Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 98 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 6 nach der vorangefchickten reitenden Anschauung, wie er es mir sehr oft wärmstens dankend zugestanden, am nächsten gekommen — nach Hiobs hiefür so bedeutsamem Worte (35, 11): „Vom Vogel des Himmels kommt uns belehrende Kunde." Blicharski, dessen neuem, verbessertem Flugmodell in her ,„N. Fr. Pr." und im.„Fremdenblatt" vom 88. Juli 1912 überaus günstige, verheißungsreiche Besprechungen gewidmet wurden, hat am 26. Juli in einer an mich gerichteten, timt den entsprechenden Zeichnungen versehenen Beschreibung seines Apparates als dessen motorisches Prinzip die alternierende Flügelbewegung in Nachahmung der seltsamen Ta üben flu gart in der oben reproduzierten Nummer der „N. Fr. Pr." vom 31. Oktober 1883 dargestellt. Bis vor Beginn des Krieges habe ich Herrn Blicharski erwünschte und auch benützte Ratschläge über Tierflug und Schwimmbewegungen erteilt. Vor einigen Monaten hat der „Oesterr. Luftflottenverein" einen Aufruf ergehen lassen, der hier im Auszuge folgt: „Wiederholt wurde bereits die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit durch Mitteilungen in den Tagesblättern, Fachzeitschriften, dann durch Vorträge und Vorführungen, nicht zuletzt aber durchs die Zuerkennung eines Preises bei der Internationalen Flugmodellkonkurrenz anläßlich der „Jfa" auf die epochemachende Erfindung des k. u. k. Kaiserjägeroberleutnants Franz Blicharski gelenkt.!Dem Oberleutnant Blicharski ist es gelungen, eine neue vollkommene Lösung des Flugproblems durch genaues Studium des Vogelfluges zu finden, die von Fachleuten unumwunden als vollendet bezeichnet wird und geeignet ist, auf dem Gebiete des Flugwesens eine förmliche Umwälzung hervorzurusen. In Würdigung dessen hat auch das k. u. k. Kriegsministerium für die Durchführung bezw. Ausgestaltung dieses Schwingenfliegerprojektes eine Subvention von 5000 Kronen gewährt. Gleichwie Oesterreich durch den Altmeister Kreß an die Spitze der „Aviatik als Wissenschaft" gestellt wurde, soll es nunmehr Oesterreichs redlichstes Bestreben sein, auch der endgiltig praktischen Lösung des Flugproblems zum Siege zu verhelfen. Nur der Opferfreudigkeit seines Volkes verdankt Deutschland seinen „Zeppelin" und die führende Rolle auf dem Gebiete des Lenkballons; wir aber sollen es uns zur Pflicht machen, die vollkommenste Flugmaschine zu schaffen." Der entsetzliche Kriegslärm hat gleichwohl verläßliche Nachrichten für Blicharskis konstruktive Flugarbeiten übertäubt und auch noch in Geheimnis gehüllt, ob die Herstellung der so sehr gefürchteten deutschen „Tauben" sich nicht das besprochene Flugprinzip irgendwie zunutze machte. Blicharskis Apparat, „das Luftfahrzeug der Zukunft", ist nicht mit der E t r i ch s ch e n Taube, einem schwingenlosen Monoplane, was auch dafür gesägt und geschrieben wird, zu verwechseln. Brünn, 22. Januar 1915. Dr. B. P l a c z e k. Der Zwischenhandel im Kriege. In ruhigen Zeiten, wo statt des Kanonendonners das Geräusch der Dampßnotore überall vernehmbar ist, nimmt das moderne wirtschaftliche Leben eine Entwicklung, die geeignet ist, den Zwischenhandel fast vollends auszuschalten. Die Produzenten bilden Kartellorganisationen, um sich jeder unbequemen Konkurrenz zu entledigen und dann noch zu dem Zweck, um den Vermittler ihres Produktes an den Konsumenten an eine sehr schmale Kost zu gewöhuen. Die Spezialisierung im Handel einzelner Artikel, besonders in den Großstädten, beschränkt ebenfalls den Zwischenhandel. Außer diesen, durch die Entwicklung sich naturgemäß ergebenden Gründen, die, trotzdem dem Konsumenten nicht immer zum Vorteile gereichen, sind es in manchen Staaten die autonomen Behörden (wie z. B. bei uns), die in Gewerbeftagcn das entscheidende Wort sprechen. Diese Behörden haben ebenfalls ein scharfes Auge auf den