Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 124 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 7 Der russtsche Minilierprästdent Goremikin dementiert. Der Schriftsteller Hermann Bernstein, Redakteur vom „Tag" in Newyork, wandte sich telegraphisch an den Ministerpräsidenten in Petersburg mit einer Anfrage wegen der Pogromberichte, die in Newyork eingelaufen find. Die Antwort Goremikins lautete: „Hermann Bernstein, „Der Tag", Newyork. Die Berichte wegen jüdischer Pogrome in polnischen Städten sind ein Unsinn. Der Präsident des Ministerrates: Goremikin." Der Redakteur Hermann Bernstein stellt demgegenüber die bestimmten Meldungen aus neutralen Ländern über die von den Russen verübten Greueltaten zusammen und fragt, ob all diese verläßlichen Mitteilungen unparteiischer Neutralen „Unsinn" sind. * * . * Ein Telegramm aus Kopenhagen meldet: Der russische Premier Goremikin hat in einer Unterredung seiner Ueberraschung Ausdruck gegeben darüber, daß die Juden in Rußland sich einbilden, nach dein Kriege Gleichberechtigung zu erlangen. „Ich verstehe nicht," hat er gesagt, „auf welcher Grundlage die Juden von derlei Dingen reden wie Gleichlberechtigung. Es ist wahr, die jüdischen Soldaten tun ihre Pflicht in diesem Weltkrieg. Allein verdienen sie einen Dank dafür? Wollten sie sich weigern, ihre Pflicht zu erfüllen, so würde man sie erschießen." Was sagt dazu unser berühmter Dichter Israel Zangwill? Wie die Aussen in Aukta hausen. Der „Voss. Ztg." meldet ihr Kriegsberichterstatter: Die Russen begehen iveiter in den von ihnen besetzten Teilen Galiziens Grausamkeiten und mißhandeln die Bevölkerung. Aus Dukla kommende Flüchtlinge berichten, daß dort trotz der Anwesenheit vieler hoher Offiziere die russische Soldateska barbarisch wütet. In Kirchen und in der Hauptsynagoge wurden, nachdem die silbergestickten Decken und das für wohltätige Zwecke gesammelte Geld gestohlen worden war, Pferde eingestellt, im orthodoxen Tempel vergnügten sich die Soldaten damit, auf das Kaiserbild zu schießen, dann verbrannten sie die Möbel und die Thorarollen und schließlich ging der ganze Bau in Flammen aus. Auch andere Häuser wurden niedergebrannt. Die Geschäfte und Wohnungen wurden völlig aüsgeplündert und die Bevölkerung, namentlich die Juden, fortwährend geprügelt. Oesterreichische Gefangene wurden vielfach schlecht behandelt. Verzeichnis -er in der Zeit vom' 15. Lis 31. Januar 1915 in Wien bestatteten Offiziere und Mannschaften. Beerdigt 17. Januar 1915 Ignaz Weiß, Ersatzreservist des Eisenbahnregiments. „ 17. Januar 1915 Isidor Spira, k. k. Leutnant. „ 19. Januar 1915 Abraham Deutsch, Infanterist des 2. Infanterieregiments, 3. Kompagnie. „ 19. Januar 1915 Bernat Eelbmann, aktiver Gefreiter des 12. Infanterieregiments. „ 21. Januar 1915 Bruno Eisler, k. u. k. Leutnant. „ 26. Januar 1915 Ernst Kulka, k. u. k. Fähnrich des 15. Infanterieregiments. „ 29. Januar 1915 Andreas Benedek, Jäger im Feldjägerbataillon 24. - „ 31. Januar 1915 Fritz Langraf, k. k. Fähnrich. Nachtrag. Beerdigt 20. November 1914 Karl Donner, Infanterist des 30. Honved-Jnfanterieregiments, 6. Kompagnie, Korrespondenzen. Aessachaklion der „Weiblichen Anrjorge". Ueber