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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-12 · 11 (12.3.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Bloch'S Wochenschrift Beite 905 uns: „Großvater friert die ganze Nacht; er hat nichts zuür Zudecken; Großmutter ist krank, weil es im Zimmer Lei uns so kalt ist." „Und wo ist Deine Mutter?" frage ich, „Mutter ist ganz wo anders," sagt sie tieftraurig. „Wo, weiß ich nicht." Der alte Mann erklärt, daß man chn, als sie aus Lemberg flohen, von den Seinigen getrennt habe; alle Nachforschungen, sie wieder zu finden, seien vergeblich gewesen. „Gott wird schon helfen," sagt er vertrauensvoll, „daß wir wieder Zusammenkommen." Ein junger Mann, der Typus eines schönen Juden, schwarzäugig, der Bart voll, leicht gekraust, der Blick wie von Tränen verschleiert, sagt aus, daß seine größte Freude früher gewesen, geben zu können; jetzt sei er gezwungen, für sein krankes Weib, für sein Kind, das gestern das Licht der Welt erblickt, und wie die arme Frau auf Stroh liege, zu bitten. Glücklicherweise waren wir in der Lage, überall helfen zu können. Hunderte Flüchtlinge, die für heute Einladungen erhalten hatten, bekamen, was sie begehrten; aber 1525 Gesuche liegen noch vor; unser Vorrat ist erschöpft. Wie all die Armen befriedigen, die auf die nächste Verteilung ihre Hoffnung setzen, wenn nicht mildtätige Menschen Gaben senden? Alles was den Bemittelten entbehrlich, was als Bodenkram unverwendbar, wird von den Flüchtlingen dankbarst angenommen. Eine Karte genügt, wir lassen die Sachen abholen. Geldspenden, die zum Ankauf von warmen Decken, Wollwäsche etc. verwendet werden, bittet man an die Brockensammlung, 9. Bez., Universitätsstraße 4 (Baukanzlei) oder Postsparkassen-Konto Nr. 150.331, zu senden; die Flüchtlinge bitten um Kleider, Schuhzeug, Bettzeug. Tische, Matratzen, Teppiche, Polster, Bettgestelle usw. Es gilt, 1525 Bittgesuche zu erledigen! Mögen edle Menschen, der von Haus und Hof vertriebenen Unglücklichen gedenken und sich der Wahrheit des alten Sprichwortes bewußt werden: Bis äat gui oito äat! („Doppelt gibt, wer gleich gibt.") I d a B a r b e r. Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten — _____ in Prag. _ _____ Bei der am <7. d. M. unter Vorsitz des 1. Obmännstellvertreters, Herrn kais. Rat von Fuchs, stattgohabten Generalversammlung erstattete zunächst der Geschäftsleiter Dr. Weltsch den Rechenschaftsbericht, aus dem zu entnehmen ist, daß die Arbeit in sämtlichen Sektionen in der bisherigen Weise fortgesetzt wurde und der Stand der Handwerkslehrlinge sich dermalen auf 23 beläuft, wovon 11 im Lehrlingsheim untergebracht sind, dessen Fürsorgebestrebungen vom hohen k. k. Arbeitsministerium bereits wiederholt durch Subventionen anerkannt wurden. Der Referent erwähnt weiters die zahlreichen Aktionen im Interesse von auswärtigen Gemeinden und die spezielle Hilfsaktion! für die gälizischen Flüchtlinge, für die der Verein in mannigfachsten Richtungen auf das erfolgreichste wirkte. Der Bericht gedenkt auch der mehrfachen Veranstaltungen, insbesondere des Vortrages E l o e s s e r und der Vorlesung Oskar Baum, und widmet den verstorbenen Vereinsmitgliedern ihre Verdienste würdigende Nachrufe. Redner schließt sodann mit der Anführung der eingegangenen namhafteren Legate und Worten des Dankes an die Presse und die vielfachen Förderer des Vereines, wobei er die weitere Unterstützung derselben für die zahlreichen, gerade in nächster Zukunft der Ausführung harrenden, wichtigen Agenden