Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 330 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 12 die Stimme des Moses Hirsch am weitesten vernehmbar : Schema Jisroel... .! Und er stürmte vorwärts. Er stürnrte in den dichtesten Knäuel. Sein Bajonett war scholl im ersten Augenblick triefend von dem Blute der Russen. Der Angriff war gelungen. Ihm äst nichts geschehen. Noch am selben Tage wurde er Korporal und der Hauptmann reichte chm die Hand." „Hörst Du, meine Tochter?" unterbrach jetzt ineine Mutter den Gast. Ich stand wortlos am Fenster. „Dann," setzte der Verwundete seine Erzählung fort, „gingen die Kämpfe weiter. Er kämpfte mit großen: Glück. Vor sechs Wochen jedoch hatten wir eine große Schlacht. Unsere kleine Truppe zog sichvor einem stärkeren russischen Angriff zurück, wir waren gezwungen, auch einige Verwundete zurückzulassen, als wcchrend des Rückzuges Hirsch plötzlich sieht, daß einige Russen sich aus die Verwundeten stürzen. Im Nu wendete er sich zurück und rief weithin dröhnend: „Vorwärts, mir nach!" Und wir stürzten uns auf die Russen. Wieder arbeitete sein Bajonett am besten, und als ich plötzlich hinschaue, sehe ich, daß er sich in großer Gefahr befindet, daß sich vier, fünf gegen ihn wenden, aber im nächsten Augenblick sah ich nichts mehr. Ich spürte einen Stoß auf meine Brust und kam dann erst wieder zu mir, als ich mich bereits auf dem Verbandsplätze befand." „Das ist es, mein Herr," sprach das Mädchen leise, „was ich von meinem Gräutigam erfuhr. .'Und mit mir geschahen komische Dinge. Mein Herz war voll Bitterkeit, und ich dachte zurück an jenen Fall, als er seinen Hut zog vor jenen, die uns beleidigt hatten. Herr, jetzt erst sah ich es so recht, daß er auch damals ein Held war! Und ich hatte ihn verachtet, wollte nicht sein Weib werden! Herr, ich schluchzte so lach und so bitter, daß die Nachbarn in die Stube traten, und seitdem bin ich verliebt, aber ich weiß, ich fühle es, daß er nicht wehr lebt, und daß ich immer nur eine Braut bleiben werde! Seine Braut." — Sie stützte ihren Kopf auf ihre Handfläche und schwieg. Ihre Blicke starrten auf den Samovar. Das siedende Wasser summte. Ich hatte ganz darauf vergessen. Ich goß Tee in unsere Tassen. Ruhig, wortlos schlürften wir den Tee, ich und die Braut aus Tarnow. Als es zum Schlafengehen kam, wollte sie das Bett nicht annehmen. Sie wollte auf dem Diwan liegen. Endlich nahm sie's an. Ruhig, ohne Scham entkleidete sie sich. Die Petroleumlampe begann immer bleicher zu brennen. Auch ich legte mich nieder und konnte lange nicht einschlafen. Mein Mantel diente mir als Decke. Als ich morgens die Augen öffnete, war sie nicht mehr da. Unbemerkt, geräuschlos ging sie von dannen. Auch der kleine gelbe Korb stand nicht mehr neben dem Tisch. Wie ich so lag, warf ich, einen Blick auf meine Füße. Aus dem kurzen Mantel hing mein Fuß heraus und das gestrickte schwarze Tuch war zärtlich darüber gebreitet, das einzige schwarze Tuch, welches die Braut aus Tarnow von ihrer lieben Mutter bekommen hat. _ („Pesti Hirlap") Literatur. ntren bm; m;K wn nnn?"« nsc yarrßiKEWip pnr me nuerr jmn nnne '.min nrem rinn na mS eng!*? rrjnn ♦pannan p'pTiK "8 2 d: njn Verlag von Jos. Schlesinger, Buchhandlung, Wien—Budapest. Öberrabbiner Jsak Kunstadt mein Amtsvorgänger in Radautz, braucht Kennern und Freunden der agadischhomiletischen Literatur nicht erst vorgeführt zu werden. Ist er doch schon durch sein erstes, von ihm selbst ediertes Werk ,28 IT,*7, einen fortlaufenden agadisch - homiletischen Kommentar zu allen Wochenabschniiten der Thora, rühmlich bekannt geworden. Die mannigfachen Vorzüge, die dieses Werk auszeichnen, haben demselben in sachkundigen Kreisen eine ungemein beifällige Aufnahme und rasche Verbreitung