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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-12 · 11 (12.3.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 194 Dr. BWch's stellen und aus Grund derselben an die Regierung mit den entsprechenden Forderungen und Wünschen herantreten. Die Materialien und Vorarbeiten dieser Komitees sind fauch dazu 'bestimmt, Heu seitens der Regierung seinerzeit einzusetzenden amtlichen Organen zwecks Beschleunigung ihrer Arbeiten als Grundlage zu dienen. Dieser Tage Tage haben die Vertreter der „Zentralstelle des Ausschusses der landwirtschaftlichen Vereine Galiziens" eine Deputation zum Ministerpräsidenten Grasen Stürgkh entsendet, um demselben das bisher festgestellte Material zu unterbreiten, mit den: Ersuchen, die zur Entschädigung notwendigen Summen flüssig zu machen. Es handelt sich hiebei um ganz bedeutende Beträge. Für 34 politische Bezirke Westgaliziens ist die Summe von 431,510.775 Kronen notwendig, und zwar bloß für die Landwirtschaft treibende Bevölkerung zur Anschaffung von Saatkorn, lebendem Inventar, Futter, Geräten sowie Unterhalt der Familien bis zur neuen Ernte. Es kann niemand diesen Kreisen verübeln, daß sie sich in erster Linie 'um die. ihnen näherstehende Landbevölkerung kümmern - die ' Frage sei jedoch gestattet, wer sich für die in diesen Gegenden lebenden Handel und Gewerbe treibenden Juden kümmern soll, welche sicherlich verhältnismäßig keinen geringeren Schaden erlitten haben? Wir wollen auch hoffen, daß die früher erwähnten lokalen Komitees so objektiv sein werden, um keinen konfessionellen Unterschied bei der Erledigung ihrer Aufgabe!,, zu Machen, allein auch diese werden sich höchstwahrscheinlich besonders mit der Landbevölkerung beschäftigen und den Handelsugid Gewerbekreisen nicht die genügende Aufmerksamkeit widmen. Es ist deshalb dringend geboten, daß in dieser Beziehung rechtzeitig alles Notwendige unternommen werde. Aus den Kreisen der Interessenten sollen Komitees gebildet werden, welche schon jetzt nach Möglichkeit die erlittenen Schäden fest stellen, das hierzu vorhandene M a t e r i a l s a m m e l n u n d m i t d e it entsprechenden Vorschlägen an die maßgebenden Kreise h e r a n t r e t e n sollen. Wir wollen hoffen, daß die Vorarbeiten dieser Komitees seitens der maßgebenden Faktoren, ebenso wie die Vorarbeiten anderer Komitees, als Grundlage für die zukünftige Festsetzung der Kriegsentschädigung für die Handels- Und Gewerbekreife anerkannt werden. Diese Komitees sollen sich mit den Handels- und Gewerbekammern Galiziens und der Bukowina in Verbindung setzen und in ihnen Fürsprecher und Vertreter ihrer Interessen finden. Damit wäre jedoch die Aufgabe nicht ganz erledigt. Da es sich nicht Nur um direkte Schäden handelt, für welche das seinerzeit zu erlassende Kriegsentschädigunasgesetz in Betracht kommen dürfte, sondern auch um indirekte Schäden, um die Schaffung neuer Existenzmöglichkeiten für Tausende von Familien usw. usw., so ist es die Aufgabe aller maßgebenden jüdischen Kreise, schon jetzt dieser Frage die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden und Mer die Maßnahmen zu beraten, welche hierzu notwendig wären. Die Not und das Elend der galizischen Juden war ja auch in normalen Zeiten sehr groß und wiederholt wurden diverse Aktionen geplant und projektiert, um die Lage der breiten jüdischen Volksmassen zu verbessern. Leider war das Resultat immer ein sehr geringes. Wir erinnern hiebei bloß an die letzte sog. „Selbsthilfe-Organisation", welche zwar die Genehmigung ihrer Statuten erlebte, jedoch infolge der Parteiverhältnisse unter den galizischen Juden nicht