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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-12 · 11 (12.3.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 197 Nr. 11 sitzlosen und Enterbten durch die Reichen" einzutreten oder gegen das „Prahlen und Protzen wie gegen das Putz- und Geschmeidetragen bis zur Erregung von Mißgunst unter der Mirbevölkerung" zu prediget:, steht die Kanzel zur Verfügung. Hier in Wien dagegen und zu dieser Zeit'und in der Presse solche „Mahnungen" in die Welt hinauszurufen, halten wir für unangebracht und schädlich, und wenn Sie auch, woran ich nicht zweifle, die beste Absicht dabei hatten, müssen wir Ihnen mit dem bekannten talmudischen Zitat vergelten: „Nimm Deine Güte und wirf sie zu den Dornen!" Wien, 9. März 1915. E. Torczyner. Nachschrift der Redaktion: Eine schnöde Undankbarkeit wäre es, die zahllosen materiellen und persönlichen Opfer nicht anzuerkennen, die has Wiener Judentum bringt, freudigen und willigen Herzens bringt, um das schwere Leid unserer Kriegsslüchtlinge zu mildern. Zeuge dessen sind die zahlreichen Wohlfahrtsinstitute, welche neben der staatlichen Zentralstelle für Flüchtlingsfürsorge der Opferwilligkeit und der tätigen Arbeit wackerer Privatpersonen das Entstehen verdanken. Wir erinnern an die vielen neueröffneten Küchen- und Speiseanstalten der verschiedenen Vereine und Komitees, an die Suppen- und Teestuben, an das Rekonvaleszentenheim für Wöchnerinnen, an die Säuglingsfürsorge, an das hrztliche Ambulatorium, welche alle enorme Summen verschlingen, die aus Privatmittel aufgebracht werden. Seit Monaten sind edle Menschen, Männer, Frauen und Mädchen, unermüdlich im Dienste dieser Wohlfahirtsinstitute tätig, arbeiten Tag und Nacht, um Hunger zu stillen, Not 'zu lindern, Tränen zu Trocknen, sie vollbringen ein Werk unendlichen Segens in dieser schicksalsschweren Zeit der Bedrängnis. Möge die Vorsehung ihnen und ihren Kindern das zum Guten gedenken!'Wir nennen keine Namen, sie bedürfen nicht der Reklame, allein diese arbeitsreichen Monate werden zweifellos zu chren erhebendsten Erinnerungen zählen. Allein lbei aller Dankbarkeit für diese segenspendenden Werke der Barmherzigkeit verspüren diese scheuen und verschüchterten Heimatsflüchtigen, daß die ihnen gewidmete Gastfreundschaft häufig des feinen Aromas der Herzlichkeit entbehrt. Bei einer verschwenderischen Fülle von Liebe so wenig Wohlwollen! Ein Paradoxon, gewiß, aber das jüdische Leben ist reich an solchen Paradoxen. Sie müssen häufig, ohne zu wollen, Zeuge von Gesprächen sein, die das Blut ihnen zu Kopfe treiben. Die widersprechendsten Anklagen werden gegen sie laut: wenn ein Greisler Aepfel gar zu wohlfeil verkauft, wird sofort vermutet, ein galizischer Flüchtling habe das Geschäft heimlich erworben, der die Preise mutwillig herabdrücke. Andererseits sollen sie es sein, die alle Lebensmittel verteuern. Die unbestreitbaren großen materiellen Vorteile, die Wiener Hausherren, Geschäftsleute und Gewerbetreibende in dieser Kriegsnot aus der Anwesenheit der zahlreichen wohlhabenden Flüchtlingsfamilien zufließen, wird kaum erwogen, kaum beachtet. Altjüdische Gastfreundschaft hatte zur Norm: dem Gaste die Fremde in eine Heimat zu verwandeln. Dagegen heißt es in einer Zuschrift eines galizischen Intellektuellen an die Redaktion der „Oesterr. Wochenschr.": „Der sechsmonatliche Aufenthalt in Wien löste bei jedem