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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 234 Dr. Bloch's Wochenschrift Nc. 13 Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben zu wiederholtenmalen die Geldüberweisungen für die notleidende Mische Bevölkerung des Heiligen Landes in hochherziger Weise vermittelt. Doch darf man nicht außer acht lassen, daß die Angehörigen der österreichischen und ungarischen Gemeinden in Jerusalem und in den übrigen Zentren Palästinas nur in vereinzelten Fällen von den allgemeinen Hilfsmitteln etwas erhalten. Es herrscht dort allgemein die Auffassung, daß diese Gemeinden von ihrer Heimat im Verhältnis zu den russischen Gemeinden oder den Jemeniten doch noch irgendwelche Unterstützungen bekommen, obwohl diese auch in ruhigen Zeiten nicht einmal für ein kümmerliches Existenzminimum ausreichen. Nun lausen aus Jerusalem und den übrigen Städten Palästinas Berichte ein, die von den vielfachen Nö.en, in denen sich die Mische Bevölkerung befindet, herzzerreißende Kunde bringen. Erst in den jüngsten Tagen wurde der Schreiber dieser Zeilen im Wege des Auswärtigen Amres in Berlin vom deutschen Generalkonsul in Jerusalem aufgefordert, das Hilfswerk der Deutsch-Holl. Palästinaver-- waltung kräftigst fortzusetzen, weil in der jüdischen Bevölkerung Lroße Not herrsche. Auch der österreichischungarische Generalkonsul aus Beirut har einen Notschrei ausSaffed durch das -hiesige österreichisch-ungarische Generalkonsulat an den Schreiber dieser Zeilen übermittelt. Bon maßgebender Seite in Jerusalem wird mir gemeldet, daß die Angehörigen der österreichischen und ungarischen Gemeinden in bitterster Not sich befinden. Nur den wiederholten Geldsendungen der Herren Adolf Frankl aus Budapest und D. L. Schreiber aus Drohobycz und der anerkannten Kreditwürdigkeit der ungarischen Gemeinde ist es zu verdanken, daß die in tausend Nöten schmachtenden Familien vom völligen Verhungern gerettet wurden. Der Botschafter Morgenthau schreibt unter anderem: „Die Lage in Palästina ist sehr ungünstig und eine Hungersnot sowie große Armut herrscht unter den Leuten. ... Ich bin wie Sie der Ansicht, daß es durchaus erforderlich ist, in dieser schweren Zeit alles zu tun, um die Mische Bevölkerung vor materieller Not zu schützen." Die kritische Lage verschlimmert sich von Tag zu Tag und besonders um die Pessachzeit hat sie einen katastrophalen Charakter angenommen. Die großen Kartoffelsendungen eines Odessaer Philanthropen, der um diese Zeit fast sämtliche Städte Palästinas mit diesem fast unentbehrlichen Nahrungsmittel versorgt, sind Heuer ausgeblieben. Auch ungarische Großgrundbesitzer pflegten für Pessach größere Ladungen Kartoffeln für Jeruslttem zu senden. Diese Sendungen haben auch die allgemeinen Marktpreise der sonstigen Lebensmirtel günstig beeinflußt. Nun wird auch diese Gabe fehlen und die Notlage ist im höchsten Maße besorgniserregend. Was hier aber von der Notlage im allgemeinen berichtet wird, gilt in dem gleichen Maße und vielleicht noch viel härter von den österreichischen Gemeinden in Jerusalem. Galizien, das Herzens- und Schmerzenskind der Monarchie in diesem Kriege! Wie furchtbar heimgesucht wurden sie, unsere blühenden Kehilos und Großgemeinden, die ehrwürdigen Heimstätten jüdischen Geisteslebens? In Jerusalem und in den übrigen Städten Palästinas ist die aus Galizien und Bukowina stammende Judenschaft in vier Gemeindebezirke eingeteilt. Da ist die Drohobyczer Gemeinde, die Kossower, die Wischnitzer und die Bukowinaer