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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-19 · 8 (19.2.1915) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Bloch's Wochenschrift allerunterrhänigsten Areydensbezeigung von der Prägerischen Judenschaft den 24. April Anno 1741 gehalten worden, welches der Primator Simon Frankel pio u» e m o r i|a auf seine aigene Pesen in Druck verfassen lassen." Am Tage der bezeichneten Feier wurden alle jüdischen Arme, sowie die jüdischen Arrestanten mit Geldspenden, Brot-, Fleisch- und Fischportionen beteilt. In beit Synagogen sangen ältere Israeliten den ganzen Tag über Psalmen. Um vier Uhr nachmittags begann der feierliche Umzug vom jüdischen Rathause aus zur Pintasschule, dann bewegte er sich durch die Goldene und .andere Gassen wieder zurück zum Rathause. An der Spitze des Zuges ging der jüdische Briefträger in einenr roten Gewände, an reichen Schnüren hing eine Tvompete, .auf welcher er einen' Marsch blies. Es halfen ihm zwei Hornbläser zu Pferde im Festgewande. Dann folgten sechs Laufboten in kostbaren anliegenden Kleidern, geziert mit goldenen Schnüren. Daran schlossen sich der Ordner und der Primator Simon Wolf Frankel auf einem Rosse, zu beiden Seiten von zwei Siaatsheiduckcn umgeben. Er trug einen langen schwarzen Samtrock und einen mit Goldborten gezierten Plüsch- Hut. Als ältester Ratsherr, begleitet von Husaren in glänzender ungarischer Uniform, ritt David Löbl Khue im Zpge. Die Husaren hatten mit herrlichen Schabracken gedeckte, feurige Rosse. Abraham Bunzl, der älteste Beisitzer, führte die anderen Beisitzer, Schreiber, Lehrer und Beamten, unter denen insbesondere ein achtzigjähriger Greis auffiel, der eineu. Hammer aus Zinn — das damalige Symbol des Beamtentums — trug. Hierauf folgten in Damaströcken und -Mänteln die älteren jüdischen Gelehrten und andere hervorragende Männer. Ihnen schloß sich in zwei Gruppen, geführt von Wolf Moses Fr ankl und Simon Ab r a h a ni P r e ß b u r g, die studierende Jugend an. Alle trugen schwarze Samt-Damastmäntel und mit Goldknöpfen versehene Westen; dann kamen fremde jüdische Präzeptoren. Simon Neustadtl war mit anderen angesehenen Personen der Gemeinde zu Pferde. Nun folgte eine Vertretung der Arzte, der Apotheker und der Barbiere, die Moses Gumperz Müder, Löbl Mischel Jeiteles und Doktor Meschul Bomdi führten. Sie trugen die Insignien der Heil- und Arzneikunde. Löbl Jeiteles hatte einen langen Samtrock mit einem goldenen Gürtel und hielt ein Medikamentenkästchen in der Hand; die Barbiere waren schwarz gekleidet und trugen Abzeichen der Baderkunst. Der Kantor Sina Klaber führte die Volksschuljugend, hielt mehrmals mit ihr an und las hebräische Glückwünsche. Ihnen schlossen sich die Waisenhauszöglingc in blau- und weißgezierten Röckchen an, geleitet von einem Lehrer, der den 72. Psalm Davids sang. Die jüdischen Musikanten trugen eine Kanne und ein achtzigjähriger von ihnen war als Weib verkleidet und spielte Fagot. Jetzt folgten einzelne Innungen; es waren dies die Fleischhauer mit ihrer privilegierten Fahne und dem Zinnschlüssel, die Kürschner in herrlicher Kleidung mit zwei Fahnen und einem Gerüste, auf welchem sich ausgestopfte Tiere befanden. Zwischen den Fleischhackern und Kürschnern liefen zwei jüdische Schalksnarren, welche Purzelbäume schlugen und verschiedene Künste zur Belustigung der Zuschauer aufführten. Vor der Schneiderzunft trug Man die andere privilegierte Fahne der Fleischhauer, auf deren Spitze der zwölfjährige Juda Jserles saß. Die eigentliche Fahne der Schneider Warans bunten Flicken und Flecken sowie aus Stoffresten zusammengeniäht. Es folgten ferner die Posamentierer. Küopfmacher und Schuster. Den Zünften schlossen sich zwei Abteilungen Husaren an, in deren Mitte zwei Jünglinge, gekleidet als Braut und Bräutigam im Hochzeitsgewande, sich befanden. Den Schluß des Zuges bildeten zur Belustigung des Publikums verschiedene Darstellungen von Volksgebräuchen und komischen Gestalten. Am späten Abend war der interessante Auszug beendet. Die Juden begaben sich in die Synagogen, wo zu Ehren der Kaiserin und des neugeborenen Prinzen Psalmen gesungen und Gebete verrichtet wurden. Hierauf