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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-12 · 11 (12.3.1915) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette m Dr. Dloch's Wochenschrift Rr. 11 Für die Revisoren beantragt Herr Dr. Karl Löwy dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen, was von der Versammlung einstimmig angenommen wird. Als Revisoren werden hierauf gewählt pro 1915 die Herren Dr. Karl L ö w y, Moritz Mantler und Leopold Pick. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung teilt der Vorsitzende mit, daß ihm ein Brief des Herrn k. k. Kommerzialrates Max Eisenberger zugekommen sei, in welchem er mit Rücksicht auf seine Gesundheit bittet, von einer Wiederwahl seiner Person Umgang zu nehmen. Die Resignation des Herrn Kommerzialrates Eisenberger wird mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen und gleichzeitig beschlossen, chn der vollsten Sympachien der Generalversammlung zu versichern und auf schriftlichem Wege -diese Sympathiekundgebung der Generalversammlung zu übermitteln. Für die erledigten fünf Vorstandsmandate haben ihre Kandidatur angemeldet die Herren: Hermann K ö n i g, Adolf Freund, Architekt Fuchs, Viktor Heim und Julius Pollak; von letzterem liegt eine Depesche aus Fulnek vor, in welcher er mitteilt, daß er infolge ungenügender Zugsverbindung erst spät am Abend in Wien eintreffen werde und sich auf diesem Wege um das Mandat eines Vorstandsmitgliedes bewerbe. Die erstgenannten Herren hielten Kandidatenreden, die mit großem Beifall von der Versammlung ausgenommen wurden. Zu Skrutatoren wurden nominiert die Herren Wolf Hirsch, David Kohn und Leopold Pick. Nach Vornahme der Wahl während des Skrutiniums erbittet sich Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Drobinsky das Wort, um in einer formvollendeten geistreichen Improvisation für die ihn ehrenden Worte der Anerkennung im Jahresbericht und seitens der Herren Dr. L ö w y, Architekten F u ch s und Viktor Heim herzlichst zu danken. Die Worte des Redners werden am Schlüsse stürmisch akklamiert. Gewählt wurden nahezu einstimmig die Herren Hermann König, Adolf Freund, Architekt Leopold Fuchs, Viktor Heim und Julius Pollak. Mit dem Danke des Präsidenten an die Erschienelieit wird hierauf die 41. ordentliche Generalversammlung geschlossen. Eine unangenehme Affäre. Aus Lundenburg wird uns gemeldet, daß in Unter- Temenau die dort seit einem Monat sich aufhaltenden zehn jüdischen Familien den Auftrag erhielten, binnen zehn Stunden den Ort zu verlassen. Nachdem außer den jüdischen auch mehrere christliche Flüchtlinge sich dort befinden, so hat die Ausweisung der Juden einen ungeheuren und deprimierenden Eindruck gemacht. Man muß sich vorstellen, was es in der Bevölkerung für einen Eindruck macht, wenn es heißt: Juden müssen weg. In Unter-Temeyau wohnen drei jüdische Familien, die alle Achtung genießen und vom Antisemitismus niemals etwas verspürten. Nun kam das Schlagwort: Juden müssen 'raus!, und das hat auch auf ihre Stellung eine peinliche Einwirkung. Unter den ausgewiesenen Juden befinden sich Familien, deren Söhne in der Front kämpfen, eine hat bereits ihren Sohn verloren und nun müffen sie weg. Dabei sind diese Familien bloß hierhergekommen, weil sie in Lundenburg keine Wohnung Mehr auftreiben konnten, sie haben hier ruhig gelebt, nirgends Anstoß erregt. Diese Maßnahme indes trägt Zwist in die Bevölkerung. Fluch,tlings-Ausspeisehalle. Am 7. Januar I. I. eröffnete der Wiener Verband der gallischen Humanitären Vereine in den geräumigen Gasthauslokalitüten, 2. Bezirk, Schiffamtsgasse 20, eine eigene Ausspeisung für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Daselbst werden täglich ungefähr 800 bis 900 Flüchtlinge gegen Entrichtung von 12 Heller pro Mahlzeit ausgespeist. Für diesen Preis wird den Flüchtlingen eine warme kräftige Suppe, eine ausgiebige Portion Gemüse und Brot geboten. Am 23. d. M., 6 Uhr abends, fand die feierliche Besichtigung dieser Auspeisehalle statt. Bei derselben waren zahlreiche Gäste, darunter viele offizielle Persönlichkeiten, wie der Leiter der