Anregung der Frau Doktor Margarethe Grunwald berief die junge, unter dem Ehrenpräsidium der Frau Baronin Charlotte Königs Wärter stehende Vereinigung „Weibliche Fürsorge" in den gütig von der Familie Moriz Schur zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Räumen eine von fast allen Wiener rituellen Ausspeisungsvereinen besuchte Versammlung, der Frau Dir. Ulmann präsidierte. Das von unserer eifrigen Rabbinersgattin erstattete Referat, das die entsetzliche Lage unserer Armen und der Vereine darlegte, die mindestens 60.000 Personen mehr auszuspeisen haben dürsten, als sonst, während nur 60 Prozent der gewöhnlichen Mazzothquantität zur Verfügung stehen werden, befürwortete eine großangelegte Kartoffelverteilung und Ausspeisung. Das Referat fand ungeteilten Beifall, wie die Diskussion erwies, an der sich Frau Dozent Grüns e l d, die Herren Lewberger, Frau Kadisch, Frau Anita Müller, Frau Rabbiner Dr. Mandl, Frau Dr. Stein, Frau Berliner und die Vereine Tomche Ewjonim, Zuflucht, Machsike Hadath besonders rege bebeteiligten. Ueber Antrag des Herrn Dr. Lang stein wurde ein Neunerkomitee gewählt, dem die Herren Dr. Lang st e in, Armenrat S. Lemb erger, A. Lemberg e r (Pestalozzi), Dr. Schnabel (Mensa judaica academica), die Damen Dr. Sofie Grünfeld, Hermine Kadisch (Israel. Volksküchen), Anita Müller, Frau Professor R o t h, Frau Direktor Fischer (Kindergarten), die Antragstellerin und Fräulein Rosa S ch u r angehören. Die Fürsorge erwartet, daß jene zum Glück in .Wien.noch vorhandenen frommen Kreise sich nicht zu ihrem Sedertifch werden niedersetzen wollen, ohne die Befriedigung zu haben, daß dem unbemittelten Fremdling wie dem armen Einheimischen die entsetzliche Wahl erspart geblieben ist, entweder zu verhungern oder die Speisegesetze, an der er mit jeder Faser seines Herzens hängt, übertreten zu wüsten. -Alle wahrhaft frommen und guten Glaubensgenossen in Wien und der Provinz sollen die Aktion durch Spenden an Geld oder Kartoffelmaterial, Zucker, Mehl oder andere Pessachwaren unterstützen. Die kleinste Gabe ist willkommen. Helft edle Glaubensgenossen, damit unsere Armen im wahren Sinne des Wortes Juden bleiben können. Spenden nimmt die „Fürsorge", 1. Bez., Schottengasse.10, und Frau Rabbiner Dr. Grunwald, 2. Bez., Ferdinandstraße 23, entgegen. Nachstehend das in der Versammlung erstattete Referat der Frau Margarethe Grunwald: „Meine sehr Verehrten! Der drohende Mazzothmangel an den kommenden Pessachfeiertagen veranlagte mich, in her ^„Weiblichen Fürsorge" Mit der Anregung hervorzutreten, Sie zu einer gemeinsamen Beratung einzuladen, wie der voraussichtlichen Not am besten gesteuert werden könne. Sie haben durch Ihr Erscheinen gezeigt, daß Sie gleichfalls den Gegenstand für wichtig genug erachten, und ich danke Ihnen auch! meinerseits für Ihr Kommen. Soviel bekannt ist, erlaubt die Regierung nur > das Backen von sechzig Prozent des sonstigen Quantusms von Mazzoth. Das ist wenig mehr wie die Hälfte, wogegen der Bedarf sich vielleicht um mehr als das Doppelte steigern dürfte. Sie alle wissen, wieviel ^Personen täglich in die verschiedenen Ausspeisungen essen kommen, daß aber die dort abgegebenen Portionen die Leute wohl