Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 125 vor dem Verhungern, aber nicht vor dem Hungern schützen. Den Hunger müssen sie mit Brot stillen, das ja am Pessach wegfallen soll. Dazu kommt noch, daß ein großer Teil der Ausspeisungen am Pessach schließt — eine neue Kalamität sür Tausende Armer, denen dadurch vielleicht die einzige warme Mahlzeit, die sie am Tage zu sich nehmen, verloren geht. Vereine wiederum, die in früheren Jahren Mazzoth in natura verteilt haben, sind in diesem Jahr genötigt, sich damit abzufinden, daß sie dementsprechende Geldunterstützungen verteilen. Dies kann doch sicherlich nicht in einem solchen Ausmaß geschehen, daß die Leute durch acht Tage sich selbst nur notdürftig zu verköstigen vermögen. ' .; ' i 1 jL_ :Jjf| Nun lag es nahe, als Ersatz sür die sehlenden Mazzoth Kartoffel ins Auge zu fassen. Wir Hausfrauen wissen, daß vor jedem Feiertag gewisse Lebensmittel im Preise steigen, ohne Rücksicht, ob Ware vorhanden ist oder nicht, durch die größere Nachfrage allein. Zweifellos werden die Erdäpfel und sonstige am Pessach erlaubte Nahrungsmittel eine bedeutende Preissteigerung erfahren, zumal ja auch sonst die Erdäpfel zu Ostern schon anfangen teurer zu werden. Und noch ein anderer Umstand ist in Betracht zu ziehen. Es dürften nämlich an den Pessachtagen noch mehr Petenten für die Ausspeisungen zu erwarten sein. Flüchtlingsfamilien, welche jetzt zu Hause Küche führen und sich bei ihrer Ankunft in Wien einiges Geschirr angeschafft haben, werden häufig nicht in der Lage sein, die Ausgaben für neues Geschirr zu bestreiten und dam-r rechnen, sich wählend dieser acht Tage in einer öffentlichen Ausspeisung beköstigen zu können. An uns wäre es nun, diesen Uebelständen durch gemeinsames . Vorgehen entgegenzuwirken, und es müßte meines Erachtens zur Vorsorge folgendes geschehen: 1. Den Küchen, bei denen es irgend angeht, es zu ermöglichen, offen zu halten. 2. Bei denen es nicht angeht, sollen Maßregeln getroffen werden, das Stammpublikum systematisch an andere Küchen abzugeben, beziehungsweise zu verteilen. 3. Erdäpfelküchen zu errichten, in denen zweimal täglich, vielleicht von 9—11 Uhr und 4—6 Uhr, den Leuten eventuell zu einem geringen Preise gekochte Erdäpfel verabreicht werden, oder diese Erdäpfelküchen an bestehende Küchen anzugliedern. 4. Große Mengen Erdäpfel anzukaufen und diese an die bedürftigen Reflektanten zum Einkaufspreis abzugeben. Meine sehr Verehrten! Ich weiß, zu alledem gehört Geld und unsere Glaubensgenossen sind bereits stark in Anspruch genommen. Aber sie haben gezeigt, daß sie gerne geben. Ich hin 'überzeugt, 'daß hie, welche der schönen Anregung unserer Ehrenpräsidentin, der Frau Baronin Königswart er, so freudig Folge geleistet haben, die Flüchtlingskinder vor dem Erfrieren zu schützen und ihnen die frohen Chanukkastunden bereitet haben, daß dieselben auch gerne dazu beitragen werden, dieselben Kinder und ihre Eltern vor dem Verhungern zu schützen. Sie alle, meine Verehrten, waren gleich zu Beginn des Krieges auf Ihrem Posten und haben in dieser traurigen Zeit viel Segensreiches geleistet; es wird Ihnen sicherlich auch gelingen, gegen die drohende Not der Pessachtage die