeführten Aufklärungsdienst vom FML Erzherzog Josef Ferdinand ein Belobungsdekret und wurde Zum Korporal befördert. Während des Monates Oktober'und anfangs' November hat er sich wiederholt ausgezeichnet, wurde Zugsführer und erhielt die Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse in Begleitung allerhöchster Belobung. Aetdrveßel Kngo Stern. Oberst v. Lanyi sandte an den Feldwebel Hugo Stern eine wertvolle goldene Uhr mit der Eingravierung „Zukn Andenken vom Offizierskorps des 18. Honv.- Regiments": Lieber Stern! Sie treten morgen Ihren Urlaub an, wir alle wünschen Ihnen Genesung ijnd glückliche Wiederkehr. Da Sie nun an Ihrem Geburtstag am 2. Februar nicht mehr unter uns weilen, so ergreife ich jetzt die Gelegenheit, Sie zu versichern, daß Sie sich durch Ihre im Dienste erprobte unermüdliche Tätigkeit meine volle Anerkennung und Zufriedenheit erworben haben. Ihre stete zuvorkommende Dienstbereitwilligkeit — jedem einzelnen der Herren Offiziere gegenüber — wie Ihr stets taktvolles, bescheidenes Benehmen in Offizierskreisen hat uns Ihre Persönlichkeit lieb gemacht, ja Sie haben sich dadurch nicht allein die Wertschätzung des ganzen Offizierskorps, sondern auch die Liebe desselben erworben und auch manche zum Freunde gemacht, und damit Sie auch ein sichtbares Pfand dessen besitzen, empfangen Sie aus meiner Hand das Erinnerungsgeschenk* des Olfizierskorps mit dem Wunsche, es möge Sie dieses noch in den fernsten Zeiten freudig an unser gemeinsames Zusammenwirken gemahnen Gott mit Ihnen, Hoch! Oberst von Lanyi. Auf dem Aetde der KHre gefallen. Am 3. d. M. wurde in Marmaros-Sziget, wie von dort berichtet wird, der Reserveleutnant des 27. Honved-Jnfanterieregimentes, Professor Dr. Otto G o l d - stein, der seinen auf dem galizischen Kriegsschauplatz erhaltenen tötlichen Wunden erlegen ist, zu Grabe getragen. In imposanter Weise kam die Anteilnahme für den Fremden und in der Stadt unbekannten Helden seitens der militärischen und bürgerlichen Kreise zum Ausdruck. Der Oberrabbiner der sephardischen Gemeinde Dr. Samuel Danzig hielt dem Verblichenen einen 'rührenden Nachruf. Die Chewra-Kadischa widmete ihm ein Ehrengrab. Jüdisches Ullichtßewußlfein. (Aus dem Feldpostbrief eines jüdischen Patrioten.) Der jüdische Advokat Dr. Nikolaus Gyarfas kämpft seit sieben Monaten als Fähnrich auf verschiedenen Kriegsschauplätzen und hat für sein wiederholt bewiesenes tapferes Verhalten vor dem Feinde die Tapferkeitsmedaille erster Klasse erhalten. Infolge erhaltener Verwundung war er einige Zeit zu Hause in Pflege und. kaum nur halbwegs hergestellt, verlangte er selbst seine neuerliche Rückbeförderung an die Front. Dieser Tage erhielt seine Frau von ihm einen Feldpostbrief, welchen sie* dem „Egyenlösseg" zur Verfügung stellt, und der als -äußerst bezeichnendes Dokument jüdischer Pflichterfüllung und jüdischem Patriotismus in diesem Kriege weitere Verbreitung verdient. In diesem Briefe schreibt Dr. Gyarfas unter anderem: Von hier kehren nur Wenige mit ganz heiler Haut wieder heim. Und auch die Wenigen können zum größten Teile für ihr Leben lang Krüppel bleiben, denn des Menschen Körper und Seele vermag das, was auf sie hier einstürmt, nur selten zu ertragen, man fügt sich barem, oder wird daran krank. Und die meisten von denen, die zuhause gebliehen sind, haben auch nicht die blässeste Ahnung von den schrecklichsten Dingen, von den vielen Entbehrungen, Leiden und Schauerlichkeiten, welche mit einem Worte „Krieg" bezeichnet werden. Jene, welche zuhause geblieben, in Wohlstand und Glückseligkeit leben, im warmen Zimmer, aus reinem, weißem Bette schlafen, vermögen es nicht zu begreifen und zu verstehen, was der Krieg ist. Ich bin auch deshalb so gerne wieder vom Hause zurückgekommen, weil mich die Gleichgiltigkeit der zuhause Gebliebenen unendlich angewidert hat. Ich meine gar nicht mich darunter, sondern ich konnte die daheim beobachtete Stimmung im Kriege nicht mitansehen. Als ob an den Grenzen nichts geschehen würde, als ob nicht täglich Hunderte und manchmal Tausende schöner ungarischer Jungen allzu früh in fremde Gräber sinken' würden. Als ob der Krieg eine Welt umspannende Unterhaltung