Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 131 in Weimar auf, „damit das deutsche Publikum wisse, daß e s n i ch t n u r zum Schaue n. s o n d e r n auch zum D e n k e u da i st", was könnte dem heutigen Publikum, das aus den Roheiten der Zeit nach Flucht in höhere Regionen förmlich lechzt, für eine höhere Erbauung geboten werden, als dieses Evangelium der Menschenliebe? Hat der Kritiker auch bedacht, daß sich heute unüberwindliche Hindernisse sowohl technischer als auch innerer Natur der Repertoirebildung entgegenstellen, daß so viele Arbeiter wie Schauspieler auf dem Kriegsschauplätze sind, daß die heutigen Konstellationen die Aufführungen der Jungfrau. Maria Stuart, Zriny, der Königsdramen, von Calderons standhaften Prinzen, von Moliere und selbst von Grillparzers historischen Dramen verbieten. daß das Repertoire zu „Judendramcn" Esther. Makkabäer, Nathan, greifen muß, weil durch sie weder der Freund beleidigt noch der Feind geehrt werden kann. Es sei der ReichspoD ferner klar, daß der seingebildcte Sinn des Burgtheaterpublikums nur Tendenz- und Augenblicksware immer ablehnen wird, und wäre es selbst Ware von dem genialsten deutschen Dramatiker Heinrich von Kleist, dessen „Hermannsschlacht" nie bei uns heimisch werden wird. Daß aber die Reichspost und weite Kreise mit ihr die Theater schließen möchten, ist geradezu unbegreiflich. Aeschylos, der Zeuge der Persernot, der junge Shakespeare zur Armadazeit, Schiller und Goethe, die Zeitgenossen Napoleons, haben ihre Werke geschaffen, während ihr Vaterland in weit größerer Gefahr war, als jetzt das unsere. Hätte man damals die Theater geschlossen, so wäre die ganze Weltliteratur ungeschrieben geblieben. Goethe ließ sein Theater wenige Tage nach der Schlacht bei Jena,^'Napoleon während des Moskauer Debacles spielen; seelisch braucht die Menschheit diese Erhebung nie mehr als im Unglück, volkswirschaftlich sind tausende von kleinen Leuten auf diesen Verdienst angewiesen und der Hof hat ganz recht, wenn er mit gutem Beispiel vorangeht und durch sein Erscheinen wieder weite Kreise anlockt. Wenn man einwenden wollte, daß"obengenannte Dichter Ewigkeitswerte schufen, während bei uns die Blumenthal und Kadelburg grassieren, muß ich wieder auf Goethe zurückkommen, der gerade in bewegter Zeit die Kotzebues, Jflands und weit minderere noch auf seinem Theater überwuchern ließ. Gerade in aufgeregter Zeit wünscht auch das Publikum ein harmloses Vergnügen, und wie mir der Dramaturg der zweiten Wiener Bühne versicherte, hat auch dort das Publikum alle Kriegsstücke höflich und entschieden abgelehnt. Unsere armen Soldaten und Offiziere, an die wir gewiß mit inniger Teilnahme und größter Hilfsbereitschaft denken, würden nicht weniger leiden, wenn die Theater geschlossen wären oder die Reichspost das Repertoire des Burgtheaters von Lessing und Schnitzler reinigen würde, wobei wir übrigens striktive Vorschläge von?Meisterwerken nach ihrem Geschmack in ihrem Artikel vermißt haben. Genehmigen Sie, verehrter Herr Doktor, den Ausdruck vorzüglichster Hochachtung Ergebenst C. Benedikt. Zur Mann rbiographie. Hm Begriffe, meinen im Jahre 1910 über Jsak Noa Mannheimer s. A. erschienenen Essay zu erweitern, ersuche ich alle jene, welche verbürgte charakteristische Züge über dessen Leben und Wirken kennen, mir dieselben gefälligst mitzuteilen. Ebenso wäre ich für die Zusendung von Briefen oder Schriftstücken des seligen Mannheimers in Original oder Abschrift dankbar. Rabbiner Dr. M. Rofemnann, Wien, XXI., Holzmeisterg. 12. Le Traducteur, The Translator, Jl Traduttore, drei Halbmonatsschriften zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Diese Blätter verfolgen den Zweck, der jungen Deutschen, Franzosen, Italiener oder Engländer in der Erlernung der Fremdsprache zu unterstützen und ihm die Mittel in die Hand zu geben, sich eine gründliche und gediegene Kenntnis in der zu erlernenden Sprache anzueignen. Sie enthalten neben einer durchlaufenden größeren Erzählung eine reichliche Auswahl anderer trefflicher Bildungsmittel: Eine schöne Auslese von Sprichwörtern, Gedichten, Ilebersetzungsaufgaben, Gesprächen, die so recht dem