Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 107 Korrespondenzen. Warme Unterkleidung als Liebesgabe für deutsche und österreichische Soldaten im Felde. Ein Komitee unter dem Vorsitze der Frau Hofrat Kühnelt, 3. Bez., Heumarkt 23, sammelt Spenden zum Zwecke der Verteilung warmer Unterkleidung an deutsche und österreichische Soldaten im Felde. Für jede 4 Kronen-Speude wird ein warmes Unterkleid nach dem von Hofrat Prof. v. Hochenegg empfohlenen System und ein Paar Fußwärmer angeschafft und die Spenden werden zu gleichen Teilen an Deutsche mW Oesterreicher verteilt. Für die deutschen Soldaten übernimmt der kgl. preußische Oberstabsarzt Herr Dr. Bassenge die Sen-, düng ins Feld und Beteilung der hier Genesenen und wieder ins Feld Abgehenden. Die Unterkleidung für unsere Soldaten wird von Herrn Hofrat Prof. Dr. von Hochenegg übernommen, resp. mit dem Sanirätszug an die Front gebracht. Durch das Komitee sind schon viele Tausende warmer Unterkleidung angeschafft und durch verschiedene Uebernahmsstellen an Soldaten im Felde versendet worden. Durch die Witterungsverhältnisse wird jedoch fortwährend Ersatz des Verbrauchten notwendig, wenn unsere tapferen Kämpfer nicht unter der Kälte leiden sollen. Wie gerne diese Sendungen empfangen werden, zeigen die Dankschreiben, von denen wir eines hier anführen: „P. T. Verwundete Krieger", welche mir der edlen Spende beteilt wurden, 'danken hiermit aufs herzlichste. Im Felde, am 18. Dezember 1914. Kommando des k. u. k. Feld-Spitales Nr. 6/9." Gütige Spenden wollen an Frau Hofrat Kühnelt, 3. Bez., Am Heumarkt 23, für „Liebesgaben für Deutsche und Oesterreicher im Felde" gesandt werden und erfolgt öffentlicher Spenden-Ausweis. Israelitischer Tempelverein für die Bezirke Wieden und Margareten, Wien, V., Siebenbrunnengasse 1A. Die Generalversammlung des isr. Tempelvereines Wieden-Margareten in Wien fand Sonntag, den 31. Januar d. I. im Sitzungssaale des Vereines statt. Als Vertreter der Kultusgemeinde erschien Herr Vorsteher S. Steiner, als Vertreter der Bezirkskommifsion Obmann Herr Kommerzialrat M. Hacker und Stellvertreter Herr Jakob S. Straßburg, als Vertreter der befreundeten Tempelvereine Herr Philipp Weiß vom 8. Bezirk, Herr Em. S ch i d r o w i tz vom 10. Bezirk und Herr Dr. Ludwig Pisk vom 13. Bezirk: als Gast Herr Gemeinderabbiner Professor H. Reich. Obmann Herr Adolf H o f m a n n eröffnete die Generalversammlung, begrüßte die Vertreter, Gäste -und Mitglieder und erklärte, daß er es für seine Pflicht hielt, die Generalversammlung, ungeachtet der außergewöhnlichen Zeit, die wir jetzt durchkämpfen, abzuhalten und Rechenschaft über Was abgelaufene Vereinsjahr zu erstatten. Mit 'großem Bedauern müsse mitgeteilt werden, daß unser Meistersänger Herr Oberkantor 'Simon Weiß am 15. Januar zum Landsturm einrücken inußte und fern von Familie und Heim feine Bürgerpflicht erfüllt. Aus dem vom Schriftführer Franz Frankl vorgetragenen Jahresberichte ist zu entnehmen, daß wir den Verlust dreier treuer, langjähriger Mitglieder, der Herren Michael Pfaltzner, Redakteur Sigmund Spitz und Samuel I e l l i n e k betrauern. Die Zahl der Mitglieder beträgt 225. Einen auffälligen, wenn auch erklärlichen Rückgang weist die Zahl der stattgefundenen Trauungen, 16 gegen 77 im SBotiafyve, auf. Besonders lebhaft gestaltete sich der Besuch des Gottesdienstes durch die