Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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M.? Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 123 Dichter Zeugnis ablegt. Aus anderen Nachrufen für den Frühvollendeten ersehen wir, daß dieser bei dem Sturm auf den feindlichen Schützengraben als einer der ersten in der vordersten Reihe gefallen ist, Walther Heyman n entstammte einer alten Körrigsberger Kaufmannsfamilie, die schon feit mehreren (Generationen in der Hauptstadt Ostpreußens ansässig war. Lein Vater hatte den Feldzug 1870/71 mitgemacht und rvar in diesem zum Sekondeleutnant und dann zum Premierleutuant befördert worden. Walther Hey mann war also der Sohn eines preußischen Offiziers und er wäre sicherlich ebenfalls dieser Würde in dem jetzigen Feldzuge teilhaftig geworden, wenn ihn nicht die feindliche Kugel vor Loissons dahingerafft hätte. Zweiter Offener Brief an „The American Hebrew“. Von Feldrabbiner Dr. Arthur Levy. Lodz, den 25. Januar 1915 Ich sende Ihnen heute nach meinem ersten, einen zweiten offenen Brief ein und will Ihnen abermals Zeugnisse über die Greueltaten vorlegen, die hierzulande geschehen und die so himmelschreiend sind, daß man sie nicht glauben möchte, wenn man sie nicht zum Teil aus dem Munde derer hören würde, die sie miterlebt und mitangesehen haben: Ich sprach in diesen Tagen mit einem alten Mann; er war zu mir gekommen, sich mit mir auszusprechen und bei mir Rat und Tat zu holen, ich konnte ihn nicht trösten, sein Unglück war zu groß, aber ich hoffe, ihm helfen zu können. Seine Geschichte ist folgende: Mendel Janowski \tfar Gutsbesitzer in Russisch- Polen, wo er im Dorfe Gh-o z e w, bei Widawa, sein Besitztum hatte. Im Anfang des Krieges kamen die Deutschen ins Dorf und acht Offiziere bezogen auf seinem Gut Quartier; als S Tage später die Russen zurückkamen, denunzierten die Bauern den Juden bej den Kosaken, die ihn als »Spion« einsperrten, bis er nach 14 Tagen von den wieder einrückenden Deutschen freigelassen wurde. In sein Dorf zurückgekehrt, drohten ihm die Bauern, wenn die Kosaken wiederkämen, würde er aufgehängt und sein Gut an die Bauern aufgeteilt werden. Janowsky hatte unter diesen Umständen nicht den Mut im Dorfe zu bleiben und zog fort von dort, seinen 27 jährigen Sohn auf dem Dorfe zurücklassend. Als am 24. XI. die Russen wiederkamen, nahmen die Kosaken diesen Sohn gefangen und erschossen ihn, nachdem die Bauern ihn als deutschen Spion denunziert haben. Das Haus wurde ausgeraubt und ausgeplündert und dann in Brand gesteckt. Nicht einmal die Leiche des Erschossenen gaben die Russen heraus, sondern ließen es zu, daß sie von den Bauern aufgespießt und ins Feuer des brennenden Hauses geworfen wurde. Der Tote hinterläßt eine Frau und vier kleine Kinder, denen nichts geblieben ist als die Kleider, die sie auf dem Leibe tragen. — In Slupci erschienen eines Tages die Russen auf dem Gute des Besitzers Hoffmann und nahmen dort alles fort, was sie vorfanden, Pferde, Wagen, Getreide, Hab1 und Gut. Als sie mit dem Plündern fertig waren, fragten sie den Besitzer, was sie sonst noch haben könnten. Dieser für sein Leben fürchtend bot ihnen Speise und Trank an und führte sie in sein Haus. Dort gewahrten sie sein Weib, eine schöne Frau und machten sich daran, sie »für die Offiziere mitzuschlepptn«. Hoffmann stellte sich ihnen wehrend in den Weg und kalten Blutes schlugen sie ihn nieder, warfen seine Leiche in ein Loch am Rande des Weges, von wo sie dann später mit Erlaubnis der inzwischen eingerückten Deutschen nach dem Friedhof in Wloclawc k überführt worden ist. — ln S u b o t a wurde eines Tages der Rabbiner und fünf Gemeindevorsteher verhaftet. Man wußte nicht was mit ihnen geschah und wohin sie gebracht wurden, 6 Wochen später fand man im Subotaer Walde alle sechs aufgebärgt zum Teil schon verwest und angefressen. — In Brzeziny wurde in einer Dezembernacht eine russische Abteilung von deutscher Kavallerie überfallen und gefangen genommen. Am anderen Nachmittag kam von Lodz aus Verstärkung nach B. Ihre erste Tat war die, daß sie 26 Juden gefangen nahmen und 13 von ihnen, darunter sehr angesehene Männer, als die verräterischen Urheber des deutschen Überfalls