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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-26 · 9 (26.2.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
9 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 154 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 9 Gegensätze, die die Parteien sonst trennen, auch vor den schwer st en Opfern nicht zurückschreckt/' Schon bei Beginn des Krieges bekundete Abgeordneter Eduard Bernstein eine gleiche Gesinnung in Wort und Schrift, und auch sein württembergischer Parteigenosse, der Landtagsabgeordnete Berthold Hey mann schlug einen warmen, patriotischen Ton in einem in der Reutlinger „Fr. Presse" veröfsentlichten Artikel an, worin es hieß: „Ja, wir haben ein Vaterland zu verteidigen und eine Kultur zu schützen, die uns ans Herz gewachsen ist und zu deren Entfaltung und Blüte nicht zuletzt die deutsche Arbeiterklasse ihr gerüttelt Maß von Mühe und Opfern beigesteuert hat! Unsere freimütige Kritik an Form und Inhalt der heutigen Gesellschaft hat niemandem das Recht gegeben, unsere Liebe zur deutschen Heimat und Kultur in Zweifel zu ziehen. Es fühlt sich die deutsche Sozialdemokratie einig mit dem ganzen übrigen deutschen Volke in dem Willen und in der Kraft, den gegen Deutschland gerichteten Angriff abzuschlagen." Am 8. November fand in Magdeburg eine vaterländische Kundgebung statt, an der der Oberpräsident von Hegel, der Regierungspräsident Miesitscheck von Wischkau, der Polizeipräsident von Alten, der Bezirkskommandeur Stern und Walther von Monbary und Angehörige aller politischen Parteien teilnahmen. Hauptredner war der sozialdemokratische Vertreter Magdeburgs im Reichstage, Abg. Dr. Landsberg. Er sagte u. a.: „Unsere Brüder im Waffenrock sollen wissen, daß das ganze deutsche Volk geschlossen hinter ihnen steht... In diesem Kriege handelt es sich um m^hr als Ruhm, es handelt sich um Deutschland Freiheit, und da ein unfreies Volk zum Tode verurteilt ist, um Deutschlands Dasein." „ . . . Es gibt kein Land der Wett, dessen Wert die Opfer aufwiegt, die wir bisher schon in diesem Kriege gebracht haben: kein Land, außer einem, und das ist Deutschland!" ,, . . . Wenn wir für die Freiheit Deutschlands eintreten, so kämpfen wir für den ewigen Fortschritt der Menschheit; denn die Nationen sind die Schatzkammern der Kultur, weil sie die MittSer sind zwischen dem Einzelnen und der Menschheit, und eine Nation ausrotten wollen, heißt die Menschheit um eine Kulturform bringen." „ . . . Wir Sozialdemokraten sind nicht vaterlandslos, wir lieben unser Vaterland, und kann es dennanders sein? Ist es denn möglich, daß ein Mensch sein Vaterland nicht liebt? Wir nennen es bloß anders, als andere Menschen, und so wenig ich dazu neige, uns als Vorbild hinzustellen, möchte ich den Gegnern in diesem Saale einmal zu erwägen anheimgeben, ob wir nicht in dieser Beziehung über die Dauer des Burgfriedens hinaus eine Einigung herbeiführen können." „ ... Ich hoffe, daß das siegreiche Deutschlands diesen Krieg durch seine Leistungen für den Geist der Menschheit rechtfertigen wird. Die alten Römer, die praktische Leute gewesen sind, sagten: Erst leben, dann philosophieren! Wir müssen leben, das heißt: Wir müssen siegen!" Die emstündige Rede wurde, nach dem Bericht der „Magdeburger Ztg." mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Zuletzt gedenken wir des Abg. Dr. Ludwig Frank, der freiwillig zu den Fahnen eilte, um für das Vaterland sein Leben zu lassen. Die ergreifenden, von echt patriotischem Geiste beseelten Worte, mit denen er seinen Schritt motivierte, sind noch in frischer Erinnerung. Ebenso frehrenden Nachrufe, die in den Organen Mer Parteirichtungen dem Heimgegangenen sozialdemokratischen Führer gewidmet, und die Art und Weise, wie seitens des Staatssekretärs Dr. Delbrück, des Stellvertreters des Reichskanzlers, und seitens des badischen Ministerpräsidenten von Bodmann die Verdienste Doktor Franks um das Vaterland gewürdigt wurden. Die Juden in Galizien haben sich während dieses schrecklichen Krieges als feste und treue Stützen des Vaterlandes und der Dynastie bewährt. Ihre Söhne kämpfen an der Front, und der russische Feind behandelt überall die Juden als seine ärgsten Widersacher. Der aber die treuesten Stützen der Monarchie während dieses bösen Krieges schmäht und herabsetzt und kränkt, der