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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-05 · 6 (5.2.1915) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 114 Ne. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift er den Blick seiner noch ungebrochenen Funkelaugeu ans das köstliche Waldmüllerporträt ihm gegenüber. „Großmutterl, Großmutterl, kommst du zu deinem Lieblingsenkel, bin ich denn wieder ein Kind?" „Das sind Sie immer geblieben, ein Kind, ein großes Kind"; ich beuge mich Zu ihm nieder: „Fassen Sie Mut, Sie sind bei den Ihrigen. Meine Freundin wird alles gut machen. Sie wird Ihr Buch, die Freude und Qual Ihres Lebens, drucken lassen; noch ist nicht alles verloren, noch, kann ein Wien erstehen, wie Sie es geträumt." Er lächelte selig: „Zu spät, Zu spät! Doch, daß eine von Euch mich auflesen mußte, da ich. mit einem meiner Herzkrämpse mitten am Wege Zusammenbrach, hilflos dalag ...." — „Wer ist eigentlich dieser Mann?" frägr die Hausherrin, „ich hörte nur dunkel von einem unglücklichen Familiengenie." Er weist mit matter, doch heftig wiederholter Geberde auf die Tasche, die noch in 'meiner Hand. Schluchzend lese ich der Freundin die Sätze aus dem Vortrage des berühmten Gelehrten Carl von Lützow vor: Dieser Mann hätte nicht Kränkung und Ayjechtung, sondern aller Wiener Anerkennung verdient, weil seine glänzenden Ideen alle bisherigen Ansichten des Städtebaues über den Haufen geworfen. So hat man chn Zum Märtyrer seiner Idee gemacht und wieder einmal wird die Fremde die Gedanken ausführen, die einer unser verkannten Mitbürger bei uns geschaffen. Er lächelt verklärt: „Bei dem Klang dieser Worte, die der Stolz meines Lebens gewesen, möchte ich einschlummern." Wir hatten in unserer tiefen Rührung den leisen Schritt der Hünengestalt des großen Arztes überhört. Aber nur wir Zwei Frauen empfinden den Zauber des Lebensvollen an jedem Krankenbette. Riehl ist in Ohnmacht gesunken, eine rasche Untersuchung zeigt, daß menschliche Hilfe vergebens, und wir beiden Krankenbettgewohnten verstehen den milden Blick des Arztes. „Das sieht Ihnen gleiche einen Sterbenden zu sich zu nehmen. Toni, liebe Toni, unerreichter Jugendtraum, welch Wiedersehen nach so vielen Jahren!" Bebend kniet der Arzt nieder und küßt die Hände der Hausfrau. „Was fällt Ihnen ein, Herr Hofrat? Was würde Ihre Frau dazu sagen?" „Meine Frau! Ja, Sie wissen nicht, was ganz Wien zischelt? Auf die Nachricht von der Verwundung des Rittmeisters Baron Trogendorf hat sie bei Nacht mein Haus, unsere Tochter verlassen. Ihr sei verziehen, er und sie, beide sind jetzt in Feindeshand. Nun, es geschaht wir recht. Konnte ich nicht ringen und warten, bis ich mich durchgekämpft? Mußte ich mich verkaufen? Sie tauschte das Geld ihres reichen Vaters für meine allgerühmten „Aussichten"; Sie, die junge, strebsame Klavierlehrerin, hätten Liebe um Liebe gegeben." „Mein Hans!!" Der Aufschrei einer Seligen, die Erlösung zweier in allem Glanze einsam Gebliebenen! Dann knien beide am Sterbebett des Unglücklichen, dessen Tod sie vereint hat. „Was Sie in meiner Braut Namen zum Trost versprachen, will ich halten; der Arme, der als Lebender tot war, soll in seinem Buch „Ueber Städtebau" wieder lebendig werden." Mit diesen Worten drückt der glückliche Bräutigam meinem Freunde, den er gekannt und geschätzt, die Augen zu. Ein Abbild des toten Gatten, ruht er auf seinem Sterbebette. „Es ist, als ob Eduard mir den Jugendgeliebten zum Tröste schicken würde," flüstert sie leise. „Nein, der Gott meiner Väter hat es so gefügt, damit diese verirrte Seele sehe, daß von unseren Weisen der Satz stammt: Liebe deinen Feind!" Tieferschüttert verlassen die beiden Glücklichen das Gemach, aus dem den Toten morgen seine Familie zum Begräbnis nach Wiener-Neustadt führen und in der Familiengruft im Tode mit den Seinigen vereinigen wird. — Ich Einsame bleibe aber noch im Sterbezimmer und denke des verfehlten Lebens meines armen Freundes. Und ein heißer Wunsch steigt dabei in meiner Seele auf. Wieviele sonst Edle, Gute gibt es unter unseren Landsleuten, die trotzdem so fühlen, so denken wie er. Möchte in der