gesichert. Es gibt wohl wenig nU8 **7£D/ die in den letzten Jahrzehnten soviel Beachtung und Würdigung gefunden haben, wie das Werk f78 Diesem seit vielen Jahren total vergriffenen Werke läßt nun der Sohn des Verfassers, Herr Mayer K u n st a d t, *) unter dem Namen *£*nnn *“18 ulS ein zweites Werk seines Vaters folgen. Auch dieses Werk stellt sich als ein erschöpfender agadisch - homiletischer Kommentar zu allen Wochenabschnitten der Thora dar und bietet uns die köstliche Frucht des an Jahren und Weisheit gereiften. Verfassers. Gedankenreichtmn, Lebensweisheit und hervorragende rednerische Begabung wirken hier mit einer gründlichen Kenntnis von Talmud- und Midrasch zusammen, um den Erzählungen, Gesetzen und Aussprüchen unserer heiligen Thora neue Gesichtspunkte abzugewinnen und sie an der Hand oft schwieriger Talmud- und Midraschstellen in geist- und gemütvoller Weise zu erklären. Und der Wert dieser Erklärungen erhöht sich noch dadurch, daß sie, von tiefinniger und wurzelechter getragen, Praktische Belehrung und religiöse Anleitung und Verinnerlichung bezwecken Der Verfasser verschmäht es, sich in abstrakten Erörterungen zu ergehen, er ist vielmehr bemüht, aus dein Leben zu schöpfen und seine bald sinnigen, bald kernigen Betrachtungen und Auslegungen für die jüdisch-religiöse Lebensführung nutzbar zu machen. Die Darstellung ist kurz, klar und gemeinverständlich. Auch ein leichter und anziehender hebräischer Styl kommt dem Werke zu statten. Und so darf denn mit Recht erhofft werden, daß sowohl Rabbiner und Kanzelredner als auch alle jene, die das gediegene fin^e zu schätzen und zu würdigen wissen, das Erscheinen dieses Werkes mit Freude begrüßen werden. Wien, im Monate Adar 5675. Rabbiner Jakob H o f s m a n n aus Radautz (Bukowina). Kriegs-Hagadah. NLD bv nun Zur Erinnerung an den Weltkrieg 1914—1915. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Mar H i ck l. Brünn, 1915. An nrui für die Sederabschnitte ist aus dem jüdischen Büchermärkte wahrlich kein Mangel. Fast jährlich begegnet man neuen Produktionen auf diesem .Gebiete. Die meisten davon sind dem großen Publikum zur Genüge bekannt. Dem rührigen jüdischen Buch- und Kunstverlag gebührt das Verdienst, etwas Neues, und wie wirs hoffen und wünschen, Bleibendes geschaffen zu haben. Neu ist zum großen Teile die dem hebräischen Texte beigedruckte .deutsche Uebersetzung, die durchwegs als äußerst gelungen bezeichnet zu werden verdient. Neu sind auch die schönen Illustrationen — zirka 20 an der Zahl — die die Hagadah schmücken. Diese Illustrationen sind durchwegs antiken Meisterwerken entnommen; wir nennen bloß die Reproduktionen der Hagadah von Mantua, Sarajevo und Prag usw. Randverzierungen moderner jüdischer Künstler verleihen der Hagadah, die mit dem Bildnisse des österreichischen und deutschen Kaisers geschmückt ist, ein schönes und anziehendes Gepräge. Schön und beherzigenswert ist auch das Geleitwort-Gebet vom Rabbiner Dr. D. Feuchtwang in Wien, das der Hagadah vorausgeht. Es ist zu hoffen, daß diese Kriegshagadah, die sich für Haus und Schule in gleicher Weise eignet und die selbst nach Friedensschluß ihren Wert als Kriegserinnerung nicht einbüßen wird, in keinem jüdischen Hause fehlen wird, zur Hebung der Feststimmung und zur Vertiefung in die Erzählung von Druck und Papier sind tadellos, der Preis mäßig. Dr. Felix Kanter, Zroittau, Mähren. *) Wir verweisen auf die gediegene, ebenso inhaltlich als stylistisch meisterhaft vorgetragene biographische Vorrede des Herausgebers Herrn M. Kunstadt, und möchten nur seine Bescheidenheit korrigieren, indem "er sagt — -möb nonm —, daß wie seine Zusätze zur Genüge beweisen, derselbe in der jüdischen Literatur große Belesenheit und ein umfassendes Wissen besitzt.