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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-29 · 5 (29.1.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
5 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Saite 9ö wirkt ansteckend, niemals die Gesundheit. Wie sehr der geistvolle Publizist mit seinen Aussührungen das Richtige getroffen hat, zeigen nachstehende Meldungen aus London. Eine Kürmische Sitzung des Board of Depuiies in London. Ans Kopenhagen wird uns geschrieben: Die letzte Sitzung des „Jewifh Board of Deputies", jener Zentralstelle, welche die englische Judenschaft vor der Regierung vertritt, verlief, wie aus London berichtet wird, sehr stürmisch. Die Zentralleitung schlug nämlich der Delegiertenversammlung vor, daß die Diskussion über die Judenfrage und über die Mittel, den gegenwärtig in „manchen" Ländern bedrückten Juden zu helfen, mit Ausschluß der Öffentlichkeit durchgeführt werden soll- Ebenso beantragte die Zentralleitung, Heuer von einer Plenarversammlung abzusehen, da in der gegenwärtigen Zeit die Judenfrage in Rußland nicht behandelt werden könne, „ohne den Zar zu verletzen, welcher jetzt der Freund und Helfer Englands ist". Diese Vorschläge begegneten bei dem größten Teil der Anwesenden heftigen Widersprüchen und die lange stürmische Debatte endete mit der Ablehnung des Antrages der Zentralleitung und mit der Annahme des Gegenvorschlages, daß die Jahresversammlung auch Heuer wie alljährlich stattzufinden habe. Man ist in London darauf gefaßt, daß die Regierung die Abhaltung der Jahresversammlung, falls eine Debatte über Rußland nicht ausgefchaltet werden sollte, untersagen wird. In derselben Sitzung wurde auch Klage darüber geführt, daß in der letzten Zeit Juden zu öffentlichen Stellungen nicht zugelassen werden, und daß gerade vor einigen Taaen sieben Schutzleute, welche als Ersatz für eingerückte Wachmänner aufgenommen wurden, entlassen worden sind, weit sie Juden sind. Korrespondenzen. Narciffe Leven. Wir erhalten folgende Mitteilung: Auf Umwegen wird uns die überaus traurige Nachricht, daß in dieser schicksalsschweren Zeit auch die „Alliance" ein harter Schlag getroffen hat. Unser hochverehrter, ehrwürdiger und langjähriger Präsident Herr Narcisse Leven ist am 7. Januar d. I. im 82. Jahre seines gesegneten Lebens von uns gegangen. Nicht nur die, die das Glück hatten, im persönlichen oder schriftlichen Verkehr mit ihm für das Gedeihen des Alliancewerkes, das sein Lebenswerk war, zu wirken, werden die ganze Schwere dieses Verlustes ermessen, sondern weit und breit, innerhalb und auch außerhalb der Alliance, in der der Verewigte ein Menschenalter hindurch den belebenden Mittelpunkt für alle Werke der Barmherzigkeit bildete, wird das Hinscheiden dieses großen Juden tiefempfundene Mittrauer erwecken. Ehre seinem Gedenken. Berlin, Grolmanstr. 48, im Januar 1915. Freie Organisation der A l l i a n c e I s r a e l i t e U n i v e r f e l l e. Der Vorsitzende: Dr. I. Ginsberg. Jüdisches Kriegsarchiv. Unsere Leser werden im Sinne des in voriger Nummer veröffentlichten Aufrufs des Jüdischen Kriegsarchivs dringendst gebeten, alle von jüdischem Gesichtspunkte wichtigen Tatsachen, die sie aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges bisher erfahren haben und weiter erfahren werden, unverzüglich dem Jüdischen Kriegsarchiv mitzuteilen. Säume niemand, diese wichtige Pflicht zu erfilllen. Bedenke jeder, daß die Feinde unseres Volkes sich rüsten, um die klarett Tatsachen, die für uns sprechen^ zu unseren Ungunsten zu verdrehen, und hiemit unsren gerechten Ansprüchen auf vollkommene volkliche Geltung im Staate und in der Völkerwelt entgegenzutreten! Sollen