Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 163 führt lg egen das andere," und „die Erde voll ist von der Erkenntnis Gottes," von der Ueberzeugung von der Wahrhaftigkeit des Reiches des Geistes und seines Sieges Kev das Reich der Materie — diese Forderung hat das Judentum in allen Stürmen der Weltgeschichte als seinen kostbarsten Besitz bewährt und es betrachtet, sie auch heute als das höchste und vornehmste Ideal seiner Lehre. 'Wenn nicht alle Zeichen trügen, gehen mir trotzdem und alledem Zeiten entgegen, in welchen die Verwirklichung dieses Ideals nicht wehr bloß das Traumbild von Pazifisten, Schwärmern und Berufsrednern ist. Vielleicht bildet gerade das gegenwärtige, gewaltige Völkertoben den geschichtlichen Wendepunkt, eine Renaissance, die wie im Mittelalter zum Humanismus führt, freilich in viel umfassenderen Sinne dieses Wortes als ehedem: zur Pflege höchster und edelster Menschlichkeit. Die allgemeine Anerkennung der Bibel als höchsten Kulturfaktor, die wir gegenwärtig allerorts wahrnehmen, die hohe Einschätzung des Bibelwertes und Bibelwortes bei Groß und Klein, bei Freund und Feind sind vielleicht auch eines dieser Vorzeichen. Freilich — trübe und düster ist die Gegenwart. Es dröhnen die Kanonen ringsumher. Mit erneuter Wut ballen die Völker ihre Fäuste und lauern mit verhaltenem Zorn auf die Gelegenheit, einander den Todesstoß zu versetzen. Wer aber aufmerksam hinhorcht, dem kann nicht entgehen, daß inmitten att dieses Tobens und Bebens, hinter Rauch und Schall ein leises Säuseln zu vernehmen ist. Uns aber lehrt eine aus der Geschichte unserer Bibel gewonnene Erkenntnis : Nicht im Feuerbrand und Sturmwind, auch nicht im Beben und Tosen, in den: leisen Säuseln thront die Herrlichkeit Gottes. Korrespondenzen. Kessachöeleilrmg der „Weiblichen Iürsorge" in Wien. Aufruf! Den jüdischen Armen Wiens, insbesondere den Flüchtlingen aus den vom Feinde besetzten Gebieten, droht eine ernste Gefahr. Während die Menge der zu erzeugenden Mazzoth in diesem Kriegsjahre mit Rücksicht auf die allgemeine Brotversorgung einer gesetzlichen Beschränkung unterliegt, wird die Nachfrage durch den Zustrom der streng rituell lebenden Flüchtlinge sich um ein Vielfaches steigern. Diese Armen, deren Häuptnahrungsmittel das übrige Jahr hindurch das Brot bildet, wären, wenn nicht rechtzeitig für-einen Ersatz gesorgt wird, dem Verhungern Preisgegeben. Das Schicksal von mehr als 40.000 jüdischen Seelen steht in Frage! Um der verhängnisvollen Wirkung des Mazzothmangels nach Möglichkeit vorzubeugen, hat der Unterzeichnete Ausschuß beschlossen, für diese Notleidenden während des Pessachfestes statt des entfallenden Brotes eine Kartoffelverteilnng und -Ausspeisung einzurichten. Zur Durchführung dieses Beschlusses sind aber erhebliche Geldmittel erforderlich, und bei der starken Inanspruchnahme aller öffentlichen Stellen sind wir zur Aufbringung der Kosten unseres Unternehmens auf private Beihilfe angewiesen. Wir wenden uns deshalb an alle mitleidigen Herzen mit der eindringlichen Bitte, unser Werk nach Kräften durch einen Geldbeitrag zu unterstützen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß auch unsere deutschen Glaubens- und Stammesgenossen sich in diesem Bemichen mit uns vereinen werden. In Anbetracht der Wichtigkeit und Dringlichkeit unserer Bitte versprechen wir uns von den Vermögenderen reichliche Unterstützung; wir machen jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß tvir auch die kleinste Gabe willkommen heißen. Genügt doch auf dem von uns gewählten Wege schon eine Krone, um drei Menschen drei T'age lang vor Hunger zu bewahren! Jeder Menschenfreund lasse sich unseren Ruf zu Herzen gehen! Die Hausbesitzer und -Inspektoren in allen Flüchtlingsbezirken Wiens, namentlich im 2. und 20. Bezirk und in der Pratergegend, werden gebeten, uns für die Zeit vom 26. März bis 8. April geeignete Räume sowohl für die Verteilung roher als zur Verabreichung gekochter Kartoffeln zur Verfügung zu stellen. Gütige Spenden nehmen entgegen: „Weibliche Fürsorge", Wie», I., Schotteugaffe 10, und Fra« Rabbiner Dr. Grunwald. II.» Ferdiuandsst aße 23. Charlotte Freifrau von Königswarter Ehrenpräsidentin. Für den Arbeitsausschuß der „Weiblichen Fürsorge" : Regine Ulm an» Sofie Grüufeld Margarethe Grunwald Hermine Kadisch Heleue Kuranda Rosa Schur Clotilde Genedikt Die Frauen: Rabbiner De. Abeles (3. Bezirk), Dr. Jenny Adler (Jsr. Volksküche), Rabbiner Dr. Adele Bach (16. Bezirk), Rabbiner Dr. Bauer (8. Bezirk), Jda Berliner, Thekla Blech- Mervin, Dr. Blech (Krankenpflege), Dr. Bir (Boskowitzer), Helene Deutsch (Greisinnensürsorge), Frl. Bela Deutsch, Anna Donreich und Bertha Donreich (Flüchtlingsjause), Rabbiner Dr. Dobrinsky (6. Bezirk), Rabbiner Dr. Feuchtwang (Währinger Frauenverein), Jda Figdor (Zuflucht), Direktor Fischer (Kmderbewahranstalt), Emmy Fischler-Landeis (Jubiläun^sausspeisung), Dr. Frischaner (Kinderhort), Henriette Grünwaid (Floridsdorf), Goldschmidt (Machsike hadath), Oberrabbiner Dr. Güdemann, Dr. Mathilde Herzl (Providentia), Rabbiner Dr. Kaminla, Josesine Koenig, Regine Kopstein (Frauenhort), lais. Rat Laura Krennberger (Hietzing), Dr. Gustav Kohn (Ausspeisung), Emma Lettner (Kinderschutz), Rabbiner Dr. Mandel (Ausspeisung 10. Bezirk), Anita Müller- Rosenzweig, Rosalie Reumann (Ausspeisung 16. Bezirk), Nina Nobel (Philanthropia), Sofie Quittner (Ferienheim), Rabbiner Dr. Rosenmann (21. Bezirk), Professor Wilhelm Roth, Hofrätin Julius Schlagg und Frl. Schlags (Leopoldstädler Kinderschutz), Marie Schleiffer (Gute Herzen), lais. Rätinnen Friederike und Malwine Schütz (Mädchenunterstützungsverein), Dr. Helene Stein (Kurfürsorge), Dr. Marimilian Steiner (Erster Frauenverein), Martha Stiatzny, Rabbiner Dr. Taglicht (Mariahilfer Verein), Professor Theumann, Sofie Walttuch, Emilie Weih (Brigittenau), Dr. Adele Zins (Seehospiz). Die Herren: Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Gustav Längstem, Armenrat Lemberger, Arnold Lemberger (Pestalozzi), Heer Schnabel (Mensa acad. judaica), Herr M. Spiegel (Tomech Cwjonim). Wir danken herzlichft für die folgenden inzwischen wiederum eingelaufenen Spenden: 300 Kronen Erster Israelitischer Frauenverein (Baronin Charlotte Königswarter, Präsidentin); 100Kr. Herr Kultusvorsteher kais. Rat Adolf Schrämet; je 50 Kronen: zwei Vorstandsdamen des Mädchen-Unterstützungs'vereines; 40 Kronen Frau Leopoldine Schick; 30 Kronen Ehepaar Albert Winterberg; je 20 Kr.: Herr Kommerzialrat Leopold Baß, Frau Emmy Fischler-Landeis, Herr Vorsteher Karl Lemberger; je 10 Kr.: Anonym (an Frl. Schur); Herr- Rabbiner Dr. Grunwald; Frau Jda Berliner; Frl. Bela Deutsch; Frau Henriette G r ü n w a l d: Herr Samson Leenmann (mit höchst anerkennendem hebräischen Begleitbrief für Esras Noschim, „Weibliche Fürsorge"); Herr Professor Dr. Tauber, Lemberg: Herr Kultusvorsteher Sam. Steiner; Vorsteher Hermann