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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-05 · 6 (5.2.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N . 0 ^r. Bloch s Wochenschrift »e.te 101 rückgeworfen oder abgeschnitten zu werden. Um dem abzuhelfen, wurde für den 21. ein Angriff auf den ausgedehnten Ort Glusci in der Macva angeordnet. Dasselbe ist von Sumpfarmen umgeben, die man auf vier hintereinanderliegenden Brücken passieren muß, um hinein zu gelangen. Der Ort war stark verschanzt und mit starken Kräften verteidigt. Trotzdem die Serben eine der Brücken im letzten Moment gesprengt hatten, gelang es unserer Infanterie, in den Ort einzndringen; sie war aber bis zum Einbruch der Dunkelheit nur bis in die Mitte des Ortes gelangt und stand in Gefahr, hinaus gedrängt oder abgeschnitten zu werden. Die Infanterie erstattete Baher an das Brigadekommando die entsprechende Meldung, worauf die Vorbringung eines Geschützes mit Munitionswagen bis in die Schwarmlinie verfügt wurde. Reservefähnrich Weinstein erhielt hiebei vom Brigadier selbst folgenden Befehl: „W i r müssen Glusci halten! Vorwärts bis auf das letzte Pferd, bis auf den letzten Mann, es wuß gehen! Sie haben zwar eine sehr schwierige, aber ehrenvolle Aufgabe." Fähnrich Weinstein fuhr in der Dämmerung im Galopp vor. Die Dunkelheit schützte chn und seine Braven einige Zeit. Als aber die Serben das Geschütz entdeckten, brachten sie mit ihrem Schnell- und Maschinengewehrfeuer drei Pferde der Bespannung zum Stürzen; ferner war der Vorreiter tot, Mittel- und Stangenreiter waren von mehreren Schüssen schwer verwundet, die Bedienungskanoniere hatten leichtere Verwundungen erhalten. Kurz entschlossen, protzte Fähirrich Weinstein mit seinen wenigen übriggebliebenen Soldaten ab und sie führten das Geschütz selbst vor. Als sie in der Schwarmlinie anlangten, waren nur mehr Fähnrich Wein st eins owie der Z u g s f ü h r e r, ein Vormeister und ein Kanonier übrig. Der Fähnrich griff aber trotzdem sofort in das Gefecht ein und richtete selbst das Geschütz, während der Zugsführer tempierre. Inzwischen war es 2 Uhr nachts geworden. Nun erhob sich auf Seite der Feinde ein fürchterliches Gebrüll: „Napred! Udri Schwaba!" (Vorwärts! Nieder mit den Schwaben), und die Serben schickten sich an, bas Geschütz zu stürmen. Der Fähnrich fuhr darauf unerschrocken an beit Abzughebel, die vorbereitete Kartätsche riß ein Loch in die Linien der Serben, unsere Braven setzten die Leuchtpistolen in Aktion, und schon hörten sie auf Seile der Serben die Rufe: „Natrag!" (Zurück.) Im grünen Lichte der Leuchtpistolen sah mau eine Menge Serben tot auf dem Boden liegen, das Schreien und Stöhnen der Verwundeten war furchtbar. Nach 'zweistündiger Ruhe, gegen Morgen, wiederholte sich der. Sturm und die Verteidigung beinahe genau in derselben Weise . . . Und so ging es immer wieder in dieser Weise: fünf lange Nächte, dreimal in jeder Nacht, wurden die braven Artilleristen von den Serben angegriffen, dreimal in jeder Nacht wurde der Angriff zurückgewiesen — ohne daß die Verteidiger auch nur zum Schlaf eine Stunde frei hatten. Fähnrich Paul Weinstein Hörle nicht auf, sie zu ermuntern und zuin Aush'arren anzufeuern. Am Nachmittag des fünften Tages endlich erscholl aus nicht allzu großer Entfernung ein vieltausendstimmiges Hurra: eine eigene Brigade hatte die Serben im Rücken gefaßt und vernichtet. Fähnrich Paul Weinstein erhielt für seine heldenmütige Ausdauer die g o l d e n e T ap fe v k e i tsm e d a i l l e, der Zugsführer die silberne e r st e r K l a s s e, die anderen die silberne zweiter Klasse." So kämpfen unsere jüdischen Studenten, denen bisher die deutsch-antisemitische Studentenschaft unserer Hochschulen die Ehre abgefprochen hat und denen nach dem Waidhofener Beschluß als „jeder Ehre bar" jede ritterliche Genugtuung verweigert wurde. . . . Die goldene Tapferkeitsmedaille erhielt Fähnrich Richard G r ü n f e l d wegen unerschrockener Verteidigung der Fahrküchen. Mit fünf Mann nahm er keck und kühn sechzig Russen gefangen. Er wurden zum Leutnant befördert. Reservesappeur Simon S v i st a k der 6./11. Sapp.