zahlreichen galizischen Flüchtlinge, welche insbesondere an Feiertagen die Räume unseres Gotteshauses füllen und Herrn Vereinsrabbiner Professor H. Reich peranlaßten, an jedem Freitag eine seiner stets talmudisch tiefdurchdachten Predigten zu halten. Während der hohen Feiertage wurde den Flüchtlingen der Sitzungssaal samt Nebenräumen zur Abhaltung eines eigenen Gottesdienstes überlassen. Für die zahlreich erschienenen Militärs wurden im Tempel Sesselreihen eingeschaltet und die Mannschaft mit Gebetbüchern versehen. Die im porigen Jahre errichtete - Bibelschule erfreut sich regen Besuches und zählt an 100 Schüler und Schülerinnen. Herr Kornel Hacker, dzt. Oberleutnant im Felde, spendete 100 Kronen anläßlich der Geburt eines Sohnes. Herr Julius K lein spendete 150 Kronen anläßlichde^ Ablebens seiner Gattin. Frau Hanni Weiß errichtete eine Maskir-Stiftung nach ihrem verstorbenen Gatten, unserem langjährigen Vereinsmitgliede Herrn S. Weiß. Die Preise der Betsitze mußten wir mit Rücksicht auf die ungünstigen Zeitverhältnisse wesentlich reduzieren, wodurch uns ein Ausfall von ca. 2000 Kronen entstand, der das bestehende Defizit in unserer Gebarung vergrößerte. In der hierauf folgenden Debatte verwies Kultusvorsteher Herr Steine r auf die schwierige Lage der Gemeinde, geschaffen durch die enormen Ansprüche, welche derzeit an die humanitären Leistungen gestellt werden, so daß es ihr schwer wird, die berechtigten Ansprüche der Tempelvereine zur Erhaltung des Kultes zu erfüllen. Redner bat, die größte Sparsamkeit walten zu lassen, um die Gemeinde möglichst zu entlasten. Tempelvorstand Herr H e r l i n g e r setzte dem entgegen, daß er als Kassenrevisor die Gebarung auf das genaueste kontrolliere und daher versichern könne, daß alle Ausgaben voll berechtigt sind und Abstriche mit Rücksicht auf die eingetretene Teuerung alter Lebensmittel und Materialien weder bei den Gehalten, noch bei den Bedarfsartikeln gemacht werden können. Er appellierte nochmals an die Kultusgemeinde um volle Bewilligung der angesprochenen Subvention, da der Tempetverein die Erhaltung des regelmäßigen Gottesdienstes nur in Stellvertretung der hiezu verpflichteten Gemeinde durchführe, dabei enorme Opfer an Zeit und Geld chringe. Ein Antrag, an die Kultusgemeinde eine diesbezügliche Interpellation zu richten, wurde einstimmig angenommen. Auf eine Anregung des Kultusvorstehers Herrn Steine r, für die gefallenen Krieger das tägliche Kaddischgebet zu verrichten, teilte der Obmann mit, daß nicht nur dieses, sondern auch täglich Tillim für die im Felde stehenden Truppen gebetet werden. Bei den vorgenommenen Neuwahlen wurden die gusscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Josef Braun, Franz Frankl, Adolf Hofmann, Hermann Sonnenfeld und Emil Wieselthier, einstimmig wiedergewählt. In einer Ansprache Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Prof. H. Reich wies dieser auf die besonders feierliche Führung des Gottesdienstes in dem Kaiser Franz Josef- Regierungsjubfläums-Vereinstempel hin, die um so mehr geboten erscheint, als die Bewohner der beiden Bezirke den besten Kreisen der Bevölkerung angehören und insbesondere bei Festgottesdiensten patriotischen Anlasses, die Vertreter der staatlichen und Gemeindebehörden Gelegenheit haben, über die Art des Gottesdienstes in den isr. Tempeln eine richtige Anschauung zu gewinnen.