Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- Skalat 1× ep/1047761
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Nr 9 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 171 sind, als Schächter aushilfsweise verwenden, damit er 'keine Unterstützung verlangen muß." „Von wo sind Sie, mein Lieber?" „Aus Stryi." , _ „Ah>! Da sind Sie ja glücklich, denn diese Stadt ist ja wieder in unserem Besitz. Werden Sie wieder nach Hause gehen, bis die Flüchtlinge dieser Gegend zurückgerufen werden?" „Mit tausend Freuden, ich habe ja dort mein Haus und mein alles." „Und wovon leben Sie hier — und lvovon lebten Sie in Ihrer Heimat?" „Ich habe Weib und Kind und lebe hier von meinem Gelbe; ich habe noch ein paar hundert Kronen in der Brieftasche. Was ich aber zu Hause vorfinden werde, weiß Gott. Ich hatte ein Kurzwarengeschüft en gros und ließ meine Waren nicht nur in Galizien und der Bukowina, sondern durch zwei Reisende auch in Ungarn und Siebenbürgen ausbieten. (Ganz stolz:) Selbst in Brasso habe ich größere Kunden." „Was versprechen Sie sich von der Zukunft?" - „Das hängt vom Frieden ab. Aus meine Außen- ** stände in Galizien rechne ich nicht, dagegen umsomehr auf die Eingänge meiner sämtlichen Außenstände in Ungarn und Siebenbürgen (armer Phantast!). Gehen diese ein und ist mein Warenlager nicht geplündert, dann bleibe ich ein solventer Kaufmann, denn ich hatte laut Inventur ein schönes Vermögen. Ich bleibe nur so lange in Wien, als ich verhindert bin, nach Stryi zu gehen." Ein Mann, hoch in den Vierzigerjahren, ruht aus -einer Bank in den Anlagen nächst dem neuen Gerichtsgebäude des zweiten Bezirkes. Neben ihm ein Sack mit fünfzig Kilogramm Kartoffeln, hie er auf hem Karmelitermarkte erstanden hat und nach seiner Ubikation in der Wallensteinstraße (Goldsteinstraße, sagte zuerst der in der Geschichte wenig bewanderte Kompatriot. Josef Lensrye aus Ostapin, Bezirk Skalat) bringen will. „Sind Sie schon lange hier, haben Sie Familie und wovon leben Sie hier und wovon lebten Sie in der Heimat?" „Ich habe Frau und sechs Kinder und ein Dienstmädchen, das mit uns geflohen ist. Und obwohl ich von wen dreihundert Kronen, welche ich mitnehmen Konnte, noch etwas Geld übrig habe, lebe ich doch nur von der Unterstützung, 18 Kronen 90 Heller per Woche (und er zeigt die Anweisung, mittelst welcher er für. sich, sein Weib und seine Kinder von 1, 3, 6, 8, 12 und 14 Jahren soeben für zwei Wochen 37 Kronen 80 Heller behoben hat und daher in der Lage war, die Kartoffeln zu besorgen). MU dem Gelde muß ich sparen auf Milch für das Kleinste. Ich hatte ein Geschäft (im kleinen) und habe mich dabei gut erhalten; ich bin nur schuldig 385 Kronen an die Engrofsisten in Tarnopol, weil ich immer nur eine Post bezahlte und dann frisch einkaufte." „Und woraus bestand Ihr Vermögen?" ,-Jch hatte ein Haus — nicht groß, wie man es auf dem Dorfe braucht; aber 800 Gulden ist es wert, wenn es nicht abgebrannt ist. Ich habe auch ein Stück Feld, welches ich selbst bebaue und ein sortiertes Geschäft/ auf welches ich fast nichts schuldig bin. Und zwei Kühe habe ich auch und Außenstände habe ich sehr viele. Ein Gutsbesitzer ist mir 500 Kronen schuldig; der Mann ist brav und wird mir zahlen, sobald er kann; bei hem habe ich auch meine Kühe eingestellt und habe ihm die Schlüssel von Haus und Geschäft übergeben, und der hat gewiß gut acht gegeben, daß alles da bleiben wird, wenn es die Kosaken nicht geplündert und angezündet haben und wenn sie die Kiche nicht geschlachtet haben. Und ein anderer Nachbar ist mir 300 Kronen schuldig: der ist brav und wird mir auch zahlen. Wer die kleinen Kaufleute aus anderen Dörfern, die