kann unmöglich ein guter Oesterreicher sein, und der hat l>as Recht verwirkt, sich „gut deutsch, gut christlich, gut österreichisch" zu nennen. Indische Gemeinde«, leget Kriegschroniken an! Von Rabbiner Dr. Adolf Altmanu, Meran. Motto: „Schreibe das zum Andenken in das Buch-" |H. B. M. XVLL 14.) Diese Woche feiern wir Sabbat-Sachor, den Sabbat des Gedenkens der ersten Schlacht, die Israel als junges Volk geschlagen. Damals hat Gott die oben als Motto angeführten Worte zu Moses gesprochen. Gott wünscht, daß Israel den historischen Sinn für seine nationalen Taten bewahre. „Gedenke, was dir Amalek getan" und vergiß nicht, wie du es ihm vergolten. Auch das gegenwärtige, noch im Zuge befindliche Ringen ist, soweit es insbesondere Rußland betrifft, ein Kampf gegen Amalek, den Erbfeind des Judentums und vielleicht nicht minder den Erbfeind unseres Vaterlandes. Der Anteil unserer Glaubensgeineinschaft an diesem Kriege ist so ehrlich, so vielseitig und groß, daß er wahrlich verdient eingeschrieben zu werden „zum Andenken in das Buch", und zwar, nicht etwa bloß aus notwendigen praktischen Gründen der Apologetik, sondern ebenso auch aus Gründen späterer historischer wissenschaftlicher Wertung. In dieser Hinsicht haben sich während des Mittelalters und sogar noch bisspät in die Neuzeit unsere sonst als Volk der Schrift viel verdienten Vorfahren große Versäumnisse zu Schulden kommen lassen. Viele bedeutsame, weltbewegende Ereignisse, an denen auch Juden nicht geringen Anteil hatten, sind von Seite des Judentums und für das Judentum überaus selten und viel zu schwach festgehalten worden. Nur ganz indirekt haben sich historische Daten in rein jüdischen Quellen erhalten. Wenn wir für die jüdische Geschichte des Mittelalters aus dem Vollen schöpfen wollen, sind wir zumeist auf fremde, oft irreführende, tendenziöse Quellen angewiesen. Während so mancher einsame Mönch den Drang verspürte, der lokalen oder weitgehenderen Zeitchronik — freilich oft in anfechtbarer Weise — zu dienen, hatten die meisten jüdischen, maßgebenden Zeitpersönlichkeiten, wie Rabbiner und Gemeindevorstände, für die historische Schriftstellcrei nur wenig oder gar nichts übrig. Ehre freilich den umso verdienstvolleren Ausnahmen. Selbst die sogenannten Memorbücher — die allerdings großen historischen Wert.besitzen — sind nicht direkt für Geschichtszwecke geschrieben. An Chroniken und Memoiren ist unser Volk geradezu arm. Und doch ist das Judentum von altersher das Volk der Aufzeichnungen, das Volk der Geschichte pur 6X66116L66. Schon Moses mahnt: „Gedenke der Tage der Vorzeit, erwäget die Jahre vergangener Geschlechter, rage deinen Vater, daß er dir künde, deine Alten, daß sie dir sagen" (V B.M. XXXII 7), und Jesaja berichtet, wie Gott ihn aufforderte: „Nimm dir eine große Tafel und scheibe darauf mit Menschengriffcl-" (Jesaja VIII 1). Der Menschengriffel historischer Aufzeichnungen hat denn auch in ganz alter Zeit eine Reihe hochbedeutsamer, rein geschichtlicher Werke geschaffen, die leider verschollen sind. Wir erinnern nur an das „Buch der Zeitgeschichte der Könige von Israel" (Könige I 22/39) und an das „Buch Jaschar" (Josua X 13, Samuel II 1/18) Welche Bedeutung aber der Kriegsgeschichte zugemeffen wurde, zeigen die biblischen Erwähnungen des gleichfalls verschollenen Lekei' milettamLUL ttaseiiem des „Buches der Kriege des Ewigen". So IV B. M. XXI 14 : „Darum werden genannt im Buche der Kriege des Ewigen — — —". Im letzten Jahrhundert ist der historische Sinn in jüdischen Kreisen neuerdings lebhaft erwacht. Trotzdem ist, besonders mit Bezug auf die Kriegsgeschichte des Judentums, beziehungsweise den Anteil der Juden an den Kriegen ihrer Vaterländer viel vernachläßigt worden. So kam es, daß selbst Daten aus der Zeit der großen deutschen Freiheitskriege und d.s sturmbewegten 48er Jahres, als man später für Freund uyd Feind ihrer benötigte, sich nur sehr. spärlich und ohne jede systematische Ordnung vorfanden. Das soll nun alles anders werden. Heutzutage verfügt das Judentum über eine starke und autonome Organisation, das ist die Kultusgemeinde, Religionsgesellschaft, Synagogengemeinde rc., Körperschaften, die zumeist mit Stolz und Eifer auf. eine altehrwürdige autochtone Vergangenheit zurückblicken und lebhaften Sinn für die.Lokalgeschichte

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