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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-12 · 7 (12.2.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
7 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 126 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 7 Tie Jüdische Volksküche. In zwei Klassen läßt sich scheiden, was an Wohltärigkeitsvereinen in die Erscheinung tritt. Die einen mobilisieren einmal im Jahre ihre Schützlinge. Nach der Parade die übliche — natürlich stets nur in überschwenglichen Dithyramben gehaltene — Kritik der Herren — oder meist Damen — Offiziere. „Der hochverehrten Vcreinsleitung" zu Preis und Dank wird das Weihrauchsäßchen geschwungen. Im übrigen, das Jahr hindurch, erfährt man von dem Verein nur beim Einkassieren des Jahresbeitrages. Das ist die eine Art der Wohltätigkeitsvereine. Die „Generalversammlungsvereine" kann man sie nennen. Denn es scheint mehr der Verein um der Generalversammlung willen, als diese für den Verein da zu sein. Auch sie haben ihr Gutes und füllen eine Bresche unseres sozialen Lebens. Aber scharf unterscheiden sich von ihnen jene „Stillen im Lande", von denen die Oeffentlichkeit im Gesellschastsanzug nie etwas erfährt, , es sei denn, daß sie sich einmal „unter das 2Mf" mischt und eine der Stätten aufsucht, an denen diese Helden und Heldinnen der ernsten Menschenhilfe ihrer oft aufreibenden Pflicht dienen. Auch dieser Dienst arwMenschentulm hat seine Grade. Der eine opfert ihm Stunden in der Woche, mancher — sein ganzes Leben, jeden Tag vom Morgen bis zum Abend. Mitunter in einer Tätigkeit und einer Umgebung, die an seine Kraft, seine Sinne und Nerven die höchste Anforderung stellen uno sein Wirken fast zu einem Märtyrertum gestalten. Von allem, was wir in Wien auf diesem Gebiete zu bestaunen Gelegenheit hatten, reicht wenig heran an das, 'was die Jüdische Volksküche im zweiten und im zwanzigsten Bezirke leistet. Jedes Eingehen in Einzelheiten, wie die unentgeltliche Ausspeisung von Hunderten mittelloser Flüchtlinge, die liebevolle Rücksichtnahme auf die besonderer Diät Bedürftigen usw., hieße das Lob schmälern, auf das Frau Hermine Kadisch, der Genius loei der gute Geist dieser überaus wichtigen Wohltätigkeitsanstalt niemals Anspruch erhoben, aber wie kaum ein zweiter ein Anrecht hat. Wir wissen, daß es ihr am willkommensten ist geprägt in barer Münze von Subventionen, deren die Volksküche noch nie so dringend wie heute bedurfte. Diese Feenhände, die dort unter den Armen und Aermsten allwaltend ihr Tischlein decken, sehnen sich gegenwärtig nach Füllung. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, Wind in die Segel zu blasen und der augenblicklichen Ebbe recht bald eine kräftige Flut folgen zu lassen! Bielitz-Bialaer israel. Handwerkerverein. Die 35. Generalversammlung fand Sonntag, den 31. Januar, statt und wies guten Besuch auf. Der Obmann des Vereines richtete zunächst Worte der Ermahnung und Aufmunterung an die erschienenen Lehrlinge, legte ihnen dar, daß sie die Lehrjahre, die jeder Mensch durchmachen müsse, geduldig überstehen mögen, und mit Lust und Liebe ihre Arbeit erfüllen sollen. Nur auf solcher Arbeit ruhe der Segen Gottes. Die Lehrlinge mögen sich bemühen, tüchtige Handwerker zu werden, um zu beweisen, was jüdische Handwerker vermögen. Im Lebenskämpfe sollten sie auch ihrer Religion treu bleiben. Handwerk habe goldenen Boden und der fleißige Handwerker kenne keine Not. Nunmehr begrüßte der Pereinsobmann die Erschienenen, vor allem Herrn Kultuspräses kaiserl. Rat Salomon Pollak, Se. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Steiner, den Vizepräses der Bialaer israelitischen Kultusgemeinde Herrn Perl, die Vertreterinnen des israelitischen Frauenvereines, ferner Herrn Oberkantor Rosner, Biala, Herrn Oberkantor Goldmann, Bielitz, usw. Herr Obmann Kestel gedachte nunmehr in pietätvollen Worten des verblichenen Freundes und Förderers des israelitischen Handwerkervereines, Sr. Ehrw. Rabbiner Doktor Glaser, dem allzeit ein ehrendes Gedächtnis gewahrt bleiben werde. Ferner wurde mit Trauer der gestorbenen Vereinsmitglieder Herren Ad. Körbel, Hermann Körbel, David Feiner sen. und Heinrich Träger gedacht. Während vorgenannter Gedächtniskundgebungen hatten sich die Anwesenden zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Begrüßungsschreiben halten u. a. der Generalversammlung gesandt: Schulrat Barmaper, Herr Mantsch, Herr Doktor R. Förster, Rabb.