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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-05 · 6 (5.2.1915) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 100 Dr. Wach« Leiden dieses Messiasvolkes hört, und das Hirn des Beobachters durchschwirrt eine Art Glaube, daß dieses Volk tatsächlich an einer Auserkorenheit teil hat, welche einer Quelle entstammt, die jenseits unserer Sinne liegt. Natürlich ist das bloß eine rasch dahinschwindende Stimme und der vom Werglauben freie Denker erblickt bloß eine furchtbare, bizarre Laune der Weltgeschichte darin, daß Zwischen mächtigen, kraftvollen Staaten ein Weltkrieg ausbricht, und das Volk, welches darunter am meisten zu leiden hat, gerade „ausgesucht" die jüdische Nation ist. In den Armeen dreier Staaten dienen ihre Mitglieder und sind gezwungen, chre Glaubens- und Stammesbrüder zu morden. Das ist eine Pein, welche zum Beispiel der ungarische, französische oder englische Soldat nicht empfindet. Und dabei zerstört der Krieg wieder, ähnlich dem Schicksal der Polen, auch ihr Heim. Jede niedergebrannte polnische Stadt ist gleichzeitig eine Wunde an dem Körper der jüdischen Nation. Ja, in gewissem Sinne leidet der Jude noch vielmehr als der Pole. Der letztere ist nämlich zumeist Grundbesitzer, Eigentümer mächtiger Latifundien oder > ein kleiner Bauer. Wenn er demnach sogar seine wirtschaftlichen Gebäude, seine Maschinen, sein Vieh und seine Werkzeuge verliert, der Boden, der Grund und Hauptbestandteil des Vermögens, bleibt ihm und wird nach Abschluß dieses schrecklichen Ackerns dennoch wieder zu einer produktiven Bodenfläche gestaltet werden können. Das Judentum hingegen ist ein Bürgervolk. Es besteht aus freie Berufe ausübenden Advokaten, Aerzten oder Kaufleuten, hauptsächlich aber aus armseligen vermittelnden Kaufleuten, bedauernswerten, von heute auf morgen lebenden, gewissermaßen aushelfenden Kleingewerbetreibenden. Es ist also ein Volk, dem der Kriegssturm alles aus der Hand reißt. Die Klientel, den Kundenkreis, feine in den Lagern angehäuften Waren, feinen jämmerlichen Laden mit all dem Krüns-Krams, feine schmutzige kleine Verkaufsbude, seine trödlermäßige Wohnungseinrichtung, kurzum der Krieg zerstreut seine ganze Habe. Dem polnischen Bauern bleibt wenigstens, wenn der Krieg vorübergezogen ist, fein kahler Boden. Der polnische Jude hingegen ist in der Blutsintflut zu einem seiner ganzen Habe beraubten lebendigen Wrack geworden, und die meisten feiner Schicksalsgenossen sind auf solche Weise auf den nicht übermäßig freundlichen Boden des Nachbarlandes getrieben worden. Die Leiden des Judentums in diesem Kriege müßten mit den erschütterndsten Farben des Alten Testamentes geschildert petben. Ich will jedoch fetzt, da die Trägödie noch im Zuge ist, an die ausführliche Lösung dieser Aufgabe nicht herantreten. Ich begnüge mich bloß damü, auch diesen Gedanken in das Bewußtsein der Kulturmenschheü projiziert zu haben: Nach dem Kriege wird man die Sehnsucht der großen Massen des Judentums nach irgendeiner gesicherten Heimstätte erfüllen müssen. Ich habe in diesem Blatte schon die Hoffnung angedeutet, welche von der nach dem Kriege sich verjüngenden Türkei die Erfüllung des alten Planes des Zionismus, die Schaffung des palästinensischen Judenlandes' erwartet. Jetzt möchte ich es nur wiederholen, daß dieses Volk durch die Leiden dieses Weltkrieges eine solche Erfüllung chrer Jahrtausende alten Sehnsucht sich ganz besonders verdient hat." jSoweit Herr Zoltan Szasz. Bei aller Anerkennung der wohlwollenden Gesinnung dieses Schriftstellers, wären wir chm ungleich dankbarer, wenn er seine Stimme erheben möchte zugunsten hiner humaneren Behandlung dieser jüdischen Kriegsmärtyrer «in den ungarischen Landstädten. Mochenfchrkft Nr. 6 iPom Jahrmarkt des Lebens. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militär- Verdienstkreuzes für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Stabsarzt Dr. Markus Loew, Jnf.-Reg. Nr. 71; den Regimentsärzten Dr. Emil Zuckerkandel und Dr. Arnold Grünberg, beide vom Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 13; das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem Leutnant d. R. Mfred Krauß, Jnf.-Reg. Nr. 22; das Signum iaudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (Allerhöchste belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Leutnants d. R. Victor Pollak, Landw.- Ulanenreg. Nr. 2; Paul Heller, Landw.-Ulanenreg. Nr. 1; Alexander Blitz, Jnf.-Reg. Nr. 86; Adolf Schlesinger, Train-Div. Nr. 5; Markus Hellmann vom Honved-Jnf.-Reg. Nr. 26; dem Oberleutnant i. E. Saul Feuerstein, Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 20; ferner für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Regimentsärzt Dr. Markus Kimmelmann 'vom Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 22; dem Landst.-Oberarzt Dr. Osias Sprecher, Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 20; das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille für aufopferungsvolle und vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Assistenzarzt Dr. Isidor B l o ch, Jnf.-San.-Anstalt Nr. 31; dem Leutnant-Rechnungsführer Richard Goldmann, Landwehr-Ulanenreg. Nr. 2; das silberne Verdienstkreuz mit der Kriegsdekoration am Bande der Tapferkeitsmedaille für hervorragend pflichttreues Verhalten vor dem Feinde dem Feldwebel Lazar Gottesfeld, Jnf.-Reg. Nr. 86. Das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone anr Bande der Tapferkeitsmedaille für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Assistenzarzt Dr. David E g y e d i im Jnf.-Reg. Nr. 70. Derselbe Ist der Sohn des gew. Oberkantors Herrn Benö Klein aus Großwardein. Hauptmann Zosef Kellner. Der Hauptmann des Brünner Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 14 Josef Kellne r wurde mit dem Militär-Verdienstkreuze ausgezeichnet. Kellner ist ein hervorragend schneidiger Offizier. Are Heldentat eines Wiener jüdischen Studenten. Wie der „Unite" Paul Weinstein die goldene Tapferkritsmedaille je rwar b>. Fähnrich Paul Weinstein ist in Olmütz geboren, Hörer der Technischen Hochschule in Wien und gehört als Mitglied der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" an. Bei Ausbruch des Krieges rückte er zum Feldianonenregiment Nr. 23 ein und hatte bald Gelegenheit, sich auf dem südlichen Kriegsschauplatz auszuzeichnen. Was er geleistet hat, geht aus einem Be- Bericht hervor, den einer seiner Kameraden in einem Feldpostbrief mitteilt. Dieser schreibt: „Am 17. September wurde die Brücke über die Save geschlagen und der Uebergang forciert. Die Serben setzten sich mit Mut und Erbitterung zur Wehr. Unsere Truppen gewannen bis zum 20. ein wenig Raum, waren aber in der versumpften, von vielen Wasserarmen durchzogenen Macva fortwährend in Gefahr, ins Wasser zu-

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