wir sie rüsten lassen, ohne unser Gegenrüsten ernstlich in Angriff zu nehmen und durchzuführen, d. h. _ ohne für immerwährende Zeiten und als unleugbar feftzuftellen, was im jüdischen Interesse festgestellt werden muß? Noch einmal: Es gilt die Ehre und das Heil unserer Gemeinschaft! Und keiner darf fehlen, der etwas weiß und zu sagen hat. Die Mitteilungen sind an das Jüdische Kriegsarchiv, Wien, II., Z i r ku s g a sse 33, einzusenden. Kriegsgelübde zugunsten des Jüdischen Nationalsonds. Die österreichische Leitung des „Jüd. Nationalfonds" ersucht um Aufnahme folgender Zuschrift: Gesinnungsgenosse Jakob Bodek aus Lemberg, feit langen Jahren ein verdienstvoller Vertrauensmann des Jüdischen Nationalfonds, hat dessen Direktorium eine so treffliche Anregung unterbreitet, daß wir es für recht und billig finden, sie im Wortlaute wiederzugeben. Löbliches Direktorium! Als eines der Mitglieder der augenblicklich in ihrer Tätigkeit unterbundenen galizischen Sammelstelle, erlaube ich mit dem Direktorium nachstehende, von vielen Gesinnungsgenossen sehr ernst genommene Anregung zu unterbreiten. Infolge der kriegerischen Ereignisse sind die meisten gemeinnützigen Institutionen, insofern sie nicht mit der Pflege der Verwundeten oder mit der Linderung des Flüchtlingselends unmittelbar Zusammenhängen, in zweite Linie gerückt und in ihren Einkünften sehr empfindlich geschmälert worden. Ein solches Leidenskind ist auch der Jüdische Nationalstnds, dem nur ein winziger Bruchteil der bisherigen Spenden zuflietzt, was ja auch einigermaßen darin feine Ursache findet, daß das Gros unserer opferwilligsten Gesinnungsgenossen in den meisten vom Kriege direkt oder indirekt betroffenen Ländern (vor allem in Russisch-Polen, Galizien und der Bukowina) arge finanzielle Verluste erlitten hak Es heißt nun, die verschiedensten Mittel und Wege suchen, um dem Nationalfonds andere Geidzuflüsse zu sichern, oder dieselben für die Zeit nach Abschluß des Friedens vorzubereiten. Nun ließe sich folgendes leicht durchführen. Tausende unserer Gesinnungsgenossen, hunderttausende Juden stehen unter den Waffen. Es soll nun ein entsprechender Ausruf in möglichst vielen jüdischen, vor allem in den zionistischen Blättern veröffentlicht werden, in welchem die Angehörigen der im Felde stehenden Zionisten, wie auch alle übrigen Juden ausgesordert werden, ein Gelöbnis abzulegen, im Falle der glücklichen Wiederkehr ihres Angehörigen einen gewissen Betrag dem Nationalfonds zu widmen. Die Sache muß nach meiner und der Ansicht vieler anderer zünden und kann dem Nationalsonds viel Geld zuführen. Die betreffenden müßten in jedem Lande bei einer genau zu bestimmenden Zentralstelle entsprechende schriftliche Verpflichtungen hinterlegen. Ich selbst habe mir gleich bei Beginn des Krieges gelobt» im Falle der glücklichen Wiederkehr meines Bruders, der als aktiver Hauptmann der österreichisch-ungarischen Armee angehört und dabei ein treuer Jude ist, den Betrag von Kr. 50.— (ein Dunam in Palästina) zu spenden. Die bei den Sammelstellen einlausenden Erklärungen müßten der Propaganda wegen allwöchentlich publiziert werden. ' . Indem ich diese Anregung Ihrer wohlmeinenden Erwägung empfehle, verbleibe ich mit Zionsgrutz ergebenst gez. Jakob Bodek. Die gefertigte Landessammelftelle nimmt in Uebereinstimmung mit dem Nationalfonds-Direktorium diese Anregung mit Freuden auf und macht sie zur ihrigen. Jeder Zionist, jeder Jude möge den Appell hören und sein Gelöbnis an uns als den „Verein Keren Käjemeth Lejisroel" in Wien, II., Zirkusgaffe 33, rekommandiert übersenden. Die Landesfammelüellc Oesterreich des INF.

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