Gemeinde. Nach Landsmannschaften geteilt, pflegten sie drei- bis viermal im Jahre von ihren Heimatsgemeinden durch die bekannten Zentralstellen Unterstützungen zu bekommen, die für hunderte, ja tausende Familien von lebensrettender Bedeutung waren. Woher soll für diese Schwerbedrängten jetzt die Hilfe und die Rettung kommen? Werden die in Betracht kommenden führenden Beschützer und Gönner die Mittel und Wege finden, um diesen unglücklichen Landsleuten und Glaubensbrüder über diese schwere Bedrängnis hinwegzuhelfen und das Schlimmste von ihnen abzuwenden? 'In diesen Zeiten, da wir Trost und Mut mit doppeltem Eifer aus den Idealen des Judentums schöpfen, weilt unser Sinn mit gesteigerter Andacht an den Stätten unserer alten Heiligtümer. Wir sind nicht nur als Juden, sondern auch als Oesterreicher oder als Ungarn zur Hilfeleistung verpflichtet und handeln gewiß im Sinne der vaterländischen Regierungen, wenn wir unseren heimatlosen, notleidenden Glaubensbrüdern in der heiligen Stadt mit. dem Aufgebot aller Kräfte zu helfen uns bemühen. Die Angchörigen der österreichischen und ungarischen Gemeinden in Jerusalem sind ja auch treue Kinder unseres Vaterlandes und erfüllen in Leid und Freud' ihre patrioeischen Pflichten. Dem grenzenlosen Elend Jerusalems kann nur durch grenzenlose Hilfsbereitschaft gcholfen werden. Sie soll sich ganz besonders an den kommenden Festtagen durch Veranstaltung von Sammlungen und Tempelspenden bewähren. Niemand sage, man habe schon genug für verschiedene Zwecke gegeben. Wenn wir mit der Losung unserer Festabende am Freiheitsfeste unseres Volkes „alle Hungrigen und Durstigen zu Gaste laden", so mögen wir in diesem Jahre ganz besonders auch unserer dürftigen und hungernden heimatlichen Landesbrüder und -Schwestern im Heiligen Lande gedenken und sie durch reichliche Spenden bedenken, damit ihnen wenigstens „d a s Brot der A r m u t" in den kommenden Tagen von uns gereicht werden kann. Möge sich jeder, der durch Gottes Gnade von den Schrecknissen des Krieges verschont geblieben ist, die Frage vorlegen, ob er für seinen Teil schon sein schuldiges Scherflein auch zur Linderung des unsäglichen Kriegselends in den Städten Palästinas geleistet, ob die Daheimgebliebenen in jüdischer Pflichterfüllung das Lösegeld „ihrer Person" nach Maßgabe des Gottes Segens, der ihnen beschieden ist, auf dem Altäre unserer heiligen Trümmer niedergelegt. Diese heiligen Trümmer, auf welche zu blicken unser Auge noch nie aufgehört hat,^, bilden auch heute den idealen Mittelpunkt des größten Weltdramas, das je die Menschheit erlebt hat. Im Geiste unserer verödeten Heiligtümer haben wir die Erlösung der Zeiten, die Erlösung der nach Frieden dürstenden Völker zu begreifen, zu würdigen, zu erhoffen. Wohl dem, der in dieser weltgeschichtlichen Zeit das Band nicht für zerrissen hält, das uns mit den fernen Heimstätten unserer Vergangenheit, mit Jerusalem verbindet. Wohl dem, der in Freud' und Leid Jerusalems gedenkt! Wohl dem. der in Wohltun nicht ermüdet! Der Segen Gottes ist jedem einzelnen sicher, der sich mit liebender Fürsorge Jerusalem zuwendet. /rriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde den Oberstabsärzten 2. Klasse Dr. Jakob Arzt, Sanitätsches der 24. Inf.-Trupp.-Div., und Dr. Jakob Mark, Sanitätschef der 1. Kävallerie-Trupp-Div.; den Stabsärzten Dr. Julius Fischl, 31. Inf.-Trupp.-Div., Dr. Bernhard Bardach, bosn.-herz. Jnf.-Meg. Nr. 4, und Doktor Philipp Friedmann, Jnf.-Div.-San.-Anstatt Nr. 28;

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