Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 11 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 2V» erst die Tausende empfinden, die diesmal das schöne Pessachfest,. den Tag, der sonst alle frommen jüdischen Familien im Elternhause vereinigt, fern von der Heimat, arm, flüchtig, erniedrigt verbringen müssen, die fürchten müssen, bei der Heimkehr Haus und Hof geplündert oder in Asche Zu finden? In voller Einsicht dieser Lage hat das Hilfskomitee für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, an der Spitze der edle Freund Galiziens, Exzellenz Ritter von Bilinski, mit liebevollem Eingehen auf die religiöse Empfindung unserer Flüchtlinge beschlossen, unter großen materiellen Opfern — Koschermachen, Geschirranschaffung usw. — die Ausspeisung, die bekanntlich unter Leitung der Präsidentin des Ferienheim, Frau Sofie Grünfeld und des Baumeisters Melcher steht, während der Ostern aufrechtzuerhalten. Am Sederabend können in den schönen Lokalitäten der Ausspeisung die Heimatlosen sich zu einem feierlichen, unter Rabbinatsaufsicht vorgenommenen Seder vereinigen, und so einen Ersatz ihrer heimatlichen Festfreude haben. Die Karten dazu — ä50H. — müssen vom 20. bis 26. März im Ausspeisungslokal im vorhinein gelöst werden. Damen der besten jüdischen Gesellschaft werden an diesem Abend bedienen. Da die Kosten des Seders im heutigen Lebensmittelpreisstadium die 50 Heller um das Doppelte übersteigen dürften, werden milde Gaben an Geld und Naturalien zu diesem frommen Md edlen Zweck von folgenden Damen entgegengenommen: Sprnden nehmen entgegen: Frau Sophie Grünfeld, 9. Bezirk, Porzellangafse 4. Frau Rosa Freyberg. 1. Vez., Schottenring 31. Frau Maler Zewy, 4. Bezirk, Belvederegasse 30. Frau Pros. Isidor Kaufmann, 2. Bezirk, .Malhildenplatz 3. Frau Else Kareis, 9. Bezirk. Porzellangafse 18. Herr Gemeinderat Baumeister Edmund Melcher, 9. Bezirk, Porzellangasse 2. Unterschriften: Adele Zins, .Ella Stolper, Karolme Deutsch, Jda Politzer, Käthe Sporer. Helrne P o r g e s, Adele Friedmann, Erna Hamburger, Ed th Cornfield, Rosa Czeczowiczka, Emma Mauthner, Irene Reschovs k y, Rosa Schur, Fanny P i r i n g, Anna I e l l i n e k, Doktor Adler, Amalia Blech, Rosa L r f c s i s, Lola Stern, Jenny Funk, Gisela Braun, Lina Kätscher, Irene S ch e p k e s, Auguste W einreb, Wally Wiener, Olga Feuertag, Lotte Felder, Julie Thalberg, Fritzi P o b o r s k y. Leopoldine Weigl, Dr. K o e r t i n g, Helene Bloch, Josefine Weinberger, Elisabeth Bloch, Celine Hackel, R. Popper, Adele Rosen'ba u m, Betty Mayer, Ella Hackel, Friederike Rotier, Flora G r ü n s e l d. Kundmachung für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Den Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina wird hiemit bekanntgegeben, daß in der Ausspeisestelle, 20. Bezirk, Wallensteinstraße 72, während der Pessachwoche die Ausspeisung geöffnet bleibt und rituelle dem Pessachfeste Rechnung tragende Kost verabreicht wird. Das Komitee hat beschlossen, trotz der Teuerung und der schwer zu beschaffenden Lebensmittel den gewöhnlichen Preis von bloß 50 Hellern auch während der Feiertage aufrechtzuerhalten. Die Speisehalle wird vollständig mit neuem Geschirr ausgestattet und wird unter Rabbinatsaufficht das Käschern ausgeführt. Am 28. März findet dortselbst ein Sederabend für die Gäste der Halle statt, bei welchem dieselben ebenfalls nur den Preis von “50 Heller zu leisten haben. Die Speisemärkett für den Sederabend sowie die ganze Pessachwoche sind im vorhinein bis