feinfühligen Bürger Galiziens den heißesten Wunsch aus, möglichst schnell in seine Heimat zurückzukehren, denn unerträglich ist ihm das weitere Bleiben geworden." Das Schlimmste ist, daß einzelne dieser durch die Kriegsnot hierher Getriebenen sich in der Tat mancherlei Verschlungen zuschulden kommen ließen und lassen, die der Gesamtheit der Leidensgenossen eine schwere Schädigung tzufügen, den herrschenden Vorurteilen neue Nahrung und neue Impulse bieten und zu ungerechten Pauschalanklagen und Pauschalverleumdungen Anlaß geben, deren vergiftende Wirkungen der Jude in seiner leidensreichen, vieltausendjährigen Vergangenheit als das schwerste Verhängnis an seinen: eigenen Leibe oft genug verspürt hat. Wenn unter solchen Verhältnissen der Rabbiner einer der angesehensten und ruhmreichsten Gemeinden Galiziens sich gedrängt fichlt, an seine Schicksals- und Leidensgenossen ein Wort der Mahnung zu richten und zu diesem Behufe, da ihm die Kanzel dermalen nicht zugänglich ist, an die Redaktion eines jüdischen Blattes sich wendet, so kann chm billigerweise das Gastrecht kaum verweigert werden. Noch weniger angängig wäre es, seine Ausführungen vorerst einer Zensur zu Unterwerfen. Das verbietet schon die Achtung vor dem Stande eines Rabbiners der Lemberger Gemeinde. Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift". vom Aabrmarirt des Lebens. Kriegsdekoxalionen jüdischer Hffiziere und Soldaten. (Verordnungsblatt Nr. 31 und 33.) Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten dem Oberstabsarzt 2. Klasse Dr. Emanuel Fried lieber, Kommandant des mob. Reservespitals 1/6, und dem Regimentsarzt Dr. Leopold Läufer, Inf-Reg. Nr. 60; dem Stabsarzt Doktor Alexander Rubin stein, ung. Landw.-Husarenreg. 10; das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration den vor dem Feinde gefallenen Leutnats d. R. Dr. Otto Kohn und Richard Perlberg, beide vom 2. Tiroler Jäger-Reg., und dem Oberleutnant d. Reserve Siegmund Ullmann, ung. Landw.-Jnf.- Regiment Nr. 32; das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille dem Landsturmregimentsarzte Dr. Max Schrämet, Jnf.-Div.-San.-Anstalt Nr. 24, und dem Adjunkten der bosn.-herzeg. Landesbahnen Alfred Reich; ferner das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (kaiserliche belobende Anerkennung) dem Regimentsarzt Dr. Erwin Horner, Assistent der chirurgischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien; den Oberleutnants d. R. Bernhard Markus, Feldkan.-Reg. Nr. 14; Dr. Leopold Altschul, Landsturm-Jnf.-Reg. Nr. 25; Dr. Heinrich Just er, Erstes op. Armee-Kommando; Josef Heller, Inf.-Reg. 94; den Leutnants d. R. Robert Mahler, reit. Art.-Div. Nr. 6; Gustav Springer, Jnf.-Reg. Nr. 96; Ernst Breuer, Feldkan.-Reg. Nr. 16; Alfred Goldberger de Buda, schwere Haub-Div. Nr. 4; Max Market, Jnf.-Reg. Nr. 91; Hugo Adler, ung. Landw.-Jnf.- Reg. Nr. 28; dem Regimentsarzt Dr. Julius König, Landw.-Jns.-Neg. Nr. 29; dem Oberarzt Dr. Alfred Arnstein, Jnf.-Reg. Nr. 55; den Assistenzärzten d. R. Dr. Moriz Juda, Jnf.-Reg. Nr. 95; Dr. Karl Schnur, reit. Art.-Div. Nr. 10; Dr. Ludwig Landau, Jns> Reg. Nr. 55; Dr. Zoltan Epstein, Feldkan.-Div. 11/20, und Dr. Leopold Strauß, Jnf.-Reg. Nr. 14; Der jüdische Einjahrig-Freiwillige Herbert Brandeis wurde nach seinem Heldentode mit der kleinen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

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