Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-12 · 11 (12.3.1915) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022154--23945-3049169
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

beite 200 Wochenschrift Dr. Bloch's Frankfurt a. M. Offiziersstellvertreter im Reserve-Infanterieregiment Nr. 40 Dr. Arthur Kaufmann, Inhaber des Eisernen Kreuzes. Halle (Saale). Mar Eduard Huth, im 153. Infanterieregiment, wurde auch zum Bataillonsadjutanten ernannt. * * * Zum Oberstabsarzt: Schöneberg. Sanitätsrat Dr. Mar E i s n e r, zu Kaisers Geburtstag. Zum Oberleutnant: Kattowitz. Rechtsanwalt Loebinger, Bes. d. E. K. * * * Zum Leutnant d. R. Crefeld (Landw.-Bez.). Vizewachtmeister Cohn, jetzt bei der Reseroe-Fernsprechabteilung 24. * -i- * Zum ctatsmäßigeu Stellvertreter des 1. Feld-Art- Reg. Prinzregeut Luitpold: München. Mar Hesky, in Firma Gebrüder Hesky. * * * Zum badischen Reserveoffizier: Emmendingen (Baden). Franz Eünzburger, Kaufmann, im badischen Landwehrregiment Nr. 110. * * * Sonstige Auszeichnungen. Afchaffenbarg. Den bayrischen Militär-Verdienstorden vierter Klasse mit Schwertern Dr. Rosenthal, Stabsarzt d. R. Bamberg. Dem Gefreiten der Landwehr Sonnenfeld, im 4. bayrischen Landwehr-Infanterieregiment, wurde das bayrische Verdienstkreuz dritter Klasse mit Schwertern verliehen. Durlach. Unteroffizier Waldemar Kuttner, der das Eiserne Kreuz besitzt, hat jetzt auch die badische silberne Verdienstmedaille im Bande des Karl Friedrichs-Orden erhalten, und zwar für gute Aufklärungen als Radfahrer, Ileberbringung wichtiger Meldungen und Befehle im feindlichen Feuer, Erbeutung (in Gemeinschaft von drei Kameraden) von 6 Mauleseln, 10.000 Patronen und Gefangennahme der zu dieser Bewachung angetroffenen drei Franzosen und Luftsprengung eines französischen Patronenwagens mit zirka 60.000 Patronen. Kuttner ist ein geborener Schlesier aus Gr.-Strehlitz, Neffe des Herrn Julius K. in Breslau, jetzt wohnhaft in Durlach (Baden) als Besitzer eines Eisengeschäfts. Hainstadt (Baden). Das bayrische Militär-Verdienstkreuz zweiter Klasse mit Krone und Schwertern erhielt unter gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier der Einjährigfreiwillige Alfred Kaufmann, im 9. bayrischen Infanterieregiment, vor seiner Militärdienstzeit in Grünsfeld in Baden Religionslehrer. Hmdenburg (Obrrschlefien). Der Stabsarzt und Sanrtätsrat G u st a v Fischer, in einem Landsturmbataillon in Lüttich, erhielt den bayrischen Militäroerdienstorden mit Schwertern. Hof. Dr. Josef Schäler, königl. 3. Staatsanwalt, zurzeit stellvertretender Feldlazarettinspektor, wurde das bayrische Militärverdienstkreuz zweiter Klasse mit der Krone verliehen. Bad Kissingen. Gefreiter Franz Ehrlich, erhielt die bayr. Verdienstmedaille mit Schwertern. ßin Feldpostbrief. Herr Oberinspektor Jakob Lebenhart, Vorstand der Abteilung VII der k. k. Direktion für die Linien der St.-E.