geeigneten Vorkehrungen und Schutzmaßregeln 'zu treffen. Zum Schlüsse gestatten Sie, mir Ihnen meinen Dank auszusprechen für die Aufmerksamkeit, mit der Sie meinem Referate gefolgt sind." Aufruf! Zu den Allerunglücklichsten unter den Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina zählen die Kantoren, Ihnen droht nebst dem Verluste ihrer Habe, neben der Zerstörung ihres Wohnsitzes, der Verlust ihres teuersten Gutes, des einzigen Besitzes, auf dem sie ihren Familienstand gründeten, der Verlust ihrer Stimme. Das Elend des Exils, die Unbilden des Wetters stürmen immer aufs Neue auf sie ein und jede Erkrankung, jede Gefährdung ihrer Gesundheit raubt ihnen, Stück für Stück, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ihnen nach Möglichkeit zu helfen, diese Gefahr so weit als tunlich von ihnen abzuwenden, tritt das Unterzeichnete Komitee vertrauensvoll an die Oeffentlichkeit heran und bittet: Gedenket dieser Armen, gedenket der Verherrlicher des jüdischen Gottesdienstes, ihrer unglücklichen Frauen und Kinder, die im Elend schmachten und in Not zu verkommen drohen. Helfet jeder nach Euren Kräften, nach dem Maße Eurer Mittel; seid eingedenk der Pflichten des Besitzes, deren edelste die des Wohltuns ist. Auch die kleinste Gabe wird mit Dank angenommen, allwöchentlich durch die „Oesterreichische Wochenschrift" ausgewiesen, und sind freundliche Zusendungen erbeten an die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien, II., Praterstraße Nr. 9, oder an Oberkantor Don Fuchs, I., Postgasse 16. Das Komitee: Ton Fuchs, Oberkantor der isr. Kultusgemeinde im Stadt-Tempel. L. Müller, S. L ö w y, Oberkantoren. M. Matyas, M. B. Kaufmann, I. Schleifer, G. Margulis, Erste Kantoren. I. Löwit, Kantor und Chordirigent. I. Smotritzky. B. I l m e r, M. H a r e n d o r f, M. W e i ß m a n n, Kantoren. seither sind an Spenden eingelaufen bei Oberkamor Don Fuchs: Ehrwürden Oberradbiner Dr. M. Güdemann „ Rabbiner Dr. M. Grunwald „ „ Dr. A. Abeles „ .. Dr. 3- Bach ,, „ Dr. M. Bauer „ „ Dr. D. Feuchlwang .. „ Dr. A. L. Mandl „ „ Dr. M. Rosenmann .. „ Dr. I. Taglicht Kultusvorstehrr Samuel Steiner Kultusgemeinde Wall.-Meseritsch Kultusgemeinde Oberhollabrunn Kultusgemeinde Pirnitz Oberkantor T. Rowinski, Pirnitz Dawid Beck, Böhm.-Reustadtl I. H. Beckmann Isidor Schwarz, Obmann des Vereines zur Bekleidung alter Männer kais. Rat. Sigmund Fertig Gebrüder Goldmann Dr. Hugo Stern Karl Fuchs Oberkantor Don Fuchs 1. Kantor M. Matyas 1. Kantor M. B. Kaufmann Oberkantor L. Müller Oberkantor S. Löwy 1. Kantor D. Margulis Kantor I. Smotritzky „ B. Ilmer „ Moritz Harendorf „ M. Weitzmann Zeky Effendi Rafaelowits Kr. 10. „ io. 10. 10. - „ 10. 10. - 10. ,, 10. 10.— 10.- .. 10,- ,, 5.— „ 30. .. 5. .. 3- 50.— 10.— .. 10.- „ 10.— „ 5.— „ 4.— .. 15,- „ 10.— .. 10,- 5.— „ 5.— 5,- „ 5.— 5. 5, - „ 5.— 2 Bei der Redaktion der „Oesterr. Kultusgemeinde Hriskoo, Böhmen Kultusgemeinde Znaim Jakob Meitzner £ Söhne, Triefch Rath. Meitzner. Triefch Wochenschrift" eingelaufen: Kr. 10. - 10,- 10.— 2. - Mit Rücksicht auf den eminent wohltätigen Zweck dieser Aktion erbittet und erwartet das Komitee auch fernerhin eine zahlreiche Beteiligung und reichlichere Zuschüsse.