wäre. .... Du hast unrecht, mein teures Weib, wenn du sagst, daß dieses Zurücksehnen ins Feld von mir kindisch sei. Nein. Ich war bloß immer ehrlich, das bin ich und werde es sein, so lange ich sein werde. Das Schicksal hat gerade meiner Generation diese schwere Aufgabe zugemessen, den Krieg durchgukäinpfen und ich bestrebe mich niemals, selbst in Gedanken nicht, mich meinen Verpflichtungen zu entziehen. Unsere Väter und Großväter gehörten einer glücklichen Generation an. Die Söhne und Enkel werden es vielleicht auch sein. Und wenn es mir durch die Güte des Allmächtigen gelingt, noch einmal heimzukehren, so werde ich stolz überall meinen Platz aussüllen können, denn wenn sie auch sagen können, daß meine Vorfahren nicht mit der Waffe in der Hand in das ungarische Vaterland gekommen sind, so werde ich ihnen wieder zurufen können, daß auch ich diesen Boden, auf drei Kriegsschauplätzen kämpfend, verteidigt habe. Ewig lebt auch so niemand von uns. Einmal müssen wir alle von hinnen scheiden. Nur wenn ich an meine alten Eltern, an euch, an meine lieben Geschwister und eure Kleinen denke, preßt sich mein HeiZ zusammen und füllen sich die Augen mit Tränen. Aber auch dann beweine ich nicht mich, o nein, denn an des Lebens Freuden hatte ich bisher nur sehr geringen oder vielleicht gar keinen Anteil. Schwere Wege mußte ich wandeln, bis ich in die Nähe des gedeckten Tisches des Lebens gelangen und an ihm Platz nehmen konnte. Und es ist noch gar nicht entschieden, urcrs für einen Platz ich dort erhalten werde, wenn ich abermals zurückkehren sollte, und noch einen schweren, den schwersten Weg zu machen habe, und es ist möglich, daß ich auf diesem Wege für immer fallen werde. Man weiß hier niemals, was seiner in der nächsten Minute harrt. Gar mancher plaudert . jetzt noch ruhig und in einer Stunde ist er schon nicht nur tot, sondern liegt schon drunten in kalter russischer Erde. Des Menschen Schicksal liegt in Gottes Hand. Das fühlen wir hier in jeder Minute. Der Krieg macht jeden, der hier ist, gottesfürchtig und lehrt ihn besser als jede Schule und jeder Geistliche beten. Atnander Kemeny. Alexander Kemeny war Beamter der Budapester Firma Kann & Heller und ist Ende Juli als Reservefähnrich im Alter von 24 Jahren zum 30. Honved- Jnfanterieregimenr leingerückt. Er kämpfte 5 Monate lang auf dem südlichen Kriegsschauplätze und während der folgenden zwei Monate im Norden. In den letzten Karpathenkämpfen wurde er rötlich verwundet, und zwar am 22. Februar. Sein Diener, der mit hingebungsvoller Liebe an ihm hing, brachte ihn auf den Verbandsplatz, von wo Kemeny an die ungarische Grenze gebracht wurde. In Visovszko hauchte er, umgeben von seinen Offizierskameraden, seine Heldenseele aus. Die schönste Anerkennung für sein heldenmütiges Verhallen liegt wohl in dem Briefe, welchen sein Vater> der Budapester Kaufmann Moritz Kemeny, vom Kriegsschauplätze erhielt. Dieser Brief lautet: 25. Februar 1915. Wohlgeboren Herrn Moritz Kemeny in Budapest. Ich lege Ihnen hier den traurigen Brief des Offiziersdieners Ihres lieben Sohnes Fähnrich Alexander Kemeny bei. Ihr armer Sohn ist für fein Vaterland den Heldentod gestorben, hat hier auf der Durchfahrt ausgelitten. Empfangen Sie den Ausdruck des Beileides des Divisionskommandanten Feldmarschalleutnant Stefan von Bartholdy, sowie des gesamten Osftzierskorps der Division. Gestern vormittags 11 Uhr wurde er nach israelitischem Ritus begraben, wir, seine Offizierskameraden, begleiteten ihn auf seinem letzten Weg und ich habe im Namen seiner Eltern und Geschwister tränenden Auges eine Scholle auf das Grab unseres Helden gelegt. Ihr einziger Trost sei, daß seine Kriegskameraden ihn mit Liebe umgaben, die warme Liebe seiner Eltern ersetzen wollten, und daß er ohne jeden Schmerz verschied. Noch zehn Minuten vor seinem Tode war er bei vollem Bewußtsein und hoffte auf seine Genesung. Josef Goda, sein Offiziersdiener, ist das Muster der Hingebung und Anhänglichkeit, ich habe ihn für seine aufopfernde Pflege auch belohnt. Wenn Sie irgend welche Aufklärung wünschen, stehe ich bereitwilligst zu Ihrer Verfügung.

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