Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022149--23849-3049068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 6 Dr. Wachs Wochenschrift Arotverteiturrg. Durch den Zustrom galizischer Flüchtlinge bildeten sich kleinere Gruppen zum Zwecke, die galizischen Flüchtlinge zu unterstützen und deren Not zu lindern. Durch diese Gruppen ist aber der Wohltätigkeit nicht viel geholfen, da durch Zersplitterung die Wohltat gehemmt wird. Die Glaubensgenossen haben für die Flüchtlinge ein warmes Herz und geben gerne, was ihnen möglich ist. Dadurch aber, das so viele Gruppen sich bildeten, wird die Aktion eingedämmt, weil keiner weiß, für was und wozu er sein Schärflein hergeben soll, auch fehlt das Vertrauen der Allgemeinheit zu diesen einzelnen Gruppen. Um tatsächlich den Aufgaben nachzukommen, wäre es sehr angezeigt, wenn sich diese kleinen Gruppen vereinigen würden und sich zentralisierten. Durch Zentralisierung kann dem Schwindel einzelner Personen, die sich diese Zersplitterung der Wohltaten zunutze machen, Einhalt geboten tücrbeu. Die Flüchtlinge erhalten seitens der Behörden 30 Ii.pro Kopf und Tag. Es ist dies viel zu wenig und genügt nicht einmal auf Brot. Es haben sich kleine Gruppen gebildet, um an die Flüchtlinge Brot unentgeltlich zu verteilen. Es ist aber den Annen nicht viel damit geholfen, weil der kleinste Teil von den Flüchtlingen nur beteilt werden kann, indem die Mittel hiezu fehlen. Selbst dem „Kaiser Jubiläumsverein zur unentgeltlichen Brotverteilung", welcher vor 5 Jahren zu dem Zwecke gegründet wurde, arbeitslose Familien in Wien über den Winter mit Brot zu beteilen, ist es kaum möglich, den an ihn gestellten Anforderungen nachzukommen, obwohl dieser Verein täglich an über 3000 Personen Brot verteilt, darunter bestimmt die Hälfte an Flüchtlingen. Außerdem gibt dieser Verein an einzelne Flüchtlingsvereine Brot zur selbständigen Verteilung ab. Die Not der Flüchtlinge ist groß und wird immer größer, daher ist es nötig, daß sich diese kleinen Gruppen auflösen und sich in einer Gruppe verschmelzen. Durch die Zentralisierung kann die Wohltätigkeit besser wirken, jeder Spender weiß dann zu welchem Zwecke er seinen Beitrag abgibt nnd wird auch mehr Vertrauen haben und leichter geben. Jede dieser bis jetzt bestehenden Gruppen hat eigens Ziel und besondere Organisation. Bei der Zentralisierung fallen auch die hohen Spesen für eventuell zu bezahlende Arbeitskräfte weg. Dadurch entsteht eine Ver Minderung der Ausgaben.. Hier müßten die persönlichen Motive beiseite gestellt werden, welche nur zum Schaden der armen jüdischen Flüchtlinge bestehen und tatsächlich die Wohltat aufheben. Vielleicht tragen diese Zeilen bei, daß die Leiter der verschiedenen Wohltätigkeitsgruppen einiehen, daß auf dem bisher eingeschlageuen Wege nicht viel erreicht wird. Vielleicht gelingt es, daß sich die kleinen Gruppen unter der Leitung eines großen Vereines zusammenfügen, was auch das Klügste wäre. Ist es dem Einzelnen wirklich daran gelegen, wohltätig zu wirken, wird er persönliche Motive beiseite legen und gerne sich dem Interesse der Wohltätigkeit zum Wohle der armen Flüchtlinge unterwerfen und deren Not bestens lindern helfen. A. B.