Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Veite 54- Dr. Bloch's Wochenschrift 'Jtr. 5 Ernennung zu Iekdravbinern. Seine Majestät der Kaiser har zu Feldrabbineru i. d. Res. ernannt den isr. Seelsorger Ignaz Zafir, den RabbinaMandidaten David Schreiber und den Rabbiner Oskar Karpeles (letzteren bei der 46. Landwehr-Infanteriedivision). Deutsche Aivilverrvaktung in -Hluffisch-Uoten. Der Landtagsabgeordnete für Bromberg, Geheimrat Aronsohn, Präsident der Handelskammer in Bromberg, wurde als finanztechnischer Beirat in die Zivilverwaltung für Russisch-Polen einberufen. An den Aeöetriemen aufgehängt. Wie dem Newyorker „Vorwärts" von einem Augenzeugen berichtet wird, haben die Russen in Zikow der: 72jährigen Mendel Schiffmann, dessen 48jährigen Sohn Herschel, den 59jährigen Leser Perlmutter, dessen Eidam und den 70jährigen Josef End wegen Bewirtung der österreichisch-ungarischen Soldaten an Gebetriemen aufgehängt. Jüdischer Offizier im russischen Keer. Der jüdische Freiwillige M. Katz aus Wilna ist wegen einer Reihe außerordentlicher Taten, wie Rettung seines Kommandanten und der Fahne, Flucht aus deutscher Gefangenschaft re., mit zwei Orden und dem Offiziersrang belohnt worden, so erzählt wenigstens das jüdische Tagblatt „Moment" in Warschau. Verbot einer Hilfsaktion. In Petersburg wurde ein Komitee zur Unterstützung der jüdischen flüchtigen Bevölkerung gegründet. Die Aktion wurde von der Behörde verboten und mehrere Mitglieder verhaftet. Aussische Bestialitäten in Kalizien. Wie durch amtliche Erhebungen sichergestellt ist, haben die Russen nach der Besetzung von Galizischi- Dolhopole den dortigen Insassen Abraham Kahan erschossen und den Insassen Osias Pötzel an zwei zusammengewachsenen Fichten gekreuzigt. Bor dem Gemarterten unterhielten sie durch drei Tage, bis der Unglückliche starb, eine Wache. Die krank zu Bette liegende Liwsche Stern wurde buchstäblich abgeschlachtet, chr Mann, Mer Stern, niedergeschossen und das Anwesen beider verbrannt. In Dichtenitz verbrannten die Russen 42, darunter alle jüdischen Häuser, das Bethaus, die Volksschule, das Gemeindehaus und die Leichenhalle. Die Insassen der zerstörten Wohnhäuser wurden fast nackt aus den Häusern gejagt. Are Jüdenhetze der Wiener „Weichspost". Schweizer Blätter melden: Oefterreichifche Juden in Bern haben sich beim dortigen Gesandten über die antisemitische Hetzarbeit der „Reichspost" durch Uebergabe eines Memorandums, das an die österreichische Regierung weitergeleitet werden soll, beschwert. Aer jüdische Dichter als Kausknecht. Samuel Frug, der einer der ersten jüdischen Lyriker russischer Zunge ist und in jeder russischen Literaturgeschichte Mit Ehren genannt wird, kann sich in Petersburg nur als Diener eines jüdischen Millionärs aufhalten, der ihn in die Liste seines Hausgesindes ausgenommen hat. Mm: macht darüber in Petersburg die „witzige" Bemerkung: „Unser heiliges Rußland ist der zivilisierteste Staat von der Welt. Gibt es ein zweites Land, wo unter den Lakaien sich einer der ersten Dichter der Gegenwart befindet?" Hermann Wernstein an die Inden von Iran streich und England. In der englischen Wochenausgabe seines in New- York erscheinenden Tageblattes „Der Tag", in welchem jüngst auch der von der gesamten europäischen Presse reproduzierte Brief des deutschen Botschafters in Washington, Graf Bernsdorff, erschienen ist, richtet der bekannte Publizist Hermann Bernstein einen offenen Brief an die Juden von Frankreich und England (gewidmet Henri Bergson und Israel Z a n g w i l l). In diesem interessanten Appell beschäftigt sich Bernstein mit dem Vorschläge der Juden in England und Frankreich, die Hoffnung zu verbreiten, daß Rußland seinen Juden nach dem Kriege alle Freiheiten gewähren werde, und führt aus: „Mit anderen Worten: diese Juden glauben, daß es jetzt für die Juden der Welt diplomatisch ratsam wäre, Rußland den Rücken zu streicheln und voll Bewunderung auszurufen: „Er ist doch ein guter, menschlicher, hochherziger Bär!" Und damit wäre die Befreiung der russischen Juden gesichert. Sie würde wie durch einen Zauber eintreffen. f : „Diese Wortführer sind der Meinung, daß wir die Vergangenheit vergessen müßten, damit die Juden in Rußland eine Zukunft habet:. Sie sind der Meinung, daß wir all die Judenmassacres vergessen müssen, welche über Auftrag der russischen Regierung angezettelt und ausgeführt wurden. Daß wir vergessen sollen, daß die Proklamationen, durch welche der Pöbel zu Pogromen aufgereizt wurde, in den staatlichen Druckereien im Departement der Geheimpolizei in Petersburg hergestellt würden. Daß ferner von der Regierung die Signale zu den Massacres ausgegeben wurden, und daß die Gouverneure die Weisung erhielten, dem Ausdrucke der „russisch-nationalen Gefühle" in keiner Weise entgegenzutreten. Sie verlangen von uns, daß wir die teuflische judenfeindliche Kampfpolitik, die von Pobjedonosoff inauguriert und von seinen Schülern vervollkommnet wurde, vergessen mögen. Sie verlangen, daß wir endlich die stillen, unblutigen Pogrome übersehen, welche an Stelle der Massacres getreten sind, weil die letzteren die öffentliche Meinung außerhalb Rußlands erregt haben usw." Zum Schlüsse fordert Bernstein die Juden in England und Frankreich auf, wenn sie wirklich an das Märchen glauben, daß Rußland gewillt sei, den Juden nach dem Kriege Rechte zuzubilligen, ihren Einfluß doch dahin geltend zu machen, daß Rußland seine Pflicht schon jetzt erfülle. Die Juden in Rußland - ruft Sern ft ein aus- — werden hingeschlachtet für ein Vaterland, welches sie unterdrückt, verfolgt und massakriert in Zeiten des Krieges. 350.000 Juden, eine größere Armee, als die gesamte belgische Armee, kämpfen jetzt für Rußland, viele von ihnen zeichnen sich auf dem Schlachtfelde aus. Aber ihre Familien werden erbarmungslos verfolgt, von Ort zu Ort gejagt, sterben vor Hunger zusammengepfercht in dem Käfig, genannt jüdischer Ansiedlungsrayon. Neue Beschränkungen und neue Judenvertreibungen werden täglich in der russischen Presse gemeldet. Wenn es wahr ist, daß die russische Regierung aus diplomatischem Wege auch nur die leiseste Andeutung gemacht hat, daß die Absicht bestehe, die Lage der Juden zu verbessern, dann ist jetzt wohl die beste Zeit, ihre guten Absichten in die Tat umzusetze.n. Eine Bekehrung des Zarentums zu liberalen Tendenzen durch England und Frankreich hat sich in der Vergangenheit nirgends gezeigt; für die Zukunft ist eher das Gegenteil zu befürchten; denn nur die Krankheit