wurden die Häuser wieder illuminiert. Diese großartige jüdische Feier hatte viele fremde Gäste nach Prag gelockt, für die eigene Tribünen auf verschiedenen Plätzen errichtet waren. Der unter der Redaktion des Herrn Dr. B. T e y tz stehende vorzügliche Kalender der böhmischen Juden (Kalendar cesko-zidovsky), Jahrgang 1910, enthält ein irohlgelungenes verkleinertes Abbild des Festzuges. K l a t t a u, Ende Dezember 1914. Oberlehrer A l e x. B a u m. Theairr und Literatur. Norbert Goldbaum. Im Deutschen Landestheater zu Prag fanden unter Zemlinskys Leitung philharmonische Konzerte statt. Im dritten Konzert war auch zwischen zwei Symphonien der Klaviervortrag des kleinen Norbert G o l d b a u m eingeschoben worden, darüber schreibt das Prager „Abendblatt": Seit seinem letzten öffentl'.chen Auftreten hat sich der aus dem Prager Musikboden emporgewachsene Wundersprößling um ein Beträchtliches weiter und höher entfaltet. Der winzige Pianist mit der zarten Knabengestalt, dem intelligenten Köpfchen mit den nachdenklichen Kinderaugen, den kraftvollen Händchen und behenden Fingern, liest erkennen, datz in ihm die Seele eines reisen Musikers wohne. Der kleine Gold bäum spielte Bachs „Italienisches Konzert": und in der Art wie er das in tüchtiger Schule Erlernte in sich verarbeitet hat, wie er nicht nur die Schwierigkeiten der Technik und des Rhythmus der Komposition überwindet, sondern auch mit abnormem Verständnis in ihren musikalischen Gehalt einzudringen versteht, das hebt ihn weit über das Maß hinaus, das man sonst an Darbietungen von Wunderkindern anzulegen pjlegt. Da ist nichts mechanisch Heruntergespieltes, nichts der Kindlichkeit Aufgezwungenes, da ist eine musikgeborene Natur, aus der das Musizieren so leicht, so selbstverständlich heroorquillt, als gehöre beides zusammen, um zu wachsen, zu gedeihen, wie eben das Pflänzlein wächst und gedeiht unter dem erweckenden und belebenden Strahl der Sonne. Musik ist Sonne für dieses Kind, es lebt und atmet in ihr. D'ese Zusanlmengehörigkeit merkte man noch mehr in dem „Andantino" Mozarts, das der kleine Virtuose nach dem rauschenden Beifall zugab; weich und süß und in reizvoller duftiger Phrasierung, mit einer klaren Formsicherheit und Prägnanz im Tempowechsel und in den Uebergängen spielte er die Poesien in Tönen. Ts ist zu wünschen, daß dieses eigenartige Talent in späteren Jahren die Hoffnungen erfülle, die seine Jugend erweckt. Wilhelm Bacher, Tradition und Tradenten in den Schulen Palästinas und Babyloniens. Studien und Materialien zur Entstehungsgeschichte des Talmuds. Leipzig 1914, Gustav Fock. Der mächtige, über 700 Seiten umfassende Band enthält die reife Frucht langer, mühevoller Arbeit, die den Altmeister auf dem Gebiet der talmudischen Literaturgeschichte aus der Höhe seiner Leistungsfähigkeit und Schaffenskraft zeigt. Diesem Werke merkt man nichts von dem Leiden an, das noch während der Drucklegung mit dem Tode des allverehrten Mannes seinen Abschluß finden sollte. Ein Vorwort zu schreiben war ihm nicht mehr vergönnt. Die „Gesellschaft zur Förderung des Judentums" hat mit der Fortführung der Herausgabetätigkeit Ludwig Blau, den Nachfolger Bachers in seiner Stellung am Budapester Rabbinerseminar, betraut. Ein sehr dankenswertes Register hat ein anderer Dozent derselben Anstalt, Prof. M. Guttmann, verfaßt. Bei der Feinkörnigkeit des immensen hier zusammengetragenen und übersichtlich geordneten Wissensstoffes kann nur ein Hinweis auf die großen Rubriken dieser Anordnung hier als angebracht erscheinen. Zunächst werden die Ausdrücke, mit denen die Tradition bezeichnet wird, wie „Masar", „Kibbel" usw. erörtert, wobei, so wie in den Schlußkapiteln des Buches, über die Ausdrücke „Rabbathenu" und „Rabbanan" manches (vergleiche das Zurba m'rabbanan, Seite 619) als neu und besonders beachtenswert denen aufstoßen wird, die den in Zeitschriften verstreuten einschlägigen Diskussionen zu folgen nicht in der Lage waren. In der Korrektur sind einzelne Versehen (wie S. 29, Z. 7, von unten, S. 166, Z. 15, S. 277, Z. 15) stehen geblieben, die jedoch leicht zu erkennen und bei dem Umfang des Buches sehr verzeihlich sind.

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