Leben abgelauscht sind, Geschäftsbriefe, Rätsel, Adressennachweis usw. — Probenummern für Französisch, Englisch oder Italienisch kostenfrei durch den Verlag des „Traducteur" in La Ehaur-de-Fonds j Schweiz). Perez: „Die Nacht auf dem alten Markt", deutsch von Dr. Hugo Zuckermann. Auf dieses bereits angezeigte Werk hat nun die Verlagshandlung R. Löwit, Wien, 1. Bezirk, Rotenturmstraße 22, bereits die Subskription eröffnet. In einer einmaligen numerierten Auflage von 3000 Eremplaren in der Elga-Antiqua, auf feinstem Bütten gedruckt und in Ganzpergament gebunden, soll dieses Werk zum Preise von zirka Kronen 25. im März erscheinen und sowohl durch seinen inner« Gehalt als durch seine bibliophile Ausstattung eine Perle auf dem jüdischen Büchermarkt bedeuten. . „ Das Werk wird die von "der Verlagsbuchhandlung geplante jüdische Liebhaberbibliothek eröffnen und zum ersten Male modernes ostjüdisches Schrifttum in würdigem Gewände in die Weltliteratur einführen. Die Namenliste der Subskribenten wird auf einem Sonderblatte gedruckt und dem Buche als Beilage beigefügt werden. Alle literarisch interessierten Juden werden dieses tiefste Werk von Perez und zugleich das schönste Vermächtnis von Dr. Hugo Zuckermann besitzen wollen. Die Subskription wird am 10. März geschlossen und empfiehlt sich mit Rücksicht auf die kleine Auflage umgehende Anmeldung. Rach dem 10. März erlischt auch der Subskriptionspreis. Großer illustrierter Kriegslalender 1915. Verlag I. Steinbrenner, k. k. Hofbuchdrucker, Winterberg im Böhmerwald. Preis gebunden in Halbleinwand Kr. 1.20, broschiert Kr. 1.-. Das Buch enthalt außer einer Kriegschronik interessante Episoden aus dem Weltkriege und andere wissenswerte Dinge mit belehrenden Illustrationen. Ein Beweis, daß das Werk überall mit großem Interesse ausgenommen wurde, ist, daß bereits die 6. Auflage erschienen ist. Unsere Leser machen wir insbesondere auf die Heldentaten des Feldwebels Reif aufmerksam. Dr. H. Kottek s. A., Rabbiner in Homburg v. d. H., Geschichte der Juden. Franffurt a. M. 1915. Verlag der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. Bericht des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes im Königreiche Galtzien und Lodomerien mit dem Großherzogtume Krakau und im Herzogtum Bukowina für die Zeit vom 1. September 1913 bis 31. August 1914. Wien 1915. Druck und Verlag von Mortz W a i z n e r E Sohn, 9. Bezirk, Kolingasse 11. Bericht des Kuratoriums über die von der Frau Baronin von Hirsch-Gereuth ins Leben gerufene Baronin Clara von Hirsch Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung^ von Knaben und Mädchen in Oesterreich für die Zeit vom 1. September 1913 bis 31. August 1914. Wien 1915. Druck und Verlag von Moriz W a i z n e r E Sohn, 9. Bezirk, Kolingasse 11. Kriefkafte«. L. in W. Daß der Schauspieler A. G. dem Judentum angehört, können wir Ihnen nicht zuverlässig bejahen. Die unglaubliche Art, wie er, nach Ihrer Mitteilung, in der „Tollen Nacht" unter brausendem Applaus des Auditoriums die Juden karrikiert, läßt uns das Gegenteil annehmen — zur Ehre des Judentums. Daß auch eine polnische Aufführung auf derselben Bühne die gleiche wüst-antisemitische Tendenz hervorkehrt, sollte doch die Behörden, die Hüter des Burgfriedens, aufmerksam machen. B. Z. Houston Stewart C h a m b e r l a i n ist ein geborener Engländer, der sich als praeceptor Germaniae auszuspielen liebt. Er ist im eigentlichen Sinne ein Renegat und der Charakter seiner Schriftstellerei Wiederspiegelt die Natur des Renegatentums. Weil er selber kein echter Deutscher ist, sucht er die Deutschen an deutschnationalem Chauvinismus zu überbieten und ist leicht bei der Hand, jedem Gegner das Deutschtum abzustreiten. So waren die Renegaten seit je. L. B. Die Zeitungsmeldung, daß der Oberrabbiner von Lodz, Rabbiner T r e i st m a n n, durch die deutschen Militärbehörden verhaftet wurde, entbehrt jeder Grundlage. Rabbiner Treistmann war niemals verhaftet, erfreut sich vielmehr von seilen der deutschen Behörde durchaus der seinem Amte angemessenen achtungsvollen Behandlung. A. in M. Nur wenn sie druckreif anlangen, fnden solche Berichte Verwendung.