Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-12 · 11 (12.3.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022154--23938-3049162
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 11 Dr. Bloch’s Jahrgang 1X211 Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -r --OOC- Wien. 12. März 1915 Brscfeetnt jeden Freitag, m: Brief-Adreffe: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wien. OG O öo O A. k. Postsxarkassrnamt Slearing-Verkebr Nr. 810.976. Redaktton und Admintstratton: Wir» Il/i, Praterstraße 9. Telephon 45*359. no ■ - Qö OO; ■■ "— =5)0 p Drrussxrris für Drstrrrrich: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für da« Ausland: Halbjähttg 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» U tene Petitzeile 48 Heller. /* nO-.. .-T- —-Qq Inhalt: Leitartikel: Die Kriegsentschädigungsfrage und die jüdischen Flüchtlinge. — Mannheimer-Feier. — „Ein Mahnwort antzdi Flüchtlinge. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Kriegsauszeichnung des Universitätsdozenten Dr. Spät. Juden mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Vier Söhne im Felde. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit deni Eisernen Kreuze. Oesterreichischer Orden für einen deutschen Krieger. Befördert. Sonstige Auszeichnungen. Ein Feldpostbrief. Die Greuel von Nadworna. Wie in Russisch-Polen Judenpogroms organisiert werden. — Korrespondenzen: Pessach-Kartoffelbeteilung der „Weiblichen Fürsorge". Wiener Seder für die Flüchtlinge in der Ausspeisung des Galizischen Hilfskomitees. Kundmachung für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Generalversammlung des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau. Eine unangmehme Affäre. Flüchtlings-Ausspeisehalle. Elisabeth-Promenade 39. Aus Nikolsburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Braut aus Tarnow. — Literatur.— Brieftasten. — Notiz. — Inserate. Die Kriegsentfchädignugsfragr ««d die jüdische« Flüchttinge. Wien, 22. Februar 1915. Das Los der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ist keineswegs rosig. Von Haus und Heim vor der Invasion der Kosakenhorden geflüchtet, Hab und Gut der Willkür bestialischer Feinde zurücklassend, weilen sie seit Monaten in der Fremde, wo sie - nicht überall großer Freundlichkeit begegnen, wo sie von Zeit zu Zeit sogar direkt oder indirekt unfreundliche Worte hören müssen. Diese elenden Gestalten ertragen jedoch ihr Los mit Ruhe und Ausdauer. Sie hegen die sichere Zuversicht, daß es unserem siegreichen Heere bald gelingen wird, den Feind über die Grenzen zu jagen, und daß es ihnen bald vergönnt sein wird, wiederum zur Heimatscholle zurückzükehren. Diese Hoffnung ist es, welche ihnen Mut und Ausdauer verlecht, welche sie mit der gegenwärtigen traurigen Lage aussöhnt; sie ertragen geduldig alle Entbehrungen und zählen die Tage bis zur baldigen Rückkehr zu normalen Verhältnissen. In diesem Hoffnungsbecher sind jedoch auch bittere Tropfen vorhanden. In demselben Maßstabe, in welchem die jüdischen Flüchtlinge sich der Verwirklichung ihrer Sehnsucht nähern, in demselben Maßstabe bedrückt die schwere Sorge um die Zukunft ihre Herzen. Sie werden Wohl bald nach Hause zurückkehren, aber was erwartet sie dort? Ihr Hab und Gut ist zum größten Teile zerstört und vernichtet, jedes bewegliche Vermögen ist ruiniert, ihre beschränkten finanziellen Mittel sind erschöpft, Handel und Wandel stocken — was sollen diese Jammergestalten anfangen? Womit sollen sie ihre zerstörten Existenzen wieder aufrichten? Freilich, es leuchtet ihnen, wie allen anderen Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina, eine Hoffnungssonne entgegen. Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser, hat wiederholt seinen allerhöchsten Willen öffentlich kundgegeben, daß die erlittenen Schäden mit Hilfe von Staatsmitteln gutgemacht werden, und daß die Flüchtlinge auf vollste Stütze und reiche Förderung rechnen dürfen. Des Kaisers Wort wird sicher in Erfüllung gehen! Allein, während die anderen Volkskreise Galiziens, in erster Reche der Bauernstand, Gutsbesitzer u. a., auf weitgehendste und beschleunigte Kriegsentschädigung rechnen können, ist es um die jüdischen Flüchtlinge leider nicht so günstig bestellt. Die Schäden, welche die Landwirtschaft und Ackerbau treibende Bevölkerung erlitten hat, lassen sich sehr leicht feststellen. Die Schäden des Handels- und Gewerbestandes festzustellen, das erfordert einen sehr komplizierten Apparat und kann nicht so rasch vor sich gehen. Außerdem ist in Betracht zu ziehen, daß die Handels- und Gewerbewelt vielfach indirekten Schaden erlitt, dessen Umfang oft viel weitgehender und bedeutender ist, der sich aber trotzdem nicht so leicht in replen, greifbaren Zahlen ausdrücken läßt. Gar viele unserer Kaufleute sind infolge der monatelangen Unterbrechung ihres Geschäftsbetriebes, der Beschädigung ihres Warenlagers, des Verlustes ihrer stabilen Kunden und der Unmöglichkeit, die Außenstände einzutreiben, geradezu vollständig ruiniert, ohne daß jedoch alle diese Schäden in den Rahmen des etwa zu erlassenden Kriegsentschädigungsgesetzes hineinzupressen wären. Was soll auch Mit all den Tausenden sog. „Lu ft men scheu" geschehen, die sich als Makler, Zwischenhändler, Pächter usw. ufw. kümmerlich, aber ehrlich ernähren konnten, die aber jetzt, wenigstens in der ersten Zeit, ohne jede Erwerbsmöglichkeit dastehen werden? Schließlich ist auch die Kreditfrage sehr kompliziert. Jnsolange die Verhältnisse nicht halbwegs konsolidiert und übersehbar sein werden, kann ja kein Geschäftsmann auf den in normalen Zeiten genossenen Kredit rechnen und ohne diesen ist ja jeder Handel und jedes Gewerbe unmöglich. Die anderen Volkskreise, besonders die Agrarier, wissen die große Bedeutung einer raschen und ausgiebigen Kriegsentschädigung für die Herstellung normaler Zustände zu schätzen. Schon haben sich in den von der feindlichen Invasion freien Gebieten Galiziens wie auch in Wien verschiedene Komitees und Organisationen gebildet, welche das entsprechende Material sammeln, die Höhe der Kriegsschäden in den einzelnen Ortschaften, ja sogar einzelner Personen fest-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.