Zeit, wo wir alle mit Gut und Blut vereint leiden und siegen, es doch nicht Schicksalsfchläge bedürfen zur Erkenntnis: Wir sind nicht eines Stammes, wir find anders wie ihr, aber nicht schlechter und nicht besser, wir sind Menschen und uns und euch führt im Glauben: die Liebe. Literatur. Bedeutet der Krieg einen Ausnahmszustand? Der Schriftsteller Heinrich Jork-Steiner hielt im Laufe des vorigen Monates unter diesem Titel einen Vortrag, der nun im Buchhandel erschienen ist (bei I. Eisenstein & Co., Wien-Leipzig). Die einzelnen Abschnitte, „Ueber die Ursachen der Kriege im allgemeinen", „Die Ursachen des Weltkrieges", „Ueber einzelne Ausnahmserscheinungen", sowie „Oesterreich und und her Krieg", Heben in kurzen,.prägnanten Worten nicht nur eine Uebersicht über das weltgeschichtliche Geschehen der letzten Monate, sondern auch eine scharfe Kritik des skeptischen Oesterreichertums sowie einen lesenswerten Hinweis auf die Zukunft unseres Reiches. A. Kahlberg, Die Ethik des Bachja ibn Pakuda. Halle a. S. 1914. Unter den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters, die eine Versöhnung der Ewigkeitswerte der Religion des Judentums mit dem Wissen und den philosophischen Anschauungen ihrer Zeit erstrebt haben, nimmt Bachja ibn Pakuda insofern eine eigenartige Stellung ein, als er von der Behandlung metaphysischer Probleme fast völlig absieht und sein Augenmerk vorwiegend der Ethik zuwendet. Ein Führer auf dem Wege zur Herzensfrömmigkeit und wahren Sittlichkeit will er seinen Glaubensgenossen sein; und darum kann die Darstellung seiner ethischen Gedanken, wie sie der Rabbiner der Synagogengemeinde Halle Dr. Kahlberg in seiner jüngst erschienenen Schrift bietet, keineswegs nur historisches Interesse beanspruchen. Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß Bachja selbst sein Werk über die „Herzenspslichten" als ein populäres Handbuch aufgefaßt wissen wollte, vermeidet Kahlberg in dankenswerter Weise den Versuch oder vielmehr die Versuchung, die Fülle ethisch-wertvoller Gedanken in ein bestimmtes wissenschaftliches System einzuordnen. Und gerade deshalb gelingt es° ihm, den Leser mit der religiös-sittlichen Vorstellungswelt des mittelalterlichen Denkers völlig vertraut zu machen; mit Interesse folgen wir seiner Darstellung, wie auf dem Grunde einer vernunftgemäßen Gotteserkenntnis das Gebäude der Herzenspflichten ersteht. Sie, deren Erfüllung Verstand und Religionsgesetz in gleicher Weise fordern, läutern die Menschenseele und führen sie zur Glückseligkeit, die in der Gottesnähe zu finden ist. So wird das ganze Leben zum Gottesdienst; befremden muß es nur, daß ein so wahrhaft religiöser Charakter wie Bachja der sozialen Pflichten des Menschen sehr spärlich Erwähnung tut. Treffend weist Kahlberg diesen Vorwurf mit der Begründung zurück, daß Bachjas ganzes Werk daraus angelegt ist, eben nur die religiöse Gesinnung, d. h. das Verhältnis des Menschen zu Gott zu bestimmen; wie schon des Buches Titel besagt, ist Bachja konsequenter Eesinnungsethiker. Rach der Prüfung all der Voraussetzungen, auf denen unser Denker fußt, ist eine genaue Inhaltsangabe der 10 „Pforten" sehr willkommen. Den wissenschaftlichen Wert der Abhandlung vervollständigt eine sorgfältige Untersuchung über Ort und Zeit der Wirksamkeit Bachjas, deren Bestimmung immer wieder aus große Schwierigkeiten gestoßen ist. Eine eindringliche Quellenanalyse, die Bachja vornehmlich von arabischen Philosophen beeinflußt zeigt, und das reiche Material, das die Anmerkungen bieten, erhöhen die Brauchbarkeit, der Schrift für den Fachmann. Kahlbergs, vom jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau preisgekrönte, Abhandlung über die Ethik Bachjas muß als ein bedeutsamer Beitrag zur Wissenschaft des Judentums bezeichnet werden. Eger. Räbb. Dr. G r ü n f e l d. Jeschurun. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wohlgemut h. Verlag des Jeschurun, Berlin R. 24. — Inhalt: Unser Kaiser. — D. Hossmann: Probleme der Pentateucheregese. — I. Carleb a ch.: Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. — S. K a a tz:

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