Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 102 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 6 Dir silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Masse erhielt Korporal Stank vom 10. Jnf.-Reg. Wegen seiner besonderen Verwendbarkeit und Tapferkeit behielt ihn Oberstleutnant Bataillonskommandant Svonaz stets an feiner Leite und als Lvonaz Kommandant einer Pioniertruppe wurde, setzte er auch die Transferierung des Korporals Stank Zu seiner Truppe durch. Die silberne Tapferkeitsmedaille erhielt auch der Beamte der Böhm. Unionbank in Prag, Richard L t u tz, Reservefähnrich im Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 26. - Belobende Anerkennung des Armeeo b e r k o m m a n d o s wurde zuteil: Fähnr. d. R. Richard Heller, Jnf.-Reg': Nr. 64; Fähnrich d. R. Markus Kalma r, Marsch-Reg. Nr. 51; Rechnungsunteroffizier Ligmund R c i m, ung. Landst.-Etappcnbataillon II 6. Sitöerne Khrenmedaiü'e mit der Kriegsdekoration für Schwester Kräutern Wota Meumann. Herr Redakteur! Es dürfte Ihre Leser interessieren, daß das lt. „Wiener Zeitung" mit der silbernen Ehrenmedaille mit der K r i e g s d e k o r a t i o n ausgezeichnete Fräulein Viola Neumann eine Tochter des Herrn Samuel Neu m a n n, kais. Rat und Direktor des k. k. priv. öfterr. Kreditinstitutes für Verkehrsunternehtnungen, ist. Fräulein Reumann, Schwester des Roten Kreuzes, ist schwer erkrankt in Ziwiescz, nördlicher Kriegsschauplatz. x. Die Mutter und iyre fieöen Söhne. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die in Pronrontor wohnhafte Witwe Rosa I r i tz hat alle ihre sieben Söhne in diesen Weltkrieg geschickt. Der älteste, Ingenieur- Max I r i tz, ist als Oberleutnant im 6. Festungsartillerieregiment am 14. Dezember auf dem nördlichen Kriegsschauplatz gefallen. Er stand im 41. Lebensjahre. Zwei andere im Alter von 39 und 28 Jahren haben schwere Verletzungen erlitten. Der jüngste ist 23 Jahre alt und wird jetzt abgerichtet. Die übrigen befinden sich seit Kriegsausbruch im Felde und haben schon an mehreren großen Gefechten teilgenommen. ßin Krav am Wegrande. ~ Ein Soldat des fünfteil Telegraphenkorps, Zoltan Rosen selb, schreibt dem „Egyenlösseg" unter dem 8. Januar 1915: „Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu Lenken, daß auf russischem Boden, zwischen Olkusz und Wolbrom, am Rande der Landstraße ein Grabhügel sich befindet, darüber ein Holzkreuz, auf welchem zu lesen steht: Julius Pollak, 26. Infanterieregiment, 11./IX., Erszekujvar, und dann mit hebräischen Buchstaben Jehudo Pollak. Es ist möglich, daß derjenige, der den hebräischen Namen aufschrieb, dadurch darauf aufmerksam machen wollte, daß unter dem Grabhügel ein jüdischer Held liegt, denn aus dem Namen Pollak würde vielleicht auch der russische Jude nicht mit Sicherheit erschen, daß das Grab einen Juden birgt. Ich bitte die geehrte Redaktion, in Ihrem Blatte die Angehörigen des verewigten Julius Pollak aufmerksam zu machen, daß sie dafür Sorge tragen mögen, daß rhr geliebter Tote ein würdiges Grabmal erhalte." Vor dem Kemde gefallen. Auf dem nördlichen Kriegsschauplätze ist Ingenieur Walter Friedrich Kornfeld, Oberleutnant im Landw.