Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wir», 26. Februar 1915 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstrafie 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OG O x>o Q\ K. kr. PostsxarKsffrnanit Llearing-Verkebr Mr. S10.S76. Redaktion und Administration: wir« H/1, Praterstrafie 9. Telephon 45.359 oO.. Qö OG ~=DÖ Drxugsxrris für Vrstrrrrirh: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig lO Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mal gespaltene Petttzeile 48 Heller. _ oO ■■■■ Oo Japan : Leitartikel: Bielohlawek» Hetze gegen Inden nnd Sozialdemokraten. — Jüdische Gemeinden, leget Kriege chroniken an! — Zur Klage des zukünftigen Schadenersatzes in Galizien.— Vom Jahrmarkt des Lebens: Generalmajor Karl Schwarz. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Beförderungen jüdischer Offiziere. Auszeichnungen. Tapferkeitsmedaille erster Klasse. Die Heldentaten des Feldwebels Alexander. Goldene Tapferkeitsmedaille. Die Helden von Knnmadaras. Tie vier Söbne der Witwe Klein. Die gefallenen Offiziere des 31. Honvedinfanterie-Regiments. Primarius Tr. "Alfred Jungmann. Fähnrich Dr. Roseuberg. Nach dem Tode ausgezeichnet. Der Sohn eines Flüchtlings. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Ein Christ und zwei Juden. Befördert. Oesterreichische Auszeichnung für einen deutschen Krieger. Sonstige "Auszeichnungen. Menschikoffs Sohn als Offizier abgelehnt. Die Haltung der türkischen Regierung gegenüber der russischen Juden. Ein Ritualmördprozeß vor den Obersten Gerichtshof. — Bibelwert und Bibelwort im Weltkrieg. — Korrespondenzen: Pesfachbeteilung der „Weiblichen Fürsorge" in Wien. Aufruf. Mazzoth ftir jüdische Soldaten. Jnbiläumsversammlung des Elternveremes „Pestalozzi". Schaffet Zentralen. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Heimatsgesühl der galizischen Flüchtlinge. — Literatur.— Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Kirlohlaivrks Hetze gegen Inden und Sozialdemokraten. Wir befinden uns in dem furchtbarsten und schrecklichsten Kriege, den die Weltgeschichte je gesehen. Zwei Staaten sind gezwungen, gegen eine ganze Welt ihre Existenz zu verteidigen, und die Vernunft schon hätte geboten, daß innerhalb dieser angegriffenen beiden Staaten die Zusammenfassung der Kräfte nicht durch Parteihader und -Gehässigkeit mutwillig gestört werde. Das herrliche Wort, das Kaiser Wilhelm unmittelbar vor Ausbruch des Krieges gesprochen: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!" sollte jedem Patrioten auch in Oesterreich, ja jedem österreichischen Staatsbürger, der nicht verräterischer Gesinnung ist, im Herzen stets lebendig bleiben. Leider scheint bei den Wiener Antisemiten der Parteihaß stärker zu sein, als die vaterländische Gesinnung. Der Meidlinger Volkswahlverein „Dr. Karl Lueger" hielt Dienstag im Florasaal seine diesjährige Generalversammlung ab, die.geradezu als Massenversammlung bezeichnet werden muß. Unter den Erschienenen bemerkte man unter anderen Landesausschuß B i e l o h l a w e k, Bezirksvorsteher A d l e r s f l ü g e l, die Stadträte Angermayer und G ö tz, die Gemeinderäte B a x a, May und K r o n e ck sowie zahlreiche Bezirks-, Armen- und Ortsschulräte und viele andere christlichsoziale Persönlichkeiten von Meidling. Herr Landesausschuß Bielohlawek benützte nun diese Versammlung, um Spott und Hohn auf die Sozialdemokraten aus'zugießen und nebenbei die Juden als „fremdvölkische Elemente" zu beschimpfen. Er beschwerte sich über die Abgabe „von zehn Waggons Mehl an eine private Vereinigung, die „Rohö", eine sich immer breiter machende, meist nur aus fremdvölkischen Elementen bestehende Frauenclique". Ueber 180.000 jüdische Soldaten stehen bereits im Felde, kämpfen vor der Front mit anerkannt todesmutiger Bravour. Die Auszeichnungen für tapferes Verhalten vor dem Feinde, welche jüdische Kämpfer auf dem Schlachtfelde sich holen, sind zahllos. Der Heldenmut der jüdischen Reserveoffiziere wird von den höchsten Führern in begeisterten Worten anerkannt, über vierhundert Reserveoffiziere haben bereits ihre Treue zu Oesterreich mit dem Heldentod besiegelt, und nun kommell die Herren, die zu Hause geblieben sind und vom Fette des Volkes sich mästen, und beschimpfen das Andenken dieser vaterländischen Helden als „fremdvölkische Elemente". Das darf in Oesterreich geschehen! Das darf geschehen, während der schreckliche Krieg noch wütet. Ob das „gut deutsch, gut christlich und gut österreichisch" genannt werden darf, das mögen andere entscheiden. Allein auch der Ausfall gegen die Sozialdemokratie in jener Versammlung war durchaus deplaciert. Die Behauptung der Hetzer, daß der „Mangel an nationaler Gesinnung" innerhalb der Sozialdemokratie vorzugsweise auf den Einfluß des „internationalen Judentums" zurückzufichren sei, wurde nachdrücklich Lügen gestraft durch das Verhalten bekannter sozialdemokratischer Parlamentarier jüdischer Abstammung im deutschen Reichstage. Der Abg. Haase war es, der die Zustimmung der Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten rechtfertigte, Abg. Paul Hirsch, der als Wortführer der sozialdemokratischen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses für die Kriegsnotstands-Vorlage eintrat und dies später in den von dem Juden Dr. Bloch herausgegebenen „Soz. Monatsheften" des weiteren begründete. Er schrieb u. a.: ,,So hoch uns der Gedanke der internationalen Solidarität steht, höher steht uns das Wohl der eigenen Nation, die wirtschaftliche Stärkung unseres Volkes. Je stärker unsere wirtschaftliche Kraft, desto kräftiger sind die Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung, und damit ist die Bürgschaft der zukünftigen Kultur gegeben. Der gefährlichste unserer Gegner, England, hofft aus die wirtschaftliche Aushungerung Deutschlands. Diese Hoffnung wird zuschanden werden, sie wird an dem gesunden Sinn des Volkes scheitern, das, wenn es das Wohl des Vaterlandes gilt, unter Ueberbrückung aller