anrust. Hierauf berichtet die Schriftführerin der Krankenpftegesektion Frau Wahle über die ersprießliche Tätigkeit dieser Mteilung, die sich seit Beginn des Krieges auch mit vollster Hingebung in den Dienst der Verwundetenpflege gestellt hat. Beide vorstehende Referate sowie der in Vertretung des Kassiers vom Schriftführer Herrn Dr. Oppenheimer verlesene Kassabericht und der durch Herrn Wien zur Kenntnis gebrachte Revisionsberichr werden beifällig genehmigt. Zum Schluffe wurden von Herrn Strauß und Herrn Dr. Gütig mehrfache Anregungen bezüglich intensiverer Vereinsrätigkeit in einzelen jetzt aktuell gewordenen Richtungen vorgebracht und für die geschäftliche Behandlung in Aussicht genommen. Bei den sohin vorgenommenen Ergänzungswahlen wurden in den Ausschuß gewählt die Herren: MUDr. Adolf Bäudler, Dir. Adolf Brod, Josef Burg (Karolinentat >. MUDr. Eduard F i s ch l, kais. Rat Robert von F u ch s, k (Smichov), JUDr. Arnold P o l l a k, MUDr. Karl S a a r, Gustav Steiner, MUDr. Markus T e w e l e s, Komm.- Rat Max Wachtel, Dir. Wilhelm Wertheimer und als Ersatzmann Herr Dir. Karl Re sek; ferner zu Revisoren die Herren Gustav Fürth, Jg. K arpeles, Professor Rudolf Rubi n, Sigmund Springer und Michael Wien. Aus Nikolsburg; Geleitet von dem Gedanken, daß jedes Volk sich am besten dadurch ehrt, indem es seine Toren ehrt und daß vor allem Dank und Ehre jenen Braven gebührt, welche in dem jetzigen furchtbaren Völkerringen ihr Leben auf dem Schlachtfelde opfern oder dieses infolge der vor dem Feinde erlittenen Verletzungen cinbüßen, hat der Vorstand der Chewra-Kadischa in Nikolsburg in seiner am 19. Februar 1915 unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Gustav Abeles abgehaltenen Sitzung einstimmig beschlossen, auf dem hierortigen israelitischen Friedhofe einen Platz für Heldengräber zu widmen, in welchen vor dem Feinde gefallene Nikolsburger, sofern deren Ueberführung möglich ist, und die im hiesigen Flüchtlingskonzentrationslager ihren Wunden erliegenden Soldaten aus Galizien und der Bukowina beigesetzt werden sollen. Gleichzeitig wurde beschlossen, daß die Chewra- Kadischa die Kosten für die Beerdigung dieser Helden selbst zu tragen hat und daß für die Schmückung ihrer Gräber mit Grabsteinen vorgesorgt wird, während späterhin ein gemeinsames Denkmal dem Andenken dieser Braven aus Mitteln der Chewra-Kadischa errichtet werden wird. Als erster wurde im Heldengrabe der im hiesigen Notspitale „Winzerschule" am 13. Februar 1915 ver- Hstorbene, 29 Jahre alte Leib Groß aus Przemysl auf Kosten der Chewra-Kadischa beerdigt. Er war am 1. August 1914 ins Feld gezogen und kam nachdem er sich dort den Keim zu einem tückischen Leiden geholt hatte — hierher ins Flüchtlingslager, um sein Weib und Kind zu suchen, erlag jedoch hier, ohne seine Lieben wiedergefunden zu haben, seinem schweren Leiden. An seinen! Begräbnisse nahmen eine große Volksmenge, viele hier weilende Krieger, Reserveleutnant Herr W. Kreiml sowie die im fürstlichen Schlosse und im Rekonvaleszetttenßeirn der Filiale des Roten Kreuzes in Nikolsburg untergebrachten Verwundeten unter Führung des mit der silbernen Tapferkeitsmedaille dekorierten Wachtmeisters Johann Ried e r in kameradschaftlicher Soldatentreue teil. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Lew in widmete dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, während Herr Oberkantor K u n st a d t die zeremoniellen Gebete in musterhafter und ergreifender Weise rezitierte.

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