Zwischenhandel gerichtet. Aber alles was autonom heißt, ist politisch und nur vom Gesichtspunkte politischer Parteiinteressen, und nicht von dem der konsumierenden Bevölkerung wird diese Frage dann behandelt. Ob aber der Zwischenhandel gar so schädlich ist, diese Frage kann gerade jetzt im Zeichen des Krieges leichter beantwortet werden. Der moderne Krieg, geführt von Staaten, in denen meist die allgemeine Wehrpflicht gilt, wo fast alle in bester Schaffenskraft stehenden Männer zur Fahne gerufen worden sind und schon dadurch an ein normales Funktionieren des wirtschaftlichen Lebens nicht gedacht werden kann, hat noch zur Folge, daß die Kriegführenden einander auch wirtschaftlich und ökonomisch bi§ auf das Blut bekämpfen. Nicht bloß die Heeresausrüstung will ein Staat dem anderen unmöglich machen, das Bestreben geht dahin, auch die Zivilbevölkerung des feindlichen Sraates dem Hunger preiszugeben. In diesen schweren Zeiten sind gerade diejenigen dein Staate am meisten nützlich, die in kleinem Maßstabe, jeder nach seinen materiellen Kräften, Produkte ans Gegenden, wo sie im Ueberflusse sind, herbeischaffen, um sie wiederum dort zu verwenden, wo man ihrer am dringendsten benötigt. Auch in normalen Zeiten hat der Handel keine andere Aufgabe, aber da wickelt sich alles eben normal ab. Die Beschaffung des Rohproduktes, die Erzeugung des Fabrikates, der Verkauf und der Transport desselben, alles geht glatt vor sich; im Kriege hingegen sind all die Dinge nur durch Ueberwindung der größten Schwierigkeiten durchführbar. Der Produzent bedarf hier der Mittelsperson, ebenso der Fabrikant, und sogar die Dampflokomotive kann die Waren jetzt ohne eine solche nicht befördern. Eisenbahnen nehmen Güter hauptsächlich nur auf die Gefahr des Absenders auf. Dieser Gefahr entzieht sich nur derjenige, der keine großen Quantitäten zur Versendung bringt, die er überdies während des Transportes selber überwacht. Unter diesen Umständen können Großbetriebe nicht gut funktionieren, der Zwischenhändler, der von Natur aus an eine mühseligere Existenz gewöhnt ist, vollbringt all dies viel leichter. In Wien, wo gegenwärtig außer für Armeezwecke (denn als Reichshauptstadt ist Wien auch die Hauptausrüstungsstation), noch für ungefähr zweieinhalb Millionen Menschen zu sorgen ist, kann der Zwischenhandel aus den geschilderten Gründen nur wohltuend wirken. Wenn sich an diesem außer der autochtonen Bevölkerung auch die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina zum sehr geringen Teile beteiligen, so ist der Vorteil, den die Stadt aus demselben zieht, ein größerer als der ihrige. Welche Flüchtlinge sind es übrigens, die sich an dem Handel beteiligen und welche Art des Handels betreiben sie? Chefs langjähriger Firmen, die im Schweiße ihres Angesichtes sich in ihrem Heimatslande etwas erworben haben, dem Gesamtstaate ihre Steuern zahlten und gegenwärtig durch ihre Kinder die Blutssteuer auf dem Schlachtfelde entrichten, suchen jeder in seiner Branche in diesen abnormalen Zeiten, die auch ein normales Geschäftsleben nicht gestatten, unter den schwierigsten Verhältnissen ein paar Groschen zu verdienen, damit sie nicht dem Staate oder der privaten Wohltätigkeit anheimfallen. Dieses ihr Treiben wird ihnen hier in Wien nach zweifacher Richtung mißgönnt. Von der einen Seite wird darüber Klage geführt, daß sie die Waren den Verhältnissen nicht entsprechend und mit Rücksicht auf ihre geringen Bedürfnisse zu billig verkaufen und dadurch den hiesigen stabilen Kaufmann schädigen. Von der zweiten Seite, und zu dieser gehört die Repräsentanz der Gemeinde Wien, haben wir erst jüngst aus dem Munde des Bürgermeisters, nicht etwa im Gemeinderats- oder in: Stadtratssitzungssaale, sondern in einer Wählerversammlung auf dem Alsergrund vernehmen können, daß die Galizianer die Waren in Wien verteuern. .Weder die eine noch die andere