mir schuldig sind, die werden nicht zahlen, weil sie nichts haben werden." „Und warum sind soviele Juden ausgewandert und soviele Polen und noch mehr Ruthenen nicht?" „Weil diese nicht soviel von den Kosaken zu fürchten haben, wie wir Juden." „Wie sind Sie nach Wien gekommen? Und warum erst so spät?" „Wie es geheißen hat, die Kosaken kommen, hat mir der Dorfrichter, weil er mir sehr gut ist, gesagt, ich solle jetzt schnell forr. Ich habe einen kleinen Wagen und ein Pferd gehabt. Auf diesen Wagen habe ich Weib und Kinder gesetzt, und weil die Last schon zu schwer für das eine Pferd war, haben wir alles zurücklassen müssen, denn es kam auch unser Dienstmädchen, welches schon vier Jahre bei uns und sehr brav ist und hat gebeten und hat geweint, wir mögen es nicht zurücklassen, und da haben wir auch dieses auf dem Wagen mitgenommen und sind sieben Tage gefahren bei schlechtem Wetter auf schlechten Straßen und Wegen, bis wir nach Munkacs - gekommen sind, und dort haben wir Rosch-haschonoh ^(das Nene Jahr) abgehalten und von dorr sind wir noch bis Bereghszasz gefahren; hier haben wir den Wagen und das Pferd verkauft, sehr billig, weil das arme Pferd schon halb abgestanden war, und sind mit der Bahn „umsonst" (soll heißen kostenlos) nach Budapest gefahren. Dort aber hat man uns nicht „hineinlassen" wollen und hat uns wieder Bahnkarten bis Wien gegeben. Bon hier wollte man uns weiter nach Mähren schicken. Aber mein Weib sagte: „Weirer gehe ich nicht und rvenn ich vor den Kaiser gehen muß, weil mir sonst das Kind noch stirbt." Und so blieben wir in der „Goldsteinstraße" im 20. Bezirk in Wien." Und die Dienerin blieb mit ihnen, denn sie hatte es immer sehr gut bei ihnen gehabt, hat 45 Gulden auf das Jahr bekommen und weint jetzt den ganzen Tag aus Sorge um die Kühe. „Und wenn Sie wieder zurückgerufen werden, werden Sie gerne nach Hause gehen?" Mit nach oben gefalteten Händen sagte er: „Wenn nur Ostapin unter unserem Kaiser bleibt! (Seine eigenen Worte.) Dann gehen wir gleich wieder zurück." Ich konnte nicht weiter anhören und reichte ihm die Hand mit den Worten: „Vertrauen Sie weiter auf Gott und auf unseren guten Kaiser!" Literatur. Wann ist Jfak Roa Mannheimer f. A. gestorben? Nach der Jewish Encyclopedia, Vol. VIII., >ub voce Mannheimer Jsaac Noa wäre Mannheimer am 17. (siebzehn) März 1865 gestorben (died at Vienna March 17, 1865"). Dem gegenüber steht der Bericht der „Neuzeit" vom 24. März 1865, Seite 137: „Alle" Journale brachten Bulletins... bis endlich Freitag, am 17. März, die traurige stunde sich verbreitete, die Aerzte hätten alle Hoffnung auf Wiedergenesung Mannheimers ausgegeben. Abends begrüßte er den Sabbat, verrichtete das übliche Abendgebet . . . und hauchte zwischen 1 und 2 Uhr morgens seinen großen Geist in Heiligkeit und Seelenreinheit aus". Die Annahme der englischen Encyclopädie wiederlegt vollends die Eintragung in der Matrik der Wiener Kultusgemeinde, welche sub Nr. 3676 wörtlich lautet: Jsak Noa Mannheimer, Prediger der israelitischen Kultusgemeinde, aus Kopenhagen, Dänemark; Jahr, Monat und Tag des Sterbens: 18. März 1835, 1 Uhr nachts p"£* Der Todestag Mannheiemers ist demgemäß der 18. März und die Angabe der Jewish Encyclopedia.eine ungenaue. Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Das städtische Museum in Rokitzan (Böhmen) gibt eine Monatsschrift heraus, die „Brdsk kraj" (Brdywalder Gegend) betitelt ist und viele interessante Aufsätze archäologischen und volkskundlichen Inhaltes enthält. Im sechsten Jahrgange dieser Zeitschrift lesen wir, daß Herr Ludwig Kopacek mit Unterstützung und im Aufträge der Chewra-Kadischa in Dobris (in Böhmen) eine