- Kompagnie war beim Herrichten einer Verteidigungsstellung bei einer Arbeitspartie zur Lichtung des Vorfeldes eingeteilt. Feindliche Patrouillen überraschten die Abteilung, so daß diese gezwungen war, bis in die Verteidigungsstellung zurückzugehen. Weiter jging aber S v i st a k auch nicht zurück. Dort kämpfte er mit der dem Landw.-Jnfanterieregiment Nr. 20 angehörenden Besatzung wacker mit. Vor dem übermächtigen Feind mußte ein Teil dieser Besatzung zurückgenommen werden. Doch der Sappeur blieb weiter dort, seinem Schicksale kaltblütig entgegensetzend, und versteckte sich in einer Deckung. Die stürmende russische Abteilung bemerkte ihn nicht und drang, ihn überrenuend, weiter vor. Das Gefecht hörte dann mit der einbrechenden Dämmerung allmählich auf. S v i st a k erhob sich, um einen Ausweg aus dieser fatalen Situation zu finden. 'Hierbei bemerkte er *in derselben Deckung einen russischen Soldaten sitzen, welcher beim Sturme zurückgeblieben war. Er entwasfuete ihn und suchte nun einen Ausweg, um samt seinem Gefangenen zur eigenen Truppe zu gelangen. Herbei wird er aber selbst von vier feindlichen Infanteristen überrascht, die ihn alsbald entwaffnen und gefangennehmen. Svistak überredet aber die fünf russischen Soldaten, chn nicht einzuliefern, sondern sich lieber selbst den österreichischungarischen Truppen zu ergeben, wo ihnen ein sorgenloses Leben sicher sei. Die Russen lassen sich auch überreden und ergeben sich dem einzelnen Manne. In der Dunkelheit gelingt es nun S v i st a k, sich durch die russischen Linien durchzuschleichen und den Anschluß an sein eigenes Regiment zu finden, wo er die fünf feindlichen Infanteristen als Gefangene abliefert. Von dort eilt er dann weiter und findet auch nach kurzer Zeit seine eigene Kompagnie. (Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse.) Silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse erhielten ferner: Fähnr. d. R. Leopold Reich, Landw.-Jnf.-Reg. 31; Unlerft'ger (Lamuel Kovacs, Fcl> jägerbatt. 29; Infanterist Josef Oberländer, Jns.- Reg. Nr. 32; Infanterist Max S o m, Jnf.-Reg. Nr. 69; Fähnrich Eugen Eisler, Sektionsleiter des jüd. Sportklubs „Hakoah" in Wien; Einj.-Freim.-iKorporal Julius Gerstl, Führer im jüd. Wanderbund „Blau-Weiß" in Wien, auf eigenes Verlangen der Marschkompagnie zugeteilt; Kadett d. R. Alexander Kremenezky, Alter- Herr der Verbindung „Makkabäer" in Wien. Silberne Tapferkeitsmedaille zweiter K lasse: Feldwebel Moriz Ktßler, Gefreiter Moriz Ehrenwald, beide vom Jnf.-Reg. Nr. 32; Infanterist Leopold Weinberger und Infanterist Geza Sonnenfeld, Jnf.-Reg. Nr. 86; Tit.-Korporal Bernhard Weißberg, Jnf.-Reg. Nr. 58; Infanterist Markus Rieder, Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 2; Infanterist Adolf Rosner, Landst.-Jnf.Reg. Nr. 15; Wachtmeister Lippe Gold, Landes-Gend.-^Kommando Nr. 5; Infanterist Josef Popper und Infanterist Samuel Kukurutz, beche vom Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 16; Korporal Isidor Tofe^l, Landw.-Jnfanterieregiment Nr. 31; Infanterist Ernst Lichtenftern, Landsturmmarschbataillon Nr. 2; Korporal Moses Wein stock, Landw.-Feld-Haub.-Division Nr. 45.

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