-Stellv., Mähr.-Ostrau, Herr Heinrich Süßer, Obmann des israelitischen Handwerkervereines Mährisch-Ostrau, Herr Ignatz Bodenstein, Schriftführer dieses Vereines (derzeit Feldwebel), usw. Dem vom Obmann erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß vier Lehrlinge freigesprochen wurden, die Zahl der Lehrlinge beträgt gegenwärtig nur 12, da viele, deren! Meister eingerückt sind, sich zu Hause befinden. Im Lause der 35 Bestandsjahre des Vereines wurden 220 Lehrlinge freigesprochen, 60 nach Wien geschickt, im Ganzen also zirka 300 israelitische Lehrlinge zu Handwerkern erzogen. Sie sind jetzt die Stütze ihrer Eltern. Im Juni besuchte der jüngere Ostrauer Handwerkerverein den Bielitzer in Begleitung des Obmannes des Prager Vereines und fanden Beratungen statt, in welchen Schaffung eines Zentralverbandes der israelitischen Handwerkervereine und Herausgabe einer Verbandsschrift beschlossen wurde. An die Kabincttskanzlei Sr. Majestät des Kaisers wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt und wurde im Wege der Landesregierung der Allerhöchste Dank dem Vereine hiefür übermittelt. Die Tagung hatte wegen Unpäßlichkeit des Herrn Obmannes Kestel der Vizepräses der Kultusgemeinde, Herr Vraunberg, ferner Herr Rabbiner Dr. Steiner und die Herren Prof. Feuerstein und Erber geleitet, wofür der Vorsitzende nochmals den Genannten dankte. Ferner sprach er auch Herrn kais. Rat Pollak herzlichen Dank für die Förderung der Vereinsinteressen aus, desgleichen vor allem der Gattin des Herrn Rabbiners. Herr Kultuspräses kais. Rat Pollak dankte namens der Kultusgemeinde und im eigenen Namen dem Obmanne Herrn Kestel für sein aufopferndes Wirken seit einem Menschenalter für den israelitischen Handwerkerverein, wodurch dessen Aufblühen erfolgte. Ein solcher humanitärer Verein könne stets der Unterstützung der Allgemeinheit sicher sein. Herr Rabbiner Dr. Steiner sprach dem Obmanne Herrn Kestel Dank aus für sein bescheidenes, edelmütiges Wirken, würdigte all das Edle, das im Handwerk schlummert, und forderte schließlich auf, fleißig die Unterstützung des israelitischen Handwerkervereines zu propagieren. Justus Brinckmann. In Professor Justus Brinckmann, dem genialen Direktor des Hamburgischen Museums für Kunst. und Gewerbe, dessen Hinscheiden die Zeitungen dieser Tage 'meldeten, hat nicht nur die Wissenschaft und Kunstpflege eine schöpferische Kraft, sondern auch das Judentum einen Freund verloren. Er war einer der ersten Museumsdirektoren, die in dein ihrer Leitung anvertrauten Künste institut eine besondere Abteilung für jüdische Kultgegenstände eingerichtet haben. Und während mitunter jüdische, einem ähnlichen Zweck sich widmende Stellen Nichtjuden zu Beratern erwählen, deren Unerfährenheit auf diesem Sondergebiet Publikationen voll störender Verstöße zur Folge haben, hat sich Brinckmann stets nur von jüdischen Sachkundigen beraten lassen. Seine Beschreibungen der einschlägigen Sammlung im Museumskatalog sowie in den „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde" beweisen, wie tief er in den für ihn so spröden Stoff eingedrungen ist. In der Universalität, die alles kennzeichnet, was er je unternommen, hat er auch eine Sammlung von kulturgeschichtlich! lehrreichen, jüdische Gegenstände behandelnden Buntdrucken angelegt, die eine beachtenswerte Quelle künftiger Sittenschilderungen bilden können. Seine Gründlichkeit, sowie sein bezauberndes Wesen übten auf jeden, der ihm näher trat, einen unauslöschlichen Eindruck aus. Er wird weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus unvergessen bleiben. Trencstn-Teplitz. In wahrhaft menschenfreundlicher und Patriotischer Weise hat die Badedirektion des Kürortes Trencsin-Teplitz ihre Hotels und Logierhäuser den Flüchtlingen und verwundeten Soldaten zur Verfügung gestellt. Ein rühriges Komitee, an dessen Spitze Frau Generaldirektor Dr. Arany steht, ist stets bemüht, von den Damen Zimmermann und Lippa unterstützt, allen Hilfsbedürftigen mit Rat und. Tat zur Seite zu stehen. Oft ist es schwer, die große Mot der armen, bedauernswerten Flüchtlinge zu lindern, das Leid aller verwundeten KricUer zu erleichtern, und doch finden diese Bedauernswerten nicht genug Worte des Dankes und

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