- Ulanenregiment Nr. 6, gefallen. Vom Kommandanten des Regiments ist nun an den Vater des gefallenen Offiziers folgendes Schreiben gelangt: „Im Felde, den 17. Januar 1915. Euer Hochwohlgeboren! Aus der Zeitung erfuhren wir die traurige Nachricht voit dent Ableben Ihres bedauernswerten Sohnes, den ivir leicht verwundet in russischer Gefangenschaft wähnten. Um so schmerzlicher überrascht uns daher die Todesanzeige, den:: das Regiment verliert in ihm nicht nur einen vorzüglichen, schneidigen Offizier, sondern auch einen sehr liebwerten Kameraden, der es verstanden hat, sich in kürzester Zeit die Sympathien des ganzen Offizierskorps und der Mannschaft seiner Eskadron zu erwerben. Wollen Euer Hochwohlgeboren das tiefempfundene Beileid des Offizierkorps zu dem Sie getroffenen schweren Verluste und den Trost entgegennehmen, daß Ihr Sohn in treuer Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes gefallen ist." Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz ist der Einjährig-Freiwillige Josef Hecht, Sohn des Herrn Adolf Hecht in tBeraun, in der Sylvesternacht gefallen. ' Auf dent nördlichen Kriegsschauplätze fiel der Fähnrich des 29. Landw.-Jnf.-Reg. Ingenieur Oswald Neu mann. Er war in seinem Fache sehr tüchtig. Ein ausgezeichneter Sportsmann, spielte er in den ersten Mannschaften der hervorragendsten österreichischen und deutschen Fußballklubs. Sein sympathisches Wesen gewann ihm überall Freunde. Den Kel'derrtod auf dem Schlachtfelds fand Korporal Greif vom 10. Jnf.-Reg. Trotz einer schweren Armverwundung ging er nicht auf den Verbandplatz, sondern ist zum Sturm gerannt, wobei erden Heldentod fand. Wie ein Jude einen katholischen Jeldkaplan rettete. In einem Kriegsbericht von Roda Roda in der „Neuen Freien Presse" heißt es: „Der Feldkaplan einer ungarischen Honveddivision, ein kränklicher Herr, fuhr im Wagen dem vorrückenden Heereskörper nach, als es an der Tele zu einem stürmischen Zusammenstöße kam. Die Division war aus überlegene feindliche Kräfte gestoßen. Der Kommandant hatte wohl die Stärke der Russen unterschätzt, denn die Division wurde überrannt und floh. Der Kutscher des Kaplans tat anfangs alles, um seinen Herrn zu retten. Als er aber die Husaren zurückfluten sah, sprang er vom Bock, spannte die Pferde aus und raste davon. Dem geistlichen Herrn blieb nichts übrig, als ins nächste Dorf zu lausen. Er kam atemlos ini ersten Haus an und knapp hinter ihm ein Rudel von johlenden, wütenden Kosaken. „Um Gottes willen, verbergt mich!" Das war das einzige, was der Kaplan noch hervorbrachte. Der Hausherr, ein Jude, führte, nein, warf den Kaplan auf das Bett eines Knechtes, das im Hausflur stand, und verrammelte das Versteck rasch mit Kartosselsäcken. Eine Sekunde später waren die Kosaken da - und schrien nach Geld und Schnaps, Sie bekamen beides. Die ganze Nacht hörte der geistliche Herr in seinem Verstecke das Zechen, Fluchen und Schießen der wilden Gesellen. Sie plünderten das Dorf. Am Morgen waren sie abgezogen. Der Jude räumte die Säcke weg. Der Kaplan kroch hervor. Nun erst erfuhr der Jude, wen er beherbergt hatte; er hatte den Kaplan bisher der schwarzen Kappe mit den Goldschnüren nach für einen Offizier gehalten. Da es galt, einen Geistlichen zu retten, war der fromme Jude doppelt eifrig am Werte. Man ersann folgenden Plan: Die Reverenda und die verräterische Kappe werden vergraben, der Gast zieht Kleider des Hausherrn an (der Kaplan den langen Kaftan), und beide Männer suchen auf einem Bauernwägelchen die nächste österreichische Abteilung zu erreichen. So geschah es auch. Als der Kaplan glücklich bei der Nachrichtenpatrouille feiner Division angelangt war, da zog der Jude einen Sack hervor und übergab ihn dem geistlichen Herrn. Der Sack enthielt Kappe und Reverenda. Der Jude hatte sie nicht vergraben, sondern mitgenommen. Dem geistlichen Herrn hatte er nichts davon gesagt, „damit der Herr sich nicht fürchte". „Ich kenne die Namen aller Beteiligten" — mit diesen Worten schließt der Kriegsberichterstatter der „Neuen Freien Presse" seinen Bericht.