ins Leben treten konnte. Vielleicht könnte jetzt wenigstens auch in unsere Reihen der sog. „Burgfriede" einziehen und eine gemeinsame Arbeit aller maßgebenden Faktoren unternommen werden. Es möge hiebei darauf verwiesen werden, daß unsere BrMer in Deutschland sich schon Wochenschrift - 'kt. n jetzt mit dem Gedanken vertraut machen, daß eine Hilfsaktion zugunsten der Juden in den Kriegsgebieten notwendig fein wird, und daß über Initiative des „Hftfsvereines der deutschen Juden" ein „Jüdischer Hilfsfonds 1915" gebildet wird. Wir wollen hoffen, haß die ernste Zeit alle maßgebenden jüdischen Kreise an ihre Pflicht mahnen wird und daß dieselben wenigstens diesmal ihre Pflichten zu erfüllen sich, bestreben werden. I. Kreppet, - - - Redakteur des „Tag" (Krakau). Mannheimer-Feier. . Die vom Vorstande der Wiener israel. Kultusgemeinde anläßlich der Wiederkehr des 50. Todestages des ersten Predigers der Wiener israel. Kultusgemeinde, Jsak Noah Mannheimer s. A., veranstaltete Gedenkf. 'feier verlief in äußerst solenner Weise. Sie würde Samstag, den 6. d. M., abends, mit einem Gottesdienste im Stadt-Tempel, der Stätte des langjährigen, segensreichen Wirkens Mannheimers, eingeleitet. Oberrabbiner Dr. M. Güdemann wurde in einer klassischen Gedenkrede, welche nachhaltigen Eindruck hervorrief, der Wirksamkeit Mannheimers gerecht, wobei er auch pietätvoll des Altmeisters S u l z e r gedachte, welcher im Vereine" mit Mannheimer den Gottesdienst reorganisierte. Auch der gesangliche Teil war ein erhebender. In bewährter Weise besorgte Oberkantor Don Fuchs die kantorale Funktion, und Chormeister Professor Josef Sülzer — der Söhn Salomon Sulzers — die Leitung der Chöre. Sonntag vormittags versammelte sich trotz des ungemein schlechten Wetters eine Schar treuer Verehrer, an der Spitze der Präsident Dr. Alfred Stern, ain Grabe Mannheimers aus dem alten Währinger Fried- Hofe, woselbst Rabbiner Dr. F. Feuchtwang eine pietätvolle, herzerhebende Ansprache hielt. . .. Den Schluß der Feier bildete die öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes, welche in dem mit dem Bilde Mannheimers geschmückten Ditzungssaale abgehalten wurde, und bei welcher der Präsident Herr Dr. Alfred Stern, aus seinen reichen Erinnerungen schöpfend, die nachfolgende Ansprache hielt: Gedenkrede des Präsidenten Dr. Alfred Stern. „Der Ort, auf dem Du stehst, ist ein heiliger Boden." Dieses Bibclwort schicke ich den Erinnerungen voran, die an dieser Stelle und heute auf mich einstürmen, lebhafter als sonst, gerade an dem heutigen Tage, an dem ich vor 50 Jahren, einer der sehr wenigen, vielleicht der einzige unter Ihnen, in dieser Straße, aus diesen- Hause dem Sarge des Mannes folgte, dessen und seines Wirkens wir heute wehmuts- und andachtsvoll gedenken. Das war keine prunkvolle Leichenfeier, keine Blumenwagen, aber in Scharen, in unabsehbaren Scharen folgte dem Sarge die gesamte Judenschaft Wiens, ohne Unterschied des Ranges und der gesellschaftlichen Stellung, folgten unter lautem Weinen und Jammer die Scharen ^er Armen und Gebeugten, die den Verlust ihres Schützers, ihres Vaters beklagten. Damals, auch — auch ich war unter der Schar der Trauernden — ahnte ich nicht, daß nach einem halben Jahrhundert ich berufen sein werde, von dieser Stelle aus an den Vorstand, an unsere Gemeinde ein Wort des Gedenkens zu richten, des Gedenkens an den herrlichen, mir unvergeßlichen Mann, dessen Bild mir lebendig vor der Seele steht. In dem Gotteshause, hier in diesem Hausein dem nach ein und einem halben Jahrhunderte in unserer Vaterstadt wieder errichteten ö f f e n t-

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