Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 10 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 184 Dr. Mach's Wochenschrift Nr. 10 vorgeschlagenen Kriegschroniken zustande kommen — in diesem Material, dessen durch- Unmittelbarkeit und Unbe-, fangenheit erhöhten Wert auch wir zugeben, eine Ergänzung .-unseres Archivsselbst begrüßen. Wir bitten Sie, diese Leiten in Ihr geschätztes Blatt ausnehmen zu wollen, und zeichnen, hiefür im voraus bestens dankend, mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung «» Für das vorbereitende Komitee d. „Jüd. Kriegsarchiv": Der Archivleiter: Der Obmann: Dr. Birnbaum. Ingenieur Robert Stricker. * * * Die Archivleitung bittet um gütige Zusendung von Berichten, Zeitungsausschnitten, Protokollen, Gerichtssaalberichten, Auszeichnungen persönlicher Beobachtungen u. a., welche abnormale Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens während des Krieges (z. B. Preistreibereien, Lebensmittelwucher, Lieferungsschwindel usw.) betreffen. Die Beobachtung soll alle Kreise der Bevölkerung Oesterreich-Ungarns umfassen. Die Daten sollen möglichst genau sein. Eine Reminiszenz an den Fall Hilsner. In der Landesirrenanstalt in Bohnitz ist kürzlich im Alter von 60 Jahren der ehemalige tschechische Journalist Gustav Touzil gestorben. T o u z i l gab in Kuttenberg ein Lokalblatt heraus und machte sich seinerzeit recht unliebsam bemerkbar, als er gemeinsam mit dem späteren Wiener Gemeinderat Hans Schwer im Aufträge des „Deutschen Volksblattes" private Recherchen in der Hilsner-Affäre anstellte, die Schwer dann im „Volksblatt" für seine antisemitischen Zwecke ausbeutete. Das Justizministerium mußte damals infolge einer Interpellation im Parlamente gegen Touzil und Schwer einschreiten und beiden ihre „Untersuchungstätigkeit" verbieten. Touzil wurde vor etwa sechs Jahren gemütskrank und seit dieser Zeit war er in der Landesirrenanstalt interniert. Ans dem gelagerten Przemysl. Unter diesem Titel veröffentlicht der in Wien erscheinende „Wiedenski Kuryer polski" vom 27. Februar 1915 einen Bericht aus der in Przemysl erscheinenden nationaldemokratischen „Ziemia Przemyskä". Diesem Artikel entnehmen wir die „Nachrichten aus Mosciska" (zirka 35 Kilometer östlich von Przemysl an der Bahnlinie Przemysl—Lemberg gelegen): Nach dem Abzug der österreichischf-ungarischen Truppen aus idem Raume vor Lemberg rückten die Russen gegen die Festung Przemysl heran und nahmen um die Mitte September Mosciska ein. Auf die Kunde vom Herannahen der Russen floh die jüdische Bevölkerung kopfüber in großer Anzahl, die Zurückgebliebenen erwarteten, in den Kellern verborgen, voll Schrecken und Entsetzen den grausigen Feind. Die Christen, sowohl Polen als Ruthenen, stellten in die Fenster Heiligenbilder, besonders die Mutter Bottes, und stellten sich vor die Häuser, mit den kleinen Kindern im Arm. Nach langem, aufregendem Erwarten kamen die Russen. Es waren vorzugsweise vorgeschobene Kosakenpatrouillen. . . Die Eisenbahnlinie. Die beschädigte Eisenbahnlinie begannen die Russen sogleich auszubessern. Bei diesen Arbeiten verwendeten sie auch. Arbeiter aus Mosciska und Umgebung. Der Lohn betrug einen' Rubel. Nach der Ausbesserung der Eisenbahnlinie gegen Lemberg wurde die Verbirrdung mit - der Hauptstadt hergestellt, woher man sämtliche Waren bezog. Die Eisenbahüzüge verkehren, zum Teil bedient durch die in Ostgalizien zurückgebliebenen Eisenbahner, zum Teil durch die wieder aus hem Königreich (d. h. Russischpolen) herübergebrachten. Dm Uniformierung ist russisch. Was gibt es in der Stadt? In der Stadt herrscht gegenwärtig Ruhe, allein eine große Ungewißheit. . . . Es herrscht eine große Teuerung, denn die Gegend ist durch den Krieg zerstört und die Zufuhr ist schwierig. Die ärmere Bevölkerung leidet durch Hunger und Elend, die Schikanen und die Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung sind aus der Tagesordnung. Sämtliche staatlichen Gebäude, sowie die Häuser der „Auswanderer" wurden kurzerhand „konfisziert". „Um Przemysl herum." Unter diesem Titel führt die Krakauer „Nowa Resorma" vom 27. Februar aus der Przemysler „Ziemia Przemyska" unter anderem folgendes an erster Stelle an: Eine Kosakenpatrouille kommt in ein größeres Dorf, begegnet einem Weibe und fragt: Wo wohnt dieser und jener? Da nennt der Fähnrich (praporszczyk) die Namen dreier „echtrussischer" internierter Bauern. So kamen die Russen in ein so ziemlich gut für sie vorbereitetes Terrain. Ihre ganze Wirtschaft in den durch sie besetzten Ortschaften zeugt davon am besten. Aus diese Frage des hochmögenden Kommandanten antwortet das Weib nicht, sondern sie fuhrt sie zu den Hütten jener „Echt-russischen". Der Fähnrich klopft an die Tür. Dieselbe öffnet sich nicht. — Ha! Hunde, die Rubeln nahmen sie und flüchteten sich! Kinder! Alles in Feuer! Der Befehl wird ausgeführt und das Geheimnis gelöst. - Vermischtes. Wien. (Gedächtnis-Feier aus Anlaß der Wiederkehr des 50. Todestages des seligen Predigers Jsak Noah Mannheimer.) Samstag, den 6. März 1915, %7 Uhr abends: Gedenkrede Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann im Gemeindetempel, I., Seitenstettengasse 4, an der Stätte des langjährigen, segensreichen Wirkens Mannheimers. Sonntag, den 7. März 1915, präzise 7211 Uhr vorm.: Versammlung am Grabe Mannheimers auf dem israelitischen Währtnger Friedhofe. Sonntag, den 7. Märtz 1915, präzise 12 Uhr mittags: Oeffentliche Plenarsitzung des Kultusvorftandes im Sitzungssaale der israel. .Kuttusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock. Wien. (Chewr a-Kadischa.) In der am 22. Februar 1915 stattgefundenen Sitzung hat sich der Vorstand in folgender Weise konstituiert: Präsident: Salo Cohn, Vizepräsidentjur. und phil. Dr. Markus Spitzer, Kassafuhrer: Salomon Simon, Schriftführer : Carl L e m b e r g e r. Aus dem Vorstände der „Union". Der bisherige Präsident der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", Herr Dr. I. Samuely, hat sich' zw unserem tiefen Bedauern gezwungen gesehen, infolge Ueberbürdung mit anderen wichtigen Aufgaben, wÄchLs ihm die Leitung der „Toynbeehalle" und des „Knabenhort" auferlegt, auf die Präsidentenwürde zu resignieren. Der Vorstand hat hiermit an die nie? versagende Opferwilligkeit seines Vizepräsidenten, Herrn kais. Rat Wilhelm Annin ger, der schon in den Jahren 1897—1901 die Stelle eines Präsidenten der „Union" und dann lange