umbrachten. Bei zweien wurde nur gestattet, daß sie auf dem jüdischen Friedhof beerdigt wurden. — ln P 1 a w n a wurden zwei Juden ohne Grund aufgehängt und alle jüdischen Geschäfte geplündert. Bei einer Frau Golde Schersack wurden die Betten aus dem Hause geschleppt und auf der Straße verbrannt. — In Klomnitz wurde der Schneider Chaim Kalischer aufgehängt, weil die Deutschen bei ihm gewohnt hatten. Ein Jude, Meier Chatke aus Klomnitz, wurde in Noworadomsk aufgeknüpft. — InWloszczowe wurde die ganze Stadt pogromiert und acht Juden erschossen, weil sie Proviant für die österreichische Armee geliefert hatten. — In J a n o w wurden an einem Tage vier Juden, Abram Grünbaum, J. u. M. Tennenbaum und Rüben Tschennotz, aufgehängt, ihre Frauen geschändet. — In Sieradz wurden alle jüdischen Häuser geplündert, der Schlächter Samuel festgenommen und grausam mißhandelt, sodaß er bis heute darniederliegt. Eine Frau, einige Tage nach ihrer Niederkunft, wurde vergewaltigt. — In Sloti Pateck wurde das Haus der Familie Blumke von allen Seiten angezündet. Eine Frau und ihr neunjähriges Kind verbrannten. — InKoniecpol wurden sämtliche Häuser ausgeplündert, neun Juden festgenommen und mit der Nagajka mißhandelt. Einem kleinen Jungen, Löbel Kutscher, wurde auf dem Wege zum Cheder die Hand abgeschnitten. Eine Frau wurde geschändet — Nach W j e 1 u n brachten die Russen drei Juden, die sie bei Sieradz gefangen genommen hatten. Zehn Tage saßen sie im Gefängnis, und die Juden durften ihnen kein Essen bringen. Am elften Tage wurden sie aufgehängt. Die Stadt wurde pogromiert und zwei Frauen, davon eine unmittelbar nach ihrer Niederkunft geschändet. — In Noworadomsk gingen Mannschaften und Offiziere jede Nacht von Haus zu Haus und vergewaltigten Frauen und Mädchen. In das Haus eines sehr reichen angesehenen Mannes kamen zwei Offiziere und verlangten, mit dem Tode drohend, daß er ihnen seine Tochter ausliefere. Mit großer Mühe gelang es ihm, sein Kind mit 2000 Rubel loskäufen und die Schande von seinem Hause Fernzuhalten. — In Dczurek haben die Russen Juden mißhandelt, Frauen geschändet und alles ausgeplündert; was sie nicht wegschleppen konnten, wurde verbrannt. In das Haus des frommen und hochangesehenen Juden Ehrlich drangen zwei Offiziere und forderten, daß dessen Tochter sich ihnen preisgebe. Da der Vater ihnen dies weigerte, zog der eine Offizier seinen Säbel, legte dessen Schneide Ehrlich drohend an die Kehle, während sich der andere daran machte, die schlafende Tochter aus dem Bette zu zerren. Als der Vater seinem Kinde helfend beispringen wollte, schnitt ihm der eine Offizier mit seinem Schwert die Kehle durch. Angesichts der Leiche wurde das Mädchen mißbraucht und liegt noch heute schwer krank darnieder. — Ein Bräutigam Israel aus K o n i n fuhr per Rad nach Slupci, um dort seine Braut zu besuchen. Zufällig stammte das Rad aus einer deutschen Fabrik und trug deutsche Marke. Für die Russen, die ihm begegneten, Grund genug, ihn zu verdächtigen. Sie rissen ihn vom Rade herunter, steckten ihn in einem Sack und haben ihn lebendig begraben. Hatten sogar kaltes Blut genug, zu diesem teuflischen Geschäft jüdische Soldaten heranzuziehen und so Brüder zum Henker des eigenen Bruders zu machen. . . . Wenn ich Ihnen die angeführten Begebenheiten erzählt habe, so ist es nicht meine Absicht, auf die Nerven Ihrer Leser zu wirken. Die Zeiten sind zu ernst und die Dinge zu ungeheuerlich, als das sie zu journalistischen Effekten ausgenützt werden dürften, (ch habe die Tatsachen ihre erschütternde Sprache reden lassen, damit die flammende Entrüstung, die jeden empfindenden Menschen erfüllen muß und die mich in diesem unglücklichen Lande seit Monaten in Aufregung hält, sich auch Ihren Kreisen und all denen in Ihrem Lande mitteile, denen Kultur, Gerechtigkeit und Menschlichkeit heilige Begriffe sind. Ich habe Fakten an Fakten gereiht, die sich zu einer schreienden Anklage verdichten müssen gegen eine brutale Barbarei. die Entsetzlichkeiten verübt, von denen man sich nicht vorstellen kann, wie Menschenhirne sie ausdenken und Menschenhände sie vollführen können. Dinge, ob deren — um ein biblisches Wort zu gebrauchen — jedem, der sie hört, die Ohren gellen müssen.