-O-, in Wien, 2. Bez., Aloisgasse 3, erhielt von seinem Sohne nachstehenden Feldpostbrief: Liebste Eltern! Heute die Karte von Karl erhalten. Seine Fortschritte im Lesen und im Hebräischen freuen mich. Ihr könnt Euch nicht denken, wie teuer einem solche Sachen werden. Ich war dieser Tage in Novoradomsk bei einer Familie, bei der ich das erstemal bereits geschlafen habe, eine angesehene, reiche, jüdische Fainilie, jetzt freilich um das ganze Geschäft — Kohle, Petroleum und Salz en gros — gekommen. Der Alte, ehrwürdig und ernst und ganz im Gegenteil zu dem, was man von polnischen Juden zu sagen gewohnt ist, ein Ehrenmann selbst im Nr. 11 Geschäft. Nicht vielleicht, daß ich übertreiben will> aber ich habe mich dort so zuhause gefühlt. .Wieviel Unglück unter diesen Leuten, und trotzdem welche Anteilnahme, welche Opferwilligkeit und Bereitwilligkeit, einem auszutragen. Wir hatten einen sehr angenehmen Abend. Es wohnt dort ein Oberleutnant, ein Ungar, ein sehr lieber Mannt Wir sangen verschiedene Lieder, zuletzt die eine Tochter, ein wunderhübsches Mädchen, in Begleitung mit dem Westen Bruder ein Lied in Jargon, darunter ein Lied aus „Bar-Kochba", dann das Lied eines jüdischen Kindes, das allein und verlassen, inmitten der ermordeten Familie verschont, nach einem Pogrom erwacht und nur allmählich! erst das Bewußtsein erlangt von dem grausigen Geschehnis, Wie dieses Kind in den wenigen Momenten reift und das lange Gehirn die furchtbare Gewißheit zu begreifen lernt — das wurde mit den wehmütigsten Melodien gesungen. Es gibt nichts Ergreifenderes. Die ganze Seele, des russischen Juden und seines Elends offenbart sich darin. Alles ist entschuldigt bei diesem Dasein im Schatten des Lebens unwürdig Glücklicherer, die ihnen das Dasein selbst übelnehmen. Diejenigen, die die besten Talente haben, sind von Schulen ausgeschlossen. Ich habe von dem Alten einen Jubiläumsrubel erhalten. 300 Jahre des Hauses Romanow von 1613—1913, ein sehr wertvolles Stück, da für jedes Gouvernement nur 15 Stück herausgegeben wurden. Ich will es nicht mit der Post schicken, damit es nicht verloren 'geht; bis irgendeine Gelegenbeit sein wird, sende ich es nach Hause. Anbei einige Monogramme. Herzliche Grüße und Küsse allen Euer aufrichtiger Rudolf. Zm Kriege gefallen. Donnerstag, den 4. März, ist auf dem französischen Kriegsschauplatz Dr. L. M üh l s e l d e r, ein hervorragender Rechtsanwalt in Chemnitz (Sachsen), Offizier-Stellvertreter in der 47. Ref.-Jnf.-Brigade, den Heldentod gestorben. Dr. L. Mühlfelder war der Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Mühlfelder in Chemnitz und ist ein Schwager des bekannten Rabbiners und Predigers der Tempelgemeinde in Prag. Unter unserer Aufzeichnung über erfolgte Auszeichnungen mit dem Eisernen Kreuz war Rechtsanwalt Dr. L. Mühl selber aus Chemnitz einer der ersten im Oktober 1914. Aie Kreuel von Wadworna Fünfzehnhundert jüdische Familien als Deckung vor der russischen Front. Schauer und Entsetzen erregen die Nachrichten, die vom galizischen Kriegsschauplatz in die Welt dringen- Sie bringen von grauenhaften Verbrechen Kunde, die das tiefste Mitleid erwecken müßte, wenn das menschliche Empfinden nicht schon gänzlich abgestumpft ist. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet : Heute nachmittag erschien vor einer befestigten Stellung unserer Truppen nördlich N a d w o r n a ein russischer Parlamentär, welcher folgende Mitteilung machte: lieber Befehl des russischen Kommandanten werden morgen vormittag zirka 1500 jüdische Familien, welche heute bei Kamiona und Tysmieniczany versammelt worden sind, über die russische Linie hinaus zu den österreichisch-ungarischen Truppen a b g e s ch ob e n werden. Nachdem die jüdischen Familien Furcht hätten, von den Oesterreichern angeschossen zu werden, erscheine der Parlamentär, um dies zu avisieren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.