längstens 25. März an der Kasse zu lösen. Nach dem 25. März'können keine Anmeldungen mehr berücksichtigt werden. Für die Leitung: Sofie G r ü n f e l d. Generalversammlung des Tempelveremes für Mariahilf und Neubau. Die 51. ordentliche Generalversammlung des israel. Tempelvereines für Mariahilf und Neubau hat in Anwesenheit von 31 Vereinsmitgliedern unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Jakob Engel am 6. März stattgefunden. "Der Präsident begrüßte zunächst Herrn Rabbiner Dr. Drobinsky, die Damen des Frauen-Vereines, Frau Frida Strauß, Frau Doktor Engel, Frau Wolf und Frau Sophie Heim, und ebenso den Präsidenten des Humanitätsvereines Herrn Dr. Löwy. Vor Eingang in die Tagesordnung widmet der Vorsitzende dem verstorbenen Vorstandskollegen Herrn Ignaz Klein einen herzlichen, alle Anwesenden tief bewegenden Nachruf; die Trauerkundgebung wurde über Beschluß der Generalversammlung dem Protokoll einverleibt. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalmversammlung durch den Schriftführer Herrn August Fischl erstattet der Vorsitzende den Jahresbericht. Er gedenkt der im Verlaufe des Vereinsjahres vom Tode abberufenen Vereinsgenossen und mit besonderer Wehmut der auf dem Felde der Ehre gefallenen Glaubensbrüder des Bezirkes. Die Versammlung beschließt, auch diese Trauerkundgebung ins Protokoll aufzunehmen. Der Mitgliederstand beträgt 262 gegen 280 im Vorjahre. Die Agenden des Vereines wurden in neun Plenarsitzungen und in einer größeren Anzahl von Komiteesitzungen erledigt: Der Jahresbericht gedenkt des Scheidens des allgemein beliebten Seelsorgers Herrn Rabbiner Dr. Taglicht und die Bestellung des Herrn Rabbiner Dr. Jakob Drobinsky zu seinem Nachfolger. Daß die Wahl des neugewählten Rabbiners eine glückliche war, erhellt aus der Tatsache, daß seine Predigten im Tempel sich eines großen Zuspruches erfreuen. Im ersten Halbjahre sind uns auch größere Widmungsspenden zugekommen. Die Herren kais. Rat Ernst und Julius Pollak, die Söhne unseres unvergeßlichen Vizepräsidenten, widmeten eine Maskir- und Jahrzeitstiftung und erlegten hiefür 3100 Kronen Notenrente. Herr Otto Strakosch w'dmete uns anläßlich des Todes seiner Mutter. Henriette Strakosch, den Betrag von 40 Kronen. Herr Leopold Lourie anläßlich der Vermählung /einer Tochter 200 Kronen, Herr Wilhelm Meyer am Todestage seiner Gattin 100 Kronen. Den edlen Spendern sei auch an dieser Stelle der herzlichste Dank gezollt. Im -abgelaufenen Jahre pmrden im Tempel 40 Trauungen, 35 Barmizwahs und 7 Namengebungen abgehalten. Zum Jahresbericht meldet sich Herr Dr. Löwy zum Wort, um in erster Linie dem Vorstande «für seine ausgezeichnete Gebarung namens der Vereinsmitglieder zu danken und anknüpfend hieran einige Anregungen zu geben: Dieselben beziehen sich zunächst auf eine regere Beteiligung des Vorstandes beim Gottesdienste, sowie auch bei Leichenbegängnissen der Vereinsmitglieder und ferner auf den Wunsch mehrerer Mitglieder wegen besserer Beheizung des Tempels. Herr Dr. Engel gibt hierauf die nötigen Aufklärungen, worauf der Jahresbericht unter großem Beifall einstimmig zur Kenntnis genommen wird. Hierauf erstattet an Stelle des von Wien abwesenden Kässeverwalters Herrn Friedrich Pollak der Kon trollor Herr kais. Rat Josef T o f f l e r den Kassebericht, indem er die finanzielle Lage des Vereines eingehend beleuchtet und mit Rücksicht auf das im heurigen Jahre bestehende Defizit einen äußerst warmen Appell an die Opferwilligkeit der Mitglieder und Bethausbesucher richtet.