Zentralsürsorge, Eemeinderat Herr Dr. Schwarz- H i l l e r, seine beiden emsigen Mitarbeiter, Herr Bezirksrat S. ,M. R ü b n e r, Herr Armenrat S. Lemberger, Herr Bezirksrat Haslinger, ferner der Reichsratsabgeordnete Herr Doktor Ofner, Herr Rabbiner Dr. Mar G r u n w a l d, Herr Rabbiner Meyersohn, kais. Rat Philipp Kläger und viele andere anwesend. Der Präsident des Verbandes Dr. Mar I a c o b s o h n begrüßte in einer herzlichen Ansprache die erschienenen Gäste, dankte den Vertretern der Zentralfürsorge, insbesondere dem Leiter derselben, Herrn Eemeinderat Dr. Schwarz-Hiller für sein strenges aber korrektes und unparteiisches Vorgehen und Entgegenkommen allen Flüchtlingen gegenüber, gab sohin eine kurze Schilderung der Entstehung und Entwicklung des jungen Verbandes, erstattete einen kurzen Bericht über dje bisherige Tätigkeit, bestehend in der Brotverteilung, 'Gewährung von Eeldunterstützungen, von Kleidern, Schuhen und Wäsche an zirka 12.000 Familien, der Ausspeisung bei der „Einheit" und in anderen Gastwirtschaften und besprach schließlich die neugeschaffene, in eigener Regie geführte Ausspeiseaktion. Dr. Jacobsohn schloß seine Ausführungen mit einem warmen Appell an die erschienenen offiziellen Persönlichkeiten und an die Oeffentlichkeit, dem humanitären Wirken auch fernerhin die notwendige Unterstützung angedeihen zu lassen. Herr Eemeinderat Dr. Schwarz-Hiller und Herr Rabbiner Dr. Erunwald erwiderten darauf, indem sie der bisherigen ersprießlichen Tätigkeit des Verbandes Worte des Dankes zollten und die Einrichtung der Ausspeisehalle, in deren Räumlichkeiten die,Gäste zuvor zur Besichtigung herumgeführt wurden, insbesondere öie Vorzüglichkeit und Äppetitlichkeit der Speisen, die den Flüchtlingen geboten werden, und wovon die Gäste Kostproben genommen halten, lobten. .Es sprach noch Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner und wünschte dem Verbände, auch für die heimischen Hilfsbedürftigen eine dauernde Hilfsstätte zu bleiben. Nachdem der Vizepräsident des Verbandes Herr Platz den erschienenen Gästen für ihr Erscheinen herzlich gedankt und ihnen über die innere Einrichtung die gewünschte Aufklärung gegeben und die Opserwilligkeit der bei der Ausspeisung mitwirkenden Frauen und des Obmannes des Wirtschaftskomitees, Herrn Beer, hervorgehoben hatte, verließen die Gäste in animiertester Stimmung in vorgerückter Stunde das Ausspeiselokal. Elisabeth-Promenade 39. * „Eine solche Suwwe herzzerbrechenden Elends habe ich selbst in dieser an Elend so reichen Zeit nicht hei einander gesehen," sagte mir Mr. Renfield, als wir das neue Lokal der Brockensammlung (Elisabeth-Promenade 39) verließen. Wie allwöchentlich, hatte da eine Verteilung an Flüchtlinge stattgefunden; der amerikanische Philanthrop wünschte derselben beizuwohnen. Lange vor 2 Uhr war das große Lokal, in dem die.Verteilung stattftndet, bis aus den letzten Platz gefüllt. Man sah sterbensmüde Greise, Frauen, die ihre Säuglinge stillten, elternlose Kinder, die mit Gier in das chnen von den Komiteedamen gereichte Brot Hineinbissen, ein Beweis, daß sie tatsächlich Hunger litten. — Die Hungernden umstanden das improvisierte Buffet, in dem die Damen Brot, Wurst und Tee verteilten, die Frierenden drängten sich an den Ofen, der eine behagliche Wärme ausstrahlte. Frauen mit ihren Kindern hatten auf den Bänken Platz genommen; als dann die Verteilung begann, drängte alles nach vorne; die meisten baten um warme Wäsche, um Winterkleidung, um Schuhe. Eine Frau, die sich bescheiden in einiger Entfernung aufhält, klagt rmr, sie liege seit Wochen Mit ihren vier Kindern auf Stroh; nur um eine Matratze bittet sie; eine andere, die ihr kleines, ach so elend aussohendes Bübchen an sich drückt, bittet Um ein Polster für das Kleine; ein alter Mann, der, seinem würdigen Aussehen nach zu urteilen, wohl einst bessere Tage gesehen, bittet um einen warmen Rock, denn der Sommer-Paletot, hen er seit seiner Fluchjt aus Lemberg getragen, ist zerfetzt und kalt; — ein zehnjähriges Mädchen, das er an der Hand hält, erzählt

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